mini|Die katholische Pfarrkirche St. Wendalinus in Großrosseln Die Kirche St. Wendalinus ist eine katholische Pfarrkirche in Großrosseln im südlichen Saarland. Seit dem 1. September 2011 gehört die Pfarrgemeinde St. Wendalinus zu der neu gegründeten „Pfarreiengemeinschaft Warndt“ im Bistum Trier. Hierzu gehören die Pfarren Herz Jesu (Ludweiler), Maria Himmelfahrt (Geislautern), St. Barbara (Emmersweiler), St. Hedwig (Wehrden), St. Josef (Wehrden), St. Marien (Dorf im Warndt), St. Paulinus (Lauterbach), St. Wendalinus (Großrosseln). In der Denkmalliste des Saarlandes ist die Kirche als Einzeldenkmal aufgeführt.

Baugeschichte 1290 bis 1882 Die Kirche in Großrosselns hatte in knapp 600 Jahren drei Vorgängerkirche. Wegen der Lage des Ortes in einem engen Flusstal und der periodisch auftretenden Überschwemmungen durch Hochwasser wurden die ersten Häuser sowie die Kirche auf den umliegenden Bergen errichtet.

Erste Kirche 1290 Die erste Kirche in Großrosseln wird im Jahr 1290 als Schenkung der Herren von Warsberg erwähnt. Sie war dem Heiligen Gallus geweiht und stand auf einem relativ hohen Berg des Dorfes. Zu jener Zeit gehörte der Kirche Großrosselns die Pfarreien St. Nikolaus, St. Avold und Naßweiler an. Knapp 450 Jahre wurde diese Kirche von der Gemeinde Großrosseln genutzt. Da überliefert ist, dass 1726, nach ihrer Zerstörung in den Jahren 1637/1638 durch die Schweden im Dreißigjährigen Krieg, noch immer Mauerreste und ein steinerner Sarg zu sehen waren, gilt als gesichert, dass die erste Kirche aus Stein erbaut wurde. Der Glockenturm dagegen bestand aus einem Holzgerüst mit einer Glocke mit etwa einem Fuß (circa 28 cm) Durchmesser. Die Glocke diente bis 1806 nicht nur als Kirchenglocke, sondern wurde auch für profane Zwecke, z. B. als Alarmglocke eingesetzt.

Zweite Kirche 1726/1727 Durch die Zerstörung der ersten Kirche im Jahr 1637/1638 war die Gemeinde knapp 90 Jahre ohne eigene Kirche. In der heutigen Ortsmitte wurde 1726/1727 eine Notkirche aus Fachwerk errichtet, die von der Gemeinde gut zwei Jahrzehnte genutzt wurde. Um diese Zeit wechselte die Gemeinde das Patrozinium und wählte den Hl. Wendelin als Schutzpatron.

Dritte Kirche 1745/1750 In den vierziger Jahren des 18. Jahrhunderts wurde die hölzerne Notkirche von 1726 durch eine aus Stein ersetzt. Mit der aufkommenden Industrialisierung zogen immer mehr Menschen nach Großrosseln, was unumgänglich eine größere Kirche erforderlich machte. Nachweislich wurde die neue Kirche am 14. April 1750 „honorem sancti Wendalini“ durch Pater Ignatius, Erzpriester zu Großblittersdorf und Mönch aus der Abtei Wadgassen, eingesegnet. Seither ist St. Wendalin der kirchlich anerkannte Schutzpatron der Gemeinde Großrosseln. Der neue Kirchbau wurde ohne Gewölbe angelegt, die Decke bestand aus einer flachen Bretterdecke die zu den Wänden hin etwas abgerundet war. Die Länge des Kirchbaus betrug 56 Fuß (knapp 16 m), die Breite 28 Fuß (knapp 9 m). Sie hatte zunächst nur ein rundbogiges Fenster im Kirchenschiff. Erst im Jahr 1823 erhielt die Kirche als Geschenk von einem wohlhabenden Ehepaar weitere fünf Fenster, sodass nun das Kirchenschiff auf jeder Seite drei Fenster aufwies. In den Jahren 1787/1788 wurde eine Sakristei angebaut. Auf dem Dach befand sich ein Dachreiter als Glockenturm. Das Mauerwerk besteht fast ausschließlich aus Bruchstein, Ausnahme bildeten die Fenster und die Pforte, welche eine Umrahmung aus Pflastersteinen erhielten. Diese Kirche 1882 durch die heutige ersetzt. Sie wurde nach ihrer Profanierung zu einem Wohnhaus umgebaut, wobei der gut erhaltene Chor noch heute auf die ehemalige Nutzung als Kirche hinweist.

Inneneinrichtung

Die Kirche hatte einen Hochaltar und zwei Seitenaltäre. Im Jahr 1779 wurde der Kirche ein gotischer Hochaltar aus einer Kapelle aus Forbach vermacht. Der bis dahin verwendete Hochaltar wurde zum Seitenaltar umgebaut, stilistisch angepasst und galt nun als Marienaltar. Der Seitenaltar auf der Epistelseite wurde gründlich repariert und dem Heiligen Nikolaus zugeordnet.

1854 gab es über 34 Stühle, zwei Knie- und Sitzbänke für Erwachsene im Chor, sowie 26 Bänke im Kirchenschiff, weitere Sitzplätze gab es auf der Empore.

Glocken Im Jahr 1806 erhielt die Kirche zwei Glocken von 14 Zoll Durchmesser, also etwa 36 cm. Die kleinere der beiden Glocken trug die Inschrift „Sancta Maria heischen ich, für alle Christen bitten ich, Anno 1613“. Da 1869 eine der Glocken defekt geworden war, gab man der Glockengießerei Mabilon in Saarburg den Auftrag für eine neue Glocke. Die zersprungene Gemeindeglocke wurde als zusätzliches Gussmaterial mit eingeschmolzen. 1870 wurde die Glocke zum Pfingstmontag geweiht und aufgehängt. Später wurden die beiden Glocken zunächst in die vierte Kirche übernommen, wo sie bis zum Neuguss 1902 blieben.

1882 bis zur Gegenwart mini|Rückwärtige Ansicht der Kirche mit Blick auf den Chor mini|Blick ins Innere der Kirche mini|Blick zur Orgelempore

Gut über 130 Jahre nach Nutzung der dritten Kirche von 1745 mussten die Bürger des Dorfes Großrosseln 1882 zum vierten Mal eine Pfarrkirche bauen. Diese ist bis heute das Zentrum der Kirchengemeinde und wird von den Bürgern Großrosselns als „Rossler Dom“ bezeichnet.

Erstmals zu einem Neubau aufgerufen hatte der damalige Trierer Weihbischof Johann Jakob Kraft. Bei der Gelegenheit der Firmung am 12. Mai 1873 verwies er auf den allseits bekannten schlechten Zustand der Pfarrkirche und legte dem Kirchenvorstand einen Neubau nah. Die Kirche bot der stark gewachsenen Gemeinde nicht mehr ausreichend Platz. Außerdem lag die Kirche in einem sumpfigen Gelände; sie stand die größte Zeit des Jahres im Wasser, sodass Mauerwerk und Fußboden selbst im Sommer nass waren. Durch die ständige Feuchtigkeit in der Sakristei schimmelten die Paramente.

Die Finanzierung der neuen Pfarrkirche gestaltete sich als schwierig. Die Baukosten für den Rohbau beliefen sich auf 63.270 DM, umgerechnet rund 32.500 €. Möglich wurde das Projekt erst mit der Erlaubnis, in der Rheinprovinz und im angrenzenden Lothringen Haussammlungen durchführen zu können.

Architektur und Innenausstattung Im Jahr 1882 wurde der Grundstein des Kirchbaus St. Wendalinus mitten im Dorf und 40 Meter über dem Rosseltal gelegt. Die Kirche ist eine einschiffige Hallenkirche mit Orgelempore und leicht höher liegendem Chor. Überspannt ist der Raum von einem Rippengewölbe. Der Baustil ist dem romanischen Stil nachempfunden, der konsequent von den Fensterbögen über die Chor- und die Deckenbögen bis hin zu den Schallluken am Glockenturm durchgehalten wurde. An den beiden Seiten des Chorbogens ist jeweils ein Seitenaltar aufgestellt. Heute findet sich vom Gottesdienstbesucher aus gesehen auf der rechten Seite der Marienaltar, darüber eine schlichte Marienfigur aus Holz, und auf der linken Seite ein Josefsaltar, darüber ebenfalls eine schlichte Figur aus Holz, die Josef darstellt.

Die Bauzeit erstreckte sich von der Grundsteinlegung an über fünf Jahre bis hin zur Einweihung im Jahr 1887, wobei an mehreren Inschriften die Baudurchführung nachvollzogen werden kann.

Der Grundstein befindet sich in der Kirche vorne rechts an der ersten Säule des Chores, wobei am Fuß der Säule in lateinischer Sprache zu lesen ist: „Lapis primarius ab Episcopo Korum positus die 22. Septembris 1882“, zu deutsch, „Grundstein der Kirche gesetzt durch Bischof Korum am 22. September 1882“. Über dem Eingang der Sakristei steht „Ecclesia aedeficate est ab architecto ARENT ex Luxemburg et per DD. SCHNEIDER ex Bous Neckenig parochus“, zu Deutsch: „Die Kirche wurde errichtet durch Architekt Arendt aus Luxemburg und durch die Firma Schneider aus Bous zurzeit von Pastor Neckenig“. Unter dem Eingangsrelief mit Gott-Vater im Mittelpunkt, umgeben von den Symbolen der vier Evangelisten, direkt über dem Hauptportal der Pfarrkirche befindet sich die in Sandstein gehauene Inschrift: „Haec domus edificata est anno MDCCCLXXXIII“, zu Deutsch, „Dieses Haus des Herrn ist errichtet im Jahre 1883“. Auf die Einweihung der Kirche wird mit einer Inschrift, die sich im vorderen Altarraum über der kleinen Eingangspforte zum rechten Raum befindet, hingewiesen. Sie lautet: „Ecclesia consecrata est a. Rmo. Ep. KORUM d. 13. Julii 1887“, zu Deutsch: „Die Kirche wurde eingeweiht durch den verehrungswürdigen Bischof Korum am 13. Juli 1887“.

Innenausstattung bis zur Nachkriegszeit Die Kirche war nach ihrer Weihe im Juli 1887 sehr einfach eingerichtet. Aus der Not heraus wurde die Kirche mit dem bereits 1874 angeschafften gotischen Altar aus der Vorgängerkirche und ihrer angepassten Seitenaltäre ausgestattet, was dem Stil des neuromanischen Baus widersprach. Im Jahr 1890 verkaufte der damalige Pfarrer Rahm die die Altäre, sammelte zudem weitere Spendengelder und schuf zwei neue Altäre an. Im Sommer 1894 wurde der Chor mit Öl-Wachsfarben ausgearbeitet und kurz vor Weihnachten desselben Jahres ein geeigneter Hochaltar samt Kommunionbank aufgestellt. Im Sommer des folgenden Jahres 1895 kam die Pfarrei in den Besitz einer eigenen Orgel der Firma Stockhausen aus Linz am Rhein. Im Jahr 1900 wurden zwei neue Beichtstühle angeschafft und in den folgenden Jahren die Umgebung der Kirche neu gestaltet. Die Zugänge zur Kirche wurden 1910 gepflastert. Während des Zweiten Weltkrieges wurde die Orgel zerstört, und es mussten neue Glocken neu gegossen und neue Kirchenbänke angeschafft werden.

Neuerungen und Neuanschaffungen In den Jahren 1956/1957 gab es u. a. folgende Neuanschaffungen: Kommunionbank, Kirchenbänke, Seitenaltäre, eine Madonnenfigur, Kerzenständer, Fußboden, Holzpodeste unter Bänken, zwei Beichtstühle, eine Glas-Pendeltür, Wandpaletten im Atrium, Lampen unter der Empore, am Eingang und Ausgang, eine Figur des Hl. Josef, Betschemel, Taufstein. Am 21. Sonntag nach Pfingsten 1959 erhielt die Gemeinde einen neuen Hochaltar aus Marmor. Ein Altarkreuz, Kerzenständer und Tabernakel mit einer Darstellung des Lamm Gottes wurden in den Werkstätten Maria Laach erworben.

mini|Blick in den Chor, mit den Neuerungen durch das Zweite Vatikanische Konzil Im Zuge der Liturgiereform des Zweiten Vatikanischen Konzils wurden 1968 verschiedene Neuerungen nach den Vorgaben des Konzils vorgenommen, so der Hochaltar durch einen Volksaltar in der Mitte des Chores ausgetauscht. 1977 wurde ein Kreuz aus Eichenholz, gefertigt von dem Südtiroler Bildschnitzer Jakob Oberhollenzer, im Chor über den Altar installiert. Der Corpus Christi hat eine Länge von 1,60 m.

Glocken und Turmuhr

Erstes Geläut