Die Uniformen des Österreichischen Bundesheeres werden in der Dienstvorschrift für das Bundesheer – Anzugsordnung (DVBH Anzugsordnung) geregelt.
Uniformen gehören zu den nach dem Kriegsvölkerrecht vorgeschriebenen äußerlichen Kennzeichen, durch die sich Kombattanten von Nichtkombattanten unterscheiden. Außerdem dienen Uniformen dazu, Soldaten entsprechend ihren unterschiedlichen Aufgaben möglichst zweckmäßig zu bekleiden. Dazu gibt es verschiedene Uniformarten.
Anzugsarten Tarnanzug ÖBH (Ersatz Kampfanzug, vollständige Einkleidung abgeschlossen ab Ende 2023) Mit einigen Monaten Verspätung – angekündigt war die Einführung bereits für Mitte 2018 – wurde im März 2019 ein neuer Dienst- und Kampfanzug von der Heeresbekleidungsanstalt in Brunn am Gebirge selbst entwickelten sechsfärbigen „MultiCam Österreich“-Tarnmuster eingeführt. Das Standardmuster ist auf die Umgebungsfarben in Österreich abgestimmt, kann bei Bedarf auch in den Farbversionen für „Wüste“ und „Winter“ angeschafft werden. Die Umstellung auf den zunächst nur als „Tarnanzug neu“ bezeichneten Kampfanzug wurde beim Jägerbataillon 18 und beim Miliz-Jägerbataillon Burgenland begonnen und im Jahr 2020 beim Panzergrenadierbataillons 13 fortgesetzt soll bis spätestens 2023 abgeschlossen sein.https://www.bundesheer.at/cms/artikel.php?ID=10431 Pro Jahr sollen 3000 bis 4000 Soldaten mit den neuen Uniformen ausgestattet werden und der Kampfanzug 03 komplett ersetzt werden.bundesheer.athttps://www.spartanat.com/2020/07/review-bundesheer-kaz-20-oebh/kurier.at
Das Fleckentarnmuster der neuen Tarnuniform wurde von Experten des Österreichischen Bundesheeres entwickelt. Die Besonderheit des Tarnmusters besteht darin, dass es die elektronische Aufklärung durch optronische Nachtsichtmittel erheblich erschwert und auch in natürlicher Umgebung einen hohen Tarneffekt erbringt.
Zudem wurden Vorkehrungen getroffen, um Knie- und Ellbogenschutzprotektoren einzuschieben, was mehr Körperschutz für die Soldaten bedeutet.
Anzug 03
Der Anzug 03 ist eine stark überarbeitete sowie teilweise völlig neu entwickelte Form des bisherigen Anzug 75 mit Änderungen im Schnitt und Ausführung, als Farbe wurde allerdings das „klassische“ braungrau (RAL 7013) vom Anzug 75 beibehalten. Zusätzlich wird mit dem Kampfanzug 03 auch ein großer Teil der übrigen Ausrüstung ersetzt, z. B. Rucksack, neuer Kevlarhelm (in Einführung seit 2016), neues modulares Tragesystem mit Kampfweste anstatt des bisherigen Koppeltragegestells des Kampfanzug 75 (im Bundesheer traditionell als „Traggerüst“ bezeichnet). Allerdings kann beim Anzug 03 aus dem Hüftgurt zusammen mit dem „Hüftgurtträger“ ein Koppeltragegestell hergestellt werden.
Die Änderungen der Kaz03-Uniform bestehen in: verbesserten Materialien, u. a. atmungsaktiverer und stärker wasserabweisender Stoff als der alte Anzug 75, Gewebe aus Ripstop der Anzug 03 besitzt keine Schulterklappen mehr, es wird stattdessen nur noch ein Dienstgradabzeichen vor der Brust getragen. höherer Tragekomfort und Bewegungsfreiheit durch geänderten Uniformschnitt Klettflächen auf beiden Oberarmen: links wird weiterhin das Nationalitätsabzeichen getragen (allerdings nicht mehr aufgenäht, sondern als Patch mit Klettverschluss auf der Rückseite), rechts das Abzeichen der eigenen Einheit. Zusätzliche Abzeichen für Ausbildungen wie z. B. Heeresbergführer, Heeresschilehrer, Nahkampf- oder Fallschirmspringerausbildung werden wie bisher auf der Brust bzw. den Brusttaschen getragen (teilweise auch als Klettpatches, allerdings müssen dafür zusätzliche Klettflächen aufgenäht werden).
Dienstanzug 03
Der Dienstanzug 03 ist rein für den Innendienst vorgesehen und besteht fast zur Gänze aus dem alten Anzug 75, allerdings wurde die alte Feldkappe des Anzug 75 durch die neue Kampfanzugskappe des Anzug 03 ersetzt. In den meisten Kasernen wird allerdings auch im Innendienst zunehmend der Kampfanzug 03 getragen.
Kampfanzug 03 mini|Soldaten in Kaz03/2
Der Kampfanzug 03 besteht grundsätzlich aus der leichten Feldmütze (offizielle Bezeichnung beim Kampfanzug 03: „Kampfanzugmütze“), Feldhose leicht, olivgrünes T-Shirt als Unterhemd und Feldjacke leicht. Zusätzlich wurde auch neue Nässe- und Kälteschutzkleidung im Schnitt des Anzug 03 eingeführt. Seit 2021 wird eine neue Kopfbedeckung zum Kampfanzug 03 sowie zum neuen Tarnanzug eingeführt. Hintergrund der Adjustierungsmaßnahme: Der neue Kampfanzughut dient vor allem dem besseren Sonnenschutz der Soldaten, verfügt er doch über eine breite rundumlaufende Krempe. Das zeigt sich im Hochsommer zweckmäßiger als die Feldkappe, bei der der Nacken ungeschützt bleibt.https://soldat-und-technik.de/2021/06/ausruestung-bekleidung/27506/gut-behuetet-boonie-fuer-das-bundesheer/ Als Kampfhelm wird zurzeit weiterhin der 1994 eingeführte Kevlarhelm der Firma MSA Safety Incorporated verwendet, allerdings wird dieser seit 2016 durch den Helm Sentry XP Mid Cut der Firma Ops Core Inc. aus Boston ersetzt. Letzterer ist deutlich leichter als der bisherige Kevlarhelm und bietet verschiedene Befestigungsmöglichkeiten für Ausrüstungsgegenstände wie z. B. Nachtsichtbrillen, Headsets oder Schutzvisiere, zusätzlich kann die Innenpolsterung des Helmes besser an die individuelle Kopfform angepasst werden.High-tech-Kopfschutz, Bericht der Zeitschrift Truppendienst vom 20. Februar 2017 (abgerufen am 2. September 2017).
Beibehalten wurden die Feldschuhe leicht und schwer (informell im Bundesheer auch als „Einser-“ bzw. „Zweier-Bock“ bezeichnet), das Barett in verschiedenen Farben je nach Waffengattung (siehe unten). Zusätzlich tragen Angehörige der Luftstreitkräfte anstatt eines Baretts weiterhin die bisherige braungraue Fliegermütze („Schiffchen“) und Angehörige der 6. Jägerbrigade ein aus Metall gefertigtes Edelweiß auf der linken Seite der Kampfanzugkappe.
Aktuell (Stand 2017) wird als Alternative zur Feldjacke leicht auch ein knopfloses graues Kurzarmhemd eingeführt, das im Schnitt eher einem Kasack ähnelt anstatt einem „klassischen“ Hemd wie z. B. dem Feldhemd des Anzug 75.
Für den Dienst im Feld werden darüber verschiedene Module angelegt („Kaz“ = „Kampfanzug“): Kaz03/1: Hüftgurt mit Hüftgurtträger. Dies entspricht in etwa dem ehemaligen „Traggerüst“ des Bundesheeres, allerdings dient der Hüftgurtträger nicht mehr gleichzeitig als Traggurte für den Rucksack wie beim Koppeltragegestell des Kampfanzug 75. Kaz03/2: Hüftgurt verbunden mit Kampfweste und darauf montierter Ausrüstung (Magazins-, Handgranaten- und/oder Außentaschen). Die neu eingeführten Außentaschen (groß, mittel und klein) können optional entweder am Rücken als eine Art Rucksack befestigt werden oder am Hüftgurt (z. B. seitlich als Drop Pouch, um z. B. leergeschossene Magazine schnell zu versorgen), außerdem ersetzt die mittlere Außentasche die bisherige Tasche für die ABC-Schutzmaske. Kaz03/3: Für Einsätze bis ca. 24 Stunden, der Kaz03/1 oder 2 wird dabei um den Rucksack erweitert Kaz03/4: Für Einsätze über 24 Stunden, grundsätzlich entsprechend dem Kaz03/3, jedoch mit zusätzlicher Bekleidung/Ausrüstung im Rucksack (Schlafsack, Toiletttasche etc.) Kaz03/5: Entspricht grundsätzlich dem Kaz03/4, die restliche Bekleidung und Ausrüstung ist im ebenfalls neu eingeführten Trosssack verpackt.
Sportanzug 03 Sommer: Der Sportanzug 03 (Sommer) besteht für Männer aus grünem Unterleibchen, grünen Wollsocken, Sportschuhen, einfarbiger, enger Unterhose (grün oder schwarz) und kurzer, enger, schwarzer Sporthose.
Frauen dürfen, wenn sie wollen, anstatt des Unterleibchens ein Top oder Sport-BH tragen, außerdem dürfen sie eigene Unterwäsche, Sportschuhe und Socken tragen, sowie Trainingsjacke, Nässeschutzjacke, Trainingshose, Nässeschutzhose.
Winter: Der Sportanzug 03 (Winter) besteht für Männer aus grünem Unterleibchen, grünen Wollsocken, Sportschuhen, einfarbiger, enger Unterhose (grün oder schwarz), kurzer, enger schwarzer Sporthose, sowie langer, enger schwarzer Sporthose, die die Männer über der kurzen Sporthose tragen müssen. Eine Trainingsjacke ist bei Männern erst ab Temperaturen unter 0 Grad Celsius vorgesehen.
Frauen dürfen, wenn sie wollen, anstatt des Unterleibchens ein Top oder Sport-BH tragen, außerdem dürfen sie eigene Unterwäsche, Sportschuhe und Socken tragen, sowie Trainingsjacke, Nässeschutzjacke, Trainingshose, Nässeschutzhose, Stirnband, Thermomütze, Rollkragenleibchen, Thermojacke oder Thermojacke alpin, Nässeschutzjacke, Nässeschutzhose und Feldfäustlinge.
Dienstanzug 03 für Besatzungen von gepanzerten Kampf- und Gefechtsfahrzeugen
Der Dienstanzug 03 für Besatzungen von gepanzerten Kampf- und Gefechtsfahrzeugen besteht aus Panzeroverall und im Winter zusätzlich aus der Panzerjacke.
Anzug 75 Der 1975 eingeführte Anzug 75 ist für den Ausbildungsdienst allgemeiner Art, den Dienst innerhalb der Kaserne und auf dem Weg zum oder vom Dienst vorgesehen. Der olivgrüne (RAL 7013) „Anzug 75“ mit Feldhemd und Feldjacke (bei kühlem Wetter) ist als Dienstanzug noch immer weit verbreitet. Seit 1992 ist das olivgrüne Nationalitätsabzeichen mit der Beschriftung „ÖSTERREICH – BUNDESHEER“ auf dem linken Oberärmel angebracht. Als Kopfbedeckung dienen die Feldkappe, Barett oder Fliegermütze und die wärmende Plüschkappe (letztere mit Ohrenschutz). Im Innendienst können statt Stiefeln Halbschuhe getragen werden. Für den Ausgang können anlassgegeben Ordensspange oder Volldekoration getragen werden.
Beispiel Dienstgradabzeichen am Anzug 75.
+ Bundesheer Rang General Gen Oberst Obst Hauptmann Hptm Fähnrich Fhr Wachtmeister Wm Zugsführer Zgf Korporal Kpl Gefreiter Gfr Rekrut Rekr Abzeichen 75px 75px 75px 75px 75px 75px 75px 75px 75px
Anzug grau („A-Garnitur“)
Die Ausgangs- bzw. Gesellschaftsuniform wird als „Anzug grau“ bezeichnet und seit 1965 in unveränderter Form ausgegeben. Sie wird auch oft „A-Garnitur“ benannt. Sie besteht aus feldgrauem Uniformrock, steingrauer (früher: eisengrauer) Anzugshose, schwarzen Halbschuhen und Tellerkappe, Gebirgskappe, Fliegermütze oder Barett (letztere beiden nur, wenn keine Volldekoration getragen wird).
Kaderangehörige ab Dienstgrad Wachtmeister fassen eine maßgefertigte Garnitur aus. An Grundwehrdiener und Chargen wird generell kein Anzug grau ausgegeben. Er kann aber im Bedarfsfall ausgefasst werden.
Der Uniformrock: Gebräuchlich sind drei Arten von Knöpfen: Offiziere tragen goldfarbene Knöpfe mit glattem Rand, strichmattiertem Grund und geprägtem stilisiertem Bundesadler. Unteroffiziere desgleichen, jedoch silberfarben. Die Knöpfe der Chargen und Rekruten sind dagegen grau mit glattem Rand und fein gekörnter Innenfläche. Auf der linken Schulter des Uniformrocks tragen Offiziere eine geknöpfte Spange aus goldfarbener Litze; bei Stabsunteroffizieren (MBUO1/MZUO1) ist die Spange gold-silbern meliert, bei Unteroffizieren silberfarben. Bei Chargen und Rekruten ist die Schulterspange weiß-grau. Zum „Anzug 65“ sind weder Stoffgürtel noch Leibriemen erlaubt. Die Uniformhose: Sie ist eine steingraue Bundfaltenhose mit Passepoillierung in Farbe der Waffengattung.
Ausgangsanzug/Großer Dienstanzug
Der Ausgangsanzug besteht aus dem Anzug grau und grauem Uniformhemd. Im Sommer kann auf den Uniformrock verzichtet werden und innerhalb der Kaserne ein kurzärmeliges Hemd ohne Krawatte getragen werden. Wenn Volldekoration getragen wird, wird er als „Großer Dienstanzug“ bezeichnet. Er wird hauptsächlich im Innendienst getragen.
Gesellschaftsanzug/Großer Gesellschaftsanzug
Der Gesellschaftsanzug besteht aus Anzug grau und weißem Hemd. Er ist für abendliche, gesellschaftliche Veranstaltungen, Bälle und besondere persönliche Anlässe wie Promotion oder Hochzeit vorgesehen. Wenn Volldekoration getragen wird, wird er als „Großer Gesellschaftsanzug“ bezeichnet. Als solcher ist er einem zivilen Smoking oder Frack gleichgestellt.
mini|Generalmajor Keller und General Edmund Entacher (r.) in Großem Gesellschaftsanzug
Anzug weiß