mini|hochkant=1.35|Großsolter Kirche (2018) Großsolt () ist eine Gemeinde im Kreis Schleswig-Flensburg in Schleswig-Holstein.

Geografie Die Gemeinde Großsolt liegt rund zehn Kilometer südlich von Flensburg und besteht aus den OrtsteilenAmt Hürup, Großsolt, abgerufen am: 9. Dezember 2019 beziehungsweise Ortschaften Großsoltholz (Store Soltskov), Großsoltwesterholz, Großsoltbrück (Store Soltbro), Bistoft, Estrup, Kollerup, Mühlenbrück (Møllebro) und Großsolt selbst.

Des Weiteren existieren noch verschiedene alte Wohnplätze, welche heute den obigen Ortsteilen zugeordnet sind: Bistoftfeld (Bistoftmark)Vgl. Vagn J. Brøndegaard: Etnobotanik. Planter i skik og brug, i historien og folkemedicinen, 2015, S. 895, Bistoftholz (Bistoftskov), Bregengaard (Bregnegaard), Erholung, Ernsthof, Estrupfeld (Estrupmark), Friesheck (Frisled)Sml. E. Hågerup: Om det danske sprog i Angel. København 1854, S. 100, Holstein, Kloster, Kollerupfeld (Kollerupmark), Kollerupholz (Kollerupskov)Anders Bjerrum, Kristian Hald und Peter Jørgensen: Sydslesvigs stednavne, Bd. 7, Akademisk Forlag, 1979, S. 485, Rugenkanzel und Süderballig (Sønderballe)Berthold Hamer: Topographie der Landschaft Angeln, Bd. 1, Husum 1994, S. 268.

Die Bondenau und die Kielstau, aus denen weiter westlich die Treene hervorgeht, durchfließen die Gemeinde von Ost nach West und münden im Treßsee. Im Süden des Gemeindegebietes nahe der Grenze zum benachbarten Hostrup besteht das Moorgebiet Steartmoor (dänisch Stjært bzw. Stjærtmose). Das Moor wurde 1800 schriftlich erwähnt, der Name (altnordisch stertr, im Angeldänischen stjét oder stjat, im Deutschen: Sterz≈Schwanz) wird in Ortsnamen meist für ein schmales Gelände verwendet, hier wahrscheinlich für den äußersten RandKristian Hald: Sydslesvigs stednavne, Bd. 7, Kopenhagen/København 1979, S. 499.

Die Landschaft ist hügelig und besteht überwiegend aus weichselzeitlichen Grundmoränen und Binnensandern. Großsolt zählt zur Landschaft Angeln.

Geschichte Großsolt wurde 1352 erstmals erwähnt. Der Name entstand aus dem ursprünglichen Namen der heutigen östlichen Treßseeniederung. Das Ufer des Sees befand sich bis zur Frühe Neuzeit in Ortsnähe.C. Stolz, D. Nass, A. Fülling (2015): Process – response systems on the floodplains of lowland rivers: Results from the Treene River in the northernmost part of Germany concerning human impact and carbon budgeting. – Zeitschrift für Geomorphologie, N. F. 60, Suppl. 1: S. 49–77. Die Endung „-solt“ kommt daher von „sulz“ für Sumpf, sumpfiges Gelände (vgl. adän. sol, nndt. Såhl, Soll). Eine Ableitung in der Bedeutung von „Salz“, wie sie bei einigen schleswigschen Flurnamen vorkommt und die als solche auf einen früheren Namen der Bondenau hinweisen könnteWolfgang Laur: Historisches Ortsnamenlexikon von Schleswig-Holstein. 2. Auflage, Neumünster 1992, S. 291, scheint dagegen unwahrscheinlichO. Clausen: Flurnamen Schleswig-Holsteins. Rendsburg 1952..

Bis in das 20. Jahrhundert fischte man in Großsolt. Durch die Flussregulierung der Kielstau und der Bondenau 1925 und der Flurbereinigung in den 1960er und 1970er Jahren verlandete der ursprünglich vermutlich mehr als einhundert Hektar große Treßsee immer weiter. Die Lachse starben aus und die Fischereirechte, einst Garant für Wohlstand, wurden bedeutungslos.

Zum Ende des Zweiten Weltkrieges, im Mai 1945, siedelte sich in Flensburg-Mürwik die letzte Reichsregierung unter Karl Dönitz an. Generalfeldmarschall Ernst Busch, der zum Oberbefehlshaber Nordwest ernannt worden war, schlug offenbar gleichzeitig im zehn Kilometer entfernten Kollerup (), auf dem Hof der Familie Christiansen, sein Hauptquartier auf.Heinz Jensen: Die roten „Wanderer“-Sitze aus Kollerup in: Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln, Sörup 2017, Seite 171 f.Schriften der Gesellschaft für Flensburger Stadtgeschichte (Hrsg.): Der Landkreis Flensburg 1867–1974. Teil 1, Flensburg 1981, Seite 121 Im Mai 1945 hielt sich auch kurzzeitig Heinrich Himmler mit seinem Gefolge in Kollerup auf. Gleichzeitig tauchte der SS-General Curt von Gottberg in Kollerup auf.Heinz Jensen: Die roten „Wanderer“-Sitze aus Kollerup in: Jahrbuch des Heimatvereins der Landschaft Angeln, Sörup 2017, Seite 171 f. Heinrich Himmler war über die sogenannte Rattenlinie Nord in den Flensburger Raum gekommen, um sich an der Reichsregierung im Sonderbereich Mürwik zu beteiligen. Da ihm die Beteiligung verwehrt wurde, flüchtete er weiter in Richtung Süden. Letztlich starb er am 23. Mai 1945 in Lüneburg in britischer Gefangenschaft durch Suizid.sh:z Zivilkleidung, Augenklappe, neuer Name: Doch für Himmler gab es kein Entrinnen, vom 13. Mai 2015; abgerufen am 10. Mai 2017Flensburger Tageblatt: Steinbergkirche: Jahrbuch im Zeichen der NS-Zeit, vom: 6. November 2017; abgerufen am: 7. November 2017

Politik Gemeindevertretung

Bei der Kommunalwahl am 14. Mai 2023 wurden insgesamt 13 Sitze vergeben. Von diesen erhielt die Kommunale Wählergemeinschaft Großsolt sieben Sitze, die CDU vier Sitze und die FDP zwei Sitze.

Wappen Blasonierung: „In Grün eine goldene Hausmarke in Form eines gestürzten, aus sechs Rauten bestehenden lateinischen Gitterkreuzes, von denen diejenige, welche die Kreuzungsstelle bildet, vergrößert ist.“[ Kommunale Wappenrolle Schleswig-Holstein]

Das Großsolter Wappen enthält einen Schmuck aus der Wikingerzeit – ein lateinisches Gitterkreuz. Die sechs gelben Rauten auf grünem Grund symbolisieren die sechs ehemals selbstständigen Gemeinden.

Öffentliche Einrichtungen Bildungseinrichtungen Das erste Schulgebäude in Großsolt wurde 1757 erbaut und bis ca. 1790 genutzt. Im Laufe der Jahrhunderte hat die Schule Großsolt ihren Standort einige Male gewechselt. Seit 1971 ist sie unweit der Kirche beheimatet.

Die Grundschule Großsolt wird von Kindern und Jugendlichen aus den Gemeinden Großsolt und Freienwill besucht, der Hauptschulteil lief 2011 aus.

Freizeit- und Sportanlagen Der nahe Holmark-See stellt im Sommer als Freibad unter Aufsicht der DLRG einen beliebten Treffpunkt dar. Sportplatz, Sporthalle und Tennisplätze stehen zur Freizeitgestaltung zur Verfügung. Das rege Vereinsleben mit Sportverein, Landfrauen, Männergesangsverein, Freiwilliger Feuerwehr, Westangler Reiterverein und Ortskulturring prägt das Miteinander im Ort.

Freiwillige Feuerwehren In der Gemeinde Großsolt bestehen drei Freiwillige Feuerwehren, die von Bistoft-Mühlenbrück, die von Estrup-Kollerup und die von Großsolt selbst.Flensburger Tageblatt: Mit vereinten Kräften gegen simulierten Brand, vom: 15. Juni 2009; abgerufen am: 21. Dezember 2019

Kultur und Sehenswürdigkeiten Die bäuerliche Prägung ist im Ortsbild der Gemeinde mit über zwanzig Betrieben erhalten geblieben. Besonders stattliche landwirtschaftliche Anwesen mit großem Baumbestand und Alleen sind insbesondere in Estrup und Kollerup zu finden. Auf vielen Höfen der Gemeinde wird „Urlaub auf dem Bauernhof“ angeboten oder sie präsentieren sich als Reiterhof.Amt Hürup, Großsolt, abgerufen am: 9. Dezember 2019

In der Liste der Kulturdenkmale in Großsolt stehen die in der Denkmalliste des Landes Schleswig-Holstein eingetragenen Kulturdenkmale.

Bauwerke

Die Großsolter Kirche wurde 1970 durchgreifend restauriert. Sie ist ein romanischer Feldsteinbau aus dem späten 12. Jahrhundert mit eingezogenem Chor. Das Nord- und Südportal ist mit Granitquadern gebaut. Durch die Halle des erst 1920 errichteten Kirchturms gelangt man in den Kirchenraum. Auf dem Friedhof gibt es noch einige Grabsteine aus dem 17. und 18. Jahrhundert.

Sonstiges Der Schriftsteller und Ethnologe Traugott Tamm (1860–1938) wuchs in Großsolt auf. Sein Vater war der Pastor Heinrich Tamm, der ab 1864 die Pfarrstelle in Groß- und Kleinsolt übernahm.

Weblinks

Gemeinde Großsolt

Einzelnachweise

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