Unter Sachsenhausen ist eine 210 Meter lange, geschichtsträchtige Straße in der Altstadt-Nord in Köln, an der zahlreiche Banken und Versicherungen residieren. mini|Unter Sachsenhausen – Enggasse – Stolkgasse (Kölner Stadtansicht von 1570 des Arnold Mercator)
Geschichte Der heutige Straßenname Unter Sachsenhausen ist nicht auf Sachsen, Frankfurt-Sachsenhausen oder das KZ Sachsenhausen zurückzuführen. Vielmehr entstand der Straßenname aus der Umformung des Namens „Unter 16 Häusern“. Seit der ersten Benennung dieser Straße im Jahre 1183 hat sich der Straßenname mindestens 15 Mal geändert.
Namensentwicklung Die Straße lag im Mittelalter im Kölner Stadtteil Niederich, der sich bis zur zweiten Stadterweiterung (1106) im Kölner Norden außerhalb der Stadtmauern () befand. Zunächst hieß die Straße zwischen 1183 und 1233 Breite Straße (), der sich jedoch für die Breite Straße durchsetzte; in den Schreinsbucheinträgen des 12. Jahrhunderts wird sie ohne individuellen Namen erwähnt. Am „Zederwaldhof“ soll in der Römerzeit ein aus Zederbäumen bestehender Wald gestanden haben, der sich von der Schmierstraße (Komödienstraße) bis an den Pfuhl erstreckte. Hier wohnten Graf Heinrich von Sayn und Frau Mechthild, die das Anwesen 1224 an Gerhard und Gottschalk Overstolz verkauften.Friedrich Everhard von Mering, Ludwig Reischert: Geschichte der Stadt Köln am Rhein. Bände 1–2. 1838, S. 61; .Thomas Bohn: Gräfin Mechthild von Sayn. 2002, S. 484 Die Patrizierbrüder Gottschalk und Gerhard Overstolz erwarben hier im Jahre 1224 Haus und Hof „Cederwald“, zu dem auch ein ehemaliges Cellitinnen-Kloster am Kattenbug gehörte;F. C. von Mering, Ludwig Reischert: Die Bischöfe und Erzbischöfe von Köln nach ihrer Reihenfolge. 1844, S. 148 f.; . sie bauten zwischen 1224 und 1233 auf dem Areal des ehemaligen Hofes Zederwald Reihenhäuser mit 16 so genannten Zinshäusern (Mietshäuser) für Landarbeiter. 1233 teilten die Brüder diesen Besitz anlässlich des Todes Gottschalks erster Gattin („Ida von der Salzgasse“), danach teilte dieser wiederum einen Teil seines Besitzes unter seinen Kindern aus erster Ehe auf. Ab 1233 wurden diese „16 Mietshäuser unter einem Dach“ () erwähnt,Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter. 1910, S. 145. auf die der Straßenname noch heute zurückgeht.
Ab 1304 bürgerte sich zunehmend die Bezeichnung „unter 16 Häusern“ ein. In einer Eintragung des Dünnwalder Zinsregisters von 1535 ist das Zahlwort der Straßenbezeichnung zu „under Saissen(husen)“ entstellt.Hermann Keussen: Topographie der Stadt Köln im Mittelalter. 1910, S. 149. Demgegenüber scheint Arnold Mercator in der ersten Kölner Stadtansicht von 1570 die ursprüngliche Straßenbezeichnung noch gekannt zu haben, da er auf seinem Stadtplan „under XVI huiseren“ eingetragen hatte.Peter Glasner: Die Lesbarkeit der Stadt: Kulturgeschichte und Lexikon der mittelalterlichen Straßennamen Kölns. 2002, S. 318.
Mittelalter Bereits vor dem Bau der Overstolz-Reihenhäuser wurde hier in der „latam plateam“ Nr. 4 / Ecke Stolkgasse nach 1221 das Dominikanerkloster „Heilig Kreuz“ errichtet; erstmals ist 1224 vom „conventus Sanctae Crucis“ die Rede.Jan Aertzen: Albert der Große in Köln. 1999, S. 15 Die Dominikaner erwarben 1250 zusätzlich die angrenzende palastartige Residenz des verstorbenen Herzog Walrams IV. von Limburg für 150 Mark.Jan Aertzen: Albert der Große in Köln, 1999, S. 17 Auf der Straße setzte nach den Overstolzen-Häusern eine rege Bautätigkeit ein. In Nr. 47 entstand im Jahre 1288 in der jetzt „illa parte sedecim domorum“ genannten Straße das sechstälteste Brauhaus Kölns („Zum Bierbaum“). Das „Haus zum Hutlin“ geht 1364 in Erbpacht zugunsten der Abtei Altenberg, am 20. Oktober 1409 verzichtet der Kleriker Richardus de Tuitio im Hause des Johannes de Walde auf der „platea inter sedicim domos“ auf alle Rechte der Vikarie in Homberg. „Haus Haymboich“ wurde am 1. Februar 1470 von Heinrich van Gudesberg in Erbpacht genommen, am 28. Januar 1479 bekundete Goiswinus Carpentator, dass er die Erbpacht der Häuser „Zum Schlüssel“ und „Haus Thiis“ auf „16 domus“ beendet habe. Im Jahre 1484 war hier das Treiben der Dirnen so ärgerniserregend, dass der Rat der Stadt Köln für Unter Sachsenhausen ein Aufenthaltsverbot erließ.Edith Ennen: Frauen im Mittelalter. 1999, S. 173
Die Montanerburse („domus montis“; Gymnasium Montanum; Nr. 6; heute: Friedrich-Wilhelm-Gymnasium) war aus der 1420 von Heinrich von Gorkum auf der Machabäerstraße gegründeten Burse („bursa antiquissima“) hervorgegangen; noch bis 1431 wurde sie auf die mittlerweile „Under-16-heusern“ heißende Straße verlegtLeonard Ennen: Geschichte der Stadt Köln. Band 3. 1869, S. 861; . und gehörte zu den angesehensten Ausbildungseinrichtungen im Lande. Die Artistenschule hatte hingegen ihr Domizil in der Stolkgasse gegenüber dem Dominikanerkloster im ehemaligen „Verselenkonvent“, den die Stadt 1398 von den Beginen erworben hatte.Albert Zimmermann (Hrsg.): Die Kölner Universität im Mittelalter. 1989, S. 435 Das Kölner Domkapitel vererbpachtete am 1. März 1492 die Hofstatt „Lynfalshuys“. Drucker Johannes Landen stellte am 9. März 1496 mit dem „Praeceptorium“ (von Nicolaus de Lyras) seinen ersten datierten Druck in seiner Offizin „intra sedecim domos“ fertig.Christoph Reske: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts. 2007, S. 426 1508 wurde den Inhabern von Tavernen, Herbergen und Garküchen auf Unter Sachsenhausen und einigen anderen Straßen (u. a. Eigelstein) verboten, den Studenten Getränke zu verabreichen.Leonard Ennen: Geschichte der Stadt Köln. Band 3. 1869, S. 886; . Der Buchdrucker Melchior von Neuss zog spätestens 1533 hierhin, wie Johannes Hetler belegt: „Gedruckt tzo Coellen vnder sieß tzyenhuyser anno 1. Mai 1533“.Christoph Reske: Die Buchdrucker des 16. und 17. Jahrhunderts. 2007, S. 435 Spätestens 1587 hieß die Straße „Under Sechzehn Häusern“. Das Dominikanerkloster, sein Wirtschaftsgebäude und das Langhaus der Klosterkirche wurden durch Brand am 2. März 1659 weitgehend zerstört.
Von der Gründerzeit bis ins 20. Jahrhundert
Die Kölnische Hagel-Versicherung bezog während der Gründerzeit 1861 in Nr. 8 ein von Josef Felten geplantes Gebäude. Die Colonia Kölnische Feuer-Versicherungs-Gesellschaft zog 1863 in einen spätklassizistischen, ebenfalls von Josef Felten entworfenen Bau in Nr. 10–12. Das repräsentative Gebäude und die exponierte Lage sollten ihre Größe und Bedeutung ausstrahlen.Veit Damm: Selbstrepräsentation und Imagebildung. 2007, S. 153 Das erste Bankgebäude der Straße – Ursprung für ihre spätere Entwicklung zu einer „Bankenmeile“ – entstand auf dem Gelände des abgerissenen Montanergymnasiums (Nr. 4) durch den Architekten Hermann Otto Pflaume. Es handelte sich um das Bankpalais für den A. Schaaffhausen’schen Bankverein, zwischen 1859 und 1863 als achsensymmetrischer Bau errichtet und für die Entwicklung des Kölner Bankwesens von großer Bedeutung. Bei seiner Eröffnung am 22. August 1863 konnte die Öffentlichkeit die palastartigen Grundzüge mit italienischer Renaissance ebenso bestaunen wie die Innentreppe aus schwarzem Marmor und den Ballsaal mit Stuckarbeiten, den riesigen Spiegel, vergoldete Möbel, Tapeten und Vorhänge aus gelber Seide. Es wurde 1903 umgebaut und im Zweiten Weltkrieg zerstört. Der aus Paris zurückgekehrte Kölner Architekt Wilhelm Hoffmann schuf 1870 für Eduard Freiherr von Oppenheim das Palais Unter Sachsenhausen 37, dessen Grundstück Oppenheim 1867 erworben hatte. Architekt Pflaume errichtete 1894 in Nr. 2 ein dreistöckiges Bankgebäude für die Rheinisch-Westfälische Boden-Credit-Bank, das 1914 abgerissen und durch einen im Krieg kaum zerstörten Bau ersetzt wurde.
mini|links|An den Dominikanern 11–27 (Deutsche Bank Köln; ehemals Reichsbank) mini|Unter Sachsenhausen 27 (Barmer Bankverein; heute: Generali Deutschland) mini|links|Unter Sachsenhausen 37 (heute: HypoVereinsbank) Zwischen 1894 und 1897 entstand in Nr. 1–3 nach Entwurf des Berliner Architekten Max Hasak das neugotische Gebäude der Reichsbank-Hauptstelle Köln (später Landeszentralbank, danach Deutsche Bank), errichtet im neugotischen Stil. Die Eröffnung am 4. Mai 1897 in der „vornehmen Geschäftsstraße“ brachte das von Granitsäulen gestützte Bauwerk mit seinem geräumigen Tanzsaal, der „geradezu an fürstliche Behausungen“ erinnerte,Das neue Reichsbankgebäude in Köln. In: Kölnische Zeitung, Nr. 327, 17. Juni 1897. zum Vorschein. Das durch Kriegsschäden gekennzeichnete Bauwerk wurde stark verändert.
Das baulich stabilisierte Fragment des gegenüber liegenden, durch Brand weitgehend zerstörten Dominikanerklosters diente zwischen 1799 und 1814 als französisches Lazarett und wurde ab 1814 als preußische Artilleriekaserne genutzt. Im Jahre 1828 wurde der letzte mittelalterliche Rest des Klosters (das gotische Eingangstor zum Klostergebäude) von der Militärbehörde beseitigt, 1889 wurde das Klostergelände arrondiert. An seiner Stelle entstand das auf Betreiben von Heinrich von Stephan gebaute Kölner Hauptpostamt der Reichspost, das am 15. November 1893 in Betrieb genommen werden konnte. Es war ein imposantes Bauwerk, das von West nach Ost an der Straßenseite 85 Meter breit war und von Nord nach Süd eine Länge von sogar 210 Meter bei einer Fläche von 20895 m² aufwies.Sybille Fraquelli: Im Schatten des Domes. 2008, S. 284. Es wurde im Krieg völlig zerstört und 1948 durch ein schlichteres Postdienstgebäude ersetzt, das ab dem 11. Februar 1998 abgerissen wurde.
Der Kölner Unternehmer Franz Carl Guilleaume ließ 1882 von Hermann Otto Pflaume sein palastartiges Wohnhaus in Nr. 6 errichten, das 1923 vom Gerling-Konzern erworben und 1943 zerstört wurde. In Nr. 37 entstand unter Peter Behrens 1914 ein Geschäftshaus für den Modeartikelhersteller Frank & Lehmann, das den Krieg überstand und heute von der HypoVereinsbank genutzt wird. In Nr. 21–27 ließ der Barmer Bankverein – der später mit der Commerzbank fusioniert wurde – 1915 ein von Carl Moritz entworfenes Bankgebäude bauen. Nach schweren Schäden im Zweiten Weltkrieg blieb von der historischen Innenausstattung außer dem Vestibül nichts erhalten. Am 20. August 1931 bezog die Kölner Börse nach mehreren innerstädtischen Ortswechseln das von der Industrie- und Handelskammer errichtete neue Verwaltungsgebäude in Nr. 4.
In der Endphase des Zweiten Weltkriegs drang am 6. März 1945 die 3. US-Armee über Unter Sachsenhausen in Richtung Kölner Dom vor und wurde An den Dominikanern in ein letztes Gefecht mit einem deutschen Panzerkampfwagen V Panther verwickelt. Der Panzerkampfwagen konnte das Vordringen der US-Einheit zum Dom nicht verhindern und wurde kampfunfähig geschossen.
Nach dem Zweiten Weltkrieg mini|Unter Sachsenhausen 7 – Dresdner Bank (März 2010) mini|links|Unter Sachsenhausen 10–26 (Industrie- und Handelskammer Köln) mini|Unter Sachsenhausen 17 (Eingang Merck Fink & Co)