Stammliste des Hauses Andechs mit den in der Wikipedia vertretenen Personen und wichtigen Zwischengliedern.
Die Besitztümer der bayerischen Familie der Grafen von Andechs lagen ursprünglich zwischen dem oberen Lech und der oberen Isar, später in Franken, Tirol, Kärnten und Istrien. Im Jahr 1180 löste Kaiser Friedrich I. „Barbarossa“ das Vasallenverhältnis zwischen den Grafen von Andechs, als Markgrafen von Istrien und Krain, mit den Herzögen von Bayern. Nach dem Tod von Konrad III., Graf von Dachau († um 1180/1182), wurden die Grafen von Andechs als Erben durch Hedwig von Dachau-Meranien als Herzöge von Meranien mit dem Herzogtum Meranien belehnt.
Die Rekonstruktion der Familie der Grafen von Dießen wird durch die von Wilhelm Wegener vorgeschlagenen spekulativen Verbindungen eher erschwert als gefördert. Es scheint, dass viele dieser irreführenden Spekulationen ihren Weg in die europäischen Stammtafeln gefunden haben, wo sie als gesichert gelten. Deshalb gilt bei den Andechsern besonders „zurück zu den Grundlagen“ zu gehen und bei den Hauptquellen anzufangen. Die Ergebnisse sind relativ genau, aber die Rekonstruktion der Familiengeschichte der Andechser ist eine besondere Herausforderung.
Zur Frage, ob die Grafen von Wasserburg Agnaten der Grafen von Dießen sind, wird in der Literatur eine direkte Abstammung der Grafen von Wasserburg von Arnold, Graf von Dießen, vertreten. Damit würde die Stammliste von Wasserburg unmittelbar an die Stammliste des Hauses Andechs anschließen.
Die mangelhafte, oft fehlerhafte, Quellenlage betrifft den gesamten Zeitraum aller Familienzweige. Gesicherte Daten sind urkundlich genannt, Geburts- und Sterbedaten o. g. Zeiträume jedoch oft ungesichert und nach höchstmöglicher Wahrscheinlichkeit der oft abweichenden Datenquellen unter Vorbehalt zu betrachten. Es bleiben genealogische Details, sogar die Zuordnung von Mitgliedern des Hauses, ungeklärt.
Eine mögliche Rekonstruktion dieser Familie ist nachstehend abgebildet.
Die Anfänge
Als Erster erscheint (allerdings erst in Urkunden aus sehr viel späterer Zeit) ein Rasso, auch Razzo genannt, ursprünglich wohl Ratho oder Ratold, ostfränkischer Graf im Gebiet zwischen Amper, Ammersee und Starnberger See, möglicherweise bereits als Graf von Dießen, († 19. Juni 954, nach anderen Thesen bereits um 854 gestorben; ▭ in „Werde“ (Wörth, heutiges Grafrath), wo seine Reliquien in der von ihm gestifteten ehemaligen Klosterkirche St. Rasso in Grafrath bis heute verehrt werden).
In der Herrschaft über das besagte Gebiet folgen später, ohne gesicherte Familienzugehörigkeit zu Razzo, die Brüder: Friedrich I. „Roch“, Graf, wohl von Dießen, († vor 1020 in Jerusalem; ▭ ebenda); ⚭ Kunigunde (Kunizza) († 6. März 1020; ▭ in Dießen), Tochter von Konrad (Kuno) von Öhningen, Herzog von Schwaben, Graf im Rheingau (985 und 995), Graf im Ufgau (987), Graf in der Ortenau (994), (–20. August 997) und Richlind (um 948–nach 1. November 1007) Dietrich, Graf von Dießen, († (1010/1020))
Die Gefolgschaft Graf Friedrichs II. ist im Jahr 1025 aufgezeichnet (als der Vater von Berthold I.), im Jahr 1027 (zweimal, einmal als Vater von Otto I.), und im Jahr 1030. Es ist deshalb zu vermuten, dass mit Graf Friedrich I., aufgezeichnet als vor 1020 gestorben in Jerusalem, zwei verschiedene Friedriche gemeint sind. Es ist nicht bekannt, wie die zwei Grafen Friedrich zueinander stehen. Wenn überhaupt, legt die Kontinuität von Verweisen auf Dießen eine nahe Verbindung, vielleicht zwischen Vater und Sohn nahe.
A1. Friedrich II., († nach 1030); ⚭ N.N. (–) B1. Berthold I., Graf von Dießen, († nach 16. Mai 1060); ⚭ N.N. (von Hohenwart), Tochter von (Konrad von Hohenwart) (–(1005)) C1. Otto II.Detlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln, Neue Folge, Band I.1, Tafel 86a, Verlag: Vittorio Klostermann, 2. verbesserte Auflage, Frankfurt a. M. 2005, ISBN 3-465-03420-1 von Dießen, Graf von Thanning (1073), Graf von Ambras (1078–1093), Graf von Wolfratshausen (1098–1116), Graf von Dießen (1100–1107), († 24. April (1122); ▭ in St. Stephan, Dießen); ⚭ I: JustiziaDie Europäischen Stammtafeln legen nahe, dass Justizia, eine Tochter von Markgraf Ernst von Österreich, Babenberger, (um 1027–1075) und Adelheid von Wettin (–1071) war. Eine primäre Quelle für diese Spekulation ist nicht bekannt, obwohl die Übertragung des Namens „Liutpold“ (Sohn von Justizia (A3)) in die Familie der Grafen von Dießen dies durchaus zulassen würde und zeigt, dass eine Verbindung möglich ist. (* nach 1060; † 30. Januar (1120/1122); ▭ in Thanning); unsicher ⚭ II: AdelheidWegener legt nahe, dass Graf Otto II. ein zweites Mal heiratete, Adelheid, die, wie er annimmt, die Tochter von Heinrich, Burggraf von Regensburg, war und dass sie die Mutter seiner Kinder Otto, Heinrichs, Adelheids und Elisabeths war. Er stützt diese Theorie offenbar ausschließlich auf die Notwendigkeit, die Übertragung des Namens Heinrich in der Familie zu rechtfertigen, obwohl dieser Name sicherlich nicht einzigartig in der Familie der Burggrafen von Regensburg war.. Nachkommen siehe hier: C2. Diepold († 19 Feb; ▭ in St. Stephan, Dießen) C3. Tochter; ⚭ Graf Hermann I. von Poigen, (⚭ II: N.N. von Österreich, Tochter von Markgraf Ernst I. von Österreich (um 1027–1075) und Adelheid von Wettin (–)), Sohn von Graf Gebhard I. von Sulzbach (–) und N.N. B2. Otto I. von Dießen, († 17. Januar (1057/1062)); ⚭ N.N. (–) C1. Bertha; ⚭ ((1070)) Adalbert, Vizedom von Freising C2. Beatrix, († 24. Februar); ⚭ ((1070)) Herzog Heinrich II. von Kärnten (* um 1050; † 4. Dezember 1122), Sohn von Graf Markwart IV. von Eppenstein (1010/1020–) und Liutbirg (Wilhelme) von Plain (–1103) B3. Friedrich III.Wegener vermutet, dass Graf Friedrich III. zunächst Hadamut heiratete, und sie Hadamut von Eppenstein, Tochter von Eberhard (Ezzo) von Eppenstein und seiner Frau N.N. war, als sie im Zusammenhang mit einer Spende an St. Kastulus 1060 durch ihren vermeintlichen Bruder Friedrich von Eppenstein unter seinen Verwandten „Ebrohart, Friedrich, Ernost, Cuono, Adalpero, Hartwich, Hemma, Rickart, Hadamut“ genannt wird, aber die Vermutung ist schwach. Wenn es richtig ist, ist es unklar, warum Graf Friedrichs Schwester, die seine nächste Verwandte gewesen wäre, zuletzt in der Liste dieser Quelle genannt wurde. Jedoch sind die Einwände gegen diese erste Ehe grundlegender. In einem anderen Teil seiner Arbeit wiederholt Wegener die Behauptung, führt aber keine unterstützende Quelle an, das Graf Friedrich erstmals verheiratet war oder dass seine erste Frau Hadamut hieß. Der Verdacht ist, dass Wegener seine Behauptung auf dem Bedürfnis einer ersten Ehe gestützt hat, um die Mutter von Haziga zu erkennen, Ehefrau von Hermann von Kastl und anschließend von Otto von Scheyern, wie er vorschlägt, wäre sie die Tochter von Graf Friedrich III. durch diese vermutete erste Ehe. Sein Argument für die Zugehörigkeit der Haziga ist jedoch fehlerhaft. Er stützt sich darauf, anzugeben, dass die Chronik Schirense sagt, dass Sieghard, Patriarch von Aquileja, der Sohn von Hazigas Tante war, Patriarch Sieghard, der Sohn von Sieghard, Graf im Chiemgau und seine Frau Pilihild, nun legt Wegener nahe, dass sie die Schwester von Graf Friedrich III. ist. Allerdings ist seine Lesung des Chronicon Schirense falsch. Das Chronicon benennt „Heinricus Patriarcha Aquileiensis et supradictus episcopus Polensis [= Ellenhardo] Duo Fratres“ in der Tat als Söhne von „matertere ipsius Hazige“ und bezieht sich deshalb auf den Patriarchen, der Patriarchen Sieghard folgte. Es ist wahrscheinlich am besten, diese angebliche erste Ehe von Graf Friedrich zu ignorieren., Graf von Dießen, (Graf von Andechs), Domvogt von Regensburg (1035), (* 1005; † 30. Juni 1075; ▭ in Seeon); ⚭ I: IrmgardEine Hauptquelle, die ihre Herkunft und Ehe bestätigt, ist noch nicht identifiziert worden. (von Gilching), Tochter von Arnold (von Gilching) (–11. Januar (1030)) und Irmgard N.N. (–(1000)); ⚭ IIWegener basiert seine Vermutung über diese zweite Ehe über eine Ko-Identifizierung von Friedrich, Bruder von Arnold, mit Friedrich I., Domvogt von Regensburg. Jedoch scheint diese Ko-Identität vom Totenverzeichnis von Dießen widerlegt zu werden, das den Tod „IX Kal. Feb.“ von „Fridericus com(es) sepultus ad S Blasium in Nigri Silva, patruus Berhtoldi fundatoris nostri“ aufzeichnet, das vermutlich als Friedrich identifiziert werden soll, der der Bruder von Graf Arnold war. Andererseits sollen beide Grafen Friedrich eine Tochter Tuta gehabt haben, was bei Wegener nicht hervorgehoben wird. Es ist schwer zu sagen, ob dies Zufall oder ein Hinweis darauf ist, dass Wegeners Theorie korrekt ist.: Tuta von Regensburg († (27. Juni)), Erbtochter von Domvogt Hartwig I. von Regensburg (–) und N.N. Nachkommen siehe hier: B4. Christina; ⚭ Graf Friedrich von Eppenstein, Sohn von Graf Eberhard (Ezzo) von Eppenstein (–nach 1039) und Richgard, (Sieghardinger), (-nach 1065) B5. Pilihild; ⚭ Sieghard VII./VIII., Graf im Chiemgau, (⚔ 5. Juli 1044), Sohn von Graf Sieghard VI. und Hildburg oder Sohn von Engelbert III., Graf im Pongau, (Sieghardinger), und Adela N.N. (–) A2. Tochter; ⚭ Rapoto III., (Rapotonen), († 18. Juni (1050)), Sohn von Rapoto II., Graf im oberen Traungau, (–(13. Juni) nach (1020)) und N.N. (–)
Die Grafen von Dießen, Wolfratshausen, Andechs und Wasserburg, Markgrafen von Istrien (1173–1230), Herzöge von Meranien (1183–1248), Pfalzgrafen von Burgund (1208–1248), Andechser Linie
Friedrich III., Graf von Dießen, (Graf von Andechs), Domvogt von Regensburg (1035), (* 1005; † 30. Juni 1075; ▭ in Seeon); ⚭ I: Irmgard (von Gilching), Tochter von Arnold (von Gilching) (–11. Januar (1030)) und Irmgard N.N. (–(1000)); ⚭ II: Tuta von Regensburg († (27. Juni)), Erbtochter von Domvogt Hartwig I. von Regensburg (–) und N.N. Graf Friedrich III. und seine erste Frau hatten 3 Kinder:
A1. [I] Uta, († 9. Februar); unsicherWegener vermutet, dass die Frau von Kuno von Rott die Tochter von Graf Friedrich III. und seiner ersten Frau war, diese Annahme ist jedoch Quellmäßig sehr dünn belegt. Die Vita Sancti Marini et Anniani nennt „Chonradus alias Chuno comes palatinus“ als Gründer des Klosters Rott, der sofort von „Werta fundatrix“ gefolgt ist, andeutend, dass die Letztere die Frau von Kuno war. Die Sterbeliste von Seeon registriert den Tod „V ID-Feb.“ von „Uta“, obwohl es nicht sicher ist, dass sich das auf die Frau von Kuno bezieht. ⚭ Kuno I. von Rott, von Vohburg (1040), Pfalzgraf von Bayern (1059), Graf an der unteren Isar (1079), Stifter von Kloster Rott, (* um 1015; † 27. März (1086)), Sohn von Poppo II. von Rott, (Pilgrimiden), (–(1040)) und N.N. (im Sualafeld) (–) A2. [I] ArnoldDetlev Schwennicke: Europäische Stammtafeln, Neue Folge, Band I.1, Tafel 86b, Verlag: Vittorio Klostermann, 2. verbesserte Auflage, Frankfurt a. M. 2005, ISBN 3-465-03420-1Eine primäre Quelle, die seine Abstammung bestätigt, ist noch nicht identifiziert worden. Wegener hebt die Abwesenheit eines Beweises hervor und vermutet, dass Arnold Friedrichs III. Sohn, auf Grund der Nachfolge in der Grafschaft Dießen, ist., Graf von Dießen (1070–1091), Hallgraf (1063–1080), († nach 8. Februar 1091; ▭ in Atile); ⚭ Gisela von Schweinfurt, (* (1045/1050); † 22. Februar (nach 1090)), (⚭ I: Graf Heinrich von Wasserburg, († 28. Januar))Eine erste Heirat Giselas mit Heinrich, Graf von Wasserburg, ist durchaus möglich, jedoch als spekulativ zu betrachten. Zu den möglichen Nachfahren und genealogischen Zusammenhängen siehe Stammliste von Wasserburg., Tochter von Markgraf Otto III. von Schweinfurt, Herzog von Schwaben, (* um 995; † 28. September 1057) und Irmgard (Aemilia/Immula) von Susa († vor 29. April 1078) A3. [I] Meginhard, († nach 1070)
Die Quellen lassen vermuten, dass die unter A1 bis A5 aufgeführten Personen Brüder und Schwestern waren, wenn, wie Wegener vermutet, Arnold der Sohn von Graf Friedrich III. war, wären sie alle seine Kinder. Die Verbindung wird jedoch nicht in einer der benutzten Quellen bestätigt.