Die Alexander-von-Humboldt-Stiftung (AvH, in eigener Schreibung Alexander von Humboldt-Stiftung) ist eine gemeinnützige Stiftung der Bundesrepublik Deutschland zur Förderung der internationalen Zusammenarbeit in der Forschung. Sie fördert Wissenschaftskooperationen zwischen ausländischen und deutschen Forschern und unterstützt die sich daraus ergebenden wissenschaftlichen und kulturellen Verbindungen. Im Jahr 2015 umfasste der Haushalt Ausgaben von über 100 Millionen Euro. Im Jahre 2018 war die Alexander-von-Humboldt-Stiftung unter allen Stiftungen bürgerlichen Rechts in Deutschland diejenige mit den höchsten ausgewiesenen Zweckausgaben (113 Mio. Euro). mini|Hauptgeschäftsstelle der Stiftung (Luftaufnahme 2014)

Geschichte Die erste nach Alexander von Humboldt benannte Stiftung, die Alexander von Humboldt-Stiftung für Naturforschung und Reisen, wurde bald nach dem Tod des Naturforschers 1860 in Berlin gegründet. Die Initiative ging von Gustav Magnus aus, der auch die Finanzierung sicherstellte.August Wilhelm von Hofmann: Heinrich Gustav Magnus in: Allgemeine Deutsche Biographie, herausgegeben von der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, Band 20 (1884), S. 77–90 Als Schatzmeister wirkte Alexander Mendelssohn. Die Stiftung war der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin beigeordnet, unterstützte Forschungsreisen deutscher Wissenschaftler ins Ausland, verlor jedoch in der Inflation Anfang der 1920er Jahre ihr Kapital.

1925 wurde die Stiftung auf Betreiben des Auswärtigen Amtes neu gegründet und unterstützte fortan ausländische Wissenschaftler und Doktoranden während ihres Studiums in Deutschland. Ab 1931 war sie in den Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) eingebunden und seit 1941 Teil des neu gegründeten Deutschen Studienwerks für Ausländer. Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Reiches musste sie ihre Tätigkeit 1945 erneut einstellen.

Auch auf Anregung ehemaliger Humboldt-Gastwissenschaftler wurde die heutige Alexander-von-Humboldt-Stiftung am 10. Dezember 1953 von der Bundesrepublik Deutschland errichtet.Geschichte. Website der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Abgerufen am 22. Juli 2021. Seitdem hat die Stiftung über 28.000 Wissenschaftler aus rund 140 Ländern gefördert, darunter 55 Nobelpreisträger. Sie betreut die ausländischen, zumeist jungen Gastwissenschaftler aller Fachgebiete während ihrer Forschungsaufenthalte in Deutschland und wird dabei vom Auswärtigen Amt, dem Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt, dem Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung, der Europäischen Union sowie von weiteren nationalen und internationalen Partnern gefördert. Besonderes Augenmerk wird auf die Förderung von Kontakten zwischen ehemaligen Stipendiaten und den deutschen Wissenschaftlern gelegt. Durch die Arbeit der Stiftung entsteht ein aktives Netzwerk von Wissenschaftlern in der ganzen Welt.

Die Stiftung ist Mitglied in der Allianz der deutschen Wissenschaftsorganisationen, einem formlosen Zusammenschluss von deutschen Wissenschaftsorganisationen. Das Berliner Büro befindet sich im WissenschaftsForum Berlin.

Leitbild Die Stiftung verfügt über ein Leitbild, das jeweils im Jahresbericht der Stiftung veröffentlicht wird. Das Leitbild betont etwa, dass Personen und keine Projekte gefördert werden, es keine Quoten gibt, und die Stipendiaten und Preisträger ihre Forschungsthemen und Kooperationspartner frei wählen können. Es lautet in Auszügen:

Sitz Sitz der Stiftung ist Bonn-Bad Godesberg. Die Hauptgeschäftsstelle umfasst einen Gebäudekomplex aus einer denkmalgeschützten Villa von 1905 (Jean-Paul-Straße 12) und einem 1975–76 als Erweiterungsbau für die Stiftung errichteten Bürogebäude mit Büros, Repräsentationsraum und Wohnungen (Mirbachstraße 3–5). In Bad Godesberg ließ die Stiftung 1965/66 nach einem Entwurf von Erich Schneider-Wessling auch ein Gästehaus (Herderstraße 57) erbauen, das heute unter Denkmalschutz steht.Ingeborg Flagge: Architektur in Bonn nach 1945: Bauten in der Bundeshauptstadt und ihrer Umgebung. Verlag Ludwig Röhrscheid, Bonn 1984, ISBN 3-7928-0479-4, S. 94, 114.Andreas Denk, Ingeborg Flagge: Architekturführer Bonn. Dietrich Reimer Verlag, Berlin 1997, ISBN 3-496-01150-5, S. 123.

Stipendien und Preise Die Humboldt-Stiftung verleiht eine Reihe von Preisen und Stipendien; darunter:

Alexander-von-Humboldt-Professur (seit 2018), den mit 3,5 bzw. 5 Mio. Euro höchstdotierten Preis für Forschung in Deutschland. Humboldt-Forschungsstipendium für Postdoktoranden (seit 1953), mit dem Aufenthalte von Gastwissenschaftlern in Deutschland gefördert werden. Von 1953 bis 2018 wurden insgesamt über 25000 Humboldt-Stipendien vergeben. Humboldt-Forschungspreis (seit 1972) an verdiente Wissenschaftler, die seit mindestens fünf Jahren außerhalb Deutschlands leben und arbeiten und von denen weitere „Spitzenleistungen erwartet werden“ dürfen.Humboldt-Forschungspreis. In: humboldt-foundation.de. Abgerufen am 17. November 2024. Feodor Lynen-ForschungsstipendiumFeodor Lynen-Forschungsstipendium. In: humboldt-foundation.de. Abgerufen am 17. November 2024. (seit 1979) und Feodor Lynen-RückkehrstipendiumFeodor Lynen-Rückkehrstipendium. In: humboldt-foundation.de. Abgerufen am 17. November 2024., um die Mobilität deutscher Wissenschaftler zu erhöhen und ihnen durch Gastaufenthalte den Kontakt mit Kollegen aus dem Humboldt-Netzwerk im Ausland zu erleichtern. Im „Beobachtungszeitraum 1979 bis 2010“ wurden gut 3000 Feodor-Lynen-Stipendien vergeben.Evaluation des Feodor Lynen-Stipendienprogramms der Alexander von Humboldt-Stiftung. In: humboldt-foundation.de. Abgerufen am 17. November 2024. Philipp Franz von Siebold-Preis (seit 1979) für japanische Wissenschaftler, die den deutsch-japanischen Kulturaustausch bereichert haben.Philipp Franz von Siebold-Preis. In: humboldt-foundation.de. Abgerufen am 17. November 2024. Sofja Kovalevskaja-Preis (seit 2002) mit bis zu 1,65 Millionen Euro „Wagniskapital“ an junge Wissenschaftler.Dossier Sofja Kovalevskaja-Preis. In: humboldt-foundation.de. Abgerufen am 17. November 2024. Anneliese Maier-Forschungspreis (von 2011 bis 2018), ein „Kooperationspreis“, um ausländischen Geistes- und Sozialwissenschaftlern eine Zusammenarbeit mit deutschen Kollegen zu ermöglichen.Dossier Anneliese Maier-Forschungspreis. In: humboldt-foundation.de. Abgerufen am 17. November 2024. Georg Forster-ForschungspreisGeorg Forster-Forschungspreis. In: humboldt-foundation.de. Abgerufen am 17. November 2024. und Georg Forster-ForschungsstipendiumGeorg Forster-Forschungsstipendium. In: humboldt-foundation.de. Abgerufen am 17. November 2024. für Wissenschaftler aller Fachrichtungen aus Schwellen- und Entwicklungsländern. Gay-Lussac-Humboldt-Preis an französische Wissenschaftler (seit 1982), gemeinsam mit dem französischen Hochschul- und Forschungsministerium. Max-Planck-Humboldt-Forschungspreis, gemeinsam mit der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) (bis 2016 Max-Planck-Forschungspreis) jährlich an einen Forscher aus dem Ausland. Friedrich Wilhelm Bessel-Forschungspreis (seit 2001). Reimar Lüst-Preis für internationale Wissenschafts- und Kulturvermittlung (seit 2007). Henriette Herz-Scouting-Programm, bestehend aus zwei Programmlinien für Forschende mit mindestens Junior-Professur oder Gruppenleitung sowie für etablierte Forschende. Ausgewählte Henriette Herz-Scouts können geeignete Postdocs für Humboldt-Forschungsstipendien im Direktverleihungsverfahren vorschlagen. Benannt nach Henriette Herz.

Welcome Centres Mit dem „Preis für die freundlichste Ausländerbehörde“ begann 2003 das Engagement der Stiftung für eine Willkommenskultur: Ausländische Wissenschaftler sollen sich in Deutschland gut aufgenommen fühlen. Weitere Initiativen zur Stärkung des Forschungsstandorts machten in den Folgejahren in Deutschland Schule, darunter der 2006 erstmals ausgelobte Wettbewerb „Welcome Centres für international mobile Forscher“, ein Ideenwettbewerb für weltoffene Universitäten. Bundesweit entstanden mit den Welcome Centres hervorragende Serviceangebote für international mobile Gastwissenschaftler.

Im Jahr 2015 startete die Philipp Schwartz-Initiative. Mit dem Programm für gefährdete Forscher unterstützt die Stiftung Wissenschaftler, die Schutz in Deutschland suchen, weil ihnen in ihren Heimatländern Krieg oder Verfolgung drohen. Namensgeber des Programms ist Philipp Schwartz, der 1933 die „Notgemeinschaft deutscher Wissenschaftler im Ausland“ gründete.

Präsidenten seit 1953 Werner Heisenberg (1953–1975) Feodor Lynen (1975–1979) Wolfgang Paul (1979–1989) Reimar Lüst (1989–1999) Wolfgang Frühwald (1999–2007) Helmut Schwarz (2008–2017) Hans-Christian Pape (2018–2022) Robert Schlögl (seit 2023)

Generalsekretäre Ruth Ziervogel-Tamm 1954–1956Nachruf Ruth Ziervogel-Tamm. Website der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Abgerufen am 3. August 2015. Heinrich Pfeiffer 1956–1994Heinrich Pfeiffer im Munzinger-Archiv (Artikelanfang frei abrufbar), https://www.munzinger.de/search/go/document.jsp?id=00000017556 Manfred Osten 1995–2004 Georg Schütte 2004–2010 Enno Aufderheide 2010–2024 Thomas Hesse (ad interim) ab 2024

Bekannte Preisträger und Stipendiaten der Stiftung Rudi van Eldik, Chemiker Gerhard Jank, Mathematiker (1972/1973)Walter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 578. Emil Cioran, Philosoph Erich Wehrhahn, Professor für Elektrotechnik László Sólyom, ungarischer Staatspräsident 2005–2010 Steven Chu, Energieminister der USA, Nobelpreis für Physik 1997 Subra Suresh, Direktor der National Science Foundation Alice P. Gast, Präsidentin des Imperial College London Chi-Huey Wong, Präsident der Academia Sinica, Taiwan Álvaro Rojas Marín, ehemaliger chilenischer Botschafter in Deutschland Lado Tschanturia, ehemaliger Justizminister von Georgien und ehemaliger Präsident des Obersten Gerichts von Georgien Claudio Magris, Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 2009 Giulio Angioni, Schriftsteller und Ethnologe Ahmed Zewail, Nobelpreis für Chemie 1999, Science Envoy der US-Regierung Wolfgang Ketterle, Nobelpreis für Physik 2001 Theodor Hänsch, Nobelpreis für Physik 2005 Elinor Ostrom, Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften 2009. Website der Alexander-von-Humboldt-Stiftung. Abgerufen am 19. März 2010. Kazimira Danutė Prunskienė, litauische Politikerin, ehemalige Premierministerin von Litauen Oliver Williamson, Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften 2009 Ei-ichi Negishi, Nobelpreis für Chemie 2010 Theresia Degener, eine Aktivistin der bundesdeutschen Behindertenbewegung und 1981 maßgeblich an der Durchführung des Krüppeltribunals beteiligt. Emmanuelle Charpentier, eine der Entdeckerinnen der CRISPR/Cas-Methode, Nobelpreis für Chemie 2020 Robert Grubbs, Nobelpreis für Chemie 2005 Alexander Kartosia, georgischer Germanist, Politiker und Diplomat

Zeitschrift Seit 2001 gibt die Stiftung die Zeitschrift Humboldt-Kosmos: Forschung, Diplomatie, Internationalität heraus. Vorgänger dieser Zeitschrift waren die Mitteilungen der Alexander-von-Humboldt-Stiftung, die seit 1966 erschienen sind.

Literatur Holger Impekoven: Die Alexander von Humboldt-Stiftung und das Ausländerstudium in Deutschland 1925–1945: Von der „geräuschlosen Propaganda“ zur Ausbildung der „geistigen Wehr“ des "Neuen Europa". V&R unipress, 2013, ISBN 978-3-89971-869-0. Christian Jansen: Exzellenz weltweit: die Alexander-von-Humboldt-Stiftung zwischen Wissenschaftsförderung und auswärtiger Kulturpolitik (1953–2003). Unter Mitarb. von Christoph Nensa. DuMont-Literatur-und-Kunst-Verlag, Köln 2004, ISBN 3-8321-7423-0.

Weblinks

Offizielle Website Forschungspreise, Stipendien und Förderprogramme der Alexander-von-Humboldt-Stiftung Youtube-Kanal der Alexander-von-Humboldt-Stiftung

Einzelnachweise

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