Johannes Lubahn (* 10. September 1879 in Berlin; † 17. Februar 1969 in Hohenschwangau) kämpfte gegen Bodenspekulation und für bezahlbaren Wohnraum.

Leben Lubahn war zunächst Postbeamter, später Beamter des Berliner Magistrats. Im Januar 1919 wurde er zum stellvertretenden Vorsitzenden der Freien demokratischen Fraktion der Groß-Berliner Arbeiterräte gewählt.Gerhard Engel, Hrsg.: Gross-Berliner Arbeiter- und Soldatenräte in der Revolution 1918/19, Akademie-Verlag, 1997, S. 119 u. 466.

Er setzte sich von etwa 1902 an sein ganzes Leben lang für die sozialen Ziele der Beamtenbewegung ein. Dazu gehörten insbesondere die Gedanken der Bodenreform, mit dem Kampf gegen die Bodenspekulation und für die Schaffung bezahlbaren Wohnraums, besonders für die untere Beamtenschaft.

Er beeinflusste den Erlass von Reichsgesetzen auf diesen Gebieten und gilt als Gründervater der einzigen deutschen Beamtenbausparkasse B. B. S., deren Vorstandsvorsitzender er 1928 wurde.

Zu seinem 50. Geburtstag erschienen im Jahr 1929 Sonderdrucke der Monatszeitschrift Heimstätte.Die Heimstätte, Monatszeitschrift für das Heimstättenwesen, Organ des Heimstättenamtes der deutschen Beamtenschaft e. V., 6. Jahrgang 1929, Sonderdruck Nr. 6 und 7.

Nach 1945 wurde ihm seine auch in der NS-Zeit andauernde publizistische Tätigkeit von Gewerkschaftsseite vorgeworfen, und einige seiner nach 1933 erschienenen Schriften wurden aus Bibliotheken der sowjetischen Besatzungszone entfernt.Deutsche Verwaltung für Volksbildung in der sowjetischen Besatzungszone, Liste der auszusondernden Literatur, Erster Nachtrag, Berlin, Zentralverlag 1947. Aber er ließ sich in seinem Kampf nicht beirren. Schon 1946 gehörte er unter anderen mit Paul Löbe, Robert Görlinger, Benedikt Kreutz und Eugen Gerstenmaier zu den Gründungsmitgliedern des Deutschen Volksheimstättenwerks e. V.

Es folgten noch zahlreiche neue Schriften und Vorträge, so zum Beispiel auch 1959 vor dem Bundestagsausschuss für Wohnungswesen. Die Probleme mit Bodenspekulation und Wohnungsknappheit bestehen weiter, obwohl in neuerer Zeit gern behauptet wird, dass sein Kampf dagegen nicht mehr aktuell sei. Nach 1945 lebte er zunächst in Bielefeld. Um 1950 zog er in ein Eigenheim in Hohenschwangau bei Füssen, für das ihm der Beirat des BHW (als Nachfolger der B.B.S.) ein Darlehen gewährte. 1951 wurde er auf eigene Initiative kurzzeitig als Vermittler in einem Rechtsstreit des BHW mit dessen ehemaligem Werbeleiter tätig.Akten des damaligen Treuhänders Reinhard A. Bitter der britischen Militärregierung. Im Jahre 1971 wurde die Zufahrtsstraße zum neuen Verwaltungsgebäude des BHW in Hameln nach ihm benannt.

Sein Sohn Erich Lubahn studierte mit dem Ziel, Nachfolger seines Vaters bei der Bausparkasse zu werden, zunächst Volkswirtschaft und war – zum Teil mit ihm zusammen – auch auf denselben Gebieten tätig.Erich Lubahn: Gärten und Heimstätten : Weg und Ziel der gemeindlichen Bodenreform, Verlag Deutsches Volksheimstättenwerk, Wiesbaden 1948.Lubahn, Erich: Die städtische Grundrente: zur Kritik des Bau- und Bodenrechts, Verlag für Sozialwissenschaften, Frankfurt a. M. 1952, 91 S. Ab 1948 studierte er Theologie, promovierte aber auch in Volkswirtschaft. 1952 wurde er Pastor der Methodistischen Kirche.

Kampf gegen die Bodenspekulation Nachdem Lubahn 1904 einen Vortrag von Adolf Damaschke gehört hatte, trat er dem von diesem initiierten Bund Deutscher Bodenreformer bei und wurde sein Freund und tatkräftiger Mitarbeiter. Im Auftrag des Bundes organisierte er staatsbürgerliche und volkswirtschaftliche Kurse für Tausende von Teilnehmern vor allem aus der Beamtenschaft. Dies zeigen z. B. seine Berichte in der von Damaschke herausgegebenen Zeitschrift Bodenreform, (Deutsche Volksstimme. - Frei Land.).Zeitschrift Bodenreform.Nr. 7, 18. Jahrg., 5. Apr. 1907, Lubahn, Johannes: Der Weg der Bodenreform, S. 375–377, Besprechung eines Buches seines Freundes A. Damaschke zum Thema.Nr.10, 22. Jahrg., 20. Mai 1911, Unser 1. Ferienkursus, S. 281–286.Nr. 10, 23. Jahrg., 20. Mai 1912, Unser 2. Ferienkurs, 283–290.Nr. 17, 31. Jahrg., 5. September 1920 Ein Heimstätten-Kursus, S. 218–220.

Sein Vorschlag zur Bekämpfung der Bodenspekulation war es, eine Grundrentenabgabe einzuführen, um damit die ohne Einsatz von Arbeit und Kapital zustande gekommenen Steigerungen des Bodenwertes abzuschöpfen. Er legte hierzu schon 1936 den Entwurf eines Gesetzes vor.Wertzuwachssteuer. Wegen eines verfügten Preisstopps erlangte es aber keine Bedeutung. 1959 hielt er vor dem Bundestagsausschuss für Wohnungswesen, Bau- und Bodenrecht dazu einen Informationsvortrag.Baulandpreise, Der Spiegel 29/1959 vom 15. Juli 1959.

Kampf für den Heimstättengedanken Lubahn hatte sich zwar schon 1902 dafür eingesetzt, dass junge Beamte günstiges Baugeld erhalten sollten, aber der Weg dahin war mühsam. Nachdem die Bemühungen des von ihm initiierten „Aktionsausschusses der Deutschen Gewerkschaften für das Reichsheimstättenamt“ zur Schaffung dieses Amtes gescheitert waren, gründeten am 20. Februar 1920 auf seine Initiative die im Deutschen Beamtenbund zusammengeschlossenen Beamtenverbände das Heimstättenamt der deutschen Beamtenschaft e. V.Sitz: Berlin-Grunewald, Siedlung Eichkamp, Im Eichkamp 20a., dessen Leiter er von 1920 bis 1933 (?) war. Es sollte den Heimstättengedanken in Bewegung halten und gesetzlich festlegen. Interessenten wurde Rat und Hilfe angeboten.

Außerdem arbeitete er ein Beamten-Siedlungsgesetz aus, mit dem insbesondere die soziale Not der nach dem Gesetz über die Verminderung des Beamtenkörpers (Beamtenabbaugesetz) von 1923 entlassenen Beamten („die Abgebauten“) gelindert werden sollte. Der Entwurf wurde vom Heimstättenamt und den angeschlossenen Gewerkschaften gebilligt und auf deren Antrag wurde am 11. Februar 1924 die Beamten-Siedlungs-Verordnung von der Reichsregierung erlassen. Damit standen den Betroffenen öffentliche Gelder zum Heimstättenbau zur Verfügung. Sein Ziel war es aber, auch den anderen Beamten zu Heimstätten zu verhelfen. Weil im klar wurde, dass es unmöglich war, so viele öffentliche Gelder zu erhalten, erschien ihm das Bausparen als geeigneter Weg. Er sah aber auch, dass eine Beamtenbausparkasse für dauernden Erfolg mehr bieten musste, als die bestehenden Institute. Auf dem Weg dahin musste es Beamten durch ein Gesetz zunächst gestattet werden, überhaupt Darlehen aufzunehmen und dann mussten diese so gut abgesichert werden, dass sie hypothekarisch an letzter Stelle eingetragen werden konnten. Hierzu erkannte er die Möglichkeit der durch Gehaltsabtretung gesicherten Ansparung und Tilgung.

Es musste also ein Beamtenheimstättengesetz als Pendant zum Reichsheimstättengesetz vom 10. Mai 1920, RGBl. Seite 962, dessen Erlass auf wesentliche Initiative seines Freundes Adolf Damaschke zurückging, geschaffen werden. Am 1. Dezember 1925 wurde sein Vorschlag hierzu von sämtlichen Beamtenspitzengewerkschaften der Öffentlichkeit übergeben.Johannes Lubahn: Heimstätten-Bausparkasse für die Beamten, Der Volksschullehrer, Nr. 37, 20. Jahrg., 16. September 1926, S.389;390 und Die Mittelschule, 40. Jahrg., Nr. 27, 4. August 1926, S. 354, 355.Hans Luther, Heinrich Erman unter Mitarbeit von Johannes Lubahn und Adolf Damaschke: Land und Heimstätte den „Abgebauten“ und den Beamten, Heimstättenamt d. deutschen Beamtenschaft e. V., Berlin 1924.

Am 18. Juni 1927 wurde das Reichsgesetz über die Abtretung von Beamtenbezügen zum Heimstättenbau (Beamtenheimstättengesetz) (RGBl. I. 1927, S. 133) angenommen. Es bildete die entscheidende Grundlage für Lubahns weitere Arbeiten auf diesem Gebiet.J. Lubahn: Das Beamtenheimstättengesetz, Die Mittelschule, 41. Jahrg. Nr. 24, 29. Juni 1927, S. 340. Nach Erscheinen der Durchführungsverordnung vom 12. März 1928 (RGBl. I. 1928, S. 61) begann er auf Veranlassung des Reichsarbeitsministeriums am 14. März 1928 mit den Arbeiten zur Gründung der „Beamtenbausparkasse, Heimstättengesellschaft der Deutschen Beamtenschaft m. b. H.“ (B.B.S.) in Berlin. Gesellschafter wurden der Deutsche Beamtenbund, der Allgemeine Deutsche Beamtenbund und der Deutsche Beamten-Wirtschaftsbund. Er wurde Vorsitzender des aus vier Geschäftsführern bestehenden Vorstands. Die drei anderen Vorstandsmitglieder waren Ernst Remmers, Albert Falkenberg und Max Wagner. Auf einem mehrfach veröffentlichten Foto fehlt der Letztgenannte, ohne dass dies erwähnt ist.Soziale Ordnung 56(2003)7-8, 16; .Handelsblatt, 13./14.2003, Nr.112, S. 23.

Die B. B. S. wurde als einzige Gehaltsabtretungsstelle im Sinne des § 2 des Beamtenheimstättengesetzes am 19. Mai 1928 anerkannt und arbeitete auf gemeinnütziger Grundlage. Damit besaß die Beamtenbausparkasse ein Privileg, welches die anderen Bausparkassen jahrzehntelang zu erhalten versuchten. Hinzu kam ein System von quasi ehrenamtlichen Mitarbeitern in den Behörden, sogenannten Vertrauensleuten, welches es erlaubte, die Mitarbeiterzahl der Werbeabteilung relativ niedrig zu halten. Die Beamtenbausparkasse konnte also die Spanne zwischen Guthaben- und Darlehenszins konkurrenzlos niedrig halten.

Am 10. November 1933 wurden die Geschäftsanteile der Gründergesellschafter zwangsweise auf den an ihrer Stelle neugegründeten Reichsbund der Deutschen Beamten übertragen und die Firma in Beamtenheimstättenwerk des Reichsbundes der Deutschen Beamten, Organ zur Durchführung des Beamtenheimstättengesetzes, Bausparkasse G. m. b. H. (BHW) umbenannt. Wahrscheinlich schieden die Geschäftsführer Remmers, Falkenberg und Wagner aus. Ob dies auch für ihn gilt, der ja mit keinem der Gründungsgesellschafter verbunden war, ist nicht bekannt, aber aufgrund seiner politischen Vergangenheit doch anzunehmen.

Im Jahr 1945 wurde das Vermögen des Gesellschafters nach dem vom Alliierten Kontrollrat am 10. Oktober 1945 erlassenen Kontrollratsgesetz Nr. 2, Anhang 30 beschlagnahmt. In der Sowjetischen Zone wurde es komplett enteignet. Lubahn hatte aber schon 1944 das Pensionsalter erreicht. (Treuhänder für die Westzonen war von 1947 bis zur Übergabe an die neuen Gesellschafter 1951 Reinhard A. Bitter.)

Er blieb jedoch den geistigen Grundlagen der Unternehmensgründung bis zu seinem Lebensende verbunden, wie seine zahlreichen Veröffentlichungen zeigen. Auch zum Treuhänder, den kommenden neuen Gesellschaftern und der neuen Geschäftsführung des BHW hatte er um 1950 noch Kontakt.

Ehrungen Der heutige Unternehmenssitz der BHW Bausparkasse AG, BHW Holding AG und der BHW Kreditservice GmbH liegt in der Lubahnstraße, die nach Lubahn benannt wurde. (s. BHW.de)

Schriften Publikationen zur Bodenspekulation Bodenreform , Vorwort von Adolf Damaschke, Verlag Paul, Leipzig 1911 und 1920 Abbau und Bodenreform, Bund dt. Bodenreformer, Berlin um 1923 Bodenreform, Verlag f. Kunst u. Wissenschaft A. O. Paul, Leipzig 1925, 106.–115. Tsd. Leitsätze von Johannes Lubahn zu einem Gesetz über Grundrentensteuer, 1942 Gemeindliche Bodenreform und die Bodenreformer, Deutsche Heimat-Verlag, Bielefeld 1945 Gemeindliche Bodenreform, Vorbereitender Ausschuß f. d. Dt. Volksheimstättenwerk, Bielefeld, Wertherstr. 259, 1946, (Als Ms. gedr.) Gemeindliche Bodenreform; Gesetz z. Beschaffung billigen Bodens und zur Schaffung v. Volksheimstätten, Verlag Ausschuss für das Deutsche Volksheimstättenwerk, Bielefeld 1946 Gemeindliche Bodenreform und die Bodenreformer, Deutsches Volksheimstättenwerk, Bielefeld 1947, 15 Seiten Gemeindliche Bodenreform : Bemerkungen und Erl. insbesondere über das „Gesetz zur Beschaffung billigen Bodens und zur Schaffung von Volksheimstätten“, Deutscher Heimatverl., Bielefeld 1947, 49 S. Der Christ und die Gemeindliche Bodenreform – Heimat den Heimatlosen, Selbstverlag Schwangau bei Füssen (Allgäu) 1949, 32 S. Selbstverlag 1950, 32 S.