miniatur|Wales nach dem Vertrag von Montgomery 1267 Die Eroberung von Wales durch König Eduard I. war die endgültige Eroberung der walisischen Fürstentümer durch den englischen König Eduard I. zwischen 1276 und 1283.

Wales nach dem Vertrag von Montgomery Im 1267 zwischen dem englischen König Heinrich III. und dem Fürsten von Gwynedd, Llywelyn ap Gruffydd, geschlossenen Vertrag von Montgomery wurde Llywelyn vom englischen König als Oberhaupt der walisischen Fürsten und als Fürst von Wales anerkannt. Damit hatte Llywelyn den Höhepunkt seiner Macht erreicht. Im Gegenzug musste er dem englischen König als Oberherrn huldigen sowie ihm die enorme Summe von 30.000 Mark zahlen. In dem Vertrag waren jedoch nicht alle Streitpunkte zwischen den walisischen Fürsten und den anglonormannischen Marcher Lords ausgeräumt worden, so dass es in den nächsten Jahren zu mehreren Konflikten kam.

Grenzkonflikte mit den Marcher Lords Der Streit um die Herrschaft über Maelienydd, das von Roger Mortimer beansprucht wurde, war im Vertrag nicht entschieden worden. Roger Mortimer erneuerte dort schließlich seine Burg Cefnllys Castle.

Einen weiteren Konflikt gab es im südostwalisischen Glamorgan über die Frage der Oberhoheit über die walisischen Lords von Gwynllŵg und Senghenydd, die bislang unter der Oberhoheit des Lords von Glamorgan gestanden hatten. Im Vertrag von Montgomery war allgemein beschieden worden, dass die einheimischen walisischen Barone Llywelyn huldigen müssten. Wer allerdings jetzt genau zu diesen Baronen zählte, war nicht genau definiert worden. Gilbert de Clare, der Lord von Glamorgan, hatte 1267 den Lord von Senghenydd abgesetzt und gefangen genommen. 1268 begann er mit dem Bau des mächtigen Caerphilly Castle und vertrieb auch den Lord von Gwynllwg. Llywelyn ap Gruffydd betrachtete sich nach dem Vertrag von Montgomery jedoch als Schutzherr der Lords von Senghenydd und Gwynllwg. 1270 fiel er in Glamorgan ein und zerstörte das im Bau befindliche Caerphilly Castle, doch letztlich musste er sich aus Glamorgan zurückziehen und Gilbert de Clare konnte die Burg vollenden.

Den dritten Konfliktherd bildete die Herrschaft Brecknockshire, die 1262 von Llywelyn besetzt worden war. 1264 war Roger Mortimer zum Lord von Brecknockshire ernannt worden, doch hatte er nicht die Mittel gehabt, um Llywelyn zu vertreiben. Dazu gab auch Humphrey de Bohun, 2. Earl of Hereford, dessen Sohn die Herrschaft 1241 durch Heirat erworben hatte, seine Ansprüche nicht auf. Ab 1272 versuchte er durch verstärkte Überfälle die Kontrolle über die Herrschaft zu erlangen.

Konflikte innerhalb der walisischen Fürstentümer Llywelyn selbst musste seine Oberherrschaft über die kleineren walisischen Fürstentümer teils gewaltsam durchsetzen. Von Brecknockshire und Elfael verlangte er 1271 die Stellung von Geiseln. Zur Festigung seiner Herrschaft über Cedewain begann er 1273 den Bau von Dolforwyn Castle. Die strategisch günstig gelegene Burg bedrohte Roger Mortimers Herrschaft in Mittelwales, die königliche Burg Montgomery Castle sowie Welshpool mit Powis Castle, der Residenz von Gruffydd ap Gwenwynwyn, dem Lord von Powys Wenwynwyn. Gruffydd ap Gwenwynwyn plante zusammen mit Llywelyns Bruder Dafydd ap Gruffydd die Ermordung von Llywelyn. 1274 deckte Llywelyn die Verschwörung auf und besetzte unverzüglich Powys Wenwynwyn. Gruffydd und Dafydd flohen nach England, doch unternahmen sie in der Folge mehrere Überfälle auf die Grenzgebiete zu Wales.

Llywelyns Konflikte mit der Kirche 1274 begann Llywelyn einen Konflikt mit Anian, dem Bischof von St Asaph, indem er versuchte, einen Anteil an kirchlichen Bussgeldern zu erhalten. Der Dominikaner Anian, Bischof von 1268 bis 1293, widersetzte sich heftig und wandte sich an den Erzbischof von Canterbury, den englischen König und an den Papst. So wurde aus einem Streit um Geld ein größerer Streit um kirchliche Freiheiten und führte schließlich zu einer Schwächung der Stellung Llywelyns.Rees R. Davies: The Age of Conquest. Wales 1063–1415. Oxford University Press, Oxford 1991, ISBN 0-19-820198-2, S. 326 Eduard I. bestätigte im November 1275 und im Januar 1276 die alten Rechte des Bistums, und Anian nahm an der königlichen Versammlung im November 1276 teil, in der Llywelyn als Rebell verurteilt wurde. Llywelyn versuchte noch Anfang 1277 die Rechte des Bischofs aufzukaufen, doch dieser begab sich unter königlichem Schutz, ihm folgte der Bischof von Bangor.

Der Streit um die Huldigung des neuen Königs 1272 war Heinrich III. gestorben, und sein Sohn und Nachfolger Eduard kehrte erst im August 1274 von seinem Kreuzzug nach Palästina nach England zurück. Die Verstöße der Marcher Lords gegen den Vertrag von Montgomery erschienen für Llywelyn wie ein einziger Angriff gegen seine Herrschaft. Er stellte 1274 seine Zahlungen an den König mit dem Hinweis ein, dass die Marcher Lords ihm zustehende Gebiete besetzten und verweigerte dem neuen König die verlangte Huldigung, solange der König nicht über seine Beschwerden über die Verletzungen des Vertrags von Montgomery entschied.Rees R. Davies: The Age of Conquest. Wales 1063–1415. Oxford University Press, Oxford 1991, ISBN 0-19-820198-2, S. 323 Er verweigerte die Huldigung im Januar 1273 nach dem Tod Heinrichs III., er war im August 1274 nicht bei Eduards Krönung anwesend, und zwischen Dezember 1274 und April 1276 befolgte er fünf weitere Aufforderungen des Königs nicht, auch nicht, als dieser dafür im August 1275 nach Chester an die walisische Grenze reiste. Im Unterschied zu Llywelyn sah Eduard I. den Fürsten von Wales nicht als souveränen Fürsten, sondern als einen seiner größeren Vasallen, der dem englischen Recht unterworfen war.Rees R. Davies: The Age of Conquest. Wales 1063–1415. Oxford University Press, Oxford 1991, ISBN 0-19-820198-2, S. 329 Demnach betrachtete er die geforderte Hommage als grundlegende Anerkennung und als Bindung eines Vasallen an ihn, die Verweigerung betrachtete er als Rebellion.Rees R. Davies: The Age of Conquest. Wales 1063–1415. Oxford University Press, Oxford 1991, ISBN 0-19-820198-2, S. 327 In seinen letzten drei Aufforderungen befahl der König Llywelyn nach Westminster oder Winchester, letztlich bestätigte er ihm nicht mehr ein freies Geleit. Dazu versuchte Llywelyn 1275 die im französischen Exil lebende Eleanor, die Tochter von Simon de Montfort zu heiraten. Der König sah die geplante Hochzeit der Tochter seines Todfeindes Montfort mit dem rebellischen Fürsten von Wales als Provokation, so dass er Llywelyns Braut bei ihrer Überfahrt nach Wales im Winter 1275/76 abfangen und gefangen nehmen ließ. Die Gefangennahme seiner Braut, die Aufnahme der Rebellen Gruffydd ap Gwenwynwyn und Dafydd ap Gruffydd in England bestärkten wiederum Llywelyn in seinem Misstrauen gegenüber dem König, so dass er befürchtete, bei einer Reise zur Huldigung nach England gefangen genommen zu werden. Nach weiteren ergebnislosen Verhandlungen beschloss der König im April 1276 seinen widerspenstigen Vasallen mit Gewalt zu unterwerfen und erklärte ihn schließlich am 12. November 1276 zum Rebellen.

Feldzug von 1276 bis 1277

Der Feldzug des Königs zur Unterwerfung Llywelyns war sorgfältig geplant und gut koordiniert. Er folgte dem Muster der Feldzüge von König Johann 1211 sowie seines Vaters Heinrich III. von 1241 und 1245. Für seinen Feldzug konnte Eduard I. auf breite Unterstützung der Marcher Lords setzen, die nun ihre Chance sahen, walisische Gebiete zu erobern oder zurückzuerobern. Der König sammelte im Frühjahr 1277 drei Armeen in Chester, Montgomery und Carmarthen.

Der Führer der Armee in Carmarthen, Payn de Chaworth konnte in Südwestwales die wichtigsten Lords des Hauses Dinefwr zur Aufgabe bewegen, die sich ihm im April und Mai 1277 in der Hoffnung ergaben, als Belohnung für ihre Unterwerfung die Gebiete ihrer Verwandten und Nachbarn zu erhalten. Chaworth besetzte Dinefwr Castle, die alte Residenz der Fürsten von Deheubarth, anschließend besetzte er erstaunlich rasch Ceredigion. Er wurde schließlich von Edmund of Lancaster, dem Bruder des Königs, abgelöst, der am 25. Juli 1277 mit dem Bau von Aberystwyth Castle begann. Die königlichen Truppen aus Chester besetzten rasch Powys Fadog, wo die walisische Garnison von Dinas Bran die Burg in Brand setzte, bevor sie in englische Hände fallen konnte. In Mittelwales ergab sich Llywelyns neue Burg von Dolforwyn nach achttägiger Belagerung den Truppen Roger Mortimers, und im besetzten Builth wurde bereits im Mai mit dem Bau einer neuen Burg begonnen.

Der König berief sein Feudalheer für den 1. Juli nach Worcester, und als er mit seiner Armee im Juli 1277 in Chester erschien, waren die Verbündeten Llywelyns bereits geschlagen oder hatten sich ergeben. Der König hatte neben den Rittern seines Haushalts eine Armee von über 15.600 Fußsoldaten aufgeboten. Der König führte seine Armee in kleinen Etappen entlang der Küste von Nordwales nach Westen. Er ließ durch etwa 1800 Holzfäller breite Schneisen in die Wälder schlagen, so dass sein Heer ohne Gefahr durch Hinterhalte bis Gwynedd vorstoßen konnte. In Flint und Rhuddlan begann er mit dem Bau von Burgen zur Sicherung seiner Eroberungen. Am 29. August erreichte das königliche Heer Deganwy am Conwy. Dort erwartete er die Rückmeldung seiner Flotte, die er zur Eroberung der Insel Anglesey geschickt hatte. Die von den Cinque Ports gestellte Flotte von 26 Schiffen hatte 2000 Soldaten unter dem Kommando von Otton de Grandson und John de Vescy zu der Insel gebracht, anschließend brachten 360 englische Arbeiter die dortige Getreideernte ein, so dass in Gwynedd eine Hungersnot drohte.David A. Carpenter: The struggle for mastery. Britain, 1066–1284. Oxford University Press, Oxford 2003. ISBN 978-0-19-522000-1, S. 503 Die walisischen Truppen waren im Bergland von Snowdonia eingeschlossen, und am 12. September verlegte der König sein Hauptquartier von Deganwy nach Rhuddlan zurück. Er konnte in Ruhe abwarten, denn das Ergebnis des Feldzugs war für die Waliser verheerend. Llywelyn erklärte sich im September bereit für Verhandlungen, und am 9. November 1277, ein Jahr, nachdem er zum Rebellen erklärt worden war, akzeptierte er seine Niederlage im Vertrag von Aberconwy. miniatur|Gwynedd nach dem Vertrag von Aberconwy 1277

Vertrag von Aberconwy

Im Vertrag von Aberconwy musste Llywelyn auf weite Teile seines Reiches verzichten. Perfeddwlad östlich des Conwy fiel an den König, dazu verlor er alle Gebiete in Südwest- und Mittelwales, so dass Gwynedd wieder auf das Territorium von 1247 beschränkt wurde. Bis auf fünf unbedeutende walisische Lords verlor Llywelyn die Oberherrschaft über die walisischen Lords. Er musste dem König in Rhuddlan seine Hommage erweisen, und Ende des Jahres musste er nach London reisen und dem König dort Weihnachten 1277 erneut huldigen. Er musste eine Strafe von 50.000 Pfund für seine Rebellion akzeptieren, die ihm jedoch kurz darauf wieder erlassen wurde. Seine Brüder musste er mit eigenen Herrschaften versorgen. Eduard I. gestattete ihm jedoch, weiterhin den Titel Fürst von Wales zu führen, und übergab seinem jüngsten Bruder Dafydd, der nach seiner Verschwörung im englischen Exil gelebt hatte, eine Herrschaft im englisch besetzten Perfeddwlad.