Eremotherium ist eine ausgestorbene Gattung der Faultiere aus der Familie der Megatheriidae. Sie lebte während des Pleistozäns vor rund 2,5 Millionen bis vor eventuell 7000 Jahren im nördlichen Süd- und südlichen Nordamerika. Hauptsächlich war Eremotherium in tropisch und subtropisch geprägten Flachländern verbreitet und lebte dort in teils offenen und geschlossenen Landschaften, sein nächster Verwandter Megatherium bewohnte dagegen eher temperierte oder höhere Lagen. Beide Gattungen erreichten die Größe heutiger Elefanten und gehören zu den größten Säugetieren Amerikas. Charakteristisch für Eremotherium war sein robuster Körperbau mit vergleichsweise langen Gliedmaßen und Vorder- und Hinterfüßen mit – vor allem bei späteren Vertretern – jeweils drei Fingern. Der Schädel besaß allerdings einen relativ grazilen Bau, das Gebiss bestand aus gleichförmig gestalteten, hochkronigen Zähnen. Wie die heutigen Faultiere war Eremotherium ein reiner Pflanzenfresser, der sich von Blättern und Gräsern ernährte. Die Tiere konnten ihren Nahrungskonsum an die jeweiligen lokalen und klimatischen Bedingungen anpassen. Funde der Gattung liegen sehr häufig vor, herausragend sind die Fundstellen von Toca das Onças in Brasilien und von Daytona Beach in Florida. Die zwei bekanntesten Arten der Gattung sind Eremotherium laurillardi und Eremotherium eomigrans.

Merkmale Allgemein und Größe Ähnlich dem nahe verwandten Megatherium erreichte Eremotherium eine Gesamtlänge von 5 bis 6 m. Das Gewicht wurde ursprünglich mit 3 t angegeben, Berechnungen anhand eines knapp 74 cm langen Oberschenkelknochens ergaben ein Gewicht von 3,96 t, allerdings sind noch deutlich längere Femora von Eremotherium bekannt. Andere Gewichtsschätzungen reichen bis zu 6,55 t. Eine Untersuchung basierend auf unterschiedlichen Berechnungsmethoden kommt für Eremotherium auf Angaben zwischen 2,7 und 4,5 t. Allgemein geht man heute von einem ähnlichen Körpergewicht wie bei Megatherium aus, das für die größten Vertreter zwischen 3,8 und 6 t variierte. Möglicherweise übertraf Eremotherium aber auch Megatherium an Gewicht, da es deutlich robuster gebaut war als dieses und längere Gliedmaßen besaß. In jedem Fall gehört es aber neben den aus Eurasien eingewanderten Rüsseltieren zu den größten landlebenden Säugetieren jener Zeit in Amerika. Als bodenbewohnendes Faultier wies es wie zahlreiche seiner stammesgeschichtlichen Vorgänger im Vergleich zu den heutigen baumbewohnenden Faultieren verhältnismäßig kürzere und kräftigere Gliedmaßen auf und verfügte zudem über einen längeren Schwanz.

Schädel- und Gebissmerkmale Der Schädel von Eremotherium war groß und massiv, im Vergleich zu Megatherium aber leichter gebaut. Ein vollständiger Schädel maß 65 cm in der Länge und war an den Jochbögen bis zu 33 cm breit. Im Bereich der hinteren Zähne erreichte er 19 cm Höhe. Die Stirnlinie verlief deutlich gerade und nicht so gewellt wie bei Megatherium. Am Nasenbein wies er gegenüber dem Schädel von Megatherium Kürzungen auf, wodurch er insgesamt kegelstumpfartig wirkte. Weitere Unterschiede zu Megatherium bestanden am Zwischenkieferknochen: Dieser besaß bei Eremotherium eine insgesamt dreieckige Gestalt und war mit dem Oberkiefer nur locker verbunden, bei seinem großen Verwandten wies der Mittelkieferknochen eine viereckige Form auf, ebenso wie eine feste Verbindung zum Oberkiefer. Das Hinterhauptbein hatte in der Hinteransicht eine halbkreisförmige Gestaltung und fiel in Seitenansicht schräg nach hinten ab. Die Gelenkflächen als Ansatzstelle der Halswirbelsäule wölbten sich weit nach außen und waren relativ größer als bei den Baumfaultieren und zahlreichen anderen Bodenfaultieren. Die Scheitelbeine hatten eine weit nach außen gebogene Form, was teils durch die große Schädelhöhle mit einem Volumen von 1600 cm³ verursacht wurde. Der kräftige Jochbogen war im Gegensatz zu heutigen Faultieren geschlossen, wie dieser besaß er aber einen nach unten und einen nach hinten zeigenden, massiven knöchernen Auswuchs, der vom vorderen Bogenansatz ausging. Zusätzlich ragte noch ein dritter Auswuchs schräg nach oben. Der nach unten weisende Knochenfortsatz stand deutlich steiler als bei anderen Faultieren. Das Augenfenster war flach und klein und etwas tiefer gelegen als bei Megatherium oder bei den heutigen Faultieren.

Der Unterkiefer wurde rund 55 cm lang, beide Hälften verband eine kräftige Symphyse, die sich nach vorn spatelförmig verlängerte und abgerundet endete. Typisch für alle Vertreter der Megatheriidae war der deutlich nach unten gebogene Verlauf der Unterkante des Knochenkörpers, der durch die unterschiedliche Länge der Zähne entstand. Bei Eremotherium war dadurch der Unterkiefer unterhalb der Symphyse 14,5 cm tief, unterhalb des zweiten Zahns 15 cm und unterhalb des vierten 12,5 cm. Die Stärke der Wölbung des unteren Unterkieferrandes nahm im Verlauf der Individualentwicklung deutlich zu, das Verhältnis der Höhe des Unterkieferkörpers zur Länge der Zahnreihe blieb aber weitgehend gleich. Dies weicht markant von Megatherium ab, bei dem die Höhe des Unterkiefers nicht nur absolut zunahm, sondern im Verhältnis zur Zahnreihenlänge auch relativ. Der Unterkieferkörper war zudem sehr dick und ließ so nur wenig Zwischenraum für die Zunge. Der Kronenfortsatz stieg bis zu 27 cm auf, der Gelenkfortsatz war nur wenig niedriger. Am hinteren, unteren Ende bestand ein kräftiger, deutlich eingekerbter Winkelfortsatz, dessen oberer Rand etwa auf der Höhe der Kauebene lag. Am vorderen Rand des Unterkiefers zeigte sich ein kräftiges Foramen mentale. Die Bezahnung war typisch für Faultiere, bestand aber abweichend von den heutigen Vertretern aus vollständig homodonten Zähnen, was ein charakteristisches Merkmal der Megatherien ist. Je Kieferast saßen im Oberkiefer 5, im Unterkiefer 4 Zähne, insgesamt verfügte Eremotherium also über 18 Zähne. Sie ähnelten Molaren und waren bis auf den vordersten viereckig gestaltet, bei großen Individuen meist gut 5 cm lang und mit 15 cm Höhe sehr hochkronig (hypsodont). Sie hatten keine Wurzeln ausgebildet und wuchsen das gesamte Leben lang. Ebenso fehlte das Zahnschmelz. Auf der Kauoberfläche waren aber typischerweise zwei quergestellte, scharfkantige Leisten ausgebildet, die das Zermahlen der Nahrung unterstützten. Die gesamte obere Zahnreihe wurde bis zu 22 cm lang, die untere erreichte bis zu 21 cm.

Merkmale des Körperskeletts mini|Hand von E. laurillardi mit den charakteristischen drei Fingern Das Körperskelett ist weitgehend vollständig bekannt. Der Schwanz umfasste 19 bis 20 Wirbel, was der Anzahl anderer Säugetiere mit morphologisch und funktional reduziertem Schwanz entspricht, etwa den Paarhufern und Unpaarhufern. Er war aber deutlich länger als bei den heutigen Faultieren. Die Wirbel waren massig gestaltet, sowohl an den Wirbelkörpern als auch an den seitlichen Querfortsätzen. Allerdings waren die Wirbelkörper in der Länge gestaucht, so dass der Schwanz insgesamt eher kurz wirkte und die Länge der unteren Gliedmaßenabschnitte in der Regel nicht übertraf. Der Oberarmknochen stellte eine lange Röhre dar mit einem wuchtigen unteren Gelenkende. Die Gesamtlänge betrug rund 79 cm. Typisch waren markante, gratartige Muskelansatzstellen am mittleren Schaft. Die Unterarmknochen wiesen deutlich kürzere Längen auf, so maß die Speiche rund 67 cm, die Elle 57 cm Länge. Massiv war der Oberschenkelknochen, der den für Megatherien charakteristischen breiten Bau besaß und vorn und hinten verschmälert war. Er wies eine Länge von durchschnittlich 74 cm auf, der größte bisher aufgefundene Knochen war 89,5 cm lang und 45,1 cm breit. Der Dritte Trochanter, eine markante Muskelansatzstelle am Schaft, die typisch für Nebengelenktiere ist, fehlte bei Eremotherium wie bei allen anderen Megatherien. Schien- und Wadenbein waren nur am oberen Ende miteinander verwachsen und nicht auch am unteren wie bei Megatherium. Dabei wurde das Schienbein rund 60 cm lang. Die Vorderbeine endeten in Hände mit drei Strahlen (III bis V). Die beiden Innenstrahlen (I und II) waren zusammen mit einigen Elementen der Handwurzel, etwa dem Großen Vieleckbein zu einer Einheit, dem Metacarpal Carpal Complex (MCC), verwachsen. Damit weicht Eremotherium deutlich von Megatherium und anderen nahe verwandten Formen ab, die vierstrahlige Hände besaßen. Dabei war bei Eremotherium der Mittelhandknochen des dritten Strahls am kürzesten ausgebildet und maß 19 cm in der Länge, die des vierten und fünften waren mit 28 beziehungsweise 27,5 cm nahezu gleich lang. Die Endphalanx (das jeweils dritte Fingerglied) des dritten und vierten Strahls hatten eine lange und spitz gebogene Form, was dementsprechend lange Krallen annehmen lässt, der fünfte Strahl wies nur zwei Fingerglieder auf und hatte dort demzufolge keine Kralle ausgebildet. (Eine Ausnahme stellt die ältere Form E. eomigrans dar, deren Hände abweichend von anderen Megatherien noch fünfstrahlig waren, wobei an den Strahlen I bis IV Krallen bestanden.) Der Fuß war wie bei allen Megatherien ebenfalls dreistrahlig (Strahlen III bis V) gebaut. Er glich der Hand mit einem extrem kurzen Mittelfußknochen des dritten Strahls. Der des vierten Strahls erreichte 24, der des fünften 21 cm Länge. Abweichend von der Hand waren nur am Mittelstrahl (III) drei Phalangen mit einem Endglied ausgebildet, das eine lange Kralle trug. Die beiden äußeren Strahlen wiesen nur zwei Zehenglieder auf. Dieser Aufbau des Fußes ist typisch für entwickelte Megatherien.

Verbreitung und bedeutende Fossilfunde Funde von Eremotherium sind weit verbreitet, beschränken sich aber auf die tropischen und subtropischen Tieflandsregionen von Süd- und Nordamerika. Sie stammen von mehr als 130 Fundstellen. In Südamerika sind Fossilreste der Gattung vom nördlichen Peru über Ecuador, Kolumbien bis nach Guayana und im Amazonasbecken anzutreffen. Südlich des brasilianischen Bundesstaates Rio Grande do Sul konnten bisher keine Funde nachgewiesen werden. Hier und weiter südlich in der Pamparegion sowie in höheren Gebirgslagen ist hauptsächlich Megatherium verbreitet gewesen. In Nordamerika reichte das Vorkommen von Georgia über Texas bis nach South Carolina und an der Ostküste von Florida bis nach New Jersey. Die ältesten bisher bekannten Funde stammen aus dem US-Bundesstaat Florida und gehören der Art E. eomigrans an. Gefunden wurden sie unter anderem in Haile in einer wassergefüllten Doline (Lokalität 7C), 6 km nordöstlich von Newberry im Alachua County. Sie umfassen mehrere Teilskelette und mehrere isolierte Knochen und sind zwischen 2,1 und 1,8 Millionen Jahre alt, was dem beginnenden Unterpleistozän entspricht. Unter Einbeziehung weiterer Funde aus Florida, etwa vom Kissimmee River, die aber zu unspezifisch sind, um sie einer genauen Art zuweisen zu können, wäre das Höchstalter mit 2,5 Millionen Jahren und damit im Übergang vom Pliozän zum Pleistozän zu veranschlagen. Eventuell gleich alt ist der Fund eines Fußknochens aus El Breal de Orocual in Venezuela.

mini|Skelettrekonstruktion von E. laurillardi nach den Funden von Daytona Beach