A Perfect Day for Bananafish ist eine Kurzgeschichte des amerikanischen Schriftstellers J. D. Salinger, die nach ihrer Erstveröffentlichung am 31. Januar 1948 im New Yorker als Eröffnungsgeschichte 1953 in die Sammlung Nine Stories aufgenommen wurde.
Die deutsche Erstübersetzung von Elisabeth Schnack erschien 1966 unter dem Titel Ein herrlicher Tag für Bananen-Fisch in dem Sammelband Neun Erzählungen in Zusammenarbeit mit Annemarie und Heinrich Böll. 2012 wurde die Geschichte in einer Neuübersetzung der Neun Erzählungen von Eike Schönfeld unter dem Titel Ein idealer Tag für Bananenfische veröffentlicht.
Ein herrlicher Tag für Bananen-Fisch thematisiert als erste der Geschichten Salingers über die Glass-Familie die Hintergründe und Motive für den Selbstmord des Kriegsveteranen Seymour Glass im März 1948 während eines Genesungsurlaubs mit seiner Ehefrau Muriel in Florida nach der Rückkehr aus dem Zweiten Weltkrieg und der Entlassung aus einem Nervensanatorium.Vgl. Peter Freese: J.D. Salingers Nine Stories · Eine Deutung der frühen Glass-Geschichten. In: Paul Gerhard Buchloh et al. (Hrsg.): Amerikanische Erzählungen von Hawthorne bis Salinger · Interpretationen. Kieler Beiträge zur Anglistik und Amerikanistik Band 6. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1968, S. 249 ff. Die übrigen Geschichten Salingers über die Glass-Familie wurden ebenfalls z. T. im New Yorker erstveröffentlicht und danach u. a. in den Sammelbänden Franny und Zooey (Franny and Zooey) (1961) und Hebt den Dachbalken hoch, Zimmerleute und Seymour wird vorgestellt (Raise High the Roof Beam, Carpenters and Seymour: an Introduction) (1963) publiziert.
Inhalt In A Perfect Day for Bananafish schildert ein neutraler personaler Erzähler die Vorgänge und Ereignisse, die mit dem Selbstmord Seymours enden, in drei klar gegliederten Sequenzen in überwiegend szenisch-dialogischer Darstellungsform.
Der Schauplatz der Erzählung ist ein luxuriöser Ferienort an der Küste Floridas. Die Eingangsszene zeigt Seymours Ehefrau Muriel, die auf die Verbindung für ein Ferngespräch mit ihrer Mutter in ihrem Hotelzimmer wartet, während ihr Mann allein am Strand liegt. Die längere Wartezeit, bevor die Verbindung zustande kommt, nutzt Muriel, nur mit einem weißseidenen Morgenrock bekleidet, für verschiedene eher triviale Aktivitäten. So liest sie beispielsweise einen Aufsatz in einer Frauenzeitschrift mit dem Titel Sex ist Spaß – oder die Hölle, entfernt einen Fleck aus ihrem Rock, versetzt einen Knopf an ihrer Designer-Bluse oder lackiert ihre Fingernägel.
In dem anschließenden Telefonat bringt Muriels Mutter wiederholt ihre große Sorge um die Sicherheit und das Wohlergehen ihrer Tochter zum Ausdruck, da sich Muriels Mann Seymour nach seiner Entlassung aus der Klinik mehrfach sehr merkwürdig und unberechenbar verhalten habe. So deutet Muriels Mutter unter anderem an, Seymour habe bewusst den Wagen seines Schwiegervaters gegen einen Baum gesteuert, grässliche Dinge zu der Oma über ihre Vorbereitung auf den Tod gesagt und etwas Unaussprechliches mit den Ferienbildern aus Bermuda angestellt. Ihrer Ansicht nach ist Seymour viel zu früh aus dem Militärhospital entlassen worden und droht nun, wie auch ein mit der Familie befreundeter Psychoanalytiker festgestellt habe, wahrscheinlich „gänzlich den Verstand zu verlieren“ und zu einer Gefahr für seine Umgebung zu werden. Sie wünscht daher sehr eindringlich, dass Muriel nach Hause zurückkehrt, da sie befürchtet, ihr Mann könne ihr etwas antun.
Muriel beruhigt jedoch ihre Mutter mehrere Male und weist darauf hin, dass Seymour auf dem Weg zum Ferienort sehr vorsichtig gefahren sei, den Schaden an dem Wagen ihres Vaters bezahlen wolle und im Übrigen seine Zeit am Ferienort damit verbringe, tagsüber allein am Strand zu liegen und abends im Ozean-Saal des Hotels zur Unterhaltung der anderen Gäste Klavier zu spielen.
Sie habe jedenfalls keine Lust, den Urlaub abzubrechen; zwar habe Seymour sie als „Miss Intellektuelle Vagabundin vom Jahr 1948“ („Miss Spiritual Tramp of 1948“) bezeichnet und ziehe auch seinen Bademantel am Strand nicht aus – angeblich, um seine allerdings nicht vorhandenen Tätowierungen nicht zur Schau zu stellen; ein Gespräch mit einem Psychiater vor Ort über Seymours Probleme habe jedoch nichts Konkretes ergeben.
In dem gesamten Telefonat lenkt Muriel in auffälliger Weise das Gespräch fortwährend auf oberflächliche Themen wie ihren Sonnenbrand und die verwendete Sonnenmilch, ihren blauen Mantel und ihr Ballkleid, die Sommermode oder die Kleiderpreise der Saison im Allgemeinen. Ebenso äußert sie sich abfällig über das Aussehen und Verhalten der anderen Hotelgäste.
Das verlockende Angebot ihrer Eltern, ihr eine schöne Seereise anstelle des Urlaubs mit ihrem Mann zu finanzieren, kann Muriel ebenso wenig dazu bewegen, den Urlaub mit Seymour abzubrechen. Seymours Verhalten sei aus ihrer Sicht völlig harmlos und keinesfalls, wie ihre Mutter es darstelle, „komplett verrückt“. Muriel beendet sodann das Telefongespräch mit der Feststellung, sie fühle sich völlig sicher und finde das Verhalten ihres Ehegatten auch keinesfalls beängstigend.
In der zweiten Szene der Erzählung wechselt der Schauplatz zum Hotelstrand. Die vier- oder fünfjährige Sybil Carpenter fragt dort mehrfach ihre Mutter, während diese sie mit Sonnenöl einreibt, ob sie „Sieh-mehr-Glass“ („see more glass“) gesehen habe. Ihre Mutter versteht die Frage jedoch nicht und schickt ihre Tochter genervt fort zum Spielen, um selber im Hotel einen Cocktail zu trinken.
Unbeaufsichtigt begibt sich Sybil sofort auf die Suche nach ihrem Bekannten Seymour Glass und findet ihn schließlich eine viertel Meile entfernt auf dem öffentlichen Strandabschnitt, wohin Seymour sich von den Hotelgästen zurückgezogen hat. In dem nachfolgenden Gespräch rühmt Seymour den hübschen blauen Badeanzug des Mädchens, obwohl dieser eindeutig gelb ist, wie Sybil sofort einwendet. Sie beklagt sich auch darüber, dass Seymour der dreieinhalbjährigen Sharon Lipschutz erlaubt habe, während seines Klavierspiels neben ihm auf der Klavierbank zu sitzen. Als Seymour bekräftigt, nicht Sharon, sondern Sybil sei sein Liebling, fordert diese ihn auf, das nächste Mal Sharon von der Klavierbank zu schubsen.
Als die beiden daraufhin mit einem Gummifloß gemeinsam ins Wasser gehen, schlägt Seymour dem Mädchen vor, nach einem Bananen-Fisch Ausschau zu halten. Es sei, wie er bemerkt, ein herrlicher Tag für Bananen-Fisch. Er erklärt Sybil, die zunächst keinen Bananen-Fisch sehen kann, dass Bananen-Fische wie ganz gewöhnliche Fische aussähen. Sie würden in ein Loch voller Bananen schwimmen und würden diese gierig wie Schweine verschlingen. Natürlich seien sie danach zu dick, um wieder aus dem Loch herauszukommen. In dem Bananenloch gefangen, bekämen sie eine schreckliche Krankheit, das Bananenfieber, und würden daran sterben.
Trotz ihrer anfänglichen Zweifel erklärt Sybil schließlich, sie habe einen Bananen-Fisch mit sechs Bananen im Mund gesehen. Als Seymour daraufhin den Spann ihres Fuß küsst, protestiert Sybil unwirsch und rennt, nachdem beide wieder am Strand angelangt sind, sofort ohne ein Wort des Bedauerns zurück zum Hotel.
Seymour sammelt danach seine Sachen ein und kehrt ebenfalls zum Hotel zurück. Auf dem Weg zu seinem Zimmer beschuldigt er im Fahrstuhl eine Frau mit Zinksalbe auf der Nase, auf seine Füße zu starren. Als diese zu ihrer Entschuldigung erklärt, sie habe nur zufällig auf den Fußboden geblickt, verbittet sich Seymour aufgebracht ihre „verdammte Heimlichtuerei“ („God-damned sneak“). Die Frau verlässt daraufhin den Fahrstuhl, ohne sich umzusehen. Seymour betont der Fahrstuhlführerin gegenüber nochmals wütend, er habe zwei normale Füße und es gebe nicht den leisesten Grund für Starren.
Im Hotelzimmer angekommen, blickt Seymour auf seine Frau, die schlafend auf dem einen der beiden Betten liegt. Dann holt er eine Ortgies-Pistole Kaliber 7,65 aus seinem Koffer, setzt sich auf das unbenutzte Bett und schießt sich, während er seine Frau anblickt, eine Kugel durch die rechte Schläfe.
Interpretationsansatz In dieser nur wenige Stunden erzählter Zeit umfassenden Kurzgeschichte Salingers, die unter Wahrung einer zeitlich-räumlichen Einheit und überschaubaren Beschränkung auf drei Hauptfiguren in sich abgerundet ist und am Ende kreisförmig zum Ausgangspunkt im Hotelzimmer zurückkehrt, wird der scheinbar sinn- oder motivlose Selbstmord des Protagonisten Seymour Glass geschildert. Da der Erzähler in der überwiegend dialogischen Darbietung der Ereignisse auf jegliche Deutung oder Kommentierung des Geschehens verzichtet und auch die Hintergründe bzw. Vorgeschichte ausspart, wird der Leser in die Rolle eines zufälligen Beobachters versetzt, der die Handlungsmotive der Charaktere und insbesondere des Protagonisten nur aus Andeutungen in den Gesprächen der Figuren selber erschließen kann.Vgl. Peter Freese: J.D. Salingers Nine Stories · Eine Deutung der frühen Glass-Geschichten. In: Paul G. Buchloh et al. (Hrsg.): Amerikanische Erzählungen von Hawthorne bis Salinger · Interpretationen. Kieler Beiträge zur Anglistik und Amerikanistik Band 6. Karl Wachholtz Verlag, Neumünster 1968, S. 253 f.
Das Ferngespräch zwischen Muriel Glass und ihrer Mutter im ersten Teil der Erzählung gibt dem Leser wichtige Hinweise auf den Protagonisten Seymour. Die verschiedenen Andeutungen der Mutter über Seymours ungewöhnliches Verhalten nach seiner Entlassung aus dem Nervensanatorium und die Einschätzung des Psychoanalytikers der Familie, Seymour könne demnächst völlig die Kontrolle über sich verlieren, deuten auf einen Zustand noch nicht überwundener, tiefer psychischer Verwirrung Seymours nach seiner Heimkehr aus dem Krieg. Muriels Beobachtungen, dass Seymour am Strand seinen Bademantel nicht ausziehe, um nicht seine überhaupt nicht vorhandenen Tätowierungen zur Schau zu stellen, sind ebenso wenig beruhigend wie ihre Feststellung, dass Seymour sich beim geselligen Zusammensein abends im Hotel von den anderen Gästen absondere und alleine Klavier spiele.