Die Kirche in Lengwethen (, der Ort hieß zwischen 1938 und 1946 Hohensalzburg) ist ein zu Beginn des 18. Jahrhunderts errichteter verputzter Feldsteinbau und war bis 1945 evangelisches Gotteshaus für die im Kirchspiel des einst ostpreußischen und heute Lunino genannten Dorfes in der jetzt russischen Oblast Kaliningrad (Gebiet Königsberg (Preußen)).

Lage Das heutige Lunino liegt 14 Kilometer südwestlich der Kreisstadt Neman (Ragnit) an der russischen Fernstraße A 198 an deren Kreuzung mit der Nebenstraße 27K-186, die Schilino (Szillen, 1936 bis 1946 Schillen) mit Uslowoje (Rautenberg) und Wesnowo (Kussen) verbindet. Bis 1945 bestand Bahnanschluss über die Station Kulminnen (1938 bis 1946: Kulmen, russisch: Kuibyschewo, heute nicht mehr existent) an der Bahnstrecke Kraupischken–Ragnit der Insterburger Kleinbahnen.

Der Standort der Kirche, von der heute nur noch Mauerreste vorhanden sind, ist nördlich der 27K-187 unweit der Kreuzung mit der A 198.

Kirchengebäude Errichtet wurde die Kirche von Salzburger Exulanten, die nach der Großen Pest von Friedrich Wilhelm I. (Preußen) angesiedelt worden waren.Kirchspiel Hohensalzburg-Lengwethen Zwischen 1732 und 1735 entstand ein schlichter verputzter Feldsteinbau ohne Kirchturm.Walther Hubatsch: Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens. Band 2: Bilder ostpreussischer Kirchen. Göttingen 1968, S. 111–112, Abb. 495 und 496 Von dem Kirchengebäude abgesetzt stand ein gesondertes Glockenhaus mit zwei Glocken. Im Westen war eine Vorhalle, im Osten eine Sakristei angebaut. Der Kircheninnenraum war flachgedeckt und hatte umlaufende Emporen. Der mit Mauerziegeln bedeckte Fußboden trug die mit Lehnen gearbeiteten Holzbänke. Die Innenausstattung war schlicht. Der Altar und die Kanzel waren vereint und ohne figürlichen Schmuck. Die Messingschale des Tauftischs hatten die Salzburger Einwanderer aus ihrer Heimat mitgebracht. Sie zeigt in getriebener Art mancherlei Figuren, Blumen und Blätter. In der Mitte war eine Frau dargestellt, die in ihren Händen Blumen und einen Kranz hielt. Die Altargeräte waren Arbeiten aus dem 18. Jahrhundert. Aus dem Jahre 1858 stammte die Orgel auf der Westempore. 1933 wurde die Kirche einer grundlegenden Renovierung unterzogen.

Im Zweiten Weltkrieg blieb das Gotteshaus unversehrt. Ab 1951 wurde es zweckentfremdend als Kulturhaus genutzt. Dann erhielt das Gebäude 1980 einen grundlegenden Umbau und mit Renovierungsarbeiten, wobei das Dach mit Asbestplatten gedeckt wurde. In der Vorhalle wurde eine zweite Etage eingezogen. Inzwischen ist das Gebäude verfallen, es stehen nur noch Mauerreste.Кирха Ленгветена - Die Kirche Lengwethen bei prussia39.ru (mit historischem Foto und Aufnahmen von 2013)

Kirchengemeinde Die Lengwethener Kirche gab es schon mehrere Jahre bevor eine eigene Gemeinde in dem Ort errichtet wurde. Das Gründungsjahr der Kirchengemeinde ist 1741,Walther Hubatsch, Geschichte der evangelischen Kirche Ostpreußens, Band 3: Dokumente, Göttingen, 1968, S. 488 zur gleichen Zeit wurde eine Pfarrstelle eingerichtet. Zum Pfarrdorf gehörten 32 Orte, Ortschaften und Wohnplätze, die das Kirchspiel ausmachten. Im Jahr 1925 zählte die Kirchengemeinde 2800 Gemeindeglieder.

Bis 1945 gehörte die Kirchengemeinde Lengwethen (ab 1938: Hohensalzburg) zur Diözese Ragnit im Kirchenkreis Tilsit-Ragnit innerhalb der Kirchenprovinz Ostpreußen der Kirche der Altpreußischen Union.

Aufgrund von Flucht und Vertreibung der einheimischen Bevölkerung in Folge des Zweiten Weltkrieges sowie der restriktiven Kirchenpolitik der Sowjetunion kam das kirchliche Leben in dem dann Lunino genannten Dorf zum Erliegen.

Heute liegt Lunino im Einzugsbereich einer in den 1990er Jahren neu entstandenen evangelisch-lutherischen Gemeinde in Sabrodino (Lesgewangminnen, 1938 bis 1946 Lesgewangen), die zur Propstei Kaliningrad (Königsberg) der Evangelisch-lutherischen Kirche Europäische Russland gehört.

Kirchspielorte Zum Kirchspiel Lengwethen gehörten:

Name Änderungsname 1938 bis 1946 Russischer Name Name Änderungsname1938 bis 1946 Russischer Name *Balandszen,1936–38: Ballandschen Ballanden Laskowethen Lassen Beinigkehmen Beiningen Lunino Mixlauken Mixen Blendienen Palapken Palken Tjoploje Burkandten Burental Andrejewo *Pallmohnen Burental Andrejewo *Gerskullen Gerslinden Gannowka Perkuhnen Grauden Bersarino Petroschken Petern Anissimowo *Jestwethen Jesten Pieraggen Berghang Kallenen, Dorf Bersarino *Pucknen Luganskoje Kallenen, Gut Kalinino Reinecken *Kapotschen Kappen *Salleningken Sallingen Brjullowo Karlshof Jermakowo Sauerwalde Ketturrecken Kettingen *Scharken Kleginnen Klinnen Schernen Balaschewskoje Krauleidehlen Kraulen Tilszenehlen,1936–38: Tilschenehlen Quellgründen Schdanki Kulminnen Kulmen Kuibyschewo Trumpaten Patingen Kurstwethen Kursten Weedern Talniki

Der * kennzeichnet in der Tabelle einen Schulort.

Pfarrer Zwischen 1741 und 1945 amtierten an der Kirche Lengwethen (Hohensalzburg) 25 evangelische Geistliche als PfarrerFriedwald Moeller, Altpreußisches evangelisches Pfarrerbuch von der Reformation bis zur Vertreibung 1945, Hamburg, 1968, S. 84:

Johann Christian Lüneburg, 1741–1745 Christoph Hoffmann, 1746–1752 Christian Curländer, 1752–1766 Bernhard Gottlieb Kalau, 1766–1776 Christian Bartholomäus Voß, 1777–1791 Friedrich Ernst Mikisch, 1791–1797 Johann David Rudolph, 1797–1803 Johann Simon Kanning, 1803–1804 Leopold Wermbter, 1805–1811 Ernst Gottlieb Horn, 1811–1813 David Jonathan Naugardt, 1813–1818 Carl L. Th. Kalau von Hofe, 1818–1824 Johann Schneller, 1825–1832 Casemir Iwan Weber, 1832–1839 Theodor Wilhelm L. Weinreich, 1839–1842 Johann Heinrich Lehmann, 1842–1850 Franz Theodor Schmidt, 1851–1879Schmidt († 1879) war Angehöriger des Corps Littuania. Eugen Oskar Theodor Weiß, 1880–1882 Theodor Gustav Struck, 1884–1888 Louis Arno Thiel, 1888–1898 Hermann Otto Max Brunau, 1898–1906 Karl Friedrich W. Gaser, 1909–1918 Wilhelm Krüger, 1920–1930 Ernst Ehlert, 1930–1935 Helmuth Barutzky, 1936–1945

Kirchenbücher Von den Kirchenbüchern der Pfarrei Lengwethen (Hohensalzburg) haben sich erhalten und werden im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin-Kreuzberg aufbewahrtChrista Stache, Verzeichnis der Kirchenbücher im Evangelischen Zentralarchiv in Berlin, Teil I: Die östlichen Kirchenprovinzen der Evangelischen Kirche der Altpreußischen Union, Berlin, 1992³, S. 77: Taufen: 174 bis 1853 Trauungenteilweise sind Seiten beschädigt: 1741 bis 1754, 1758 bis 1800 Begräbnisse: 1741 bis 1785, 1791 bis 1855.

Fußnoten

Kategorie:Erbaut in den 1730er Jahren Kategorie:Kirchengebäude (lutherisch) Kategorie:Kirchengebäude der Kirchenprovinz Ostpreußen Kategorie:Kirchengebäude in der Oblast Kaliningrad Kategorie:Kirchenruine in Russland Kategorie:Profaniertes Kirchengebäude in Russland Kategorie:Rajon Neman Lengwethen