mini|hochkant|Südansicht der Kirche mini|hochkant|Dachreiter Die Evangelische Kirche in Rüddingshausen, einem Ortsteil der Gemeinde Rabenau im Landkreis Gießen (Hessen), ist eine barocke Saalkirche aus dem Jahr 1768. Das hessische Kulturdenkmal mit einem zweigeschossigen Dachreiter prägt das Ortsbild.Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.), Lang (Bearb.): Kulturdenkmäler in Hessen. 2010, S. 508.
Die Kirchengemeinde Rüddingshausen/Weitershain gehört zum Dekanat Gießener Land in der Propstei Oberhessen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.
Geschichte Im Mittelalter gehörte Rüddingshausen zum Sendbezirk von Londorf und war kirchlich dem Archidiakonat St. Stephan in der Erzdiözese Mainz zugeordnet. Mit Einführung der Reformation wechselte Rüddingshausen zum evangelischen Bekenntnis. Die Kirche blieb in nachreformatorischer Zeit bei Londorf eingepfarrt und gehört seit 1925 zur Pfarrei Odenhausen.
Nach schweren Schäden im Dreißigjährigen Krieg erfolgte 1667 eine Reparatur der Kirche. Da sie im Verlauf des 18. Jahrhunderts verfiel, erfolgte 1776 ein Abriss und ein Jahr später der Neubau nach einem Entwurf, der Landbaumeister F. W. Müller zugeschrieben wird.Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. 2008, S. 794. Eine Renovierung fand 1913 statt, bei der 17 Ölgemälde unter der hölzernen Altarplatte entdeckt und wieder an der Emporenbrüstung angebracht wurden.Diehl: Baubuch für die evangelischen Pfarreien. 1931, S. 411. In diesem Zuge wurden auch die Deckenmalereien freigelegt.
Architektur mini|hochkant|Sandsteinportal an der Südseite Die annähernd geostete Kirche ist erhöht im Ortszentrum aus Basalt-Bruchsteinmauerwerk inmitten eines ummauerten Kirchhofs errichtet. Die heute weiß verputzte Kirche hat einen Sockel, Eckquaderungen und breite Fenster- und Türrahmungen aus rotem Sandstein.Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.), Lang (Bearb.): Kulturdenkmäler in Hessen. 2010, S. 507. Der gotisierende Einfluss manifestiert sich in dem dreiseitigen Ostabschluss.Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. 1979, S. 163. Das verschieferte Satteldach hat im Westen einen zweigeschossigen Dachreiter, der drei Glocken beherbergt. Geschwungene Pultdächer vermitteln von dem quaderförmigen unteren Teil zum achtseitigen Obergeschoss, das von einer welschen Haube abgeschlossen wird. Der Helmaufbau wird von einem doppelten Turmknauf und einem geschmiedeten Kreuz bekrönt.Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. 1979, S. 162.
Der Innenraum wird an den Langseiten durch je drei schmale Fenster mit Stichbogen und Schlusssteinen belichtet. Im Ostabschluss sind drei entsprechende Fenster eingelassen. Ein Süd- und ein Westportal mit aufwändiger Umrahmung erschließen den Raum. Sie haben an den Seiten Pilaster und oben ein vorkragendes Gesims, über dem eine Rundblende angebracht ist. Die Umrahmungen sind mit Ornamenten im Stil der Renaissance reich verziert. Das mit 1768 auf dem Schlussstein bezeichnete Südportal trägt im geraden Sturz die Inschrift „TRETT HER U. FALT AUF EURE KNIE VOR GOTTES MAJESTÄT ALHIE/ ES IST SEIN HEILIGTHUM UND HAUS WER SÜNDE LIEBT GEHÖRT HINAUS“, das Westportal führt im Sturz folgende Namen auf: „HERR JACOB SOLL/ GERICHTSSCHÖFFE/ HEINRICH SEIM/ BAUMEISTER; JOHA SCHWEISGUT/ KASPER KLEIN/ MAURER U./ STEINHAUER/ MEISTER; HERR JACOB DIETZ/ GERICHTSSCHÖFFE/ JOHANNES DEUCKEN/ BAUMEISTER“.
Ausstattung Der original erhaltene Deckenspiegel ist mit einem Sternenhimmel bemalt. Sonne, Mond und Sterne werden außen von Wolken umgeben, über die an der Ostseite Engelköpfe blicken. Über dem Altar ist das Christusmonogramm IHS angebracht. Über den Fenstern sind Figuren aus dem Alten Testament dargestellt, die zum Teil benannt sind: Elia, Elischa, ein kniender Krieger, Ester mit einer Harfe, David, Salomo, eine betende Gestalt, eine Frau mit Lanze und ein Mann in Rüstung. Die vierseitig umlaufende Empore wird nur über dem Südportal und der Kanzel unterbrochen. Sie hat in 21 Füllungen Brüstungsmalereien mit biblischen Szenen, die die Geburt und Kreuzigung Christi, Evangelisten und Apostel zeigen.Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1938, S. 315.
Die polygonale Kanzel am Südportal hat profilierte Kanzelfelder. Auf dem steinernen Altar steht ein 0,90 Meter hohes, hölzernes Altarkruzifix, das aus der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts datiert. Die Kreuzesarme enden in Vierpassen, die mit Engelköpfen belegt sind.Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1938, S. 317.
Orgel mini|hochkant|Link-Orgel hinter historischem Prospekt Die Kirche erhielt im Jahr 1804 eine Orgel eines unbekannten Orgelbauers, die auf der Ostempore über dem Altar errichtet wurde. Vermutet wird das Umfeld von Johann Hartmann Bernhard, dessen Prospekte ähnlich gestaltet sind. Der überhöhte mittlere Spitzturm wird von zwei weiteren Spitztürmen flankiert. Dazwischen und außen sind jeweils Flachfelder angebracht. Die Gebr. Link bauten 1912 unter Einbeziehung des historischen Prospekts ein neues Orgelwerk mit pneumatischen Kegelladen ein. Das einmanualige Instrument verfügt über sieben Register. Die Frontpfeifen sind alle Attrappen, die nicht klingen. Die Disposition lautet wie folgt:Orgel in Rüddingshausen, abgerufen am 17. Juni 2014. I Manual C–f3 Principal 8′ Gedeckt 8′ Salicional 8′ Viola di Gamba 8′ Octav 4′ Rohrflöte 4′ Pedal C–d1 Subbass 16′ Koppeln: Normalkoppeln: I/P Superoktavkoppeln: I/I Nebenregister: Zimbelstern Spielhilfen: Feste Kombination (Tutti)
Literatur Georg Dehio: Handbuch der Deutschen Kunstdenkmäler, Hessen I. Regierungsbezirke Gießen und Kassel. Bearbeitet von Folkhard Cremer, Tobias Michael Wolf und anderen. Deutscher Kunstverlag, München u. a. 2008, ISBN 978-3-422-03092-3, S. 794. Wilhelm Diehl: Baubuch für die evangelischen Pfarreien der Landgrafschaft Hessen-Darmstadt. (= Hassia sacra; 5). Selbstverlag, Darmstadt 1931, S. 411. Landesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.), Karlheinz Lang (Bearb.): Kulturdenkmäler in Hessen. Landkreis Gießen II. Buseck, Fernwald, Grünberg, Langgöns, Linden, Pohlheim, Rabenau. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland). Theiss, Stuttgart 2010, ISBN 978-3-8062-2178-7, S. 507 f. Heinrich Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. Bd. 1. Nördlicher Teil. Hessisches Denkmalarchiv, Darmstadt 1938, S. 314–317. Peter Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. Mittelhessische Druck- und Verlagsgesellschaft, Gießen 1979, S. 162 f.
Weblinks
Internetpräsenz der Kirchengemeinde auf der Website des Dekanats gemeinde-rabenau.de: Kirchen in Rabenau
Einzelnachweise
Kategorie:Kirchengebäude im Landkreis Gießen Kategorie:Kirchengebäude des Dekanats Gießener Land Kategorie:Saalkirche in Hessen Kategorie:Erbaut in den 1760er Jahren Kategorie:Barocke Kirche Kategorie:Barockbauwerk in Hessen Kategorie:Gotisierte Kirche Kategorie:Kulturdenkmal in Rabenau (Hessen) Kategorie:Disposition einer Orgel Kategorie:Kirchengebäude in Europa