mini|Während der Covid-Pandemie 2020/21 extern montierte Belüftungsanlage des Kindergartens St. Thomas Morus, Mittersendling

Lüftung oder Lüften bezeichnet die Erneuerung der Raumluft durch den Austausch von Luft zwischen Außen- und Innenräumen in Bauwerken. Der häufigste Grund für das Lüften von Räumen ist die Abführung unerwünschter Stoffe aus der Innenraumluft.

Der Luftwechsel durch Öffnungen kann auf natürliche Weise durch thermische Konvektion und Winddruck oder durch maschinelle Lüftung erfolgen. Zur Auslegung des zum Anwendungsfall passenden Mindestluftwechsels können verschiedene Normen und Richtlinien herangezogen werden. Die Art und Effizienz der Lüftung bestimmen maßgeblich die Behaglichkeit der Raumnutzer (insbesondere bei besonders hohen oder niedrigen Außentemperaturen) sowie den Energieverbrauch von Heizungs- und Klimaanlagen.

Mechanische Lüftungsanlagen in Wohngebäuden mit automatisierter Steuerung werden als Kontrollierte Wohnraumlüftung (KWL) bezeichnet. Siehe auch #Wohnraumlüftung

In Gebäuden ohne zentrale Lüftungsanlage werden verschiedene Möglichkeiten empfohlen, um erhöhte Feuchtemengen abzuführen: Bei kurzzeitig erhöhtem Feuchteanfall, etwa bei einer Versammlung von Menschen, beim Kochen oder nach einer heißen Dusche, kann eine Stoßlüftung durchgeführt werden. Hierzu werden entweder die Fenster weit geöffnet oder es wird ein Badezimmer-Lüfter oder eine nach außen geführte Küchenabluftanlage genutzt. Eine temporäre Lüftung, etwa durch ein vorübergehendes Ankippen der Fenster, sollte nach mehrstündigem erhöhtem Feuchteeintrag vorgenommen werden. So beispielsweise während oder nach einem längeren Aufenthalt von Personen (z. B. im Schlafzimmer) oder beim Trocknen von Wäsche in der Wohnung. Eine Stoßlüftung würde in diesem Fall lediglich die in der Luft enthaltene Feuchtigkeit abführen, nicht jedoch die in Wänden, Decke und der Wohnungseinrichtung gespeicherte Feuchtigkeit.#10 Richtig lüften aber wie. - Tipps für ein gesundes Raumklima, Podcast Bauen und Sanieren - Pfusch am Bau - oder doch richtig ?, 16. Januar 2025. In: svgs-saarland.de Ein dauerhaft erhöhter Feuchteeintrag, etwa durch Zimmerpflanzen oder ein offenes Aquarium, sollte durch eine Spaltlüftung bzw. Fugenlüftung kompensiert werden. In historischen Gebäuden gab es immer einen ausreichenden Luftaustausch durch Undichtigkeiten der Gebäudehülle und die Kamine der Öfen. In zentralbeheizten Wohnungen mit modernen Fenstern kann aus der Lippendichtung des Fensterflügels (bzw. am Fensterrahmen) jeweils oben und unten ein Stück ausgeschnitten werden. Es können auch Lüftungsdurchlässe im Fensterrahmen oder eine Lüftungsvorrichtung in der Außenwand installiert werden.

Fugenlüftung und Kipplüftung haben den Nachteil, dass sie schwieriger zu steuern sind und die Luftwechselrate stark schwankt, insbesondere in Gegenden mit wechselnden Windverhältnissen. Angekippte Fenster führen im Winter zu einem stark erhöhten Energieverbrauch, wenn die kalte Außenluft über das Thermostatventil des darunter befindlichen Heizkörpers strömt. Diese Thermostatventile sollten beim Lüften vollständig heruntergedreht werden. Sie würden den Heizkörper sonst auf die höchstmögliche Heizleistung einregeln.

Aufgaben der Lüftung

Aufgabe der Lüftung ist es, die gewünschten Raumluftbedingungen herzustellen. In Abhängigkeit von der Nutzung des Gebäudes erfüllt die Lüftung verschiedene Funktionen: Außenluftversorgung, insbesondere zum Ausgleichen des Sauerstoffgehalts der Innenluft, Luftreinhaltung durch Abfuhr von stabilen Stoffen wie Kohlendioxid und Tabakrauch sowie von dynamisch anwachsenden und zerfallenden Schadstoffen wie an Aerosolpartikel gebundene Viren, Bakterien oder Radioisotope,Bernd Glück: „Raumlüftung unter instationären Bedingungen bei Vorhandensein von stabilen und sich dynamisch entwickelnden Schadstoffen“. Abgerufen im Juni 2021 Abfuhr von Wärme (thermischer Last), Abfuhr von Feuchtigkeit (Feuchtelast), Verbrennungsluftzufuhr in Räumen mit Ofen, Kamin oder Gasgeräten, die auf eine Verbrennungsluftzufuhr aus dem Aufstellraum angewiesen sind, Schutzdruckhaltung, z. B. im Reinraum mit Überdruck oder im Sicherheitslabor mit Unterdruck.

Wenn über die reine Lüftungsfunktion hinaus auch die Temperatur und Feuchte der zugeführten Luft aktiv reguliert werden, spricht man von einer Klimatisierung.

Kohlendioxid

Die Voraussetzung aeroben Lebens ist molekularer Sauerstoff (O2). Im Gegenzug zur Aufnahme von Sauerstoff wird von den Lebewesen Kohlenstoffdioxid (CO2) produziert. Menschen empfinden in diesem Zusammenhang eine erhöhte CO2-Konzentrationen eher als unangenehm als die entsprechende O2-Abnahme. In den in Deutschland geltenden Technischen Regeln für Arbeitsstätten heißt es hierzu: „Erfahrungsgemäß hat eine erhöhte CO2-Konzentration einen negativen Einfluss auf die Aufmerksamkeitsleistung.“ Als obere Grenze, bis zu der keine Maßnahmen notwendig sind, wird in diesem Dokument (ASR A3.6.) eine CO2-Konzentration von 1000 ppm genannt. Dieser Grenzwert wurde schon von Max von Pettenkofer vorgeschlagen und heißt nach ihm die „Pettenkofer-Zahl“.

Die CO2-Konzentration lässt sich messtechnisch erfassen. Messgeräte können maschinelle Lüftungsanlagen entsprechend regeln oder über ein Display den Nutzer an die Notwendigkeit einer manuellen Lüftung erinnern. Eine Alternative hierzu bietet eine kostenfrei erhältliche CO2-App der IFA. Diese verspricht, die CO2-Konzentration in Räumen zu berechnen. Die App basiert nach Angaben der IFA auf den Ergebnissen einer Studie zur CO2-Messung in Schulen und ist auch im Bürobereich einsetzbar. Die Beschreibung der App nimmt auch Bezug auf die in der ASR A3.6 benannten Grenzwerte.

Luftfeuchtigkeit

Durch Wassereintrag über die Luft kann die Bausubstanz beschädigt werden. Zudem kann es durch Schimmelpilze zur gesundheitlichen Beeinträchtigung der Raumnutzer kommen. Im Regelfall besteht die Gefahr von Schimmelbildung, wenn die Luftfeuchte lokal über einen längeren Zeitraum bei 80 % oder darüber liegt. Ausnahmen bilden Räume mit spezieller Nutzung wie zum Beispiel Dampfbäder oder Schwimmhallen. Ein anderes Problem ist eine zu geringe Feuchtigkeit in der Luft, die ebenso zur Beeinträchtigung der Behaglichkeit und der Gesundheit der Raumnutzer führen kann. Daher sollte die Luftfeuchtigkeit in von Menschen genutzten, konventionellen Bauwerken in engen Grenzen gehalten werden.

+ Richtwerte für relative Luftfeuchtigkeit in Abhängigkeit zur Nutzung Nutzung relative Luftf. [%] Temp. [°C] Wohnräume 40–60 20–22 Büroräume 50–60 20 Hörsäle 60 20 Gaststätten 55 20

Der Körper eines nicht körperlich tätigen, erwachsenen Menschen gibt stündlich 35 bis 40 g Wasser über den Atem und die Haut an die Raumluft ab, also knapp einen Liter pro Tag.Die Wasserdampfabgabe eines körperlich nicht tätigen Menschen beträgt 35–40 g stündlich, also rund 850–1000 g täglich, bei einer Umgebungstemperatur von 20 °C, nach VDI-Richtlinie 2078. Zitiert in: Klaus Usemann, Horst Gralle: Bauphysik: Problemstellungen, Aufgaben und Lösungen, S. 18, Springer Verlag; abgerufen im Januar 2017Ratgeber Lüften – aber richtig!, Verband Privater Bauherrn e. V.; abgerufen im Januar 2017 Beim Trocknen von 4,5 kg geschleuderter Wäsche kann von einer Feuchtigkeitsabgabe von 1 bis 1,5 Liter Wasser ausgegangen werden. Durch ein warmes (Dusch-)Bad entsteht pro Person und Tag etwa 0,5 bis 1 Liter Wasserdampf. Ungefähr die gleiche Menge kommt beim Kochen und Backen sowie durch die Verdunstung von Zimmerpflanzen jeweils noch einmal dazu. In einem Vierpersonenhaushalt werden so täglich insgesamt rund 8 bis 15 Liter Wasser an die Raumluft abgegeben.Dr.-Ing. Helmut Künzel (ehem. Leiter der Freilandversuchsstelle Holzkirchen des Fraunhofer-Instituts für Bauphysik), , Zeitschrift Holzbau – die neue Quadriga, Ausgabe 4/2012, Verlag Kastner; abgerufen am 8. September 2023

Da kalte Luft weniger Feuchtigkeit aufnehmen kann als warme, ist der Feuchtigkeitsgehalt von kalter Außenluft niedriger als derjenige der Innenluft (auch wenn die relative Luftfeuchtigkeit gleich hoch sein sollte). Je kälter die Außenluft, desto trockener ist sie also und kann entsprechend große Feuchtigkeitsmengen aufnehmen, wenn sie beim Lüften auf die warme Raumluft trifft. Diesen Zusammenhang stellt das sogenannte hx-Diagramm graphisch dar. Es wird zur Ermittlung des Sättigungsgrades der Luft mit Feuchtigkeit herangezogen und zeigt dem Planer, welchen Wassergehalt die Luft bei welcher Temperatur aufnehmen kann.

Natürliche Lüftung

Wenn nicht der Wind die treibende Kraft der natürlichen Lüftung ist, beruht diese auf der natürlichen Konvektion und wird auch als freie Lüftung bezeichnet. Der Luftaustausch erfolgt dabei durch Öffnungen (Undichtigkeiten, also Fugen in der Gebäudehülle, geöffnete Fenster oder spezielle Lüftungsöffnungen wie z. B. Außenluftdurchlasselemente und Dachaufsätze) im Gebäude. Den Antrieb für die freie Lüftung liefern Druckdifferenzen infolge der Umströmung des Gebäudes durch Wind und Dichteunterschiede der Luft infolge von Temperaturdifferenzen.

Nachteilig ist, dass die freie Lüftung sich nicht ohne weiteres dem Bedarf anpassen lässt und dass Winde und kalte Außentemperaturen den Luftwechsel unnötig vergrößern. Im Rahmen einer kontrollierten natürlichen Lüftung können diese Einflüsse berücksichtigt und kompensiert werden.

Fensterlüftung mini|Piktogramm der AHA-Formel zur Verringerung des Infektionsrisikos Unter Fensterlüftung versteht man den durch Öffnen von Fenstern hervorgerufenen Luftaustausch. Zum Wohlbefinden in Wohngebäuden und sonstigen Aufenthaltsräumen trägt ein direkter Außenbezug ebenso bei wie der Einfluss der Nutzer auf die Frischluftzufuhr durch öffenbare Fenster.

Zur Vermeidung von Energieverlusten ist sicherzustellen, dass die Luftwechselrate einfach zu kontrollieren ist. Bei der früher üblichen Fugenlüftung durch undichte Fenster und Türen und andere kleinere Öffnungen in der Gebäudehülle war dies kaum möglich. Sind die Fenster dicht, erfordert das Lüften durch wiederholtes und zeitlich angepasstes Öffnen der Fenster viel Aufmerksamkeit. Im Winter lassen sich Unbehaglichkeiten durch einströmende Kaltluft oft nicht vermeiden. Je nach räumlicher Situation können sich Umwelteinflüsse – wie etwa Verkehrslärm, Wind oder Luftverschmutzung – unangenehm bemerkbar machen, wenn die Lüftung durch das Öffnen der Fenster geschieht.

In der kalten Jahreszeit lassen sich insbesondere bei einfach verglasten und älteren Wärmeschutzfenstern Notwendigkeit bzw. Erfolg der Lüftungsmaßnahmen am Auftreten von Kondensat am Rand der Fensterscheibe ablesen. An heißen Sommertagen sollte sich der Luftwechsel tagsüber auf das hygienisch erforderliche Maß beschränken, um die Räume kühl zu halten. Der Eintrag von Straßenlärm kann durch Kastenfenster, eine vorgesetzte Doppelfassade oder durch schallgedämmte Lüftungsöffnungen vermindert werden.

Stoßlüftung Eine möglichst intensive Durchlüftung der Räumlichkeiten über einen kürzeren Zeitraum – die sogenannte Stoßlüftung (engl. impact ventilation) – wird häufig als sehr energiesparende und gesunde Möglichkeit empfohlen, um Gebäude ohne mechanische Lüftungsanlage bei hohen Temperaturdifferenzen zwischen der mittleren Raumlufttemperatur und der Umgebungstemperatur zu belüften.

Die lokale Lüftungseffektivität mit Fenstern oder Türen ist mit von der Stellung der Flügel in der Öffnung abhängig, also dem sich einstellenden Strömungsmuster der Öffnungen. Das Strömungsmuster im Raum und somit die globale Lüftungseffektivität lassen sich durch eine Querlüftung, also das Öffnen von zwei gegenüberliegenden Öffnungen, weiter verbessern.

Die Vorteile der Stoßlüftung: Mit dem voll geöffneten Fenster kann ein etwa 90 % größerer Luftwechsel gegenüber einem angekippten Fenster erreicht werden. Im Verlauf des Luftaustauschs kühlt sich die Raumluft merklich ab. Durch Luftbewegung, Temperaturwechsel und die eintretende Frischluft ist intuitiv erkennbar, wann die Stoßlüftung beendet werden kann.