Medair ist eine internationale Nichtregierungsorganisation (INGO). Sie verfolgt das Ziel, menschliches Leid in entlegenen und besonders vernachlässigten Regionen weltweit zu lindern. Medair versorgt von Naturkatastrophen und Konflikten betroffene Menschen mit qualitativ hochwertiger humanitärer Hilfe und unterstützt sie dabei, sich in Würde zu erholen.
Medair wurde im Jahr 1989(French) Registre du Commerce, Medair. Abgerufen am 30. November 2010. in der Schweiz, im Kanton Waadt, gegründet. Von christlichen Grundwerten inspiriert, sieht die Organisation ihren Auftrag darin, die bedürftigsten Menschen weltweit zu unterstützen – ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, ihres Geschlechts, ihrer Religion, ihres Alters oder ihrer Staatsangehörigkeit. Medair beschäftigt weltweit mehr als 1500 Mitarbeitende (Stand: 2019), das jährliche Betriebsbudget liegt bei rund 90,6 Millionen US-Dollar. Mehr als 3,5 Millionen Menschen weltweit wurden 2019 von der Organisation direkt unterstützt.
Geschichte
Gründung Medair wurde 1989 von einer Gruppe von acht Freiwilligen unter der Leitung der beiden erfahrenen Ärzte Erik Volkmar und Josiane Volkmar-André in der Schweiz gegründet.Volkmar-André, Josianne, trans. Christine Terrasson-Alexander (1996). Bread and Salt: The history of Medair. S. 42.
Im Jahr 1988 waren Erik Volmar und Josiane Volkmar-André gebeten worden, nach Uganda zu reisen, um im konfliktreichen Soroti Hilfe zu leisten. Unterstützung erhielten die Ärzte von Medicaments pour L’Afrique (MEDAF), Mission Aviation Fellowship (MAF) und Jugend mit einer Mission (JMEM). Aus dem Zusammenschluss sollte eine Organisation entstehen, die möglichst schnell und effektiv auf die sich verschärfende Krise reagieren konnte.(French) Jeunesse en Mission. ”Historique 1979-1988”. Abgerufen am 30. November 2010. Während dieses ersten gemeinsamen Einsatzes wurden Vertriebene, die nach und nach wieder in ihre ursprünglichen Städte und Dörfer zurückkehrten, mit grundlegenden Leistungen versorgt.Medair. ”Medair: The First Five Years”. Abgerufen am 30. November 2010.
Die Anfänge In den Jahren unmittelbar nach der Gründung wurde die Programmarbeit von Medair auf den Sudan, Liberia und den Irak ausgeweitet, wo ebenfalls Binnenvertriebene unterstützt wurden. Seit 1995 arbeitet Medair unabhängig von den drei Gründungsorganisationen. Bis heute besteht jedoch eine enge Zusammenarbeit mit Mission Aviation Fellowship (MAF) – insbesondere dort, wo die Einsatzgebiete an schwer zugänglichen Orten nicht über den Land- oder Wasserweg erreichbar sind.Medair: ”MAF and Medair - Reaching the most vulnerable in hard-to-reach places”, abgerufen am 27. Januar 2021
Medair Heute Derzeit ist Medair in 13 Ländern aktiv (Stand: Dezember 2019) und reagiert auf globale Notlagen wie die Syrienkrise,Medair: ”Medair Helping Syrian Refugees Face Demolition in Arsal”, abgerufen am 27. Januar 2021 die Ebola-Epidemie in der DR Kongo sowie die Rohingya-Krise in Bangladesch. Mit Expertise in den Bereichen Gesundheit und Ernährung, Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene, Notunterkünfte sowie Bargeldhilfe konnte die Organisation 2019 weltweit mehr als 3,5 Millionen Menschen direkt unterstützen.
Organisation
Frühere Geschäftsführung Medair-Mitbegründer Erik Volkmar führte die Organisation als erster Geschäftsführer 15 Jahre lang bis 2003.Medair. ”Forged In The Fire.” Abgerufen am 30. Januar 2011.
Im Jahr 2004 wurde Randall Zindler zu seinem Nachfolger ernannt. Vor seiner Anstellung als Geschäftsführer (CEO) bei Medair hatte Zindler verschiedene Positionen bei Unternehmen wie der Credit Suisse und Swissair inne. 2011 löste Jim Ingram Zindler als neuen Geschäftsführer ab. Ingram leitete zuvor bei Medair den Bereich Finanzen und war Mitglied der Geschäftsleitung.
Nach sieben Jahren als CEO trat Ingram 2018 in den Ruhestand und David Verboom wurde vom Internationalen Vorstand zu seinem Nachfolger ernannt.Medair. «David Verboom ist Neuer Geschäftsführer von Medair». 7. September 2017
Aktuelle Geschäftsführung Im April 2018 übernahm David Verboom die Geschäftsführung. Seit 1996 ist er im humanitären Bereich und in der Entwicklungszusammenarbeit tätig. Sein erster Einsatz führte ihn während der verheerenden Dürre und Hungersnot 1998 als Landesleiter von Medair nach Kenia und in den Süden des Sudans. Anschliessend übernahm Verboom die Leitung der Programmarbeit am Hauptsitz von Medair und baute die Einsatzgebiete in Afrika und Asien aus. 2002 wechselte er zu ZOA, wo er als Landesleiter für das Flüchtlingsprogramm in Sri Lanka sowie die Hilfseinsätze nach dem Erdbeben und dem Tsunami im Indischen Ozean 2004 verantwortlich war.[vii]
Anschliessend war Verboom beim Europäischen Amt für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz (ECHO) tätig; zuerst als Abteilungsleiter für die Programme in Sri Lanka und auf den Malediven, später als Vorsteher des Regionalbüros für Ostasien und den pazifischen Raum. Ab 2013 leitete er das Regionalbüro von ECHO für den Nahen Osten, bis er zwei Jahre später wieder auf NGO-Seite wechselte und bei World Vision International zum Landesleiter der Programme in Jerusalem, dem Westjordanland und dem Gazastreifen ernannt wurde.
Oberstes Leitungsorgan der Organisation ist der internationale Vorstand (International Board of Trustees). Er setzt sich aus zehn Führungskräften aus verschiedenen Fachbereichen zusammen. Das Gremium ist für die strategische Leitung der Organisation sowie deren finanzielle Planung verantwortlich. Die Vorstandsmitglieder werden durch die Vereinsmitglieder gewählt. Der Geschäftsführer (CEO) trägt die operative Verantwortung der Organisation und wird in seinen Aufgaben von der Geschäftsleitung (Executive Leadership Team) unterstützt.
Medair-büros Weltweit Der Hauptsitz von Medair – auch Global Support Office (GSO) genannt – befindet sich im schweizerischen Ecublens. Hier werden die Länderprogramme koordiniert und geleitet und in fachlicher, personeller, finanzieller und logistischer Hinsicht unterstützt. Auch die Fachbereiche Fundraising, Marketing, Personal sowie Informatik sind am Hauptsitz angesiedelt.
Darüber hinaus unterhält Medair sechs weitere Büros: in der Deutschschweiz (Zürich), Grossbritannien, den Niederlanden, Deutschland, Frankreich und den USA. Diese Zweigstellen führen oder koordinieren keine eigenen Programme. Sie leisten vielmehr Unterstützung bei der Mittelbeschaffung und bei der Rekrutierung von internationalen Einsatzkräften und entwickeln lokale Partnerschaften zur Unterstützung der Organisation.
Mitarbeitende Medair stellt sowohl Mitarbeitende ein, die über Erfahrung in der humanitären Hilfe verfügen als auch solche, die neu im Sektor sind, jedoch Erfahrung in den Bereichen Projektmanagement, Gesundheitswesen, Ernährung, Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene (WASH), Personalwesen, Logistik, Kommunikation oder dem Wiederaufbau von Infrastruktur mitbringen.
Die Mitarbeitenden in den Einsatzländern werden sowohl international als auch national rekrutiert. 80 % der Belegschaft in den Projektländern besteht aus einheimischen Mitarbeitenden, welche vertraut sind mit der lokalen Kultur, Sprache und den Dorfgemeinschaften vor Ort. Internationale Mitarbeitende stimmen mit den Werten der Organisation überein und verfügen über entsprechende Expertise in ihrem Verantwortungsbereich.
Bewerber bzw. potenzielle Medair-Mitarbeitende absolvieren einen Orientierungskurs in Nothilfe und Rehabilitation (ROC). Dieser Intensivkurs findet mehrmals jährlich statt und hat zum Ziel, die Eignung der Teilnehmenden für die Projektarbeit festzustellen und sie auf ihre Arbeit im Feld vorzubereiten.
Hilfsprogramme Medair ist aktuell in 11 Ländern aktiv (Stand: Mai 2020). Ein Programme werden direkt vor Ort umgesetzt; bei Bedarf in Zusammenarbeit mit (lokalen) Partnerorganisationen, um schwer zugängliche, notleidende Gemeinschaften erreichen zu können.
Die Projekte von Medair haben zum Ziel, die dringendsten Bedürfnisse der von Krisen und Naturkatastrophen betroffenen Menschen zu decken. Dies geschieht hauptsächlich in den Bereichen medizinische Versorgung, Ernährung, Wasser, sanitäre Einrichtungen und Hygiene (WASH), Unterkünfte sowie Bargeldleistungen.[viii] Ausserdem engagiert sich Medair mit Programmen in den Bereichen psychische Gesundheit und psychosoziale Unterstützung, unterstützt beim Aufbau tragfähiger lokaler Strukturen (beispielsweise Gesundheitszentren) und der Verbesserung der lokalen Infrastruktur mittels gezielter Katastrophenschutzmassnahmen (Disaster Risk Reduction).
Finanzen 2019 wies Medair einen Umsatz von rund 90,6 Millionen US-Dollar aus. Laut Jahresbericht flossen 92,4 Prozent der Betriebsausgaben direkt in die humanitäre Hilfe. Die verbleibenden 7,6 % wurden für die Mittelbeschaffung und die Verwaltung aufgewendet. Zu den wichtigsten Finanzierungsquellen von Medair gehören private Spender, staatliche und zwischenstaatliche Institutionen, Nichtregierungs- und Partnerorganisationen, Stiftungen, Unternehmen und übrige Institutionen.
2019 stammten 73,1 Prozent der Mittel von Regierungen, der EU und von UN-Institutionen. Dazu gehören unter anderen das Europäische Amt für humanitäre Hilfe und Katastrophenschutz (ECHO), die US-Behörde für Internationale Entwicklung (USAID), die Schweizer Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) sowie das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen (UNICEF).
Im Jahre 2019 betrug der Spendenanteil von Unternehmen, Institutionen und Privatspenden 10,7 Prozent der operativen Kosten, gefolgt von anderen Institutionen und Nichtregierungspartnern, deren Anteil bei 9,7 Prozent lag. Die Sachspenden betrugen 6,1 Prozent. 0,5 Prozent wurden unter Übrige Erträge verbucht.
Aktivitäten Medair hat sich dem Verhaltenskodex des Internationalen Roten Kreuzes und des Roten Halbmonds sowie demjenigen von NGOs in Disaster Relief (NGOs in der Katastrophenhilfe) verpflichtet. Die Organisation versorgt besonders bedürftige Menschen weltweit mit Hilfe, ungeachtet ihrer ethnischen Herkunft, ihres Geschlechts, ihres Glaubens, ihres Alters oder ihrer Staatsangehörigkeit.International Federation of Red Cross and Red Crescent Societies. “Code of Conduct”, abgerufen am 1. September 2019
Medair konzentriert sich hauptsächlich auf die folgenden vier Tätigkeitsbereiche:
Nothilfeeinsätze 2019 reagierte Medair auf Naturkatastrophen und humanitäre Notlagen in 13 Ländern. Dazu gehören die Syrienkrise, die Rohingya-Krise, der Tsunami in Indonesien sowie die Ebola-Epidemie in der DR Kongo. In Notsituationen leistet Medair in einem ersten Schritt humanitäre Nothilfe, anschliessend wird eine Wiederaufbauphase eingeleitet:
Soforthilfe Im Katastrophenfall entsendet Medair unmittelbar nach dem Ereignis ein internationales Nothilfeteam in die betroffene Region, um Hilfsbedürftige so rasch als möglich mit lebensrettender Soforthilfe zu versorgen. Das Team stellt beispielsweise Notunterkünfte-Sets bereit, verteilt wichtige Haushalts- und Hygieneartikel und schafft Zugang zu Trinkwasser, sanitären Einrichtungen und medizinischen Leistungen.
Wiederaufbau: «Build Back Better» In der Wiederaufbauphase verfolgt Medair den Ansatz «Build Back Better», um betroffenen Gemeinschaften zu helfen, sich besser vor zukünftigen Katastrophen zu schützen. Zerstörte Häuser und Infrastruktur werden mit robusten Baumaterialien und katastrophensicheren Konstruktionstechniken wiederaufgebaut. 2019 wurde 100 055 Menschen in betroffenen Gebieten im Bereich Katastrophenschutz geschult.
Frauen und Kinder Frauen und Kinder gelten während Krisen und Katastrophen als besonders schutzbedürftig.World Health Organisation. ”Leave no one behind: Women, children and adolescent health in emergencies”, abgerufen am 23. September, 2019 Auf ihre spezifischen Bedürfnisse geht Medair mit drei verschiedenen Ansätzen ein:
Ernährung