mini|Das Wappen der Stadt Volkach

Die Geschichte der Stadt Volkach umfasst die Entwicklungen auf dem heutigen Gebiet der Stadt Volkach von der ersten Besiedlung bis zur Gegenwart. Im Jahr 906 nach Christus wurde der Ort erstmals erwähnt. Es vergingen noch einige Jahrhunderte, bis Volkach 1258 erstmals als Stadt bezeichnet wurde. Zunächst Teil der Grafschaft Castell, kam die Stadt bis zum Ende des Mittelalters in die Hände des Fürstbischofs von Würzburg, der aus ihr eine seiner Amtsstädte machte. Mit der Neuzeit verlor die Stadt viele ihrer Privilegien und ist heute Mittelzentrum im unterfränkischen Landkreis Kitzingen in Bayern.

Vor- und Frühzeit Frühe Besiedlung (bis 250 n. Chr.) mini|hochkant|Spuren der Latènekultur im Osten der Stadt (Februar 2013)

Erste Spuren menschlicher Besiedlung im Bereich der Mainschleife stammen aus dem Paläolithikum. Am Ende der letzten Eiszeit war die Region um Volkach von Tundravegetation bedeckt, die den Jägern und Sammlern der Altsteinzeit nur wenig zu jagendes Wild bot. Dennoch belegen Gerätefunde und der Backenzahn eines Mammuts südlich der heutigen Stadt Volkach das frühe Auftauchen des Menschen in der Region. Kultisches Zentrum war in dieser Zeit der Vogelsberg, auf dem sich heute das Kloster Vogelsburg befindet.

In der Jungsteinzeit besiedelten die Bandkeramiker die Mainschleife. Wiederum bildete der vom Main umflossene Berg den Mittelpunkt der Besiedlung: Die typischen Schalen aus Ton wurden auf dem Vogelsberg gefunden. Der Siedlungsbezirk der Kultur reichte aber wesentlich weiter und umfasste die Gebiete der heutigen Dörfer Neusetz, Fahr, Ober- und Untereisenheim und Prosselsheim. Die Siedlungen entstanden vor allem an den Mainfurten und erlaubten den Menschen der Jungsteinzeit einen leichten Übergang.Gerhard Egert: Stadt und Pfarrei Volkach am Main. S. 7.

Wie in den Jahrtausenden zuvor blieb die Mainschleife auch während der Bronzezeit besiedelt, auch wenn die Siedlungsstelle Volkach selbst nicht durch Funde belegt ist. Insbesondere Hügelgräber in Dimbach, Gaibach und Untereisenheim stützen die Annahme, dass eine Besiedlungskontinuität von der spätneolithischen Becherkultur bis zur Hügelgräberbronzezeit existierte. Die Menschen der Urnenfelderkultur eroberten im 12. vorchristlichen Jahrhundert die Befestigungen an der Mainschleife.

Zum Beginn der Eisenzeit im 7. vorchristlichen Jahrhundert übernahmen die Menschen der Latènekultur die Siedlungen in der Region um Volkach. Die Angehörigen der Kelten mischten sich mit der einheimischen Bevölkerung und bauten den Vogelsberg zu ihrer Residenz in der Region aus. Ähnlich dem Würzburger Marienberg entstand ein Königssitz und Verehrungsort für die keltischen Götter auf dem Berg.Herbert Meyer: Die Vogelsburg – Mitte einer gesegneten Landschaft. In: Ute Feuerbach (Hrsg.): Unsere Mainschleife. 1993–2007. S. 40. Um die Zeitenwende verließen mehr und mehr Germanen ihre nördlichen Siedlungsgebiete und rückten bis zur Mainschleife vor. Als keltischer Rückzugsort könnte zu dieser Zeit der Kirchberg am Rande Volkachs besiedelt worden sein.

Völkerwanderung (bis 704 n. Chr.)

Erste germanische Siedler an der Mainschleife waren zunächst die Sueben, die aus dem Gebiet des heutigen Sachsen stammten. Insbesondere der Stamm der Markomannen besiedelte die Region um Volkach; Spuren dieses Stammes sind vor allem für das 1. Jahrhundert zu finden. Sie wurden im 2. Jahrhundert von den aus Westen eindringenden Alemannen verdrängt, auf die die Stadt Kitzingen zurückgehen sollte. Bis zum 3. oder 4. Jahrhundert war die Mainschleife in alemannischer Hand.

Etwa um das Jahr 500 folgten ihnen die westgermanischen Thüringer und blieben bis in die Mitte des 6. Jahrhunderts an der Mainschleife. Nach mehreren kriegerischen Auseinandersetzungen mit den vorrückenden fränkischen Siedlern unter ihrem König Theuderich mussten sie das Gebiet räumen. Im Jahr 704 wurde dann Würzburg, das künftige Zentrum der Region, erstmals erwähnt. Mit den fränkischen Kolonisten setzte eine, von König und Adel getragene, staatliche Entwicklung ein.Gerhard Egert: Stadt und Pfarrei Volkach am Main. S. 11.

Mittelalter Gründung und erste Erwähnung (bis 906) mini|hochkant|Die Urkunde von 906 Wann genau die Besiedlung des Ortes erfolgte, an dem sich heute die Stadt Volkach befindet, liegt im Unklaren. Sicher ist jedoch, dass der Name der Siedlung aus frühgermanischer Zeit stammt. Die Endung -ach kommt vom Althochdeutschen aha, was „Gewässer“ oder „fließendes Wasser“ bedeutete.Gerhard Egert: Die Ortsnamen als siedlungshistorische Quelle. Lagestruktur und Deutung. In: Ute Feuerbach (Hrsg.): Volkach. 906–2006. S. 11. Volkach war ein Dorf von Wehrbauern, die unterhalb der befestigten Vogelsburg an der Main-Mündung eines kleinen Flusses lebten. Siedlungszellen waren das Gebiet des heutigen Klosters St. Maria im Südwesten der Stadt und der Kern des heutigen Obervolkach.

Das Dorf war dem fränkischen Königshof Prosselsheim zugeordnet, der sich bei der Kolonisation als verwalterisches Zentrum etabliert hatte. Daneben bildete weiterhin die Vogelsburg den geistlichen Mittelpunkt der Siedlung, sie übte Pfarreifunktionen aus und war Sitz eines Vogtes, der die königliche Verwaltung repräsentierte. Um das Dorf Volkach herum bildete sich bald einer der Urgaue des Frankenreichs, das sogenannte Volkachfeld, später Volkfeld genannt. Benannt wurde der Verwaltungsbezirk nach dem Hauptfluss Volkach, der seinen Namen von der befestigten Siedlung am Main hatte.

Das homogene, fränkisch-karolingische Krongut wurde im Laufe des 8. und 9. Jahrhunderts zerschlagen. Zunächst verlor bis spätestens 742 die Vogelsburg ihre pfarrlichen Funktionen an der Mainschleife gegen den, auf der anderen Mainseite gelegenen Kirchberg, auf dem sich heute die Kirche Maria im Weingarten befindet. Zum anderen vergaben die fränkischen Könige mehr und mehr Besitzungen an Adelige und Klöster der näheren und weiteren Umgebung, um sich hierdurch deren Loyalität zu versichern.

Erstmals im Jahr 788 wurde ein Höriger aus Volkach überliefert, der dem Kloster Fulda untertan war.Ute Feuerbach: Von der Villa zur civitas. In: Ute Feuerbach (Hrsg.): Volkach. 906–2006. S. 1. Im Jahr 889 fiel dann der größte Teil der Mainschleife an die Abtei. Kaiser Arnulf sicherte der Bonifatiusabtei große Gebiete am Main zu und zerschlug so das alte Königsland endgültig. In einer Urkunde aus dem Jahr 906, die sein Sohn Ludwig das Kind ausstellte, wurden die Schenkungen bestätigt. „Folchaa superior et inferior, Fugalespurc“MGH DD/LK 46. und mehrere weitere Orte kamen unter die Klosterherrschaft.

Bemerkenswert ist die Tatsache, dass anstatt eines Dorfs Volkach zwei, ein oberes (lat. inferior) und ein unteres (lat. superior), genannt werden. Es ist davon auszugehen, dass sich die zwei Siedlungszellen aus frühgermanischer Zeit auseinanderentwickelt hatten. Zum Siedlungskern an der Flussmündung war eine Hörigensiedlung hinzugekommen, die durch einen frühen Marktort am heutigen Oberen Markt ergänzt wurde.Gerhard Egert: Die Siedlungskerne der Stadt – ein Beitrag zur historischen Topographie Volkachs. In: Ute Feuerbach (Hrsg.): Unsere Mainschleife. 1978–1992. S. 337 f. Das heutige Obervolkach war ein eigenständiges Dorf geworden.

Vom Dorf zur Stadt (bis 1258) mini|hochkant|Die Burg Hallburg – Zollburg Volkachs (September 2012)

Nach dem ersten Beleg für die Existenz des Dorfes Volkach dauerte es wiederum fast 300 Jahre, bis der Ort erneut in den Quellen Erwähnung fand. Die Besitzverhältnisse an der Mainschleife hatten sich inzwischen wieder vollständig geändert: Die Abtei Fulda hatte sich aus der Region zurückgezogen, da die Gewinne ihrer Güter mehr und mehr zurückgingen und die Verwaltung der unrentablen Höfe zu teuer wurde.

Gleichzeitig war insbesondere das 11. und 12. Jahrhundert mit dem Aufstieg der regionalen, geistlichen und weltlichen Fürstentümer verbunden. Im Schatten des Hochstifts Würzburg etablierten sich an der Mainschleife die Herren von Castell. Wie Volkach in die Hände der späteren Casteller Grafen gelangte, liegt allerdings im Unklaren. Sie waren wohl als Vögte des Klosters aufgetreten und hatten, als der Einfluss der Abtei schwächer wurde, Grundherrenrechte im Dorf übernommen.Walter Scherzer: Volkach und das Haus Castell. In: Ute Feuerbach (Hrsg.): Volkach. 906–2006. S. 27.

Zwischen den Jahren 1190 und 1213 tauchte ein „Heroldus de Volcaha“, ein Herold in castellischen Diensten, als Zeuge auf einer Urkunde auf. Ab diesem Zeitpunkt fließen die Quellen wieder regelmäßiger. Volkach wurde Sitz eines Notars und eines Vogtes, die beide im Jahr 1244 überliefert sind. Gleichzeitig hatte auch das Würzburger Bistum Einfluss im Dorf, ein Ministerialer, Albert, wurde 1231 erstmals genannt.

Die Grafen versuchten, durch Befestigungen auf den umliegenden Bergen ihren Einfluss an der Mainschleife auszubauen. Im 13. Jahrhundert wurde die Hallburg gebaut, im Jahr 1225Rudi Krauß: Verschwiegener Burgstall über den Weinbergen. In: Ute Feuerbach (Hrsg.): Unsere Mainschleife. 1978–1992. S. 103. die Stettenburg erstmals erwähnt, sodass nun drei Burgen, die Vogelsburg, die Stettenburg und die Hallburg, um das aufsteigende Dorf am Main gruppiert waren. Gleichzeitig gelang es den Castellern, die Stellung Volkachs als Marktzentrum der Region auszubauen, der Marktort war die Obere Vorstadt. Zusätzlich etablierte sich eine Fischersiedlung am Volkachbach.

Schnell war das Dorf wichtigster Ort des gräflichen Besitzes geworden und man umgab es mit einer Ringmauer. Diese erneute Aufwertung führte im Laufe des 13. Jahrhunderts zu einer „schleichenden“ Stadtwerdung Volkachs, die sich vor allem in den Bezeichnungen in Urkunden niederschlug. Tauchte 1230 noch „villa“, also Dorf, in den Ortsbezeichnungen auf, wurde 1258 von der „civitas“, der Stadt Volkach, gesprochen. Eine offizielle Stadterhebung Volkachs erfolgte allerdings wohl nie.Ute Feuerbach: Von der villa zur civitas. In: Ute Feuerbach (Hrsg.): Volkach. 906–2006. S. 6.

Unter den Grafen von Castell (bis 1328) mini|hochkant|links|Der Turm der Pfarrkirche St. Bartholomäus (September 2012)

Mit der Stadtwerdung Volkachs ging eine infrastrukturelle und handelspolitische Umorientierung einher, die bereits in den Jahrhunderten zuvor die Mainschleife ergriffen hatte. Die Ost-West-Achse von Prosselsheim über die Vogelsburg und weiter nach Volkach und Bamberg verlor ihre verkehrswichtige Bedeutung, stattdessen verlagerten sich die Handelswege auf die Nord-Süd-Straße von Ansbach nach Schweinfurt. Dies zeigte sich auch in der Ausrichtung der Zweitorestadt Volkach, deren Hauptstraße von Norden nach Süden verlief.Gerhard Egert: Von der Villa (Dorf) zur Civitas (Stadt) Volkach. In: Ute Feuerbach (Hrsg.): Volkach. 906–2006. S. 9.

Durch diese Neuausrichtung blühte Volkach weiter auf. Als einzige Stadt der Grafschaft Castell wurde der Ort Verwaltungssitz und Schreibstätte, als wichtiger Übergangsort am Main konnte hier außerdem Zoll auf verschiedene Handelswaren erhoben werden. Innerhalb der Grafenfamilie von Castell kam es Mitte des 13. Jahrhunderts, nach dem Tod des Friedrich I., allerdings zu Spaltungen, die auch die Stadt Volkach betrafen.

Die Söhne des Friedrich, Heinrich und Hermann von Castell, gehörten unterschiedlichen Lagern an. Während Hermann den Interessen des Würzburger Hochstifts näherstand, gehörte Heinrich den mit Würzburg verfeindeten Hennebergern an. Diese Kluft führte in den Jahren 1265/1267 zur Linienspaltung des Hauses Castell und zur Aufteilung des Besitzes der Brüder. Auch die Stadt Volkach war hiervon betroffen, ein Teil wurde Heinrich zugesprochen, der andere kam an Hermann.