Johannes Jaumann (* 6. März 1902 in Brünn; † 15. Juni 1971) war ein deutscher Physiker und Hochschullehrer.
Ab 1933 bekleidete Jaumann eine außerordentliche Professur für theoretische Elektrotechnik an der Technischen Hochschule Brünn.„Persilschein“ für Jaumann aus dem Jahr 1946 Am 15. Juni 1939 beantragte er die Aufnahme in die NSDAP und wurde rückwirkend zum 1. April desselben Jahres aufgenommen (Mitgliedsnummer 7.063.201).Bundesarchiv R 9361-VIII KARTEI/13741676 Während des Krieges entwickelte er ab 1943 in Zusammenarbeit mit der IG Farben Tarnkappenanstriche für U-Boote, die die gegnerische Funkmessortung erschweren sollten (Projekt Schornsteinfeger). Das dabei realisierte Konzept war ab 1944 einsatztauglich und beruhte auf einer mehrlagigen Abfolge unterschiedlich leitfähiger Schichten, die zu einer „Versumpfung“ der Radarstrahlen und zur Umwandlung von deren Energie in Wärme führen. Dieses Prinzip wurde nach dem Krieg international aufgegriffen und gilt bis heute unter dem Namen Jaumann-Absorber als eine der Standardtechnologien auf dem Gebiet der Radar-Abschirmtechnik.
Während des Krieges kam Jaumann auf Veranlassung Walther Gerlachs an dessen Institut für Experimentalphysik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München und arbeitete dort auch eng mit dem (eigentlich schon emeritierten) Arnold Sommerfeld wissenschaftlich zusammen. Sommerfeld schätzte ihn hoch und bezeichnete es als „unbegreiflich und widersinnig“, dass Jaumann wegen seiner seinerzeitigen Mitgliedschaft in der Sudetendeutschen Partei und später in der NSDAP von den Alliierten als „Mitläufer“ des Nationalsozialismus eingestuft wurde; diese Einstufung bereitete Jaumann nach dem Krieg vorübergehend Probleme bei der Arbeitsplatzsuche.
Nach Kriegsende gehörte Jaumann zu einer Kommission, die von ehemaligen Prager Professoren (dem Collegium Carolinum) eingesetzt worden war, um Ansprüche aus Böhmen stammender deutscher Wissenschaftler gegenüber der bayerischen Regierung geltend zu machen.
1945 arbeitete Jaumann zunächst als Gastprofessor an der Technischen Hochschule Stuttgart, ehe er 1950 schließlich auf den ordentlichen Lehrstuhl für Experimental-Physik an die Universität Köln berufen wurde. Von 1951 bis 1970, also ein Jahr vor seinem Tod, lehrte er dort am Physikalischen Institut.
Weblinks Briefwechsel mit und über Johannes Jaumann nach Kriegsende – Originaldokumente
Einzelnachweise
Kategorie:Physiker (20. Jahrhundert) Kategorie:Hochschullehrer (Universität Stuttgart) Kategorie:Bildung in Brünn Kategorie:NSDAP-Mitglied Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1902 Kategorie:Gestorben 1971 Kategorie:Mann