mini|Wohnturm der Burg Frankenstein bei Nacht alternativtext=Frankenstein im Winter|mini Burg Frankenstein liegt südöstlich des Darmstädter Stadtteils Eberstadt auf der Gemarkung des Mühltaler Gemeindeteils Nieder-Beerbach und ist die nördlichste einer Reihe von Burgen und Burgruinen am westlichen Rand des Odenwaldes mit Blick auf die Rheinebene. Die das Mittelgebirge flankierende (Alte) hessische Bergstraße verläuft rund 1,5 km westlich und 225 m niedriger.
Berühmtheit verdankt die Burg Frankenstein der Tatsache, dass sie als Namensgeber für Mary Shelleys bekanntes Buch „Frankenstein oder der moderne Prometheus“ dargestellt wird, das auch mehrfach verfilmt wurde. Eine Verbindung Mary Shelleys mit der Burg wird von verschiedenen Autoren aus Gründen der beschriebenen Lokalitäten angezweifelt – zudem wird in dem Roman keine Burg erwähnt. Da das Ehepaar Shelley auf der Reise nach Genf aber durch das Rheintal kam, wird vermutet, dass die Schriftstellerin den Namen der Burg bzw. des Adelsgeschlechtes übernahm (der Held im Buch, Viktor Frankenstein, wird als Patriziersohn beschrieben, der aber aus der Schweiz stammt).
Geschichte Die Burg Frankenstein steht auf einem 370 m hohen Ausläufer des Langenbergs. Erstmals erwähnt wurde sie im Jahre 1252 in einer Urkunde Konrad II. Reiz von Breuberg und seine Ehefrau Elisabeth von Weiterstadt betreffend.Wolfgang Weißgerber: Die Herren von Frankenstein und ihre Frauen: Landschaften, Personen, Geschichten, Schlapp, Darmstadt-Eberstadt 2002, ISBN 3-87704-050-0. Aus der Formulierung des Dokuments „super castro in frangenstein“ („auf der Burg auf dem Frankenstein“) geht jedoch hervor, dass die Burg zu dieser Zeit bereits erbaut war und genutzt wurde. Die genaue Entstehungszeit ist ungewiss; Vermutungen reichen bis in fränkische Zeit zurück. Die meisten Historiker gehen von einem Baujahr um 1240 aus.
Das Adelsgeschlecht der Herren von und zu Frankenstein entstand infolge der Heirat von Konrad II. Reiz von Breuberg und Elisabeth von Weiterstadt. Die Frankensteiner stellten in der Folge die Oberherren von Eberstadt, Nieder-Beerbach, Schmalbeerbach (heute zu Lautertal (Odenwald)), Ober-Beerbach, Stettbach (beide heute zu Seeheim-Jugenheim), Allertshofen (heute zu Modautal), Bobstadt (heute zu Bürstadt)Friedel Kirschner: und Ockstadt bei Friedberg.
Spätestens 1292 erklärten sich die Frankensteiner durch Friedrich von Frankenstein zu Burgmannen der Grafen Wilhelm I. und Diether VI. von KatzenelnbogenDas Mühltal im Odenwald: und räumten diesen unbeschränkten Zutritt zur Burg und Unterstützung im Kriegsfalle ein. Zu einem solchen Fall kam es aber nie. Die Burg selbst wurde niemals belagert.
mini|Urkunde der ersten Erwähnung 1252 mini|Überblick über die Burg, rechts sind die Kapelle und die Stallungen zu erkennen mini|Die Burgkapelle Im Laufe des 14. Jahrhunderts spaltete sich das Frankensteiner Geschlecht in zwei Linien. Sie teilten daraufhin die Burg nach einem peinlich genau beschriebenen Burgfrieden von 1363. Dennoch waren stetige rechtliche Auseinandersetzungen zwischen den beiden Linien die Folge.
Um das Jahr 1400 stieg der Einfluss der Frankensteiner. Die zu klein gewordene Burg wurde um die Vorburg massiv erweitert und modernisiert. 1402 wurde die Burg, zusammen mit Nieder-Beerbach, Reichslehen und damit unabhängig von den mächtigen Grafen von Katzenelnbogen. Die restlichen Gebiete der Frankensteiner Herrschaft blieben aber in gewisser Abhängigkeit von Katzenelnbogen, ab 1479 von Hessen.
Das 16. Jahrhundert war durch eine rege Bautätigkeit geprägt, ein Beleg für die offenkundig gute wirtschaftliche Lage der Herrschaft. Die Burg erreichte in dieser Zeit die auch heute noch vorhandenen Ausmaße. Gleichzeitig verschärften sich aber auch die Konflikte mit den hessischen Landgrafen, vor allem ab 1567, als nach Teilung des Landes Landgraf Georg I. Darmstadt zu seiner Residenzstadt machte. Besonders der Versuch der Frankensteiner, am katholischen Glauben festzuhalten, sorgte für Konflikte. Während Landgraf Georg mit einigem Erfolg große Teile seiner Herrschaft in einem geschlossenen Territorium zusammenzog, blieb die Frankensteiner Herrschaft ein Flickenteppich aus einigen Dörfern. Lediglich das Gebiet in unmittelbarem Umfeld der Burg, vor allem das reichsunmittelbare Dorf Nieder-Beerbach, aber auch die nicht reichsunmittelbaren Dörfer Eberstadt und Ober-Beerbach, kann als geschlossenes Territorium der Frankensteiner betrachtet werden.
Außer auf der Burg selbst und in Nieder-Beerbach hatten die Landgrafen von Hessen zudem das Zentrecht in allen Eberstädter Besitzungen inne. Dies dehnten sie bald auch, trotz rechtlicher Fragwürdigkeit, auf das reichsunmittelbare Nieder-Beerbach aus. Die Frankensteiner strengten daher unzählige Rechtsstreite vor dem Reichskammergericht an, der politische Druck durch die hessischen Landgrafen war aber zu groß, und so mussten die Frankensteiner letztlich die Oberherrschaft Hessen-Darmstadts über ihr Territorium akzeptieren.
Trotz testamentarischer Verfügung durch den damaligen Chef des Hauses Frankenstein, keinesfalls an Hessen zu verkaufen und eher auf die Hilfe von Kurmainz zu hoffen (das sich jedoch an einem Kauf der Frankensteiner Herrschaft nicht interessiert zeigte), verkaufte man 1662 schließlich an Hessen-Darmstadt.
Landgraf Ludwig VI. von Hessen-Darmstadt kaufte für 109.000 Gulden die Burg samt der Frankensteiner Herrschaft. Die Herren von Frankenstein, seit 1670 Freiherren, zogen sich nach Franken (Ullstadt) zurück, wo sie eine neue Herrschaft gekauft hatten. Ihre Nachfahren leben heute noch dort.
Da es dem Landgrafen weniger um die Burg als um den Territorialbesitz der Frankensteiner ging, verfiel die Burg, die sich beim Verkauf noch in gutem Zustand befunden haben muss, in der Folgezeit zusehends. Bis zum 18. Jahrhundert diente sie zwar noch als Invalidenhaus und Zufluchtsort während der Eroberungskriege Ludwigs XIV. von Frankreich, bald danach aufkommende Gerüchte von verborgenen Schätzen sorgten jedoch für erhebliche Zerstörungen, da man, um dieser vermeintlichen Schätze habhaft zu werden, Mauern und Kellerdecken einriss. Mitte des 18. Jahrhunderts war die Vorburg weitgehend verfallen. Endgültig zerstört wurde dann auch die Kernburg in der Folgezeit durch die Ehefrau des damaligen Burgverwalters, die alles zu Geld machte, was zu Geld zu machen war. Dazu zählten neben dem kompletten Inventar auch das Blei von den Dächern, die Ziegel und die Holztreppen. Die Bauern der Nachbardörfer nutzten die Burg zudem als billigen Steinbruch, bis kaum mehr ein Stein auf dem anderen lag.
Erst ab Mitte des 19. Jahrhunderts ließ Großherzog Ludwig III. die Burg im Sinne der damaligen Burgenromantik teilweise restaurieren. Dabei ging man jedoch sehr ungeschickt und ungenau vor und zerstörte mehr als man aufbaute. Die augenfälligsten Restaurierungen, die beiden Türme, wurden zudem fehlerhaft durchgeführt. Der Torturm erhielt ein Stockwerk zu viel, und der innere Wohnturm hatte wohl nie eine Turmhaube.
Im 20. Jahrhundert wurde die Burg zunehmend zum Ausflugsziel. Im neueren Teil der Burg befand sich ein nach fünfjähriger Bauzeit im September 1970 eingeweihtes, im Oktober 2023 jedoch wieder geschlossenes Restaurant mit Aussichtsterrasse. In den 1970er Jahren riefen US-Soldaten ein alljährliches Festival zu Halloween ins Leben, das heute als größtes seiner Art in Deutschland gilt und bis 2023 hier stattfand.
Architektur Die Burganlage der Spornburg ist in verschiedene Abschnitte gegliedert, die in jeweils verschiedenen Epochen gebaut wurden. Die südliche Kernburg, die von dicken Mauern mit Zinnen und Wehrgängen geschützt ist, ist der älteste Teil. Hier befanden sich die meist in Fachwerkbauweise erstellten Wirtschafts- und Wohngebäude um einen engen Hof. Da die Außenmauern der Häuser auch gleichzeitig die Außenmauern der Burg darstellten, waren sie sehr dick. Im Süden vor der Burg sind noch Halsgräben zu erkennen. Zum besseren Schutz des Zwingers wurde später eine weitere Ringmauer gebaut. Der Torturm war lange der Haupteingang zur eigentlichen Burg.
Um Platz zu gewinnen, wurde die Kernburg später um eine Vorburg erweitert, welche ebenfalls von einer starken Mauer umgeben ist. Zu Anfang des 16. Jahrhunderts wurde die Burg erneut umgebaut und erweitert, bis sie zur Mitte des 16. Jahrhunderts ihre endgültige Form bekam. Außer der 1474 errichteten Kapelle steht heute nichts mehr in der Vorburg.
Bevor die Burg um die Vorburg erweitert wurde, befand sich vor dem Torturm ein Graben mit Zugbrücke. Dieser ist heute zugeschüttet. Im Torturm sind allerdings noch die Rollen und Auflagesteine der Zugbrücke zu erkennen.
Zur gefährdeten Südseite hin wurde ein vorgelagerter Batterieturm errichtet, welcher zur Burg hin offen ist, um den Feind weiterhin unter Beschuss nehmen zu können, sollte er den Turm einnehmen.
Das Brunnenhaus der Burg befand sich im inneren Burghof. Heute ist der noch erhaltene Brunnen zugedeckt.
mini|hochkant=2|Panorama der Rheinebene fotografiert von Burg Frankenstein Ehrenmal für die Gefallenen der Weltkriege mini|Burg Frankenstein, 1813, Karl Philipp Fohr mini|Von Turnern des Frankenstein-Bergturnfestes errichtetes Ehrenmal für die Weltkriegstoten in der Nähe der Burg Nahe der Burg, neben dem Parkplatz, wurde von Turnern ein Ehrenmal errichtet und am 4. September 1927 eingeweiht. Hier wird jährlich – während des Frankenstein-Bergturnfestes – der Gefallenen gedacht.Das Mühltal im Odenwald: Das Ehrenmal ist in Form eines Schwertes konstruiert, das gegen ein steinernes Podest lehnt. Auf der Parierstange ist die Aufschrift Gedenkt der Toten und dessen, wofür sie starben zu lesen, darunter 1914–1918 (Erster Weltkrieg) und 1939–1945 (Zweiter Weltkrieg). Oberhalb des Heftes befindet sich das Turnerkreuz.Siehe Bild rechts
Mythen, Sagen und Kuriositäten Ritter Georg und der Drache Im Steinbruch unterhalb der Burg soll Ritter Georg von Frankenstein einen Lindwurm besiegt haben. Der Sage nach habe der Lindwurm das Dorf Nieder-Beerbach heimgesucht und sich nur zeitweise vom Fleisch junger Mädchen beruhigen lassen. Schließlich habe sich der Ritter entschlossen, das Untier zu töten, was ihm nach erbittertem Kampf auch gelungen sei. Allerdings sei er am Gift des Untiers gestorben, das dieses in die Kniekehle des Ritters gespritzt habe.Das Mühltal im Odenwald:
Die Variante der Sage, nach der Ritter Georg seine heimliche Geliebte Anne-Marie vor dem Lindwurm gerettet habe, bezieht eine ursprünglich wohl eigenständige Sage um drei mysteriöse Lichter in einem verlassenen Haus mit ein. In dieser Variante hätten Anne-Marie und Georg die Lichter als geheime Zeichen genutzt. Nach Georgs Tod sollen die Lichter in der Adventszeit wieder gebrannt haben, und man habe Anne-Maries bleiches Antlitz sehen können, das sehnsüchtig zum Frankenstein hinaufblickte.Heinrich Eduard Scriba: Geschichte der ehemaligen Burg und Herrschaft Frankenstein und ihrer Herrn. 1853.
In der Nähe des Steinbruchs erinnert heute noch ein steinerner Lindwurm an die Sage. Diese selbst soll auf einen Ritter Georg von Frankenstein zurückgehen, der im Jahr 1531 gestorben sei. Sein Grabmal zeigt ihn mit einem Lindwurm kämpfend. Die Sage ist jedoch deutlich später entstanden; das Motiv des Grabmals spielt vermutlich auf den Namenspatron des Verstorbenen an, den Heiligen Georg, der üblicherweise mit einem Drachen kämpfend dargestellt wurde.
Das alte Schloss Unterhalb der Burg Frankenstein, östlich der Landesstraße, die Nieder- und Ober-Beerbach verbindet, befindet sich ein Ort, der seit jeher „altes Schloss“ genannt wird. Der örtlichen Folklore nach soll es sich hierbei entweder um einen alten Ringwall aus der Bronzezeit oder den alten Sitz der Frankensteiner handeln.
Die Forschung geht davon aus, dass es sich bei dem „alten Schloss“ lediglich um eine heute nur noch in letzten Überresten erhaltene Turmburg aus der späten Salierzeit handelt.Das Mühltal im Odenwald:
Die alte Burg