Michael Jeffrey Jordan (* 17. Februar 1963 in New York City, New York) ist ein ehemaliger US-amerikanischer Basketballspieler, Baseballspieler, und heutiger Unternehmer und Anteilseigner bei den Charlotte Hornets. Zwischen 1984 und 2003 spielte er – mit zwei Unterbrechungen – in der NBA, davon 13 Jahre bei den Chicago Bulls, später bei den Washington Wizards. Er gilt als einer der besten Basketballspieler der NBA-Geschichte.
Der 1,98 Meter große Jordan spielte hauptsächlich auf der Position des Shooting Guards, in seinen zwei Saisons bei den Wizards auch als Small Forward. Er wurde fünfmal als Wertvollster Spieler der NBA ausgezeichnet, gewann sechs NBA-Meisterschaften mit den Chicago Bulls, davon sechsmal als Finals-MVP, sowie zwei Goldmedaillen mit den USA bei den Olympischen Spielen. Darüber hinaus ist er 14-maliger NBA-All Star und gewann im Jahr 1988 den Defensive Player of the Year Award, als einer der wenigen Guards überhaupt. Bei den Olympischen Spielen 1992 war Jordan Teil des US Dream Teams und galt seitdem als einer der populärsten Sportler weltweit. Als Werbeträger von Nike und anderen Unternehmen generierte er bis 1998 einen Umsatz von schätzungsweise 10 Milliarden US-Dollar.
ESPN wählte Jordan 1999 zum „Nordamerikanischen Sportler des Jahrhunderts“ vor Babe Ruth und Muhammad Ali.ESPN SportsCentury: Michael Jordan transcends hoops Magic Johnson sagte über ihn: „Es gibt Michael Jordan und dann gibt es noch den Rest von uns“ (). Jordan wurde gemeinsam mit David Robinson, John Stockton und Jerry Sloan am 6. April 2009 in die Naismith Memorial Basketball Hall of Fame gewählt und am 11. September 2009 in einer feierlichen Zeremonie aufgenommen.
Biografie Highschool und College mini|links|Jordans Trikot mit der #23 hängt unter dem Hallendach des Dean Smith Centers der UNC in Chapel Hill.
Michael Jordan wurde in Brooklyn, New York geboren, wuchs aber im ländlichen Wilmington, North Carolina auf. Dort besuchte er ab 1977 die Laney Highschool. Obwohl er noch in der 10. Klasse an der Aufnahme ins Basketballteam scheiterte, brachte ihm eine enorme Leistungssteigerung in den zwei Folgejahren das Interesse von Talentscouts sowie mehrere Angebote für Sportstipendien. So entschied er sich 1981 für die University of North Carolina in Chapel Hill (UNC). Diese galt unter dem legendären Trainer Dean Smith als eine der professionellsten und diszipliniertesten Basketball-Organisationen des Landes.David Halberstam: Playing for Keeps. Michael Jordan and the World He Made, S. 73. Die Mannschaft war durchweg konkurrenzfähig und eine der besten des Landes, der ganz große Erfolg war Smith allerdings lange versagt geblieben. Jordan gelang auf Anhieb der Sprung in die Starterreihe. Bereits in seinem Freshman-Jahr im Team der UNC Tar Heels gewann Jordan die NCAA Division I Basketball Championship. Im Finale 1982 gegen die Georgetown Hoyas traf er den entscheidenden Korb zur Führung kurz vor Ende des Spiels.
Nach dem Abgang von James Worthy, dem entscheidenden Spieler beim Gewinn der Meisterschaft, wurde Jordan in der Folgesaison zum wichtigsten Spieler im Team. Doch trotz sensationeller Einzelleistung als Topscorer der Atlantic Coast Conference (ACC) blieb der Teamerfolg aus. Auch 1984 misslang den hochfavorisierten Tar Heels der Einzug ins Finale der NCAA-Meisterschaft, als sie im Halbfinale ausschieden.David Halberstam: Playing for Keeps. Michael Jordan and the World He Made, S. 105. Trotzdem gewann Jordan die Auszeichnung zum Spieler des Jahres.
Auf Drängen von Smith beendete Jordan nach seiner Junior-Saison seine College-Laufbahn und meldete sich zum NBA Draft 1984 an.David Halberstam: Playing for Keeps. Michael Jordan and the World He Made, S. 106 ff. Die bis dahin eher erfolglosen Chicago Bulls wählten ihn an dritter Stelle hinter Hakeem Olajuwon (Houston Rockets) und Sam Bowie (Portland Trail Blazers).David Halberstam: Playing for Keeps. Michael Jordan and the World He Made, S. 112. Noch vor seiner NBA-Karriere spielte Jordan für die US-Olympiaauswahl bei den Spielen in Los Angeles und gewann Gold.
Chicago Bulls 1984–1993 mini|Jordan bei einem Slam Dunk
In seiner Rookie-Saison mit den Chicago Bulls (1984/85) übertraf Michael Jordan die in ihn gesteckten Erwartungen deutlich. Er wurde mit 28,2 Punkten pro Spiel beinahe Topscorer der NBA und führte die Bulls in die Playoffs, wo man allerdings bereits in der ersten Runde unterlag. Am Ende der Saison wählte man ihn zum besten Neuling des Jahres („Rookie of the Year“).
Eine ernste Verletzung zwang Jordan, beinahe seine komplette zweite Saison auszusetzen. Kurz vor Ende der regulären Saison kam er jedoch zurück und erkämpfte für sein Team den Einzug in die Playoffs. Dort unterlag man zwar erneut in der ersten Runde, doch stellte Jordan im zweiten Spiel jener Serie gegen die Boston Celtics den bis heute gültigen Playoff-Punkterekord von 63 Punkten auf. Larry Bird sagte nach dem Spiel über ihn, dass „Gott verkleidet als Michael Jordan“ () gespielt hat.
In seiner dritten Saison (1986–1987) gelang Jordan ein Kunststück, das vor ihm nur Wilt Chamberlain gelungen war: eine Saison mit über 3000 Punkten. Am Ende führte Jordan mit 3041 Punkten und einem Schnitt von 37,1 Punkten pro Spiel die Topscorer-Liste der NBA an; das ist die höchste Punktzahl, die je ein Guard in der NBA erreicht hat. In den Playoffs blieben die Chicago Bulls zum wiederholten Male erfolglos. 1988 wurde Jordan überraschend (da die Bulls nur 50 Spiele gewonnen hatten) aufgrund seiner herausragenden Einzelleistungen zum „wertvollsten Spieler“ der NBA, dem MVP, gekürt. In den Playoffs verloren die Bulls – wie auch in den beiden Jahren darauf (1989 und 1990) – gegen die Detroit Pistons.
Allerdings gewann Jordan 1988 den MVP-Titel des NBA All-Star-Games sowie zum zweiten Mal in Folge den Slam Dunk Contest. Seine spektakulären Flüge zum Korb brachten Jordan, der inzwischen den Status eines Superstars erreicht hatte, die Spitznamen „Air Jordan“ und „His Airness“ ein. Sein Ausrüster Nike stieg durch den massenhaften Verkauf von „Air Jordan“-Schuhen zum Weltkonzern auf. Der Beginn dieser Zusammenarbeit wird im Film Air: Der große Wurf dargestellt. Michael Jordan, der in Air nie direkt oder nur unscharf zu sehen ist, wird von Damian Delano Young gespielt.
Am 28. März 1990, im regulären Saisonspiel gegen die Cleveland Cavaliers, stellte Michael Jordan seinen persönlichen Punkterekord auf. Mit 69 Punkten führte er die Chicago Bulls zu einem 117:113-Auswärtssieg in der Nachspielzeit. Damit steht er zurzeit auf Platz 11 auf der Liste der Spieler mit den meisten Punkten pro Spiel. Zudem erzielte er in diesem Spiel seinen persönlichen Reboundrekord für die Saison '89/'90 mit 18 Rebounds (7 ORB, 11 DRB).
Nach sieben Jahren in der NBA konnte Michael Jordan 1991 seine erste Meisterschaft feiern. Nachdem sich sein wichtigster Teamkollege Scottie Pippen entscheidend verbessert und Bulls-Coach Phil Jackson ein neues Angriffsschema eingeführt hatten, wurden im Conference-Finale die Detroit Pistons deutlich geschlagen. Im Finale 1991 trafen die Bulls auf die Los Angeles Lakers mit ihrem Star Magic Johnson, der in jenem Jahr seine letzte Saison spielte. Die Bulls gewannen auch hier – unter anderem aufgrund der Verletzung eines wichtigen Lakers-Spielers, James Worthy – deutlich.
Sowohl 1991 als auch 1992 gewann Jordan die MVP-Auszeichnung. Nach einer herausragenden NBA-Saison mit einer Saisonbilanz von 67-15 Siegen schafften die Bulls 1992 den erneuten Final-Einzug. Dort schlug man die Portland Trail Blazers um Clyde Drexler, den damaligen Rivalen Jordans, wenn auch nicht ganz so deutlich wie die Lakers im Jahr zuvor. In Spiel 1 jener Finalserie erreichte Jordan in der ersten Hälfte des Spiels bereits 35 Punkte (inklusiv sechs Dreipunktewürfe), was bis heute ein NBA-Rekord ist.
Nachdem das Verbot für Profisportler bei Olympia aufgehoben worden war, durfte Jordan erneut an den Olympischen Spielen teilnehmen. Er war Mitglied des legendären US-Dream Teams in Barcelona, das überragend Gold gewann. Erst der Auftritt jener Mannschaft machte Basketball in der ganzen Welt und vor allem in Europa populär. mini|Jordan im „Dream Team“ 1992 1993 gelang es den Bulls erneut, den Meistertitel zu verteidigen, als man im Finale durchaus knapp die Phoenix Suns um Charles Barkley schlug. Drei Titel in Serie hatten zuletzt die Boston Celtics in den 1960ern gewonnen. In allen drei Finalserien wurde Jordan zum MVP gewählt, was ein Novum in der Geschichte dieser Auszeichnung war. Mittlerweile gehört auch Shaquille O’Neal zu den Spielern, die die Auszeichnung dreimal in Folge gewinnen konnten (2000–2002 bei den Los Angeles Lakers). Dazu kommt noch Tim Duncan (San Antonio Spurs), der die Auszeichnung zwar nicht in Folge gewinnen konnte, aber trotzdem bei den drei Finalteilnahmen der Spurs MVP wurde (1999, 2003, 2005).
Kontroverse um Glücksspiele Während der Playoffs im Jahr 1993 entbrannte eine Kontroverse, als Jordan am Abend vor dem Spiel gegen die New York Knicks beim Glücksspiel in Atlantic City gesehen wurde. Im selben Jahr gab er zu, 57.000 USD Spielschulden zu haben. Ein regelmäßiger Wettpartner, Richard Esquinas, schrieb in einem Enthüllungsbuch, er habe von Michael Jordan 1,25 Mio. USD beim Golfspielen gewonnen.
Rückblickend gab Jordan in späteren Jahren zu, ein paar „unbedachte Entscheidungen“ getroffen zu haben, etwa 2005 in der CBS-Sendung 60 Minutes. Jordan verneinte allerdings, dass das Glücksspiel seine Existenz gefährdet hätte.
Intermezzo als Baseballspieler Am 6. Oktober 1993 erklärte Michael Jordan auf dem Zenit seines Schaffens überraschend sein Karriereende. Kurz zuvor war sein Vater, James Jordan, ermordet worden. Jordan beschloss, den Wunsch seines Vaters und seines Sohnes (Flavien) zu erfüllen und Profi-Baseballer zu werden. In den kommenden Jahren spielte er mit mäßigem Erfolg bei den Birmingham Barons, einem Minor-League-Baseball-Team der Chicago White Sox.
Chicago Bulls 1995–1998 links|mini|210px|Jordan mit Trainer Phil Jackson (1997) Am 10. März 1995 begann in der MLB ein Spielerstreik und der Spielbetrieb kam zum Erliegen. Jordan begann daraufhin wieder mit den Bulls zu trainieren, was nach und nach publik wurde. Am 18. März verkündete er kurz per Fax „I’m back“ () und spielte den Rest der Saison 94/95 in der NBA. Zu Beginn seiner Rückkehr spielte er mit seiner alten Nummer 45, die er als Baseballprofi trug. Da seine Leistungen allerdings nicht die alten waren und die Fans sehr abergläubisch sind, zog er wieder seine NBA-Nummer 23 an und nahm eine Konventionalstrafe in Millionenhöhe dafür in Kauf. In den Conference-Halbfinals wurden die Bulls überraschend von den jungen Orlando Magic um Shaquille O’Neal geschlagen, sodass Zweifel an Jordans Leistungsfähigkeit aufkamen.
Doch bereits in der Saison darauf stellten die Bulls, verstärkt durch Verteidigungs-Spezialist Dennis Rodman, mit einer Bilanz von 72-10 gewonnenen Spielen einen neuen NBA-Rekord an Siegen in einer Saison auf. In den Playoffs der Saison 95/96 wurden die Orlando Magic deutlich geschlagen und im Finale nach ein paar Schwierigkeiten auch die Seattle SuperSonics. Jordan wurde MVP der Saison, des Allstar-Games und der Finalserie, was zuvor einzig Willis Reed in einer Saison erreicht hatte.
In den zwei Folgejahren 1997 und 1998 gewannen die Bulls wieder den Meistertitel, diesmal jeweils gegen die Utah Jazz um Karl Malone und John Stockton, die in zwei durchaus ausgeglichenen Serien besiegt wurden. Jordan gewann mit seinen Bulls dadurch bereits zum zweiten Mal den sogenannten Three-Peat, also drei aufeinanderfolgende NBA-Meistertitel, was in den Medien allgemein als großer Repeat Three-Peat bezeichnet wurde. Dies ist bisher einzigartig in der NBA-Geschichte.