miniatur|Gwynedd nach dem verlorenen Krieg von 1277 Der Feldzug von Eduard I. gegen Wales von 1282 bis 1283 war ein Krieg zwischen den walisischen Fürstentümern unter Llywelyn ap Gruffydd, dem Fürsten von Wales, und dem englischen König Eduard I. Er endete mit der Eroberung von Wales durch den englischen König.
Wales nach 1277 1277 hatte Eduard I. einen ersten Feldzug gegen Llywelyn ap Gruffydd geführt, nachdem er diesen als aufsässigen Vasallen betrachtet hatte. Der Feldzug endete mit einem klaren englischen Sieg. Im Vertrag von Aberconwy musste Llywelyn dem König huldigen, dazu musste er erhebliche Gebietsverluste akzeptieren und verlor die Oberherrschaft über die meisten anderen walisischen Fürsten. In den nächsten Jahren achtete Llywelyn darauf, die Auflagen des Vertrags von Aberconwy zu erfüllen. Dennoch betrachtete er den Vertrag nicht als endgültige Niederlage.David Walker: Medieval Wales. Cambridge University Press, Cambridge 1990. ISBN 0-521-32317-7, S. 128 Ähnlich wie in den 1250er Jahren versuchte er, seine Stellung durch geheime Absprachen auszubauen. Bereits im Mai 1278 soll er fünf Lords der kleineren walisischen Herrschaften in Deheubarth und Ceredigion in Dolwyddelan Castle empfangen haben, obwohl er nicht mehr deren Oberherr war. Ebenfalls im Mai 1278 erklärten der Abt von Aberconwy Abbey und der Dekan von Arllechwedd, dass Llywelyn von Rechts her Oberherrscher von Powys Wenwynwyn sei, da sich dessen Fürst Gruffydd ap Gwenwynwyn 1274 Llywelyn unterworfen habe. Diese Unterwerfung sei weiterhin rechtsgültig, und in der Folge, seinen Einfluss in Powys Wenwynwyn zu vergrößern. Dazu schloss er ein geheimes Unterstützungsbündnis mit dem Verwalter von Wenwynwyn, Gruffudd ap Gwen of Cyfeiliog.Rees R. Davies: The Age of Conquest. Wales 1063–1415. Oxford Univ. Press, Oxford 1991. ISBN 0-19-820198-2, S. 343 Einen weiteren diplomatischen Erfolg erzielte Llywelyn, als er am 9. Oktober 1281 ein Verteidigungsbündnis mit dem Marcher Lord Roger Mortimer schloss. Roger Mortimer hatte bislang zu seinen erbittertsten Gegnern gehört, das neue Bündnis richtete sich gegen alle Angriffe außer gegen den englischen König. Im Gegenzug übergab Llywelyn Mortimer umstrittene Gebiete in Gwrtheyrnion. Begünstigt wurde Llywelyn dadurch, dass sich gegen die ungewohnte und strenge, teils auch tyrannische Herrschaft der königlichen Beamten und der anglonormannischen Marcher Lords in weiten Teilen der walisischen Bevölkerung Widerstand regte. Dennoch wurde Llywelyn selbst vermutlich vom Ausbruch des Aufstandes von 1282 überrascht.Rees R. Davies: The Age of Conquest. Wales 1063–1415. Oxford Univ. Press, Oxford 1991. ISBN 0-19-820198-2, S. 343
Walisischer Aufstand im März 1282 Den Beginn des Aufstands machte Llywelyns Bruder Dafydd ap Gruffydd. Dafydd hatte sich mit Llywelyn überworfen und im Feldzug von 1276 den englischen König begleitet. Im Vertrag von Aberconwy hatte Eduard I. ihm die Herrschaften von Rhufoniog und Dyffryn Clwyd im ansonsten unter englischer Herrschaft stehenden Perfeddwlad übertragen, und bis Ende 1281 war Dafydd ein loyaler Vasall des englischen Königs. Roger de Clifford, der englische Kommandant von Hawarden Old Castle, hatte Dafydd zur Feier des Osterfests im März 1282 auf die Burg eingeladen. In der Nacht zum 22. März, dem Palmsonntag, überfiel Dafydd jedoch mit seinen Kriegern die Burg. Clifford wurde im Bett von dem Angriff überrascht und verwundet gefangen genommen, zahlreiche Angehörige der englischen Garnison wurden bei dem Überfall getötet.Michael Prestwich: Edward I. University of California Press, Berkeley 1988. ISBN 0-520-06266-3, S. 182 Am selben Tag, am Palmsonntag, überfiel eine walisische Streitmacht unter Führung von Llywelyn ap Gruffydd Maelor und seinem Bruder Gruffydd Fychan, zwei Lords von Powys Fadog, Oswestry in Shropshire und plünderte die Stadt. Zwei Tage später, am 24. März, eroberte Gruffydd ap Maredudd, ein Lord von Ceredigion, durch eine List Aberystwyth Castle in Westwales. Am 26. März wurden auch Carreg Cennen und Llandovery Castle erobert. Der Aufstand erstreckte sich somit über mehrere Regionen, er war anscheinend gut geplant und vorbereitet und kam für die englischen Besatzer völlig überraschend.Rees R. Davies: The Age of Conquest. Wales 1063–1415. Oxford University Press, Oxford 1991, ISBN 0-19-820198-2, S. 348 Llywelyn ap Gruffydd erklärte, er hätte mit dem Aufstand nichts zu tun gehabt, doch seine Truppen vereinigten sich bald mit Dafydds Streitkräften. Sie beteiligten sich an Angriffen auf Rhuddlan und Flint Castle, und schließlich übernahm Llywelyn die Führung der Rebellen.
Der Aufstand erstreckte sich über große Teile von Nord- und Mittelwales, allerdings nicht über Südwest- oder Südostwales, von wo die Engländer große walisische Truppenkontingente zur Niederschlagung des Aufstands heranzogen. Auch die walisischen Lords Gruffydd ap Gwenwynwyn von Powys Wenwynwyn sowie Rhys ap Maredudd von Dinefwr Castle schlossen sich nicht dem Aufstand an, sondern unterstützten den englischen König. Dennoch umfasste der Aufstand weite Teile der walisischen Bevölkerung über regionale, dynastische und soziale Grenzen hinweg.Rees R. Davies: The Age of Conquest. Wales 1063–1415. Oxford University Press, Oxford 1991, ISBN 0-19-820198-2, S. 349 Dafydd und die anderen Führer des Aufstandes hofften vermutlich, dass ähnlich wie im Krieg zwischen 1256 und 1258 die englische Herrschaft in Wales rasch zusammenbrechen werde und dass sie die englischen Truppen durch einen Kleinkrieg bezwingen könnten.
Vorbereitungen zum englischen Gegenschlag Eduard I. reagierte jedoch entrüstet und entschlossen auf die Nachricht vom Ausbruch des Aufstands. Anders als 1277 galt Llywelyn durch den Vertrag von Aberconwy nun nicht nur als aufsässiger Vasall, sondern als treuloser Verräter, dazu als Führer eines treulosen Volkes. Der König war nun entschlossen, nicht nur einen aufsässigen Vasallen zu unterwerfen, sondern Wales endgültig und vollständig zu erobern.Michael Prestwich: Edward I. University of California Press, Berkeley 1988. ISBN 0-520-06266-3, S. 189
Im Vergleich zu seinem Feldzug von 1277 konnte der König seinen Feldzug allerdings nicht so sorgfältig vorbereiten, da er befürchten musste, dass sich der Aufstand über weitere Teile von Wales ausbreiten werde. Bereits vier Tage nach Ausbruch der Rebellion ernannte er drei seiner Vertrauten zu Heerführern und beauftragte sie mit der Niederschlagung der Rebellion: Reginald Grey in Chester, Roger Mortimer in Mittelwales und Robert de Tibetot in Westwales. Das englische Feudalheer wurde für den 17. Mai nach Worcester einberufen. Die Cinque Ports mussten 40 Schiffe zum Transport von Nachschub und Verstärkung der Garnison der Insel Anglesey stellen. Zur Unterstützung der lokalen Truppen aus Wales und Westengland heuerte der König eine Elitetruppe von 1500 Armbrustschützen aus der Gascogne an, und weitere Verstärkungen wurden aus dem Ponthieu, der Gascogne und aus Irland herangezogen. Alle Teile Englands mussten Nachschub und Proviant nach den beiden Sammelpunkten Chester und Whitchurch liefern. Bereits am 31. Mai wurden über 1000 Arbeiter und 345 Zimmermänner nach Chester befohlen, um für Bauarbeiten zur Verfügung zu stehen. Für den Feldzug wurden keine Kosten gescheut und hohe Kredite bei den Bankiers Ricardi aufgenommen, dazu hatte Eduard I. keine Skrupel, für einen Kreuzzug ins Heilige Land bereitgestellte Mittel und Spenden für seinen Feldzug gegen Wales zu verwenden. Für seinen ersten Feldzug von 1277 soll der König bereits über 20.000 Pfund aufgewendet haben. Die genauen Kosten für den zweiten Feldzug des Königs können nicht ermittelt werden, die Angaben variieren zwischen über 98.000 Pfund und über 150.000 Pfund.David Walker: Medieval Wales. Cambridge University Press, Cambridge 1990. ISBN 978-0-521-31153-3, S. 138 miniatur|Der Feldzug von Eduard I. 1282
Verlauf des englischen Feldzugs Die Strategie des Königs für seinen zweiten Feldzug nach Wales ähnelte der des Feldzugs von 1277. Für mittelalterliche Feldzüge war sie gut abgestimmt und wurde, abgesehen von einigen Rückschlägen, erfolgreich umgesetzt. Die lokalen Befehlshaber hatten zwar einige Freiheiten bei der Ausführung ihrer Befehle, doch der König überwachte persönlich die Umsetzung der vorgegebenen Gesamtstrategie. Der König führte seine Truppen vorsichtig und verbot seinen Kommandanten, unnötige Risiken einzugehen. Als eine Streitmacht des Earls of Gloucester am 16. Juni 1282 bei Llandeilo Fawr im Tal des Tywi in einem Hinterhalt schwere Verlust erlitt, scheute sich der König nicht, seinen mächtigen Vasallen des Kommandos zu entheben, generell beauftragte er eher Ritter des königlichen Haushalts wie Robert de Tibetot, Otton de Grandson oder Roger Lestrange mit Kommandos.
Wie 1277 wurden zuerst die Waliser außerhalb von Gwynedd unterworfen. Der Vormarsch der englischen Armeen verlief im Gegensatz zu 1277 schwieriger, da die Waliser zähen Widerstand leisteten und sich nicht wieder rasch unterwarfen. Dennoch war gegen Ende des Sommers der Widerstand in Ystrad Tywi und Ceredigion erloschen, während Mittelwales noch nicht endgültig unterworfen war. In Nordostwales hatte der König im August eine Armee aus etwa 750 Rittern und 8000 Fußsoldaten zur Verfügung.Michael Prestwich: Edward I. University of California Press, Berkeley 1988. ISBN 0-520-06266-3, S. 190 Zuerst wurde Perfeddwlad bis zum Conwy besetzt, was drei Monate in Anspruch nahm. Eroberte Burgen wie Hope Castle wurden umgehend wieder instand gesetzt, um als eigener Stützpunkt dienen zu können. Im September wurde Ruthin Castle und im Oktober Denbigh Castle erobert. Dann konnte der König in der Gewissheit, dass seine Nachschub- und Kommunikationsverbindungen nach Chester gesichert waren, den Angriff auf Snowdonia, das unwegsame Kernland von Gwynedd beginnen. Dafür ließ er warme Winterkleidung für seine Truppen mitführen, was bislang noch kein englischer König vor ihm gemacht hatte. Die Insel Anglesey hatte als Kornkammer von Wales wie schon 1277 eine entscheidende Bedeutung. Der König hatte eine Armee unter Luke de Tany, einem früheren Steward der Gascogne, beauftragt, mit einer Flotte nach Anglesey zu segeln und die englische Garnison dort zu verstärken. Diesmal sollten die Truppen jedoch nicht nur die Insel sichern, sondern von der Insel aus auf das Festland übersetzen und so eine zweite Front eröffnen, wenn sich die königliche Hauptarmee von Osten nähern würde.