mini|Emblem der Litauischen Schützenunion mini|Flagge der Litauischen Schützenunion mini|Sitz in Vilnius, Vašingtono-Platz
Lietuvos šaulių sąjunga (Abk.: LŠS; dt. Litauische Schützenunion) ist eine paramilitärische Organisation, nach der litauischen Armee und dem Freiwilligenverband Savanorių pajėgos (der Nationalgarde Litauens) die dritte Verteidigungslinie in Litauen.
Geschichte mini|Infanterieeinheit beim Training mini|Schützen in Formation Die Litauische Schützenunion (Lietuvos šaulių sąjunga, LŠS) wurde 1919 gegründet. Es handelte sich um einen paramilitärischen Verband, zu dessen Zielen die Verteidigung Litauens gegen äußere Feinde sowie die Stärkung patriotischer Werte zählten. Er war 1923 an der Annexion des Memellandes wesentlich beteiligt. In der Zwischenkriegszeit entwickelte sich die Schützenunion zu einer der größten öffentlichen Organisationen in Litauen mit zuletzt über 60.000 Mitgliedern. Ihr gehörten unter anderem Chöre, Theatervereine, Bibliotheken und Orchester an.
Der Schützenbund verstand sich als nationalistische litauische Organisation, insbesondere die litauische Sprache galt als entscheidendes Kriterium. Ein ausgeprägter Antisemitismus war seit Gründung charakteristisch für die Organisation. So forderte die Zeitschrift der Schützenunion 1922 bis 1924 in scharfen Worten den Ausschluss der Juden aus der litauischen Nation.
Bis zum Militärputsch Antanas Smetonas 1926 wählte die Schützenunion ihre Vorsitzenden demokratisch, 1927 wurde sie jedoch den Militärkommandanten zugeordnet, 1935 dem Kommando der Armee und 1938 Smetona persönlich unterstellt. Smetona setzte nunmehr die Vorsitzenden ein. Insgesamt war die Organisation dem Smetona-Regime gegenüber sehr loyal. Das galt auch für die Versuche des Regimes, den Antisemitismus in Litauen eher einzugrenzen. Dennoch waren Mitglieder der Schützenunion mehrfach an gewaltsamen Angriffen auf Juden beteiligt, die von staatlicher Seite geduldet wurden. In der zweiten Hälfte der 1930er Jahre wurden auch zunehmend Mitglieder nationaler Minderheiten ausgeschlossen. 1939 waren etwa 99 Prozent der Mitglieder ethnische Litauer. Dennoch war die Mitgliedschaft nicht auf diese eingeschränkt, sofern die Mitglieder die nationalen Bekenntnisse der Organisation teilten; das galt auch für Juden.
Im Juli 1940, nach der Zwangseingliederung Litauens in die Sowjetunion, wurde die Litauische Schützenunion verboten. Emigrierte Mitglieder des Bundes gründeten in Berlin die Litauische Aktivistenfront. Im Zuge des deutschen Überfalls auf die Sowjetunion waren Schützen 1941 am Juniaufstand gegen die Rote Armee beteiligt, in dessen Verlauf zahlreiche Ausschreitungen gegen litauische Juden verübt wurden. Die von der deutschen Besatzungsverwaltung gegründete Spezialeinheit Ypatingasis būrys, die an vielen Erschießungen von Juden während des Holocausts beteiligt war, rekrutierte sich großenteils aus ehemaligen Mitgliedern der Schützenunion.Klaus Richter: Lietuvos šaulių sąjunga. In: Wolfgang Benz (Hrsg.): Handbuch des Antisemitismus. Band 5: Organisationen, Institutionen, Bewegungen. De Gruyter Saur, Berlin und Boston 2012, S. 378–379.
Wiedergründung und Mitgliedschaft 1990 wurde die Litauische Schützenunion wiedergegründet.
Nach Angaben der LŠS engagieren sich heute inzwischen rund 20.000 Mitglieder unterschiedlichen Alters und mit sehr unterschiedlichen beruflichen Hintergründen - von Lehrkräften, Studierenden und Unternehmer über Kommunikations- und Medienexperten, Juristen, von Fachkräfte aus Industrie und Handwerk bis hin zu Ärztinnen, Wissenschaftlern, IT-Spezialisten und Ruheständlern. Innerhalb der Organisation treten alle zunächst als gleichberechtigte Mitglieder auf – unabhängig von ihrer beruflichen oder gesellschaftlichen Position im zivilen Leben.
Aufgaben Die LŠS ist als Verein organisiert. Aufgabe ist die vormilitärische Ausbildung der Mitglieder. Dazu gehören neben der Schießausbildung auch Überlebensfähigkeiten, weswegen die LŠS vereinzelt auch mit den Pfadfindern verglichen wird. Im Kriegsfall wird die LŠS dem litauischen Militär unterstellt. Als Organisation mit Ortsgruppen in der Fläche des Landes ist es dann Aufgabe der LŠS, die örtliche Verteidigung bis zum Eintreffen militärischer Verbände zu organisieren und ortsfremde Truppen mit den Ortkenntnissen der Mitglieder zu unterstützen. Im Frieden unterstützte die LŠS während der COVID-19-Pandemie im Gesundheitssystem oder bei der Aufnahme von Kriegsflüchtlingen.
Ausrüstung Die LSS hat eigene Waffen. So wurden alte Ak 4 der Litauischen Armee an die LSS abgegeben, jedoch hat auch die LSS selbst HK416 und HK417 beschafft.
Aktivitäten im Ausland Am 7. März 1954 kündigten pensionierte Schützen und andere patriotische Litauer in Chicago die Wiederherstellung der litauischen Schützenunion im Exil an.
In Deutschland wurde 2018 ein Förderverein der Litauischen Schützenunion gegründet. Seit Anfang 2026 gibt es auch eine Litauische Schützenunion in Deutschland als eingetragenen Verein.Eintrag VR211338 im Vereinsregister beim Amtsgericht München.
Leitung 1919–1922: Vladas Putvinskis 1922–1925: Pranas Klimaitis 1925–1935: Mykolas Kalmantas 1935–1940: Pranas Saladžius 1989–1990: Romualdas Zykus 1990: Aleksandras Bendinskas (1920–2015) 1990–1994: Gediminas Jankus (* 1951) 1994–1997: Rimvydas Mintautas 1997–1999: Leonardas Bakaitis 1999–2000: Jonas Gečas 2000–2001: Bronislovas Vizbaras 2001–2010: Juozas Širvinskas 2010–2014: Antanas Plieskis 2014–2017: Liudas Gumbinas seit 2017: Gintaras Koryzna
Weblinks
Website der Lietuvos šaulių sąjunga
Einzelnachweise
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