mini|Wappen derer von Berwinkel in Siebmachers Wappenbuch

Berwinkel, auch Bärwinkel, war ein uradeliges Ministerialen- und Rittergeschlecht, das erstmals im Jahre 1181 erwähnt wurde. Die weit verstreuten Lehen und freien Güter der Familie befanden sich auf dem Gebiet des Bistums Halberstadt und des Erzbistums Magdeburg, in dem sie östlich der Ohre, zwischen Neuhaldensleben und Calvörde, das HalbgerichtDeutsches Rechtswörterbuch (DRW): Halbgericht = Gericht, dessen Hoheit und Ertrag jemand zur Hälfte gehört. besaßen. Das Geschlecht erlosch im Mannesstamm Ende des 15. Jahrhunderts.Leopold von Ledebur: Adelslexicon der Preußischen Monarchie, Band 1, Berlin 1855, S. 37 (Bärwinkel).Otto Titan von Hefner: Stammbuch des blühenden und abgestorbenen Adels in Deutschland, Band 1, Regensburg 1860, S. 60 und 111.

Herkunft Die von Berwinkel, eines der ältesten und angesehensten Ministerialgeschlechter des Hochstifts Halberstadt, zählten zu der großen Sippschaft, zu welcher auch die von Wolfenbüttel, Grafen von Peine, von der Asseburg, von Bartensleben, von Apenburg und von Winterfeld gehörten. Der Ahnherr all dieser niedersächsischen Geschlechter war Widekind von Wolfenbüttel (1090 und 1118 urk. erw.)J. Graf von Bocholtz-Asseburg (Hrsg.): Asseburger Urkundenbuch, Band 1 bis 1300, Hannover 1876, Vorwort S. VI, Abschnitt S. 2–4. und alle führten gemeinschaftlich gleiche oder ähnliche Wappen mit dem Wolf. So entstand eine große Stammes- und Wappengemeinschaft, der angeblich bis zu 20 Familien angehörten.Ludwig Gustav von Winterfeld-Damerow: Geschichte des Geschlechts von Winterfeld, Selbstverlag 1858, Band 1, S. 72–73 u. a.Märkische Forschungen, Verein für Geschichte der Mark Brandenburg, Dritter Band, Berlin 1847, S. 324–338 (Die Gruppe mit dem Wolfe und den Garben). Die Berwinkel und Bartensleben, mit ihren völlig gleichen Wappen, waren durch Höfe, die sie von alters her in Helmstedt besaßen, besonders eng verbunden,Die beiden Familien Bartensleben und Berwinkel waren mindestens eng verwandt oder doch sogar identisch, d. h., dass es sich hierbei um zwei verschiedene Zweige eines einzigen Geschlechts gehandelt haben könnte (Peter Przybilla: Die Edelherren von Meinersen, S. 455). So soll sich ein Ludolph von Bartensleben auch von Berwinkel genannt haben (Geschichte des Geschlechts von Winterfeld, Band 1, S. 361). auch durch Einheirat in die Familien von Veltheim, von HonlageDas erloschene welfische Adelsgeschlecht von Honlage (Hondelage) wurde erstmals Anfang des 13. Jahrhunderts erwähnt. Sie waren wahrscheinlich die Erbauer der Burg Weferlingen, die sie 1486 durch Streit (Raubzüge des Lorenz von Honlage) mit dem Stift Walbeck einbüßten. Das Geschlecht wurde mit Lorenz und Hans von Honlage letztmals 1498 erwähnt. und von Ditfurth. Das Stammhaus der Familie Berwinkel, in dem sie zuletzt 1360 erwähnt wurde, war das um 1400 wüst gewordene Dorf Berwinkelmini|100px|Altflur Dorf Berwinkel Das Kirchdorf Berwinkel (gegr. um 800, wüst um 1400) befand sich am südlichen Ausläufer des Großen Fallsteins (Flurname Barwinkel), nördlich von Osterwieck, in der Nähe des Bismarckturms am Kirchberg. Anfang des 20. Jahrhunderts fand ein Bauer auf der Altflur des Dorfes Mauerreste, die späteren archäologischen Untersuchungen blieben aber ergebnislos. Die Feldmark bzw. Altflur des Dorfes (ca. 3,5–4,5 km²), reichte im Süden bis zum Rand der Ilseniederung an die Stadtgrenze von Osterwieck, im Osten und Westen an die Grenzen der ebenfalls wüst gewordenen Dörfer Walwy und Westerbeck. am Großen Fallstein nördlich von Osterwieck, um 800 entstanden und 1262 als Kirchdorf Berewinkele erstmals erwähnt.Wolfgang Meibeyer: Aufsatz in: Harz-Zeitschrift, 57. Jahrgang 2005, Harzverein für Geschichte und Altertumskunde, Lukas Verlag Berlin, S. 14–18.

Der Ortsname entstammt älteren Sprachperioden und so kann eine heutige Deutung mit Beeren oder Bär nicht überzeugen. In Köblers Altsächsischem Wörterbuch wird das Bestimmungswort bere als Baum, Wald oder Hain, das Grundwort winkil als Winkel oder Ecke bezeichnet.Gerhard Köbler: Altsächsisches Wörterbuch, 5. Auflage, 2014. Die Namenkundler Udolph und Flöer vermuten in bere auch ein altes Wort für Wald. Die Lage des ehemaligen Dorfes bestätigt diese Vermutung und somit kann der Name als „Waldwinkel“ gedeutet werden.Jürgen Udolph: Ortsnamen um Halberstadt – Zeugen der Geschichte. In: Geschichte und Kultur des Bistums Halberstadt 804–1648, A. Siebrecht Halberstadt 2006, S. 81.

Beliebte Vornamen in der Familie waren Gunzelin / Güntzel / Günzel (Koseform von Gunther) und Borchard / Burchard bzw. Koseform Busso. Beide Vornamen kamen so häufig vor, dass oft kaum zwischen Vater und Sohn oder Vetter und Neffe unterschieden werden kann.

Geschichte Aufstieg mini|Urkunde vom 20. April 1181; erste Erwähnung der Familie mit Iso de Berwinkele mini|Siegel Borchard von Berwinkel mini|Lehensbrief derer von Berwinkel

Die erste Erwähnung der Familie erfolgte am 20. April 1181 mit dem Hildesheimer Ministeriale Iso de Berwinkele,Schon 1178 wird in einer Urkunde des Bischofs Adelog ein Isoi als Zeuge genannt; der Vorname Isoi und Iso ähneln sich und kommen sehr selten vor, deshalb könnte es sich bei diesem Zeugen um Iso von Berwinkel gehandelt haben (UB des Hochstifts Hildesheim bis 1221, Urk 383 S. 365). als er zusammen mit Burchardus & Widekindus de Wolferbutle Zeuge einer Schenkung des Bischofs Adelog von Hildesheim an das Kloster Riechenberg war.K. Janicke (Hrsg.): Urkundenbuch des Hochstifts Hildesheim und seiner Bischöfe, Erster Teil bis 1221, Verlag Hirzel Leipzig 1896, Urk 401 S. 390–391.

Milites Guncelinus de Berewinkele war um 1220 einer der Lehnsleute der reichsfreien Edelherren von Meinersenmini|100px|Siegel derer von MeinersenDie Edelherren von Meinersen waren eine der bedeutendsten und einflussreichsten Familien des 12. bis 14. Jahrhunderts im nördlichen Harzvorraum und außerordentlich reich begütert. Ihre Besitzungen umfassten von 1147 bis 1366 etwa 920 Hufen Land, in mehr als 263 Ortschaften, zum größten Teil an Angehörige von 175 Geschlechtern verlehnt. Sie besaßen sieben Burgen, oder hatten Anteile daran, 15½ Wälder (davon 2 „Königswälder“), 13½ Dörfer, 77 Höfe, 82 Hofstellen, 14 Kotten, 19½ Mühlen, 10 Vorwerke, 110 Zehnten, 15 Vogteien, 8 Kirchenvogteien, 12 Patronate, 4 Fischereien, Salzrechte u. v. m. Allein in einem Lehnsobjekt wurde die Zahl von 50 Hörige genannt. Die tatsächliche Menge aller höriger Leute ist aber nicht bekannt, da sie nur selten, und wenn dann allgemein ohne Zahlenangabe als Zubehör zu Höfen und Hufen in den Quellen erwähnt werden. und besaß als deren Lehen 1½ Hufen und zwei Mühlen in Seggerde und als Afterlehen den Zehnt einer Rodung bei Schwanefeld (bis 1270 in Familienbesitz).Peter Przybilla: Die Edelherren von Meinersen, Hrsg.: Uwe Ohainski und Gerhard Streich, Hahnsche Buchhandlung Hannover 2007, S. 531–532 und 552. Gunzelin bezeugte für Gräfin Adelheid von Ratzeburg, als sie 1224 dem Kloster Hamersleben einige ihrer Güter übereignete.Georg Lisch: Ueber die Gräfin Adelheid von Ratzeburg. In: Jahrbücher des Vereins für Mecklenburgische Geschichte und Altertumskunde 1855, Band 20, S. 228–231 – siehe auch Stephan Kunze: Geschichte des Augustiner-Klosters Hamersleben, 1835, S. 10–11 (Fehler: Ravensberg statt Ratzeburg). Aus seinen freien Gütern (mansi liberi) verkaufte Gunzelin 1247 in Berklingen fünf Hufen an das Kloster Mariental, urkundlich bekräftigt und besiegelt unter Königsbann auf dem Grafending zu Denstorf von Graf Gebhard von Wernigerode und neun freien Schöffen.Christian Ludwig Scheidt: Historische und Diplomatische Nachrichten von den hohen und niedern Adel in Teutschland – Mantissa Documentorum, Hannover 1754, S. 452. Verheiratet war Gunzelin mit Luitgard von Veltheim, Tochter des Bertram II. von Veltheim (1175–1225), Ministeriale und fürstlicher Rat des Pfalzgrafen Heinrich.

Guncelinus et Burchardus de Berewinkele sind 1253 Lehnsleute des Bischofs von Halberstadt. 1257 testiert Günzel als bischöflicher Ministeriale in einem Kaufvertrag des Bistums mit dem Erzbischof von Magdeburg. Am 13. Juli 1264 waren Günzel und Burchard Zeugen, als Bischof Volrad den Brüdern des Deutschen Ordens fünf Hufen in Lucklum übereignete. 1266 überlässt Burchard dem Kloster Wöltingerode eine Hufe in Berwinkel. Zuletzt wurde Burchard 1268 erwähnt, als er dem Kloster Meyendorf einen Wald bei Schermcke schenkt. Günzel erwarb um 1260 die RitterburgDie Ritterburg wurde Anfang des 13. Jahrhunderts von Gebhard I. von Alvensleben zum Schutz der Bischofsburg erbaut. Sie soll sich auf dem Hügel des Burgenkomplexes gegenüber der Bischofsburg befunden haben. Allerdings konnte dies bisher durch archäologische Untersuchungen nicht bestätigt werden, so dass die Lage dieser Burg ungeklärt ist (siehe unter: Veltheimsburg). in Alvensleben als bischöfliches Lehen, eine der drei Burgen auf dem Hügel über Dorf und Markt Alvensleben; Bischofsburg, Markgrafenburg und Ritterburg, die gleichzeitig Schutzburg der Bischofsburg war. Unter deren Besatzung, mit Burghauptmann und Burgmannen aus der Ritterschaft,Die Markgrafen von Brandenburg belehnten von 1271 bis 1321 die Edelherren von Meinersen mit der Hälfte der Bischofsburg. Burghauptmann war bis 1278 Luthard III. von Meinersen, nach seinem Tode die Söhne Luthard V. und Konrad I. von Meinersen. Als Burgmannen (castellani) sind von 1293 bis 1321 Personen aus folgenden zehn Geschlechtern bekannt: von Alvensleben, von Berwinkel, von Bornstedt, von Dönstedt, von Dreileben, von Eichenbarleben, von Eilsleben, von Esbeck, von Steinfurt und von Wellen. werden 1301–1321 Burchard und 1363–1395 Busso von Berwinkel genannt. Weitere Castellanus der Familie auf einer der Burgen waren die Ritter: Güntzel II. (1321), Bernhard (1354), Georg (1417), Georg und Hildebrand (1446/1466), Güntzel und Hüner (1477). Die Ritterburg, zwei weitere Burglehen oder Turmhöfemini|100px|Mittelalterlicher Turmhof Unterhalb vom Burgenhügel waren im Mittelalter Dorf und Markt Alvensleben befestigt. Innerhalb des Mauerringes befanden sich die ehemaligen Turmhöfe entlang der Beber. Die adeligen Burgmänner die diese freie Burglehen erblich besaßen, hatten das Vorrecht, einen Turm, gewöhnlich in viereckiger Form, zur Sicherheit und Ehre, über die übrigen Gebäude hervorragen zu lassen. Mit den drei Burgen auf dem Hügel im Hintergrund und den sechs Turmhöfen im Bebertal, bot sich dem Reisenden damals ein besonderer Blick, und erinnerte mehr an ein italienisches, als an ein deutsches Dorf. mit zehn freien Hufen zu Alvensleben und viele jetzt wüste Dörfer, größere und kleinere Besitzungen an anderen Orten, gehörten der Familie bis zum Ende des 15. Jahrhunderts.Peter Wilhelm Behrends: Neuhaldenslebische Kreis-Chronik oder Geschichte aller Oerter des…, 1826, Band 2, S. 187 u. a.

Günzel wurde zuletzt 1276 erwähnt, als Schiedsrichter in einem Streit zwischen dem Stift Quedlinburg und Jacob von Quenstedt.Gottfried Christian Voigt: Geschichte des Stifts Quedlinburg, Leipzig 1787, 2. Band, S. 4. Günzels Sohn Gevehardus de Berewinkel war um 1267 in Goslar belehnt mit 1½ Hufen und einer Kurie der Grafen Ulrich II. und Albrecht I. von Regenstein,Urkundenbuch der Stadt Goslar und der geistlichen Stiftungen daselbst /bearb. von Georg Bode, Zweiter Teil 1251–1300, Halle 1896, Urk 137 S. 196. ein gräflicher Stadthof, gelegen an der 1324 erwähnten Berewinkelesstrate,Karl Frölich: Aufsatz in: Zeitschrift des Harz-Vereins für Geschichte und Altertumskunde, 61. Jahrgang 1928, S. 155–156. außerdem besaß Gebhard ein Gut mit 4 Hufen in Wegersleben.

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