Einsatzorte des Solaris Urbino 12 electric
Beim Solaris Urbino 12 electric handelt es sich um einen zwölf Meter langen, rein elektrisch betriebenen Batterie-Linienbus in Niederflurbauweise des polnischen Nutzfahrzeugherstellers Solaris Bus & Coach mit elektrischer Ausstattung des deutschen Unternehmens Kiepe Electric. Konzeptionell entstammt das Fahrzeug der Linienbus-Baureihe Urbino.
Im Zuge verschiedener Förderprojekte für die Erprobung der Nutzung regenerativer Energien im öffentlichen Personennahverkehr wird das Fahrzeug ab 2014 bei mehreren Verkehrsunternehmen eingesetzt. Der erste Linieneinsatz eines Urbino 12 electric fand nach einführenden Testfahrten am 27. März 2014 in Braunschweig statt, zugleich ist dieses Fahrzeug nach einem 8,9 m langen und 2,4 m breiten Midibus für Klagenfurt der zweite verkaufte Urbino mit Batterieantrieb.
Zusammen mit dem Batterie-Midibus Urbino 8,9 LE electric und dem Batterie-Gelenkbus Urbino 18 electric bildet der Urbino 12 electric eine Produktpalette. Bereits 2012 wurde die Baureihe mit dem EBUS Award in der Kategorie Batteriebusse ausgezeichnet.Solaris mit erstem EBUS Award ausgezeichnet. Omnibusrevue vom 1. Oktober 2012, abgerufen am 20. Juni 2014.
Ebenfalls über elektrischen Antrieb verfügen die Solaris-Oberleitungsbusse der Bauserien Trollino 12 (zweiachsiger Solowagen), Trollino 15 (dreiachsiger Solowagen) und Trollino 18 (Gelenkwagen).
Optisch nahezu identisch ist der Solaris Urbino electric mit dem tschechischen Batteriebus Škoda Perun, der ebenfalls mit einer Urbino-Karosserie, jedoch mit elektrischen Komponenten der Firma Škoda Electric ausgestattet ist.
Technik und Ausstattung mini|Urbino 12 electric (grün) und ein dieselbetriebener Urbino 12 (rot) am Braunschweiger Hauptbahnhof mini|Lage der Lithium-Ionen-Batterie im Heckbereich neben der hintersten Sitzreihe
Es stehen verschiedene Ladesysteme zur Verfügung: Ein Plug-In-System für Wechselstrom, bei dem sich das Ladegerät im Fahrzeug befindet, ein Plug-In-System für Gleichstrom mit externem Ladesystem sowie ein berührungsloses Induktivladesystem über Platten im Fahrzeugboden. Zusätzlich kann der Batteriebus mit Stromabnehmern ausgestattet werden, sodass beispielsweise mit der elektrischen Infrastruktur von O-Bussen geladen werden kann. In diesem Fall erfolgt das An- und abbügeln vollautomatisch.
Der Antrieb erfolgt über zwei Asynchronmotoren an der Hinterachse. Sowohl Vorder- als auch Antriebsachse stammen in der Basiskonfiguration von ZF, ebenso das Servocom-8098-Lenksystem.
Im Heckbereich des Fahrzeugs sind die Traktionsbatterien untergebracht, wobei standardmäßig Lithium-Ionen-Batterien zum Einsatz kommen. Gegenüber dem Urbino-Basismodel wurde bei der Karosserie aus rostfreiem Stahl zusätzliches Gewicht eingespart. Bei der Beblechung der Seitenwände kommen zudem Aluminiumpaneele zum Einsatz. Der Bus erreichte mit einer kompletten Ladung unter Testbedingungen eine Reichweite von 150 km.Solaris Urbino electric gewinnt bei Batteriebussen – EBUS Award, goingelectric.de vom 1. Oktober 2012, abgerufen am 7. Februar 2019
mini|Inneneinrichtung eines Vorführwagens der aktuellen Urbino electric auf der IAA Nutzfahrzeuge 2016 Das Fahrzeug kann mit zwei oder drei Fahrgast-Doppeltüren geordert werden, wobei für den vorderen Einstieg auch eine Einzeltür verfügbar ist. An der zweiten Tür ist als Basiskonfiguration eine klappbare Rollstuhlrampe vorgesehen. Die Einstiegshöhen liegen bei den Doppeltüren zwischen 32 und 34 Zentimetern.
Für die Beleuchtung setzt Solaris fahrzeugübergreifend auf LED-Technik. Die Bedienelemente am Fahrerarbeitsplatz können optional durch mehrere Touchscreen-Monitore ersetzt werden, jedoch ist auch ein Cockpit mit normalen Anzeigen und Druckknöpfen erhältlich.
Mit den drei Fahrzeugen für die üstra Hannover wurde auch bei der Batteriebus-Version des Urbino die Modellpflege umgesetzt, was sich im deutlich kantigeren Außendesign zeigt.
Einsatzorte Neben mehreren Vorführwagen der Firma Solaris kommen an folgenden Orten Urbino-Elektrobusse zum Einsatz:
Braunschweig mini|Elektrobus 1401 der Braunschweiger Verkehrs-GmbH in der Betriebshaltestelle Hauptbahnhof (weißes Induktivladefeld unter dem Bus erkennbar)
Seit dem 27. März 2014 wird im Zuge des Förderprojekts EMIL (Elektromobilität mittels induktiver Ladung) der erste Solaris Urbino 12 electric im niedersächsischen Braunschweig im Linienverkehr auf der stark frequentierten, rund 12 Kilometer langen Ringbuslinie 419 (Hauptbahnhof → Leonhardplatz → Jasperallee → Hamburger Straße → Rudolfplatz → John-F.-Kennedy-Platz → Hauptbahnhof) eingesetzt. Die Aufladung des Wagens erfolgt dabei berührungslos über elektromagnetische Induktionsladeplatten. Das an den Haltestellen und im Fahrzeug eingesetzte Induktivladesystem Primove stammt von der Firma Bombardier Transportation. Neben entsprechenden Ladestationen auf dem Betriebsgelände Lindenberg der Braunschweiger Verkehrs-GmbH befinden sich im Streckenverlauf der Ringlinie zwei Ladefelder in der Wendeschleife Hauptbahnhof und eine weitere Platte an der Unterwegshaltestelle Hamburger Straße. Die Nachladung erfolgt am Hauptbahnhof während der Pausenzeiten, an der Hamburger Straße wird während des Fahrgastwechsels für rund 30 Sekunden nachgeladen. Das zweitürige Fahrzeug wurde mit der Nummer 1401 in den Fuhrpark eingereiht und erhielt eine von der weiß-rot gehaltenen Dieselbusflotte abweichende Außengestaltung in weiß mit grün umlaufender Banderole.Der erste Solaris-Elektrobus fährt in Braunschweig auf Linie. Solaris Bus & Coach vom 28. März 2013, abgerufen am 20. Juni 2014.
Der Elektrobus der Braunschweiger Verkehrs-GmbH hatte werktags zunächst zwei, ab dem 14. April drei feste, vom Standardtakt der Linie abweichende Fahrplanumläufe, die gesondert ausgewiesen sind. Über den restlichen Tag wird der Wagen freizügig als Beiwagen zum bestehenden Dieselbusverkehr auf der gegen den Uhrzeigersinn verlaufenden Ringlinie eingesetzt. Die in Gegenrichtung verlaufende Linie 429 (Hauptbahnhof → John-F.-Kennedy-Platz → Rudolfplatz → Hamburger Straße → Jasperallee → Leonhardplatz → Hauptbahnhof) wurde vorerst ausschließlich mit Dieselfahrzeugen weiterbedient. Inzwischen kommen auch hier Batteriebusse zum Einsatz.
Ende 2014 wurden in Braunschweig zudem die ersten rein elektrisch betriebenen Gelenkbusse vom Typ Solaris Urbino 18 electric ausgeliefert, womit die Verkehrs-GmbH auch bei den Batterie-Gelenkwagen Erstkunde war.
Krakau Die Städtischen Verkehrsbetriebe Krakau setzten ab April 2014 einen gepachteten Solaris Urbino 12 electric testweise auf der Linie 154 ein, die von der Haltestelle Hauptbahnhof Ostseite nach Prądnik Biały führt. Die Ladung des Busses erfolgt nachts im Depot und reicht laut Solaris für den ganztägigen Betrieb des Wagens aus. Das Fahrzeug ist mit 210-kWh-Batterien und einem Ladegerät mit einer Leistung von 100 kW ausgestattet.
Anhand des Ergebnisses des Dauertests soll bei der MPK Kraków eine Entscheidung über den Kauf einer größeren Zahl von Elektrobussen getroffen werden.Krakau setzt auf Elektrobus von Solaris. Omnibusrevue vom 30. April 2014, abgerufen am 20. Juni 2014.
Düsseldorf Zwei weitere Urbino 12 electric wurden im 26. September 2014 der Rheinbahn AG in Düsseldorf übergeben, die Betriebsaufnahme erfolgte drei Tage später am 29. September. Der Stückpreis für die beschafften Fahrzeuge lag bei 700.000 Euro. Bei einem der beiden Rheinbahn-Batteriebusse handelt es sich um den 10.000. gefertigten Solaris. Die beiden Wagen, die als Nummer 9071 und 9072 eingereiht wurden und dem Betriebshof Benrath zugewiesen sind, werden mittels Plug-In-Ladeverfahren mit Strom versorgt. Für eine komplette Ladung muss der Wagen vier bis sechs Stunden an der Steckdose bleiben. Mit einer voll geladenen Batterie kann der Wagen rund 150 Kilometer ohne weitere Nachladung zurücklegen.
Die Lithium-Ionen-Batterien mit 210 Kilowattstunden und 660 Volt Nennspannung sind im Heck des Fahrzeugs untergebracht, an der Stelle, wo sich bei einem Diesel-Urbino der Motorturm befindet. Der 160 kW leistende Asynchron-Elektromotor befindet sich unter einem Podest im Bereich der Hinterachse, während die Leistungselektronik in Dachcontainern untergebracht wurde.
Eingesetzt werden die Wagen auf den Rundlinien 778 / 779 (S-Bahnhof Benrath ↔ S-Bahnhof Garath ↔ S-Bahnhof Benrath), wofür am gemeinsamen Endpunkt in Benrath eigens eine entsprechende Ladestation eingerichtet wurde.Rheinbahn erprobt wieder Batteriebusse. AG historischer Nahverkehr Düsseldorf vom 26. September 2014, abgerufen am 24. Februar 2014.Zwei Elektrobusse an Düsseldorfer Rheinbahn übergeben. Vossloh Kiepe vom September 2014, abgerufen am 24. Februar 2015.
Västerås Für den Einsatz in der schwedischen Gemeinde Västerås wurde bei Solaris ein Batteriebus mit Plug-in-Ladesystem geordert. Es wird eine mehrmodulige Batterie mit einer Kapazität 160 kWh installiert, wobei die Module sowohl im Heck als auch auf dem Dach des Wagens ihren Platz finden, um eine günstigere Gewichtsverteilung zu erhalten. Im Fahrzeug ist eine Gasheizung verbaut, die von zwei Druckgasflaschen auf dem Fahrzeugdach gespeist wird. Durch diese Maßnahme soll die Batterie beim Heizen entlastet werden.Geräuscharm und emissionsfrei. Busplaner vom 31. März 2014, abgerufen am 20. Juni 2014.
Dresden Wie die Dresdner Verkehrsbetriebe (DVB) im Juli 2014 bekannt gaben, wird ab dem Jahr 2015 ein elektrisch betriebener Solaris Urbino 12 die durch die Flut 2002 in Dresden zerstörte Straßenbahnverbindung von Mickten nach Übigau bedienen, die bis dahin als Linie 79 von kleineren Bussen der Verkehrsbetriebe befahren wurde. Um die Aufladung des Busses zu sichern, erhielt dieser am Endpunkt Mickten auf dem Dreyßigplatz ein kleines Stück eigene Oberleitung, wo er während der Standzeiten über einen fünfpoligen Dachstromabnehmer seine Akkus laden kann. Schaufenster Elektromobilität vom 11. Juli 2014, abgerufen am 14. August 2014. Nachts erfolgt die Aufladung über ein Ladegerät auf dem Betriebshof Trachenberge.
Das Fahrzeug, ein dreitüriger Urbino 12 electric, ist in der Unternehmensfarbe Gelb lackiert und trägt in Form eines stilisierten Akkus mit Protonen und Elektronen großflächige Werbung für das Projekt, das als „DVB Stromlinie“ vermarktet wird. Die Leistung des Elektromotors beträgt 160 Kilowatt, die Speicherkapazität der Lithium-Ionen-Batterie 200 Kilowattstunden. Das Fahrzeug kostete rund 400.000 Euro, wovon rund ein Drittel von Bund und Land gefördert wurden. Die Kosten für den Aufbau der Ladeinfrastruktur beliefen sich auf etwa 200.000 Euro und wurden etwa zur Hälfte finanziell gefördert.
Die „Stromlinie 79“ war Teil des Bundesprogramms „Schaufenster Elektromobilität“ und wurde von der Technischen Universität Dresden wissenschaftlich begleitet.DVB Elektromobilität. Internetauftritt der Dresdener Verkehrsbetriebe, abgerufen am 25. April 2015.
Warschau mini|MZK Wagen 1910 im Einsatz auf Linie 222 in der Ulica Krakowskie Przedmieście
Mit der Inbetriebnahme von insgesamt zehn Fahrzeugen verfügt die MZK Warszawa seit dem Frühjahr 2015 über die damals größte Flotte an Urbino 12 electric.
mini|Fahrgastraum der MZK-Batteriebusse Die dreitürigen Linienbusse, die mittels Plug-In-Ladeverfahren mit Strom versorgt werden, sind unter den Nummern 1901–1910 in den Fuhrpark eingereiht und kommen vorwiegend auf der Warschauer Buslinie 222 (Spartańska – Bielańska) zum Einsatz.
Die Anschaffungskosten beliefen sich laut MZK auf rund 22 Millionen Złoty, die sich jedoch durch die niedrigeren Betriebskosten rechnen würden. Für eine Fahrt von einem Kilometer benötigt der Urbino 12 electric rund 1,35 kWh. Die Aufladung der Batterien erfolgt über Nacht im Depot oder zwischen den Linienfahrten per Kabel. Bis 2020 möchte man in der polnischen Hauptstadt rund 130 elektrische Busse einsetzen.MZA w Warszawie podsumowało eksploatację autobusów elektrycznych. In: portalkomunalny.pl (polnisch)