mini|Das Centre Charlemagne Das Centre Charlemagne – Neues Stadtmuseum Aachen ist das Heimat- und Geschichtsmuseum der Stadt Aachen. Es erhielt seinen französischen Namen nach Charlemagne (deutsch: Karl dem Großen), der bekanntesten und bedeutendsten historischen Persönlichkeit Aachens; Französisch wurde statt Deutsch wegen der herausragenden Stellung der französischen Sprache in der Eurégion Meuse-Rhin (deutsch: Euregio Maas-Rhein) und EU gewählt.
Das Museum wurde in einem Verwaltungsgebäude der Stadt Aachen am Katschhof Nr. 1, das zwischen 1958 und 1962 von Gerhard Graubner erbaut und später unter Denkmalschutz gestellt wurde, eingerichtet. Die Eröffnung des Centre Charlemagne fand am 19. Juni 2014 statt. Das alte Stadtmuseum war von 1961 bis 2010 im Gebäude der Burg Frankenberg untergebracht; die Exponate lagerten bis zur Neueröffnung in einem Depot.
Das Centre Charlemagne ist zugleich auch die zentrale Ausgangs- und Anlaufstelle der Route Charlemagne, auf der die bedeutendsten Stationen Aachens in den Bereichen Geschichte, Kunst, Kultur und Architektur zusammengefasst sind., Homepage der Route Charlemagne. Zugriff am 16. Juli 2014. Es wird maßgeblich unterstützt vom Museumsverein Aachen, der die städtischen Museen fördert.
mini|Luftaufnahme des Centre Charlemagne Museum Das Museum unterteilt sich in einen 800 m² großen Bereich für Dauerausstellungen und einen 200 m² großen Bereich für temporäre Ausstellungen sowie Besprechungs- und Tagungsräume, Räume für die Museumspädagogik und ein Museums-Café, allesamt mit moderner Technik ausgestattet. Beide Ausstellungsflächen wurden in der für Aachen typischen Dreiecksform eingerichtet, wie sie sich auf historischen Plätzen im Aachener Stadtbild immer wieder finden lässt, weil einst das Raster der ursprünglichen römischen Stadt durch die christlich-karolingische Pfalzanlage in Richtung Osten verschoben wurde.
Dauerausstellung Die Dauerausstellung „Geschichte Aachens – Stadt Karls des Großen“ gibt in sechs Abteilungen Einblicke in folgende Themen:
„Siedlungen an den heißen Quellen“ vom 5. Jahrhundert vor Chr. bis zum 7. Jahrhundert nach Chr. – Nachweise von Ansiedlungen der Kelten und Römer in Aachen. „Aachener Pfalz und Marienkirche“ im 8. und 9. Jahrhundert. – Die karolingische Zeit ab Pippin dem Jüngeren bis Lothar I. „Die Stadt der Krönungen“ zwischen dem 10. und 16. Jahrhundert. – Erste Blütephase der Aachener Geschichte: Erteilung der Stadtrechte (1166) und Aufwertung als Freie Reichsstadt, erste städtische Verfassung in Form des Aachener Gaffelbriefs (1450), aber auch die Zeit der Aachener Religionsunruhen, womit bürgerkriegsähnliche Zustände und Auswanderung bedeutender Familien und damit wirtschaftlicher Niedergang einhergingen. „Die barocke Bäderstadt“ zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert. – Neuaufbau nach dem großen Stadtbrand von Aachen 1656, geprägt vor allem durch Laurenz Mefferdatis, Johann Joseph Couven, Jakob Couven und Joseph Moretti. Entstehung und Entwicklung des Kurwesens durch François Blondel. Zweite Blütephase der Stadt, die durch erneute bürgerkriegsähnliche Unruhen im Rahmen der Aachener Mäkelei beendet wurde. „Aufbruch in die Moderne“ zu einer aufstrebenden Industriestadt ab dem 19. Jahrhundert. – Aachen während der französischen Besatzung (1794–1814) und städtebauliche Aufwertung durch Straßen- und Grünanlagenbau und Förderung der Industrie. Übernahme durch Preußen 1814 und erneuter Bauboom geprägt vor allem durch Adam Franz Friedrich Leydel und Friedrich Joseph Ark. Erste negative Auswirkungen der Frühindustrialisierung und Aachener Aufruhr vom 30. August 1830. Nach flächendeckender Einführung der Dampfmaschine Aufschwung in der Tuch-, Nadel- und Bergbauindustrie. Förderung des Bildungssystems u. a. durch Gründung der Polytechnischen Hochschule 1870. „Von der Frontstadt zur Europastadt“ im 20. und 21. Jahrhundert. – Aachen in beiden Weltkriegen als Sammelplatz für die Truppen auf ihren Marsch durch Belgien nach Frankreich, aber auch die erste durch alliierte Truppen von den Nationalsozialisten befreite Stadt 1944. Einführung des Aachener Karlspreises 1950 und zunehmende europäische Bedeutung.
Wechselausstellungen (Kurzporträts) Die zweimal jährlich wechselnden temporären Ausstellungen beschäftigen sich dagegen mit einem aktuellen Schwerpunktthema in Bezug zur Aachener Geschichte. Seit der Eröffnung wurden bisher folgende Themen präsentiert:
ZeitraumThemaBeschreibung2014Karls KunstDie Veranstaltung wurde zusammen mit den Ausstellungen Verlorene Schätze in der Aachener Domschatzkammer und Orte der Macht im Aachener Rathaus konzipiertSonderausstellung Karl der Große, 2014, auf den Seiten des Centre Charlemagne. Zugriff am 16. Juli 2014 und am 19. Juni 2014 durch den Bundespräsidenten Joachim Gauck eröffnet. Sie stand unter der Schirmherrschaft des französischen Staatspräsidenten François Hollande, des italienischen Staatspräsident Giorgio Napolitano und des deutschen Bundespräsidenten., In: Aachener Zeitung. Ausgabe vom 19. Juni 2014. Im Rahmen der Feierlichkeiten zum Karlsjahr 2014 anlässlich des 1200. Todestages Karls des Großen wurden kostbare Elfenbeinschnitzereien, filigrane Goldschmiedekunst sowie wertvolle Handschriften gezeigt.Sarvenaz Ayooghi, Frank Pohle, Peter van den Brink (Hrsg.): Karl der Große – Charlemagne. Kurzführer. Sandstein, Dresden 2014, ISBN 978-3-95498-116-8. Dabei handelte es sich bei den mehr als 30 Leihgaben um herausragende Kunstschätze, die auf verschiedene Museen innerhalb Europas verteilt sind, darunter die beiden Buchdeckel des Lorscher Evangeliars aus dem Victoria and Albert Museum in London und den Vatikanischen Museum in Rom und der Tassilokelch aus dem Stift Kremsmünster. Ferner der Aachener Hofschule Karls des Großen zuzurechnende Manuskripte wie beispielsweise das Godescalc-Evangelistar aus der Bibliothèque nationale in Paris oder der Dagulf-Psalter aus der Österreichischen Nationalbibliothek in Wien.2014/2015Fahndung nach AugustusAnlässlich des 2000. Todestages des römischen Kaisers Augustus wurde grenzüberschreitend der Frage nachgegangen, ob die Gründungen der Städte Aachen, Maastricht, Heerlen und Jülich auf dessen Initiative zurückgehen. Anhand von Grabungsfunden (Keramik, Münzen, Fibeln, Holzfunde aus der Regierungszeit Kaiser Augustus) sowie neuerer Forschungsergebnisse und -methoden wurde der Frage nachgegangen, ob das Alter der Städte auf die Zeit um Augustus festgelegt werden kann. Ferner wurde in der Ausstellung gezeigt, wie die Menschen in diesen Städten damals gelebt haben.Fahndung nach Augustus im Centre Charlemagne, in: Aachener Zeitung vom 12. November 2014 Darüber hinaus wurde in Zusammenarbeit mit dem Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen in Düsseldorf eine Gesichtsrekonstruktion von Augustus angefertigt, die hier erstmals ausgestellt wurde.
Ab dem 15. Januar 2015 wurde diese Ausstellung anschließend in Heerlen und Jülich und zum Schluss in Maastricht präsentiert.2015Sprechende KnochenNachdem im Jahr 2013 bei Kanalarbeiten im Hof, einem Platz in unmittelbarer Nähe zu Dom und Rathaus, menschliche Skelette gefunden worden waren, die zwischen spätrömisch, merowingisch, karolingisch und hochmittelalterlich einzuordnen sind, sollte die Ausstellung Antworten auf die Art und Weise sowie auf die Ergebnisse der verschiedenen wissenschaftlichen Untersuchungen dieser Funde anbieten. Außerdem befasste sich ein weiterer Themenschwerpunkt mit den Bestattungsritualen von 1600 v. Chr. bis in die heutige Zeit.Sprechende Knochen – Archäologische Funde geben Rätsel auf, Pressemeldung der STAWAG vom 16. April 20152015/2016Mokka Türc & Marihuana – Schmuggel an der Aachener GrenzeIn Kooperation mit dem Zollmuseum Friedrichs aus Aachen und unterstützt mit Leihgaben aus dem Deutschen Zollmuseum in Hamburg und der Zollbehörde in Köln sowie mit Förderung des Landschaftsverbandes Rheinland erinnerte diese Ausstellung an die Schmuggelereignisse an der deutsch-belgisch-niederländischen Grenze nach dem Zweiten Weltkrieg. Es wurden die Gründe des anfänglichen Kaffeeschmuggels an der Aachener Kaffeefront und des späteren Drogenschmuggels dargestellt sowie die handelnden Personen, die Schmuggelmethoden und die benutzten Schmuggelpfade skizziert.Wechselausstellung Mokka Türc & Marihuana – Schmuggel an der Aachener Grenze (2015/2016) auf den Seiten des Centre Charlemagne2016Königsglanz und Gloria – Krönungen in Bratislava/Preßburg 1563–1835Nach der Schlacht bei Mohács im Jahr 1526 mussten weite Teile des Königreichs Ungarn an das Osmanische Reich abgetreten werden, weshalb Preßburg 1536 zur Hauptstadt des als Königliches Ungarn bezeichneten Restterritoriums erklärt und nunmehr von den Habsburgern regiert wurde. Die Stadt wurde ab diesem Zeitpunkt Sitz aller wichtigen Behörden und Institutionen und ab 1543 auch Sitz des Erzbischofs von Gran. Zwischen 1563 und 1830 erfolgten im Martinsdom die Krönungen von elf Königen und acht Königinnen aus dem Hause Habsburg. Diese politischen Ereignisse führten unter anderem zu einem bedeutenden wirtschaftlichen und kulturellen Aufschwung der Stadt Preßburg.
Anhand von über 100 wertvollen Exponaten aus dieser historisch bedeutenden Zeit wurde in der Ausstellung die Geschichte dieser Stadt nachvollziehbar dargestellt und dem Betrachter die Eigenheiten der Krönungen nähergebracht sowie mit den deutsch-römischen Königskrönungen der Aachen-Frankfurter Tradition verglichen.Königsglanz und Gloria – Krönungen in Bratislava/Preßburg 1563–1835 auf den Seiten des Centre Charlemagne2016/2017Vom fauchenden Fafnir zum Fahrzeug der Zukunft – Aachen und das AutoBereits zur Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert sowie begünstigt durch 1870 gegründete Technische Hochschule Aachen und dem 1902 gegründeten Institut für Kraftfahrzeuge Aachen konnte sich die Stadt zu einem bedeutenden Standort der Automobilindustrie entwickeln. Im Jahr 1897 gründete sich der Automobilhersteller Cudell, 1901 produzierte die Fritz Scheibler Motorenfabrik AG, die 1908 mit der Maschinenbauanstalt Altenessen zu Mannesmann-MULAG fusionierte, die ersten Lastkraftwagen und Omnibusse unter dem Markennamen Scheibler und ab 1902 brachten die Fafnir-Werke den ersten Fafnir auf dem Markt. Diese Entwicklung geriet 1929 durch die Weltwirtschaftskrise ins Stocken und nahm erst in den 1980er-Jahren durch die Gründung des FEV wieder an Fahrt auf.