mini|Maria Thalkirchen von Norden. Mit Chor, Haupthaus und dem achteckigen Westanbau mini|Maria Thalkirchen von Westen im historischen Dorfensemble von Thalkirchen Die katholische Pfarr- und Wallfahrtskirche St. Maria in München-Thalkirchen gehört zu den Wallfahrtskirchen im Erzbistum München und Freising. Sie liegt im alten Dorfkern von Thalkirchen auf einer kleinen Erhöhung über dem ehemaligen Hochwasserbett der Isar am Fraunbergplatz 1. Sie war die Mutterkirche und eine der zeitweilig drei Kirchen der alten Pfarrei Sendling und ist seit 1903 wieder eine eigene Pfarrgemeinde.

Das heutige Erscheinungsbild der ursprünglich gotischen Kirche ist durch eine barocke Umgestaltung im späten 17. Jahrhundert und eine neubarocke Erweiterung von 1907/08 geprägt.

Baugeschichte und Architektur Ursprünglich stand am Ort der heutigen Kirche ein romanischer Vorgängerbau, von dem sich nur noch einzelne Elemente am Turm und der östlichen Langhauswand erkennen lassen.Josef Bogner: Thalkirchen und Maria Einsiedel. In: Oberbayerisches Archiv 107, 1982, S. 235–288, 257. Der Turm muss bis mindestens zum zweiten Freigeschoss spätromanisch gewesen sein, wie ein Rundbogenfries mit Deutschem Band darunter zeigt. Die Mauertechnik und die Formensprache der erhaltenen Fensterfassungen sprechen für einen Bau aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Vom damaligen Langhaus ist der Giebel im Dachraum des neueren Chores erhalten und zeigt, dass der ursprüngliche Chor sehr klein und nach Norden verschoben war.Steiner 2007, S. 4–9.

Die gotische Kirche wurde in zwei Bauabschnitten errichtet.Chevalley, Weski 2004, S. 197. Der gestreckte Chor mit drei Jochen stammt von vor 1400, eine Tafel an der Außenwand nennt ohne Beleg etwa das Jahr 1390 als Bauzeit. Sein Bau wird mit einem legendär überlieferten Gelübde der Grafen Wilhelm und Christian von Fraunberg zu Haag verbunden. Er schloss an das ursprüngliche Langhaus an und griff dessen Breite auf. Das heutige Langhaus entstand später, stilistisch ist es durch seine hohe, gedrungene Form dem ausgehenden Mittelalter und der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts zuzurechnen. Das Langhaus zeigt ein sehr steiles Dach, ebenfalls steile und spitze Schildbögen und nur im Dachgeschoss sichtbare Spuren eines gemalten Frieses. Der fast quadratische Raum wurde ursprünglich durch eine Mittelsäule getragen und geteilt, wie sie in ländlichen Kirchen der Zeit üblich waren. Zeitgleich wurden die Sakristei angebaut und der Turm erhöht. Der um 1482 gefertigte spätgotische Marienaltar könnte zur Fertigstellung des gotischen Baus in Auftrag gegeben worden sein.

Beschädigungen im Dreißigjährigen Krieg werden angenommen, sind aber bauarchäologisch nicht nachweisbar. Deshalb ist unklar, ob der barocke Umbau von 1695–98 der Wiederherstellung der im Krieg beschädigten Kirche diente oder ein Umbau entsprechend dem wandelnden Zeitgeschmack war. In der Zwischenzeit war Martin Gunetzrhainer schon 1693 für eine nicht näher bestimmte Arbeit an der Kirche bezahlt worden. Der große Umbau fand unter der Leitung des Hofmalers Johann Andrae Wolff statt und beruhte auf einem Consens des Kurfürsten Max Emanuel vom 27. Mai 1695. Abgeschlossen wurde er laut den erhaltenen Rechnungen 1698, die Inschrift am Chorbogen gibt jedoch schon 1696 an. Dieser Umbau bestimmt das heutige barocke Erscheinungsbild der beiden östlichen Baukörper im Innern und Äußeren.

Der Turm wurde um „über 50 Schuh“ aus einem Geschoss plus der Turmhaube aufgestockt, die Fenster wurden nach unten erweitert, die Streben des Chores und das neue Turmgeschoss bekamen ungewöhnlich große Voluten. Im Inneren wurde die Mittelsäule des Langhauses entfernt und die Decke als flaches Gewölbe mit einem zentralen Fresko neu aufgehängt. Im Chor wurden nordseitig zwei Oratorien eingefügt und der ganze Innenraum mit Stuck geschmückt. Der Stuck besteht aus flachen Pilastern an den Pfeilern, sowie Akanthus-Ranken in den angedeuteten Kapitellen und Reihen aus Lorbeer-Ornamenten entlang den Gewölbegraten.Chevalley, Weski 2004, S. 198. Die Kirche blieb die nächsten 200 Jahre fast im selben Zustand, 1754 wurden kleinere Reparaturen am Mauerwerk an nicht näher bekannter Stelle nötig, die nur durch die erhaltene Rechnung nachgewiesen sind.Josef Bogner: Thalkirchen und Maria Einsiedel. In: Oberbayerisches Archiv 107, 1982, S. 235–288, 259.

Im Zuge der Eingemeindung Thalkirchens nach München zum 1. Januar 1900 wurde St. Maria Thalkirchen am 3. April 1903 wieder eine selbständige Pfarrgemeinde. Das Gebäude genügte nun nicht mehr den erweiterten Bedürfnissen der Gemeinde. Deshalb wurde der Architekt Gabriel von Seidl beauftragt, einen Erweiterungsbau zu entwerfen. Er errichtete von 1907 bis 1908 ein unregelmäßiges Sechseck, das sich im Westen an das Langhaus anschließt und durch drei Bögen zu ihm öffnet. Darüber ragt eine zentrale Kuppel mit Laterne über einem Zeltdach. Die Höhe des Dachs greift das Niveau des Chores wieder auf. Im Inneren wurde eine neue Chorempore geschaffen, die durch einen kleinen Treppenturm erreicht wird. Das Gewölbe des Anbaus ist erneut mit einem Deckengemälde im selben Format wie im Langhaus ausgemalt. Dem Erweiterungsbau ist ein neues Eingangsportal mit einer ovalen Freitreppe vorgelagert. Der Giebel des Portikus mit einer Josephs-Figur, die Kuppel und die Fenster des Seidl-Baus sind aus dem Neobarock entlehnt.

Zuletzt wurde 1938 die Sakristei erweitert. Im Zweiten Weltkrieg gab es keine Schäden an der Kirche, das Gemeindearchiv wurde aber weitgehend zerstört, insbesondere die Kirchenbücher sind verbrannt.Helga Lauterbach: Von Floßmeistern und Flößerbräuchen – Geschichte und religiöses Brauchtum der Isar- und Loisachflößer. Erich Wewel Verlag 1992, ISBN 3-87904-181-4, S. 54.

Ausstattung mini|Innenraum mini|Gotisches Gnadenbild mini|Hochaltar von Ignaz Günther Die Ausstattung der Kirche enthält Hauptwerke der spätmittelalterlichen Kunst in Oberbayern sowie des Rokoko.Steiner 2007, S. 14–17. Neben der zentralen barocken Umgestaltung wurden der Hauptaltar und weitere Teile der Kirchenausstattung im Laufe der Jahrhunderte vielfach umgebaut und ergänzt.

Aus der romanischen Zeit und der Kirche nach dem Bau des heutigen Chores sind keine Elemente der Ausstattung erhalten.

Um 1482 wurde zur Vollendung des Langhauses ein spätgotischer Flügelaltar angefertigt. Von ihm sind heute nur noch Figuren und Reliefs erhalten. Sein Kern waren drei Figuren, die sitzende Maria mit dem Kinde, sowie ein Korbinian und ein Ulrich von Augsburg. Das Marienbild ist signiert, es stammt aus dem Frühwerk des Ulmer Bildschnitzers Gregor Erhart, Sohn des Michel Erhart.Deutsche Biographie: Erhart, Michel. Danach und dem Stil nach, werden alle drei Figuren der Werkstatt des Michael Erhart zugeschrieben, daran wurde aber auch Kritik erhoben.Chevalley, Weski 2004, S. 199. Insbesondere wird ihnen eine Nähe zu den Apostelfiguren in der Blutenburg des nicht namentlich bekannten Meisters der Blutenburger Apostel und dem Passauer Schnitzer Martin Kriechbaum bescheinigt. Nach einer historischen Abbildung war die Madonna ursprünglich als Himmelskönigin dargestellt. Sie trug eine aufwändige Krone und zu ihren Füßen lag eine Mondsichel. Vier Relieftafeln von den Altarflügeln aus Thalkirchen sind im Diözesanmuseum Freising. Sowohl die Figuren wie die Reliefs waren nur an Festtagen zu sehen, wenn der Altar geöffnet wurde. Die nicht mehr vorhandenen Bilder auf der Außenseite der Flügel, die die Alltagsansicht dieses Altars bestimmten, stammten von Jan Polack.

1698 wurde mit Fertigstellung der Barockisierung der Kirche der spätgotische Altar abgelöst. Über die Gestaltung dieses ersten Barockaltars ist nicht viel bekannt. Zwei Säulenpaare, die später wiederverwendet wurden und daher erhalten sind, stammen aus dieser Zeit.

Maßgeblich für das heutige Erscheinungsbild des Hauptaltars ist die Neugestaltung von 1759 bis 1769 im Stil des Rokoko durch Ignaz Günther. 1759 nahm Günther die Madonna mit dem Kinde und schuf um sie herum einen reichen Altaraufbau. Hinter die Figur stellte er eine goldfarbene Glasscheibe, durch die sie wie ein Nimbus zum Leuchten gebracht wird. Diesen Eindruck verstärkt noch der Strahlenkranz mit kleinen Engeln und Putten. Ein größerer Engel schwebt von links heran. Er trägt eine Lilie als Symbol für Reinheit wie einen Heroldsstab in der Rechten, was ihn zum Botschafter macht. Mit der Linken bekrönt er die Madonna mit einem Blütenkranz. Darüber sitzt Gottvater mit einem Zepter. Der Altar wird bekrönt von einem Baldachin mit gedrehten Säulen, auch sie von Ignaz Günther.

1769 wurde der Tabernakel von einem nicht näher bekannten Goldschmied namens Heiß vollendet und Ignaz Günther schuf zwei Büsten. Der Heilige Joachim steht links, die Heilige Anna rechts. Zudem schuf Günther Tore eines Altarumgangs, auf die die beiden gotischen Figuren aus der Erhart-Werkstatt gestellt wurden. Spätestens 1769 wurde Ulrich von Augsburg, dessen Attribut der Fisch ist, durch Hinzufügen eines Schlüssels zum Heiligen Benno, mit Fisch und Schlüssel, umgewidmet, da Benno Schutzpatron Münchens ist.

Der Hauptaltar wurde 1959 auseinandergebaut, seine Elemente wurden in der Kirche verteilt aufgestellt. 1981 wurde er wieder in den Zustand von 1769 versetzt.

Die Seitenaltare sind aus Elementen von 1698 und 1760 zusammengesetzt, die Altarbilder stammen von Josef Hauber und aus dem Jahr 1798. Die Figuren Peter und Paul auf den Rokoko-Baldachinen stammen aus der Zeit des Hochaltars von 1696. Nach anderer Ansicht ist diese zeitliche Zuordnung fraglich.

Zur weiteren Ausstattung gehören die Kanzel um 1700 mit einer Christusfigur als Salvator mundi auf dem Deckel und ein Kruzifix und eine Schmerzhafte Maria, die auf 1744 datiert werden. Für den neubarocken Erweiterungsbau wurde 1911 ein Antoniusaltar im selben Stil von Johann Büchsenmann gefertigt.

Sowohl das Langhaus wie der westliche Erweiterungsbau weisen jeweils ein rundes Deckenfresko auf. Im Langhaus schuf Johann Andrae Wolff eine Darstellung von Mariä Himmelfahrt. Im Erweiterungsbau stellte Kaspar Schleibner die Anbetung der Heiligen drei Könige dar.

Zu den Teilnehmern der Wallfahrt nach Thalkirchen gehörten schon seit Anfang die Flößer auf der Isar. Die Thalkircher Überfälle waren das letzte Hindernis im Fluss vor München, so dass es zur Tradition wurde, vor der Gefahrenstelle in Thalkirchen für ein Gebet anzuhalten. Nach dem wirtschaftlichen Niedergang der Flößerei übergab der letzte Zunftmeister Josef Dosch 1926 die Fahne und zwei Zunftstangen mit Heiligenfiguren des Johannes Nepomuk und des Nikolaus von Myra an die Kirche. 1990 wurde nach langer Unterbrechung die Tradition der Thalkirchner Flößerwallfahrt wiederbelebt, sie findet seit 1993 alle fünf Jahre statt.Maibaum-Verein Thalkirchen: Flößerwallfahrt

Rings um die Kirche befindet sich der ehemalige Friedhof mit alter Mauer und historischen Grabsteinen und Schmiedeeisenkreuzen. Er wurde 1908, nach der Eröffnung des Waldfriedhofs aufgelassen. Im ehemaligen Friedhof wurde eine Lourdes-Grotte mit Marienfigur errichtet. Alle erhaltenen Grabmäler stammen aus der Zeit nach 1850, aus früheren Epochen sind jedoch 23 Grabplatten erhalten, die im Inneren der Kirche oder an den Außenmauern angebracht sind.Gerhard Grimm: Maria Thalkirchen. Zum Friedhof und zur Schulgeschichte. In: Bernhard M. Hoppe (Hrsg.): Maria Thalkirchen – Geschichte einer Münchner Pfarrei und Wallfahrtsstätte. Erich Wewel Verlag München, 1991, ISBN 3-87904-174-1, S. 95–98.

Geschichte mini|Kreuzpartikel von Thalkirchen mini|Votivbild des Gelübdes der Grafen von Fraunberg zu Haag im Jahr 1372, gemalt zum 400. Jubiläum