mini|Gedenkstein zur Grönsfurt bei Fockbek Die Grönsfurt war eine Furt durch die Eider bei Fockbek.
Im Jahre 811 n. Chr. war sie Schauplatz von Friedenseiden zwischen einem frühen dänischen Reich und dem Fränkischen Reich. Die Eider bildete die Grenze zwischen beiden Reichen. Zwischen der Grenze und dem Danewerk im Norden bestand eine Grenzregion. Im weiteren 9. Jahrhundert folgten wiederholte Treffen von Gesandten; bis ins 11. Jahrhundert standen wiederkehrende Konflikte an. Zur Furt gehören archäologische Denkmale und Naturdenkmale. Eine im 12. Jahrhundert erbaute Brücke bei Rendsburg löste die Furt ab und nahm den Nord-Südverkehr weitgehend auf. Für die Ochsendrift ist die Furt im Spätmittelalter und in der Frühen Neuzeit wieder genutzt worden. Ihre Funktion endete endgültig mit dem Bau des Eider-Kanals von 1776–1784 und dem damit verbundenen Durchstich. Zur 1200-Jahr-Feier der Friedenseide im Jahre 2011 war die Grönsfurt wieder in die öffentliche Erinnerung gerufen worden.
Grenze und Furt Frühmittelalterliche Grenzregion zwischen Eider und Schlei Vermutlich schon vom 5. Jahrhundert an und gesichert seit dem frühen 8. Jahrhundert war die Eider eine Grenze. Im Norden der Region, an der Engstelle der jütländischen Halbinsel erstreckte sich zwischen Schlei und Treene das Danewerk. Das Gebiet zwischen dem linearen Befestigungswerk und der Eider wurde von dem Kieler Historiker Henning Unverhau als „Grenzgürtel“ bezeichnet. Im Erdbuch des Königs Waldemar II. „Sieger“ (1170–1241) sind zwischen Schlei und Eider („inter Slæ et Eydær“) drei große Krongutbezirke aufgeführt, welche die Sonderstellung der Region noch im 13. Jahrhundert nachweisenUnverhau 1990, 41–51.
Offa und Fifeldor Im altenglischen Widsith-Gedicht aus dem 7./.9. Jahrhundert markiert Offa, Herrscher der Angeln (weold Ongle), die Grenze zu den Myrgingern bei Fifeldor mit seinem Schwert (Ane sweorde gemærde wið Myrgingum bi Fifeldore; heoldon forð siþþan). Möglicherweise stammt dieser Teil des Gedichts bereits aus dem 6. Jahrhundert. Fifeldor wird als „Tor des Unholds“ gedeutet und steht in derselben Bedeutung wie der Ursprungsname der Eider, Egidora – Schreckenstor. Deshalb wird Fifeldor übereinstimmend mit der Eider gleichgesetzt.
804 n. Chr.: Sliesthorp im dänischen Grenzgebiet (lat.: Confinium) Für das Jahr 804 n. Chr. berichten die fränkischen Reichsannalen zum ersten Mal über die frühen Dänen: „Im Sommer aber führte er (Karl der Große) sein Heer nach Sachsen und überführte alle Sachsen, die jenseits (nördlich) der Elbe und in Wihmuodi (Gebiet zwischen Weser- und Elbemündung) wohnten, mit Frauen und Kindern in das fränkische Reich und übergab den Abodriten [als Dank für frühere Waffenhilfe] die transelbischen Gebiete“....und verteilte sie vielfach gruppiert auf Gallien und Germanien. Für den späteren Sommer des Jahres 804 war in diesem Zusammenhang ein Treffen zwischen dem dänischen König Godofred und Karl dem Großen anberaumt worden: „Zur selben Zeit ist Godofridus, der König der Dänen (rex danorum) mit seiner Flotte und mit der gesamten Reiterei seines Reiches zu einem Ort gekommen, der Sliesthorp genannt wird, an der Grenze seines Reiches zu Sachsen (in confinio regni sui et saxoniae)“. Zu diesem Treffen kam es aber nicht. In den Reichsannalen ist jedoch der Status charakterisiert, den das Gebiet, in dem Sliesthorp lag, gehabt hat: Es ist ein Confinium, ein Grenzgebiet.Unverhau 1990, 17 Sliesthorp wird üblicherweise mit Hedeby-Haithabu gleichgesetzt. Neuerdings ist plädiert worden, eine 2010–2014 ausgegrabene frühmittelalterliche Siedlung von Füsing auf dem Nordufer der Schlei als Sliesthorp anzusehen.Andres Siegfried Dobat: Finding Sliesthorp? The Viking Age settlement at Füsing. In: Danish Journal of Archaeology 2022, S. 1–22.
808 n. Chr.: Eider ist Grenze des dänischen Reiches Vier Jahre nach dem misslungenen Treffen von 804 n. Chr. griff Godofredus („vesanus rex“ – der verrückte König) die Abodriten an. „Bevor er sich aber zurückzog, zerstörte er den Handelsplatz, der in der Sprache der Dänen Reric genannt wurde und seinem Reich gute Steuern eingebracht hatte. Er überführte die Händler von dort mit seiner Flotte zu dem Hafen (ad portum), der Sliesthorp genannt wird, und kam mit seinem gesamten Heer dorthin. Dort verweilte er für einige Tage und beschloss, die Grenze seines Reiches (limitem regni sui), welche an Sachsen angrenzt, mit einem Wall zu befestigen (vallo munire), und zwar so, dass ‚die Befestigung des Walles (munimentum valli) vom östlichen Meer, das jene Ostarsalt nennen, bis zum westlichen Meer das gesamte nördliche Ufer des Flusses Eider (fluminis Egidorae) abdeckte‘“. Das munimentum valli ist das Danewerk, das zwischen der Ostsee und den nordseenahen Niederungen der Treene, nicht aber an der Eider errichtet worden war. Godofredus hat es allenfalls instand gesetzt, denn es bestand bereits. In der fränkischen Sicht war jedoch die Eider die tatsächliche Grenze des Reichs der Dänen (limitem regni sui).
809 n. Chr.: Errichtung einer fränkischen Station an der Stör: Burg Esesfeld Godofrid wusste, dass sein Angriff auf die Abodriten einen mächtigen Gegner hervorgerufen hatte. Zu Anfang des Jahres 809 teilte er Kaufleuten mit, „er habe gehört, der Kaiser sei erzürnt“ (Godofridus rex Danorum per negotiatores quosdam mandavit, se audisse, quod imperator ei fuisset iratus). „Er wünschte auch, dass es eine Zusammenkunft gäbe von Grafen des Kaisers und von seinen Leuten an den Grenzen seines (des Kaisers) Reiches jenseits (nördlich) der Elbe“ (Petebat etiam, ut conventus comitum imperatoris atque suorum iuxta terminos regni sui trans Albim.Einhardi Annales, 129).
Verhandlungen in Badenflioth – Beidenfleth an der Stör – scheiterten. Karl der Große reagierte strategisch: Einer der Großen des karolingischen Reiches, Graf Ekbert, erhielt den Auftrag, an der Stör die Burg Esesfeld als transalbingische Station zu errichten.
811: Friedenseide an der Grönsfurt Im Jahre 811 trafen sich an der Eider zwölf Stammesführer der Dani und zwölf Comites des Fränkischen Reiches. Es wurde dabei ein Eid auf den Frieden zwischen dem dänischen Frühreich und dem Reich Karls des Großen geleistet. „Der Friede zwischen dem Kaiser und dem König Hemming der Dänen wurde wegen des rauhen Winters, der ein Treffen der beiden Parteien unmöglich machte, zunächst auf die Waffen geschworen (d.i. Waffenstillstand). Erst mit dem Frühling, als die durch den rauhen Frost ungangbaren Wege wieder offen waren, kamen von jeder Seite und von jedem Volk, von den Franken wie den Dänen, zwölf der Großen am dem Fluss Eider an einem Ort zusammen, der … (Fehlstelle) genannt wird. Der Frieden wurde (dort) durch Eide gemäß wechselseitiger Gepflogenheit und Sitte geschlossen“.Condicta inter imperatorem et Hemmingum Danorum regem pax propter hiemis asperitatem, quae inter partes commeandi viam claudebat, in armis tantum iurata servatur, donec redeunte veris temperie et apertis viis, quae inmanitate frigoris clausae fuerunt, congredientibus ex utraque parte utriusque gentis, Francorum scilicet et Danorum, XII primoribus super fluvium Egidoram in loco, qui vocatur . . ., datis vicissim secundum ritum ac morem suum sacramentis pax confirmatur. Einhardi Annales, 134
Teilnehmer fränkische Comites„Walach comes filius Bernhardi, Burchardus comes, Unrocus comes, Uodo comes, Meginhardus comes, Bernhardus comes, Egbertus comes, Theotheri comes Abo comes, Osdag comes, Wigman comes“: Walach comes filius Bernhardi, Burchardus comesEinhardi annales, 124, Unrocus comes, Uodo comes, Meginhardus comes, Bernhardus comes, Egbertus comes, Theotheri comes Abo comes, Osdag comes, Wigman comes Geisel Xdänische Primoresde parte vero Danorum inprimis fratres Hemmingi, Hancwin et Angandeo, deinde ceteri honorabiles inter suos viri, Osfrid cognomento Turdimulo et Warstein et Suomi et Urm et alius Osfrid filius Heiligen et Osfrid *de Sconaowe et Hebbi et Aowin. Einhardi Annales, 134 Hancwin, Angandeo, Osfrid Turdimulus, Warstein, Suomi, Urm, Osfrid Sohn des Helge, Osfrid von Schonen, Hebbi, Aowin ? Geisel Hemming Walach, primus inter primores und Mitglied der kaiserlichen Familie, der Flottenbefehlhaber Burchardus und Unrocus waren kaisernahe Adlige, die als Zeugen in Karls des Großen Testament genannt sind. Der Sachse Egbertus, Errichter der Burg Esesfeld, war Ehemann der späteren Heiligen Ida, eine Verwandte der kaiserlichen Familie. Auch die anderen Genannten gehörten als primores oder optimates dem ReichsadelTellenbach, Grundlagen, 195, 246 u. Anm. 30 an.
Der dänischen Gesandtschaft standen mit Hancwin und Angandeo zwei Söhne des Königs Hemming vor. Hemming war der Nachfolger seines 810 ermordeten Onkels Godofrid. Mit ihrer Benennung als primores erkannte der Annalenschreiber ihre Gleichrangigkeit zu den fränkischen Grafen an. Die dänischen Gesandten waren Angehörige einer Stammesaristokratie, deren Rang auf Stärke beruhte und nicht vererbbar war. Zu ihrem König standen sie in keinem Vasallenverhältnis.
Grönsfurt bei Fockbek mini|hochkant=1.5|Das Grönsfurt-Gebiet mit seinen Denkmalen in einer Terraindarstellung; östlich (rechts) der Eider der Nord-Ostsee-Kanal, bei dessen Bau das Areal östlich der Eider durch Abraumhalden überformt wurde. Darstellung in 3d-Nature/Visual Nature Studio auf Grundlage des 1 m-Höhenrasters
Die schleswig-holsteinische Archäologin Anke Feiler-Kramer identifizierte im Jahre 2011 den Ort, an dem 1200 Jahre zuvor die Friedenseide geschworen worden waren.Anke Feiler-Kramer: Vor 1200 Jahren an der Grönsfurt bei Fockbek: „super fluvium Egidoram in loco qui vocatur…, … sacramentis pax confirmatur“ (am Flusse Eider an einem Ort, der … genannt wird, ist der Frieden beeidet worden). In: Rendsburger Jahrbuch Bd. 61 (2011) S. 7–28 Sie verwies auf die naturräumlichen Gegebenheiten, die den Verlauf des jütländischen Nord-Süd-Verkehrsweges, des Ochsenweges im Bereich der Eider bestimmten. Die Furten der Obereider (Quelle bis zur Klintstrecke dicht westlich Rendsburg) führten in die nördlich anschließende Jungmoränenlandschaft. Der Ochsenweg nutze aber die flache Geest. In diesem Bereich läge dicht hinter der Klintstrecke, deren steile Ufer einer Querung hinderlich seien, eine geeignete Stelle mit sandigem Flussgrund und flachem Ufer. Hier endet der Grönsfurther Weg, eine erhaltene Strecke des Ochsenweges. Mit diesem Weg ist der Name der Furt bewahrt geblieben. Einen zweiten Hinweis auf eine Furt an dieser Stelle fand Feiler-Kramer in einer Fockbeker Sage. In ihr berichtet ein alter Mann: [Mit meinem Großvater] „...dreeven wi mal de Köh den Weg rop von de Furt an de Eider. Dar harren de Fockbeker vör Tieden en Ladstell...“. Bei der „Ladstell“ handelt es sich um die dicht neben der Furtstelle gelegene Flur Grönhude, welche mit ihrem Hude–Namen an einen ehemaligen Landeplatz oder Hafen erinnert.
Archäologische Denkmale an der Grönsfurt Weitere Hinweise ergaben sich mit zwei archäologischen Denkmalen, welche die Archäologin durch genaue Auswertungen von Höhendaten erkennen konnte: Ein 220 Meter langer, stark erodierter Linearwall setzt mit westlichem Verlauf unmittelbar am Grönsfurther Weg an. Das zweite, bis dahin ebenso unbekannte Denkmal ist ein hufeisenförmiger Wall, der an eine Binnendüne angebaut ist. Auch dieser Wall liegt neben dem Altweg.
Der Linearwall ist um 6 Meter breit und noch bis 1,5 Meter hoch. Er hat ähnlich dem Kurzen Kograben des Danewerks oder den kurzen Wällen des Osterwalles eine Wegesperre gebildet. Der Zeitrahmen dieser Wälle umfasst das 8. bis 10. Jahrhundert. Der hufeisenförmige Wall hat die beträchtlichen Außenmaße von 180 Metern Länge und 100 Metern Breite bei Innenmaßen von 120 zu 70 Metern. Er ist bis 2,5 Meter hoch erhalten, allerdings stark in die Breite erodiert. Untersuchungen an ring- und halbkreisförmigen Burgen haben Datierungen vom 9. bis 12. Jahrhundert ergeben.