Puchberg am Schneeberg ist eine Marktgemeinde im Bezirk Neunkirchen in Niederösterreich mit Einwohnern (Stand ), die etwa 58 Kilometer von Wien entfernt liegt. Mit einer Fläche von 83,11 Quadratkilometern ist Puchberg am Schneeberg flächenmäßig eine der größten Gemeinden Niederösterreichs. Der höchste Punkt des Gemeindegebietes ist das hohe Klosterwappen, der Hauptgipfel des Schneebergs, welcher gleichzeitig den höchsten Berg Niederösterreichs bildet.
Der Name der Marktgemeinde ist urkundlich seit 1260 durch Eberhard von Puchperch belegt.Raimund Rhomberg, Andreas Bichler in: Burgruine Puchberg am Schneeberg – Bauhistorische Analyse und Sanierung. Burgverein Puchberg, Puchberg 2006, ISBN 3-85028-407-7. Bereits im 18. und 19. Jahrhundert kamen zahlreiche Besucher nach Puchberg. Mit der Eröffnung der Schneebergbahn am 15. April 1897 setzte ein struktureller Wandel von der Landwirtschaft zum Tourismus ein. Der heilklimatische Kurort und Luftkurort ist einer der meistbesuchten Tourismusorte Niederösterreichs.
Geografie mini|hochkant=1|Bereits am Ortseingang positioniert sich Puchberg als Tourismusgemeinde mini|hochkant=1|Puchberg am Schneeberg mit dem Schneeberg-Massiv mini|hochkant=1|Puchberger Ortszentrum mit dem Himberg im Hintergrund mini|hochkant=1|Karte von Puchberg
Puchberg am Schneeberg liegt im Bezirk Neunkirchen im südlichen Niederösterreich, innerhalb des Europaschutzgebietes Nordöstliche Randalpen. Der Hauptort hat eine Seehöhe von , gemessen beim Gemeindeamt im Ortszentrum. Der höchste bewohnte Ortsteil ist die Rotte Hinterm Faden auf , gemessen bei der Talstation der Salamander-Sesselbahn.
Puchberg hat Anteil an zwei Naturräumen. Während sich der überwiegende Teil im Schneebergland befindet, liegt der Schneeberg und Losenheim im Semmering-Rax-Schneeberg-Gebiet.Wiener Alpen, Zeitschrift 2008, S. 56.
Die nächstgelegenen Städte sind Neunkirchen, Ternitz, Gloggnitz und Wiener Neustadt. Die Bundeshauptstadt Wien ist rund 80 Kilometer entfernt.
Natur und Geologie Der größte Teil des Gemeindegebiets besteht aus Wiesen, Feldern und Nadelwäldern. In den umgebenden Bergen entspringen fünf Bäche, der Sebastianbach, der Hengstbach, der Sierningbach, der Pfennigbach und der Losenheimer Bach.
Über der untersten Gesteinsschicht des Wettersteinkalks tritt ein biogener Wettersteinkalk in Erscheinung. Darauf folgt ein makroskopisch auffälliges Gestein, in dem rötlichbraune bis graue, zentimetergroße mikritische Kalkkomponenten mit hell-/dunkelgrau gebänderten Kalzitzementen verbunden sind. Diese Gesteinsschichten sind ebenso in der weiteren Umgebung zu finden. Lediglich an der Grenze zu Gutenstein befindet sich Gutensteiner Kalk.Geologische Bundesanstalt: Bericht über geologische Aufnahmen auf Blatt 2, Puchberg (PDF-Datei, abgerufen am 8. August 2008; 246 kB).
Berge Puchberg am Schneeberg liegt in einem Talkessel und ist von mehreren Bergen umgeben. Die höchste Erhebung ist der Schneeberg, ein Tafelberg, der den Talabschluss nach Westen bildet. Mit seinen beiden Hauptgipfeln Klosterwappen () und Kaiserstein () ist dieser der höchste Berg Niederösterreichs. Weitere Gipfel des Schneebergmassivs im Puchberger Gemeindegebiet sind der Vestenkogel () und der Waxriegel (). Dem Schneeberg vorgelagert sind der Lärchkogel () und der Abfall (). Die Wände des Schneebergs fallen bei einem Höhenunterschied bis zu rund 1200 Meter, teils steil zum Puchberger Talkessel ab und bilden damit eine imposante Kulisse des Kessels um die Ortsteile Schneebergdörfl und Losenheim. Der Schneeberg ist überdies eine der wichtigsten Trinkwasserressourcen in Ostösterreich und versorgt Wien seit dem 24. Oktober 1873 über die I. Wiener Hochquellenwasserleitung.
Die übrigen Berge fallen gegenüber dem Schneeberg in ihrer Höhe zwar deutlich ab, erreichen aber dennoch teilweise alpine Höhen. Diese sind:
im Norden der Schober (), der Größenberg (), der Öhler (), der Wiesberg (), der Haltberg (), und der Hutberg (), im Osten das Gelände (), der Himberg (), der Kienberg () und der Strengberg (), im Süden der Anzberg (), der Schacher (), die Gahnsleiten (), der Gahns (), das Alpleck () und der Krummbachsattel (), denen der Kleine Sattel (), der Große Sattel () und der Hohe Hengst () vorgelagert sind.
Das Puchberger Tal ist nur in Richtung Südosten offen. Durch das Sierningtal, das Puchberg nahe dem Ortsteil Ödenhof () verlässt, erfolgt die Entwässerung des gesamten Puchberger Talbodens. Durch die Sierningschlucht führt auch die Puchberger Straße (B 26) nach Ternitz. mini|Ortsteil Vierlehen B 26 Richtung Südosten
Aus Richtung Osten ist Puchberg über den Grünbacher Sattel () erreichbar, über den die Puchberger Straße aus Richtung Wiener Neustadt und die Schneebergbahn führen. Aus Richtung Nordosten führt die Ascherstraße (L 138) von Miesenbach über den Ascher nach Puchberg. Ein Fahrweg führt von Puchberg am Schneeberg durch den Fadengraben zur Mamauwiese.
Die Zahnradbahnstrecke der Schneebergbahn führt auf den Hochschneeberg, von wo sich bei gutem Wetter ein Ausblick weit über den Neusiedler See hinaus bis zur Pannonischen Tiefebene eröffnet. Bei optimalen Bedingungen reicht die Sicht mit dem Fernglas bis zum Plattensee.
Klima mini|hochkant=1|Temperaturen und Regentage im Durchschnitt Als Voraussetzung für das Prädikat Heilklimatischer Kurort betreibt die Gemeinde Puchberg eine Klimastation und lässt alle zehn Jahre ein Klimagutachten von der Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik erstellen.
Die jährliche Sonnenscheindauer beträgt durchschnittlich 1860 Stunden. In allen Jahreszeiten ist Nebel eher selten und dauert meistens nur sehr kurze Zeit an. Im Jahresdurchschnitt fällt an jedem zweiten Tag Niederschlag. Selbst im Hochsommer ist Regen nicht selten. Im Winter kommen an einigen Stellen bis zu drei Meter hohe Schneemauern (Wechten) zustande. Die Niederschläge können durchaus heftig ausfallen, was zu kleinräumigen Überschwemmungen und Vermurungen führen kann; zuletzt am 6. und 7. Juni 2002, als der Pfennigbach aus den Ufern trat und massive Gebäude- und Flurschäden im Ausmaß von mehr als einer halben Million Euro anrichtete.„Puchberger Franzerl“, Ausgabe Juli 2002: (abgerufen am 31. August 2008).
Tage mit Hitze- und Schwüleperioden kommen auf Grund des Bergklimas selbst im Hochsommer nur sehr selten vor; die Nächte bringen starke Abkühlung von den Bergen her. Im Sommer liegt die Durchschnittstemperatur um 25 °C, im Winter knapp unter 0 °C. An rund 75 % der Tage herrscht schwacher Wind von 10 bis 20 Kilometer pro Stunde.Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik: Klimadaten von Österreich 1971–2000 (abgerufen am 5. August 2008).Puchberg aktuell, Zeitschrift 2008, S. 3.
Gemeindegliederung und Flächennutzung mini|hochkant=1|Katastralgemeinde Rohrbach im Graben
Die Marktgemeinde Puchberg am Schneeberg besteht aus drei Katastralgemeinden:Katasterplan der Marktgemeinde Puchberg am Schneeberg Puchbergmit den Ortsteilen Ödenhof, Hengstberg, Hinterm Faden, Hof, Knipflitz, Losenheim, Puchberg, Sonnleiten, Schneebergdörfl, Schwarzengründe, Strengberg sowie den Rotten Hengsttal, Hinterm Hengst, Im Prater und Mittering; Rohrbachgrabenmit den Ortsteilen Breitensohl und Rohrbachgraben sowie den Rotten Arbestal, Gratzehöhe, Gahnsbauer, Schmalleiten; Stolzenwörthmit den Ortsteilen Eichberg, Haltberg, Lanzing, Pfennigbach und Sierning sowie den Rotten Bruck, Ranzenbach, Reitzenberg, Schoberhof und Tuft.
Die Ortsteile Puchberg, Rohrbachgraben, Schneebergdörfl und Sierning sind dicht besiedelt und beherbergen die meisten Einwohner. Die übrigen Gemeindegebiete sind eher dünn besiedelt und bestehen größtenteils aus Wiesen und Wäldern. In den Ortsteilen Losenheim und Hinterm Faden befindet sich auf der Nordseite des Hochschneebergs ein Skigebiet. Die Orte Schneebergdörfl, Losenheim und Rohrbach im Graben sind Ausgangspunkte für Wanderungen auf den Schneeberg.
Eine Besonderheit stellen die Ortsteile Lanzing und Tuft dar, die als einzige nicht im Puchberger Talkessel oder Rohrbachgraben liegen, sondern geografisch durch den Hutberg getrennt zum Miesenbachtal gehören und durch die Passstraße über den Ascher erreichbar sind. Der dort entspringende Kaltenbergbach ist das einzige Gewässer, das über den Miesenbach und weiter in die Piesting nach Norden entwässert.
Die Gesamtfläche von Puchberg am Schneeberg beträgt 83,11 Quadratkilometer. Rund 66 % des Gemeindegebiets bestehen aus Waldflächen. Auf Wiesen entfallen 23 %, auf bebaute Flächen und Gebäude rund 5 % sowie auf Gärten, Gewässer und sonstige Flächen 5 %. (Stand 1. Jänner 2007).
Nachbargemeinden Zwei der acht Nachbargemeinden liegen im Bezirk Wiener Neustadt (WB).
Panoramabilder
Geschichte Ur- und Frühgeschichte mini|hochkant=1|Die Römerhand Siedlungsspuren waren im Puchberger Tal sehr spärlich vorhanden. Lediglich der Fund einer Lochaxt aus Serpentin auf dem Schneeberg und der eines bronzezeitlichen Dolchs sind bekannt. Ein im Volksmund als Römerhand bezeichneter Wegweiser, eine Hand auf einem Wappen, stammt auf Grund der Wappenform vermutlich aus dem 15. Jahrhundert und hat somit keinerlei Bezug zu den Römern. Vielmehr dürfte es sich um ein Stifterwappen der Neuzeit gehandelt haben.
Mit Sicherheit nachzuweisen ist, dass durch Puchberg eine Römerstraße geführt hat, über die reger Warentransport erfolgte. Abzweigend von der Heeresstraße, die von Vindobona (Wien) nach Süden geführt hatte, verlief ein Transportweg von Leobersdorf über Bad Fischau, Winzendorf, Willendorf und Grünbach nach Puchberg. Dort führte dieser den Größenberg entlang zur Mamauwiese und weiter ins Klostertal und Schwarzatal. Dadurch wurde eine Verbindung der Provinzen Pannonien und Norikum hergestellt. Während aus dem Osten vor allem Getreide und Wein transportiert wurde, waren es aus dem Westen Salz und Wein.Rudolf Krenn in Puchberger Heimatbuch. Wiener Neustädter Verlagsgesellschaft, 1996, ISBN 3-9500607-0-7. Der Römerweg im Ortsteil Sonnberg erinnert heute noch an diesen Transportweg.
Mittelalter – 5. bis 15. Jahrhundert Im Raum Puchberg sind die Reste von vier Burgen zu finden, die seit dem hohen Mittelalter nachgewiesen sind. Im 12. und 13. Jahrhundert gehörte Puchberg zur Grafschaft Pitten und damit zum Herzogtum Steiermark. Die Grenze zum Herzogtum Österreich bildete das Piestingtal, das mit Burgen wie Starhemberg befestigt war. Die Nutzung als Grenzburgen kommt daher für die Wehrbauten im Puchberger Becken nicht in Betracht, vielmehr handelte es sich um Sitze niedriger Adeliger. mini|Die großteils wiederaufgebaute Burgruine Losenheim 1357 gelangte der Besitz von Puchberg und Losenheim an die Stuchse, die Herren von Stixenstein. Am 14. April 1381 wurden die Festen Losenheim und Puchberg gemeinsam mit Stixenstein und Vöstenhof von Albero, dem Stuchs von Trautmannsdorf, an Herzog Leopold III. verkauft. Von 1387 bis 1394 waren die Güter von Herzog Albrecht III. an Hans von Liechtenstein verpfändet, blieben aber landesfürstliches Eigentum. In diesen Jahren gewann Stixenstein immer mehr an Bedeutung. Die Burg Losenheim dürften seit dem 15. Jahrhundert dem Verfall preisgegeben worden sein, während die Burg Puchberg bis in das 19. Jahrhundert genutzt wurde.
Die Bauern aus dem Amte Puchberg mussten ihre Abgaben nach Stixenstein entrichten. Aus einem Urbar der Herrschaft Stixenstein des Jahres 1500 geht hervor, dass die Puchberger Bauern zwei Drittel des Getreidezehent nach Stixenstein ablieferten, ein Drittel stand dem Propst von Sankt Ulrich in Wiener Neustadt zu. Darüber hinaus waren die Bauern der Herrschaft gegenüber zum Frondienst verpflichtet.
1488 wurde Stixenstein von Matthias Corvinus eingenommen. Die Burg und das dazugehörende Puchberger Gebiet blieben lange unter ungarischer Herrschaft. Erst Anfang des 16. Jahrhunderts wurden die ungarischen Truppen zurückgeschlagen.Gernot Schuster in Geschichts- und Kulturpfad Puchberg am Schneeberg. Tourismus- und Dorferneuerungsverein und Markt- & Kurgemeinde Puchberg am Schneeberg, 2008.