Emotionales Schlussfolgern oder emotionale Beweisführung (englisch: ) liegt vor, wenn eine Person zu dem Schluss gelangt, dass ihre emotionale Reaktion beweist, dass etwas wahr ist, obwohl es gegenteilige empirische Belege gibt. Beispiel: Obwohl die betroffene Person einen treuen Ehepartner hat, der sich sorgt und keine Hinweise auf ein Fremdgehen liefert, argumentiert die betroffene Person emotional wie folgt: „Ich empfinde Eifersucht und Misstrauen. Das bedeutet, dass mein Partner wohl fremdgeht.“ Emotionales Schlussfolgern ist eine Form von kognitiver Verzerrung, wodurch keine korrigierenden Erfahrungen gesammelt werden können, die bisherige Überzeugungen (Schemata) infrage stellen (siehe Becks Depressionsmodell).

Der Begriff geht auf den Psychiater Aaron T. Beck zurück, der ihn 1979 im Rahmen seiner Überlegungen zur kognitiven Verhaltenstherapie eingeführt hat. Besonders Menschen mit Neigungen zur Depression lauschen oft exzessiv auf ihr negatives Bauchgefühl, anstatt unbefangen die objektiven Fakten zu besichtigen. In Stresssituationen neigen Menschen aber generell dazu, auf ein gegebenes Ereignis emotional zu reagieren, anstatt eine strategisch kluge Antwort zu finden.

Auswirkung Eine Person, die einer emotionalen Schlussfolgerung unterliegt, hinterfragt aufgrund des Bestätigungsfehlers und der damit einhergehenden Selbsttäuschung die getätigte Annahme nicht und ignoriert Evidenzen, welche gegen die getätigte Annahme sprechen. Durch den Mangel an Evidenz werden andere kognitive Verzerrungen weiter verstärkt.

Kognitive Verhaltenstherapie Eine besondere Beachtung findet die Emotionale Beweisführung in der kognitiven Verhaltenstherapie, bei der die Patienten lernen dysfunktionale Denkmuster, wie sie beim emotionalen Schlussfolgern entstehen können, durch Achtsamkeit und Hinterfragen zu erkennen, um den Wahrheitsgehalt dieser dysfunktionalen Denkmuster neu zu bewerten und anschließend durch neue realitätsnähere Denkmuster zu überlernen.

Gewaltfreie Kommunikation Die gewaltfreie Kommunikation (GFK) begegnet emotionalen Schlussfolgerungen, indem der Prozess der Gefühlsentstehung bewusst gemacht wird. Es wird in der GFK Wert darauf gelegt, dass die Verantwortung für die eigenen Emotionen (in der GFK als „Gefühle“ bezeichnet) übernommen wird und Annahmen – insbesondere solche, die in einer negativen Emotion resultieren – hinterfragt werden.

Beispiele Hier einige Beispiele für Fehlschlüsse aufgrund von emotionaler Beweisführung: „Ich fühle mich dumm, also bin ich dumm.“ „Ich habe Angst vor der Präsentation, also werde ich mich bestimmt blamieren.“ „Ich fühle mich schuldig, also muss ich etwas falsch gemacht haben.“ „Ich bin eifersüchtig, also betrügt er/sie mich.“ „Ich fühle mich unsicher, also mögen mich die anderen nicht.“ „Ich fühle mich ungeliebt, also liebst du mich nicht.“ „Ich bin verletzt, also wolltest du mich absichtlich verletzen.“ „Ich habe das Gefühl, dass etwas nicht stimmt – also verheimlichst du mir etwas.“ „Ich fühle mich krank, also habe ich bestimmt etwas Ernstes.“ „Ich habe ein ungutes Gefühl, also wird etwas Schlimmes passieren.“ „Ich fühle mich unsicher im Flugzeug, also ist Fliegen gefährlich.“ Einzelnachweise

Kategorie:Affekt Kategorie:Kognitive Verzerrung Kategorie:Sozialpsychologie