mini|Die Pfarrkirche St. Vitus in Lösnich, 2013 mini|Blick auf Lösnich von der gegenüberliegenden Moselseite Die katholische Pfarrkirche St. Vitus befindet sich in zentraler Lage des Moselortes Lösnich im Kreis Bernkastel-Wittlich. Erbaut 1879/80, ersetzte sie die reparaturbedürftig und zu klein gewordene Kirche von 1638 im Oberdorf. Seit Juni 2025 wird sie auch von rumänisch-orthodoxen Christen zur Feier von Gottesdiensten genutzt.Mittelmosel Nachrichten, Mitteilungsblatt der Verbandgemeinde Bernkastel-Kues, 21. August 2025, Jahrgang 47 Ausgabe 34/2025; Gottesdienste in den katholischen Kirchengemeinden, Gastrecht für Rumänisch-Orthodoxe Christen, S. 33–34

Geschichte Neubau der Kirche mini|St. Vitus Lösnich mini|Das Ehewappen Kesselstatt-Metternich von 1719 aus der ehemaligen Kirche in Lösnich, heute am Hochaltar der neuen Kirche angebracht Mit Pastor Wintrath, der von 1862 bis 1863 nur kurz in Lösnich tätig war, wurde der Ruf nach einer neuen Kirche immer lauter. Die Kriegswirren von 1866 und 1870 wie auch die Frage der Finanzierung dieses großen Vorhabens verzögerten aber maßgeblich den Baubeginn. Am 17. Oktober 1880 konnte Pastor Matthias Monshausen, der 1863 die Seelsorge in Lösnich übernommen hatte, die Einsegnung des neuen Gotteshauses vornehmen. Die feierliche Einweihung durch Bischof Michael Felix Korum von Trier erfolgte erst am 18. Juni 1883. Der Bischof spendete bei diesem Besuch auch gleichzeitig das Sakrament der Firmung in Lösnich. Laut Trierischer Landeszeitung habe ganz Lösnich im Festschmuck geprangt, sie würdigte die Bemühungen der Lösnicher Burschen und Mädchen zur Hebung des hohen Festes.Stadtarchiv Trier, Ztg. 15, Nr. 9, 1883, Trierische Landeszeitung vom Dienstag, den 19. Juni 1883.

Der Eckstein der Kirche war im Rahmen einer Feier am 22. Juni 1879 gelegt worden. Die Gemeinde zog in einer Prozession von der alten Kirche zur Baustelle der neuen und nach Einsegnung des Grundsteins, dem eine Urkunde beigelegt wurde, zurück zur alten Kirche. Nach Fertigstellung der neuen Kirche wurde die alte bis auf den Chor für 650 Mark zum Abbruch an einen Kindeler Bauunternehmer versteigert. Pastor Monshausen ließ 1880 drei Chorfenster für die Kirche von dem Maler Wilhelm Meyer auf Rohrerhof bei Koblenz malen. Er verstarb 1886 im Alter von 81 Jahren und wurde links neben dem Chor der alten Kirche beigesetzt.

Die heutigen Altäre der neuen Kirche sind nicht mehr die ursprünglichen. Der ehemals gotische Hauptaltar wurde in den 1930er Jahren ersetzt durch einen aus Bestandteilen der barockähnlichen Altäre der „Alten Kirche“ neugestalteten Altar. Er trägt das Ehewappen des Casimir von Kesselstatt und seiner Gemahlin Anna Clara von Metternich, das mit der Jahreszahl 1719 versehen ist. Das gleiche Wappen mit der Jahreszahl 1713, jedoch bis zur Unkenntlichkeit zerstört, findet sich an der moselseitigen Gartenmauer des alten Pfarrhauses wieder.

Die Glocken der neuen Kirche mussten zwischenzeitlich ersetzt werden. Die ersten wurden dem Zweiten Weltkrieg eingeschmolzen. Seit 1949 ruft ein neues Geläut zum Gottesdienst, bestehend aus drei Glocken, die auf die Töne C, E und G gestimmt sind. Geweiht sind die Glocken dem Kirchenpatron St. Vitus, der Hl. Muttergottes und dem Hl. Josef.

Die letzte Renovierung der Kirche erfolgte in den Jahren 1975 und 1976, nachdem Risse in der Decke festgestellt worden waren. 2012 wurden einige Fenster der Kirche durch ein Unwetter mit Hagelschlag in Mitleidenschaft gezogen. Sie wurden zur Wiederherstellung komplett ausgebaut.

Erbaut wurde die Kirche von Kommunalbaumeister Heinrich Bruck aus Wittlich. Derselbe war auch beteiligt am Bau der Pfarrkirchen St. Margaretha in Hontheim, St. Michael in Kinderbeuern, St. Nikolaus in Wittlich-Neuerburg und wahrscheinlich auch der Pfarrkirche St. Matthias in Neef an der Mosel. Erbaut 1890/91, ist diese außen wie innen nahezu ein Abbild der Lösnicher Kirche, nur außen in Naturschiefer belassen. Die Pläne der zu diesem Zeitpunkt bereits 10 Jahre alten Lösnicher Kirche dienten offenbar als Vorlage für den Neubau in Neef. Nahezu baugleiche Kirchen aus dieser Zeit finden sich auch noch in Altrich (St. Andreas) und Kordel (St. Amandus und St. Vedastus).

Orgel Die Orgel der Lösnicher Kirche wurde 1892 als Opus 85 der Gebrüder Breidenfeld geschaffen, ist original erhalten und wurde 1998 restauriert.

Ausstattung: 18 Züge, 2 Manuale plus Pedal, 14 Register.

Erwerb des Patronats durch die Grafen von Sayn Im Jahre 1241 hatte Graf Heinrich von Sayn zusammen mit seiner Gemahlin Mechthilde Güter in Zeltingen und Rachtig mit dem Patronatsrecht zu Lösnich für 900 Kölnische Mark von der Benediktinerabtei Mönchen-Gladbach gekauft.MRUB, BE, Bd. III 540, Nr. 729, MRR III 55 Nr. 246, Brasse Urkunden 1,41 f Nr. 77, Rüdiger Schmidt, S. 93.

Schenkung des Patronatsrechts an den Deutschen Orden mini|Burg Sayn in Bendorf-Sayn bei Koblenz mini|Münster St. Vitus Mönchengladbach Diese Güter gingen nach dem Tod Heinrichs im Januar 1247 im gleichen Jahr durch eine Schenkung seiner Gemahlin an den Deutschen Orden. Das nicht mitverliehene Zehntrecht wurde 1250 in einer weiteren Schenkung Mechthildes an den Deutschen Orden übertragen. Die nächste Schenkung im Jahre 1252 hatte schließlich das Patronatsrecht von Lösnich zum Inhalt.MRUB, BE, 848 f, Nr. 144, MRR 221, Nr. 935

Die Benediktinerabtei Mönchengladbach zählte zu ihrem ältesten Besitz Gladbach selbst, Hardt und Rasseln, Oedt, die Pfarrkirchen Kempen, Dülken sowie an Mosel und Mittelrhein Zeltingen, Rachtig, Lösnich, Buchholz und Niederweiler.Aus einem Beitrag von Erich Wisplinghoff: Zur Wirtschafts- und Besitzgeschichte der Abtei Gladbach. S. 114–118. Bis zum Ende des 12. Jahrhunderts wird die wirtschaftliche Lage des Klosters als einigermaßen gesund beschrieben. Aber im 13. Jahrhundert wurde Gladbach – wie fast alle niederrheinischen Benediktinerklöster – von einer Krise ergriffen. Der Veräußerung von Besitzungen fielen dabei auch die Güter an der Mosel zum Opfer.

Anlässlich eines Zehntstreits im Jahre 1338 machte man von Seiten des Deutschen Ordens die Aussage, dass die Kirche in Lösnich die Pfarrkirche sei, dass sie ihm gehöre und dass der Deutsche Orden im ganzen Pfarrbezirk Inhaber des großen und kleinen Zehnten sei.LHA Kobl., Abt. 55 A4, Nr. 652 Die zur Trierer Kommende gehörige Lösnicher bzw. Rachtiger Pfarrei behielt der Deutsche Orden bis zur Französischen Revolution. Besetzt wurde die Pfarrei meist mit Ordenspriestern.

Die Bezeichnung des Pfarrsitzes schwankte vor allem im 13. und 14. Jahrhundert zwischen Rachtig und Lösnich. Zwischen den Priestern war die Pfarrei so aufgeteilt, dass ein Geistlicher für Lösnich und Erden, ein anderer für Rachtig und Zeltingen zuständig war, wobei von einer Ober- und Unterpfarrei gesprochen wurde. Eine definitiv festgelegte Pfarrkirche gab es nicht.Rüdiger Schmidt: Die Deutschordenskommenden Trier und Beckingen. 1242 - 1794. Marburg 1979, ISBN 3-7708-0650-6, S. 97. Die Kirche zu Lösnich, erstmals erwähnt im Zusammenhang mit der Beisetzung Kunos des I. im Jahre 1066, gehörte laut einer Urkunde Friedrichs des I. 1182 zur Benediktinerabtei St. Maximin in Trier, von der sie wahrscheinlich an die Abtei Mönchen-Gladbach desselben Ordens übergegangen war. Von dieser Abtei hat sie allem Anschein nach den Namenspatron St. Vitus erhalten, von welchem dort bedeutende Reliquien aufbewahrt werden. Das Mönchengladbacher Münster St. Vitus, von 974 bis 1802 Abteikirche der Benediktinerabtei, wurde 1974 von Papst Paul VI. in den Stand einer „Basilika Minor“ erhoben. Als früherer zweiter Patron der Lösnicher Pfarrkirche wird der Hl. Markus genannt. Die Gottesdienste an Sonn- und Feiertagen wurden für die Unterpfarrei abwechselnd in Lösnich und Erden gehalten. Erden musste den Unterhalt der Lösnicher Kirche mitbestreiten. Die Weigerung Erdens, sich an den Kosten für den Turmbau und die Anschaffung einer neuen Glocke zu beteiligen, wurde 1516 von einem Schiedsgericht zu Ungunsten von Erden entschieden.

Die alte Kirche im Oberdorf mini|Chor der alten Lösnicher Kirche mini|Portals der ehemaligen Lösnicher Kirche mini|hochkant|Grabstein Pfr. Paul Koster an der Friedhofskapelle (2013) Die alte Kirche selbst stand auf dem heutigen Friedhof im Oberdorf. Der Chor der Kirche wurde beim Abbruch des Kirchenschiffs im Jahre 1881 stehengelassen und dient seitdem als Friedhofskapelle. Bei einer Renovierung im Jahre 1980 erhielt die Kapelle ein neues Dach, einen neuen Fußboden und einen neuen Anstrich. Ein Jahr zuvor war die Kapelle unter Denkmalschutz gestellt worden. Der Bau des im Jahre 1881 niedergelegten Kirchenschiffs fällt in das Jahr 1638. Eine Inschrift, die wahrscheinlich beim Abriss zerstört worden ist, führte den Bau zurück auf Philipp Bernhard von Lontzen, genannt Roben, Statthalter der Ballei Lothringen, Kommentur zu Trier und Beckingen, Deutschordensritter. Das prächtige Wappenbild der Hochmeister des Deutschen Ordens und das im Schlussstein des Kreuzgewölbes im alten Chor der Kirche eingelassene Wappen der Roben von Lonzen in der heutigen Kapelle geben noch ein Zeugnis ihrer Erbauer.

Die letzte Erweiterung der Kirche erfolgte im Jahre 1662 durch Herrn Adam Caspary, Pastor zu Lösnich. Er ließ das Schiff nach Süden hin und auf beiden Seiten bis zur Westmauer des Turmes, der gegen Westen stand, erweitern. In der Festschrift anlässlich des Volkstümlichen Sängerfestes in Lösnich im Jahre 1928 beschrieb Pastor Paul Koster die alte Kirche, die ja bereits bis auf den Chor abgebrochen war, in erstaunlich vielen Details. Nach eigenen Angaben hatte er schon früher einige Skizzen aufgrund von Angaben und Messungen des Herrn Joseph Conen angefertigt. Pastor Koster sollte übrigens später seine letzte Ruhestätte vor ebendieser Friedhofskapelle finden. Sein Grabstein, den er selbst bereits zu Lebzeiten hat erstellen lassen, ist heute rechts neben der Eingangstür der Kapelle eingemauert und erinnert an sein Wirken in Lösnich. Nach Kosters Beschreibungen schlossen sich an den Chor in Richtung Westen Kirchenschiff und Turm an. Die letzten baulichen Veränderungen im Jahre 1662, bei denen das Schiff bis zur äußeren Westmauer des Turmes verlängert worden war, sollen der Kirche ein etwas unförmiges Aussehen gegeben haben.

Der Haupteingang auf der Nordseite der Kirche war vom Eingang des Friedhofs direkt zu erreichen. Ein auf Holzpfeilern ruhendes Satteldach umgab das Portal der Kirche. Dieses Portal mit der alten Eichentür wurde bei der Niederlegung des Kirchenschiffs in die Vorderwand des stehengebliebenen Chores eingesetzt und schmückt mit seinem herrlichen Wappen des Deutschordenskomturs der Ballei Lothringen den Eingang der Kapelle. Die Jahreszahl 1638 weist auf das Errichtungsjahr der alten Kirche hin. Auf seiner Nordseite hatte das alte Kirchenschiff zwei und auf der Südseite drei Fenster. Eins dieser Fenster wurde beim Abbruch in die Nordwand des Chores über der zugemauerten Sakristeitür angebracht.

Die Altäre der alten Kirche mini|links|Pieta in der ehemaligen Lösnicher Pfarrkirche mini|hochkant|Fenster in der ehemaligen Lösnicher Kirche hochkant|mini|Fenster in der ehemaligen Lösnicher Kirche