mini|rechts|hochkant=0.8|Umgebungskarte des Rendlesham Forest Als Rendlesham-Forest-Zwischenfall oder Rendlesham-Zwischenfall werden in der Ufologie zwei Ereignisse vom 26. und 28. Dezember 1980 bezeichnet. Diese sollen sich im Rendlesham Forest in Großbritannien zugetragen haben. Der Rendlesham-Zwischenfall gilt, neben dem Roswell-Zwischenfall in New Mexico, unter Ufo-Gläubigen als „Meilenstein“ in der Ufologie, weil hochrangiges Militärpersonal involviert war und die meisten der Beteiligten vom britischen Militär zunächst als „glaubwürdig“ eingestuft wurden. Der Zwischenfall erlangte durch Presse und Medien weltweite Bekanntheit.

Der Rendlesham-Zwischenfall gilt gleichsam als einer der am besten dokumentierten Ufo-Vorfälle der Neuzeit. Sowohl das britische Verteidigungsministerium, die britische Luftwaffe als auch behördlich beauftragte Experten und Journalisten führten intensive und gründliche Untersuchungen durch. Behörden und Skeptiker gehen heute mehrheitlich davon aus, dass es sich bei der Geschichte um ein Zusammenspiel aus teils fehlinterpretieren natürlichen Phänomenen, teils optischen Täuschungen und teils frei erfundenen Übertreibungen handelt. Zeugenberichte von einem angeblich gesichteten Raumschiff oder gar von Außerirdischen werden heute als „unglaubwürdig“ eingestuft, weil die Aussagen diesbezüglich bereits von Anfang an widersprüchlich und inkonsistent waren und es bis heute sind. Zudem fehlt bis heute jeder glaubwürdige Beweis für einen solchen Vorfall.

Ort der Geschehnisse mini|rechts|hochkant=0.8|Osttor zum Sperrgebiet im Rendlesham Forest bei Woodbridge. Als Zentrum der Ereignisse gilt der sogenannte Rendlesham Forest, ein 15 km² großes, militärisch abgeriegeltes Waldgebiet nahe dem Luftwaffenstützpunkt RAF Bentwaters-Woodbridge. Der Wald besteht überwiegend aus Kiefern und wird vom örtlichen Forstbetrieb betreut (obwohl er sich in einem Sperrgebiet befindet). An den Wald angrenzende Ortschaften sind Woodbridge, Sudbourne und Orford. Etwa 13 km westlich von Rendlesham Forest liegt Ipswich. Etwa 3,2 km östlich von Orford befand sich bis August 2020 der Leuchtturm Orfordness Lighthouse (in Betrieb von 1792 bis 2013), der bei späteren Untersuchungen der Vorfälle eine tragende Rolle spielte. Alle genannten Orte befinden sich in einem weiträumigen Naturschutzgebiet der englischen Grafschaft Suffolk. Bentwaters-Woodbridge war zur Zeit der vorgeblichen Sichtungen eine von der US Air Force geführte Einrichtung der NATO auf dem Boden des Vereinigten Königreichs. Die Anlage bestand damals noch aus zwei separat geleiteten Einrichtungen: die RAF Bentwaters und die RAF Woodbridge. Diensthabender Leiter der Anlage Woodbridge war zu dieser Zeit Oberst Ted Conrad, für Bentwaters war der Oberstleutnant Donald Moreland zuständig.Nic Rigby: Rendlesham Forest UFO: Are we any closer to the truth 40 years on?. Internet-Artikel vom 26 Dezember 2020 auf bbc.com (englisch).

Beschreibung der Vorfälle Beteiligte

Als Hauptzeugen des Militärs gelten Lieutenant Colonel Charles Iowerth Halt, Staff-Sergeant James Penniston, Sergeant John Burroughs sowie die Bediensteten Edward Cabansag und Larry Warren. Alle benannten Personen befinden sich heute im Ruhestand.Georgina Bruni, Nick Pope: You Can't Tell the People. S. 11–14.

Als Hauptzeugen der örtlichen Polizei (engl. Constabulary) gelten unter anderem Superintendent George Plum sowie die Wachtmeister Brian Creswell und Martin Brophy.Georgina Bruni, Nick Pope: You Can't Tell the People. S. 16.

Zivile Hauptzeugen sind unter anderem Garry Harris, Diana Persinger und Gordon Levitt. Ihre Namen sind in örtlichen Polizeiakten aufgeführt.Georgina Bruni, Nick Pope: You Can't Tell the People. S. 18.

Erster Vorfall mini|rechts|hochkant=0.8|Angeblicher Landeplatz des unbekannten Objekts. In den frühen Morgenstunden des 26. Dezember 1980 wurden vom Luftwaffenstützpunkt Bentwaters-Woodbridge aus Lichter gesehen, die im nahen Rendlesham Forest niedergegangen sein sollen. Unter der Vermutung eines Flugzeugabsturzes machten sich der leitende Sicherheitsoffizier James Penniston sowie die Airmen Edward Cabansag und John Burroughs auf die Suche nach der vermeintlichen Absturzstelle. In dem entsprechenden Gebiet im Rendlesham Forest angekommen, war laut Aussage der Zeugen ein helles Licht zu sehen, das von einem intakten Objekt am Waldboden ausging. Je näher die Zeugen dem Objekt kamen, desto schlechter soll die Qualität des Funkkontakts mit der Basis geworden sein. Airman Cabansag blieb daher zurück, um den Funkkontakt mit der Basis halten zu können. Penniston und Burroughs näherten sich nach eigener Aussage weiter dem Objekt und beschrieben es in ihren Berichten als dreieckig, etwa 2,5 m lang und 2 m hoch. Blaue und gelbe Lichter seien über die Oberfläche des Objekts gewandert. Penniston und Burroughs beobachteten das Objekt ca. 10 Minuten in einigem Abstand. Dann beschloss Penniston, das Objekt näher zu untersuchen. Er trat an das Objekt heran, umrundete es, berührte es und notierte sich Symbole, die er vorgeblich auf der Oberfläche des Objektes sah. Das Objekt sei seiner Aussage nach warm und glatt gewesen. Laut den Zeugen intensivierte sich nach 25 Minuten das Licht des Objekts schlagartig, es begann geräuschlos abzuheben und flog mit hoher Geschwindigkeit davon. Eine spätere Untersuchung des Ortes förderte angeblich drei Vertiefungen, welche als Landespuren gedeutet wurden, sowie erhöhte Radioaktivität zutage.

Zweiter Vorfall

In der Nacht des 28. Dezember 1980 wurden erneut Lichter über dem Rendlesham Forest gesehen. Der stellvertretende Kommandant der Basis, Charles Halt, brach mit vier weiteren Soldaten auf, um diese Lichter zu untersuchen. Die Zeugen sagten später aus, dass sie ein pulsierendes, rot-oranges Licht im Wald ausmachen konnten, das im Zickzack zwischen den Bäumen manövrierte. Die Männer verfolgten das Licht bis zu einem Feld am Waldrand, wo es scheinbar explodierte. Eine Suche nach Überresten der vermeintlichen Explosion blieb vorgeblich ohne Ergebnis. Während der Suche erschienen laut Halt mehrere entfernte Objekte am Himmel mit roten, blauen und grünen Lichtern. Eines der Objekte kam schnell näher und stoppte direkt über den Zeugen. Das Objekt wurde später als diskusförmig mit Lichtern an den Rändern beschrieben. Ein roter Lichtstrahl, ähnlich einem Laser, wurde von dem Objekt abgegeben und traf wenige Meter von den Zeugen entfernt auf die Erde. Dann entfernte sich das Objekt schnell und verschwand mit den anderen Objekten aus der Sicht. Von der Militärbasis aus sollen die Lichter noch für über zwei Stunden zu sehen gewesen sein. Von Zeit zu Zeit wurden Lichtstrahlen zu Boden gesandt. Eines der Objekte soll laut Halt über ein Waffenlager der Luftwaffenbasis geflogen sein und Lichtstrahlen auf das Waffenlager gesendet haben.

Laut dem Sicherheitsoffizier Larry Warren gab es eine weitere Begegnung in der Nacht zum 29. Dezember. Warren gibt an, er sei Teil einer Untersuchungsmannschaft in Begleitung von Lt.Col. Halt gewesen. Er habe ein hell leuchtendes Objekt auf dem Boden gesehen, ähnlich wie von Penniston beschrieben. Militärpersonal habe danebengestanden sowie einige kleine, humanoide Wesen. Warren habe den Eindruck gehabt, sie kommunizierten. Dann wurde Warren von Militärangehörigen von der Szene entfernt.

Penniston und seine ehemaligen Kollegen berichten, dass sie in den Tagen nach dem Vorfall von Mitarbeitern des U.S. Air Force Office of Special Investigations (OSI) befragt worden seien. Einige behaupten, sie seien teilweise eingeschüchtert und zur Geheimhaltung verpflichtet worden. Colonel Halt behauptet, sein Vorgesetzter, der (ehemalige) Oberstleutnant und Verbindungsoffizier Donald Moreland, habe zwei Wochen später von Halt gefordert, dass dieser ein Memorandum zu den Vorfällen verfasse.Georgina Bruni, Nick Pope: You can't tell the people. S. 122–127.

Zivile Zeugenaussagen

Zu den zivilen Zeugen des Vorfalls zählt der aus Sudbourne stammende Gordon Levitt. Seiner Aussage nach führte er am Abend des 28. oder 29. Dezembers zwischen 19:00 und 20:00 Uhr seinen Hund aus und bemerkte am Himmel ein leuchtendes Objekt, das sich in seine Richtung bewegte. Levitts Beschreibung nach war das Objekt pilzförmig, leicht rundlich und gab ein grünliches Licht ab. Es bewegte sich zunächst auf Levitt zu und bog dann in Richtung Woodbridge ab. Nach Gordon Levitts Bericht wurde das Unbekannte Flugobjekt auch von seinem Hund wahrgenommen. Dieser soll einen Schock erlitten und sich am Tag darauf geweigert haben, seinen Zwinger zu verlassen. In gängiger Ufo-Literatur wird oft behauptet, Levitts Hund sei aufgrund dieses Schocks gestorben. Dies wird jedoch von Gordon Levitt und seinem Rechtsanwalt bestritten.Georgina Bruni: You can't tell the people. S. 86–87.

Ein weiterer Ortsansässiger, Gerry Harris, beobachtete gemeinsam mit seiner Frau ebenfalls ungewöhnliche Lichter über dem Rendlesham Forest. Harris sagt aus, er sei am Abend des Boxing Days gegen 23:30 Uhr von einem Besuch bei Freunden heimgekehrt und das Paar habe sich kurz darauf auf die Nachtruhe vorbereitet. Bei einem Blick aus dem Fenster habe Harris sehr helle Lichter beobachtet, die auf- und abhüpfend über dem Rendlesham Forest verweilten. Zunächst nahm seine Frau an, es sei lediglich ein Flugzeug, doch Gerry widersprach mit dem Argument, dass ein solches „Flugzeug“ bei dem Flugverhalten sicherlich längst abgestürzt wäre. Harris nahm an, dass es sich um eine Art Flugshow der United States Air Force handelte – ein Eindruck, der sich zu bestärken schien, nachdem Harris die Geräusche herannahender Fahrzeuge sowie ferne Rufe vernahm. Während der Beobachtung sei eines der fremdartigen Lichter ganz plötzlich in den Wald hineingetaucht und wenige Minuten später mit hoher Geschwindigkeit wieder davongeflogen. In den folgenden Tagen habe Harris beobachtet, dass Waldarbeiter mehrere Bäume von jener Stelle entfernten, wo das Ufo vorgeblich gelandet war. Die Waldarbeiter hätten ausgesagt, die Bäume seien wegen „erhöhter Radioaktivität“ gefällt worden.Georgina Bruni: You can't tell the people. S. 87–89.

Spätere Ergänzungen zum Vorfall Im Dezember 2010 hat James Penniston seine Darstellung der Ereignisse erweitert. In einer Folge der Fernsehdokumentationsreihe Ancient Aliens des History Channels gibt Penniston an, er habe während seiner Begegnung mit dem Objekt auf telepathischem Weg eine binäre Botschaft empfangen. Diese Botschaft habe er einen Tag später niedergeschrieben. Dieser Binärcode habe sich als ASCII-Code erwiesen und Geokoordinaten (wird auch als die mythische Brasilinsel interpretiert) sowie einen kurzen Text über die „Erforschung der Menschheit“ enthalten. Insgesamt 14 Seiten soll er aufgeschrieben haben, wovon nur ein Teil veröffentlicht wurde.

Untersuchungen der Vorfälle Untersuchungen durch Verteidigungsministerium und Militär mini|rechts|hochkant=0.8|Memorandum von Lieutenant Colonel Charles Halt an das britische Verteidigungsministerium bezüglich des Zwischenfalls in Rendlesham Forest mit dem Titel „Unexplained Lights“