mini|Evangelische Kirche von Südosten Die Evangelische Kirche in Münster, einem Stadtteil von Laubach im Landkreis Gießen (Hessen), ist eine spätgotische, dreischiffige Hallenkirche. Verschiedene romanische Kennzeichen bei den Fenstern, dem Taufbecken, den Resten der Flachdecke im Langhaus und dem Westturm deuten auf eine im Kern romanische Kirche, die später tiefgreifend umgebaut oder weitgehend erneuert wurde.Unruh: Die dreischiffige spätgotische Kirche in Münster. 1989, S. 68. Das südliche Seitenschiff hat drei Zwerchgiebel und der Westturm einen schlanken Spitzhelm. Das hessische KulturdenkmalLandesamt für Denkmalpflege Hessen (Hrsg.), Lang (Red.): Kulturdenkmäler in Hessen. Landkreis Gießen I. 2008, S. 333. wurde im 15. Jahrhundert errichtet und geht in den ältesten Teilen auf das 12. Jahrhundert zurück.
Sie gehört zur Gesamtkirchengemeinde WORM an der Wetter im Dekanat Gießener Land in der Propstei Oberhessen der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.
Geschichte mini|Gewölbemalereien im Südchor aus dem 15. Jh. Der Name „Münster“ ist vom lateinischen „monasterium“ abgeleitet und weist auf eine Ansiedlung von Mönchen hin. Für das Jahr 1304 ist ein Pleban, für 1316 eine Pfarrei nachgewiesen, die wie auch andere Gemeinden dem 1316 gegründeten Marienstift Lich inkorporiert wurde. Die Erbauungszeit der Kirche ist nicht überliefert, liegt vermutlich aber im 12. Jahrhundert, spätestens um 1300. In spätgotischer Zeit erhielt die Kirche ihre heutige maßgebliche Gestalt. Kirchlich gehörte Münster zum Archidiakonat St. Johann in der Erzdiözese Mainz.Gerhard Kleinfeldt, Hans Weirich: Die mittelalterliche Kirchenorganisation im oberhessisch-nassauischen Raum (= Schriften des Instituts für geschichtliche Landeskunde von Hessen und Nassau 16). N. G. Elwert, Marburg 1937, ND 1984, S. 58. Mit Einführung der Reformation wechselte die Kirchengemeinde zum evangelischen Bekenntnis.
Im Jahr 1691 baute die Gemeinde eine Orgelempore für eine neue Orgel ein und erneuerte einige Fenster. In den 1690er Jahren wurden die Kirchendächer und der Turm repariert, in den 1720er Jahren Kirchturm und Fenster. Eine Renovierung des Dachs folgte 1741 und eine der Sakristei 1748.Diehl: Baubuch für die evangelischen Pfarreien. 1935, S. 211. Zu Beginn des 19. Jahrhunderts beherbergte der Turm ein Vierergeläut. Eine 1825 gesprungene Glocke wurde meistbietend verkauft. Die Sakristei wurde 1830 abgerissen und der Hauptchor in neuer, rechteckiger Form aufgeführt, nachdem ein Teil des baufälligen Chors 1826 eingestürzt war. 1830 wurden die beiden Fenster des mittleren Zwerchgiebels erneuert und die Kanzel vom nördlichen Pfeiler des Triumphbogens auf die Mittelachse versetzt. Im Jahr 1844 wurden unter dem heutigen Mittelchor die Fundamente eines älteren Chors mit halbrunder Apsis gefunden.Probst: Frühe Dorfkirchen in Hessen. 2004, S. 255. Im Jahr 1854 wurde zwischen Mittelschiff und Turm eine Wand mit einer spitzbogigen Holztür eingezogen. Eine Kirchenrenovierung folgte 1883/1884,Diehl: Baubuch für die evangelischen Pfarreien. 1935, S. 212. die einen neuen Holzfußboden und neues Kirchengestühl umfasste, das die „Weiberstühle“ von 1656 und die „Mannsstühle“ von 1663 ersetzte. Zudem wurde die Südseite des Dachs neu gedeckt und das Turmgebälk erneuert. 1866 wurde ein neuer Taufstein von Sophie Harch geb. Keller gestiftet und der romanische Taufstein verkauft.Evangelische Kirchengemeinde Münster: 700 Jahre Kirche in Münster. 2016, S. 20.
1890 wurden das Fenster im östlichen Zwerchgiebel erneuert und ein Regulierfüllofen eingebaut, der 1901 ersetzt wurde. Bei der Renovierung 1951 wurden auf den Gewölben Rankenmalereien und sieben von ursprünglich zwölf spätmittelalterlichen Weihekreuzen auf Pfeilern und der Südwand freigelegt und die Kanzel wieder an den Nordpfeiler des Triumphbogens zurückversetzt.Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. 1979, S. 131. Der Hauptchor, der durch eine Gitterwand abgetrennt war und als Sakristei diente, wurde geöffnet und der Altar dort wieder aufgestellt. Seit 1973 ersetzt eine Glaswand mit Schwingtüren den Zugang zwischen Turm und Schiff.Unruh: Die dreischiffige spätgotische Kirche in Münster. 1989, S. 71. 1986 folgte die Neueindeckung des Turmdachs, 1987 ein neuer Innenputz und 1987/1988 die Sanierung der Außenmauern wegen Feuchtigkeitsschäden. Das Zifferblatt der Turmuhr wurde 1988 erneuert und die Turmspitze repariert. Sanierungen im Dachbereich erfolgten 1989–1991 und verursachten Kosten in Höhe von 67.783 DM. Im Jahr 2000 wurden für 62.000 DM die gotischen Fresken in der Taufkapelle freigelegt und die Farben aufgefrischt.Evangelische Kirchengemeinde Münster: 700 Jahre Kirche in Münster. 2016, S. 22.
Seit dem 1. April 2014 sind die vier sogenannten WORM-Gemeinden, die bisher zwei Pfarrer hatten, pfarramtlich verbunden und werden von einer Pfarrstelle betreut. WORM ist ein Akronym aus Wetterfeld, Ober-Bessingen, Röthges und Münster.Amtsblatt der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau vom 1. Januar 2013, S. 70: Münster, Ober-Bessingen, Röthges und Wetterfeld, abgerufen am 18. April 2020 (PDF).
Die Kirchenmauer wurde im Jahr 2014 saniert. Die Mauerkrone wurde abgetragen und neu aufgemauert und die komplette Mauer neu verfugt.
Architektur mini|hochkant|Westturm mini|Überwölbter Innenraum Die dreischiffige Hallenkirche am westlichen Ortsrand ist aus Bruchsteinmauerwerk aus Basalt errichtet. Sie ist an den alten Westturm angebaut und um zwei Ostchöre erweitert. Die Gliederungen des Gebäudes bestehen aus Lungstein. Der umlaufende abgeschrägte Sockel bezieht nicht das nördliche Seitenschiff ein. Teils erhalten ist die wehrhafte Mauerumfriedung, die an der Nordseite zwei Schießscharten aufweist. Der Kirchhof wurde bis 1831 für Bestattungen genutzt.Unruh: Die dreischiffige spätgotische Kirche in Münster. 1989, S. 74.
Zu den ältesten erhaltenen Baukörpern gehört der wuchtige Westturm mit starken Mauern, der mittig vor dem Mittelschiff errichtet ist. Die Turmhalle hat ein Kreuzrippengewölbe, das teilweise auf Konsolen mit Köpfen ruht, und ein kleines schmales Spitzbogenfenster aus Lungstein an der Südseite. Sie wird durch ein spitzbogiges Westportal erschlossen, das sekundär vergrößert wurde. Darüber ist eine Nische eingelassen, die von Sandsteinfialen und Engelsköpfen flankiert wird. Vermutlich handelt es sich um ein Sakramentshäuschen, das aus dem abgebrochenen Chor stammt und hier als Spolie eingelassen wurde.Evangelische Kirchengemeinde Münster: 700 Jahre Kirche in Münster. 2016, S. 19. Der Bogen zwischen Turm und Mittelschiff ist spitzbogig und seit 1854 vermauert. Der Stumpf des ursprünglichen Pyramidendachs hat im 16. Jahrhundert einen Spitzhelm erhalten. Dieser erhebt sich über dem vierseitigen Glockengeschoss mit rechteckigen Schalllöchern. Vier Dreiecksgiebel vermitteln zum schlanken achtseitigen verschieferten Helm.Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1933, S. 305. Die Glockenstube beherbergt ein Dreiergeläut, eine große Glocke von 1601,Robert Schäfer: Hessische Glockeninschriften (PDF-Datei; 37,7 MB). In: Archiv für Hessische Geschichte und Alterthumskunde. 15, 1884, S. 475–544, hier: S. 531. eine mittlere Glocke mit der Inschrift: „Gegossen im Namen Gottes von Philipp Bach und Kutschbach zu Hungen anno 1772“. Letztere wurde aus einer Ave-Maria-Glocke mit der Jahreszahl 1572 umgegossen, die gesprungen war. Die dritte, kleine Glocke von 1843 war ebenfalls gesprungen und wurde von Friedrich Otto in Gießen umgegossen. Die heutige Rincker-Glocke von 1959 dient als Gebets- und Totenglocke. Eine kleine Gussstahlglocke in der Turmspitze stammt aus dem ehemaligen Braunkohlenbergwerk am Hessenbrückenberg und wurde der Gemeinde 1901 geschenkt.Unruh: Die dreischiffige spätgotische Kirche in Münster. 1989, S. 73.
Das Langhaus mit steilem Satteldach hat in jedem Schiff drei niedrige Joche. Die drei Schiffe weisen eine unterschiedliche Breite auf: 2,66 Meter das nördliche Seitenschiff, 4,25 Meter das Mittelschiff, 3,75 Meter das südliche Seitenschiff. Sie werden durch quadratische, im Süden gefaste Säulen mit spitzbogigen Arkaden voneinander getrennt. Das spitzbogige Kreuzgewölbe mit gekehlten Rippen ruht nur im Süden auf Konsolen. Einige Schlusssteine sind mit Wappenschild, Dreipass und Blattwerk belegt. Der Hauptchor und der Südchor haben einen geraden Abschluss. Vor 1830 hatte der Hauptchor eine halbrunde Apsis aus romanischer Zeit oder einen spätgotischen Fünfachtelschluss. Er wird von einer flachen Holzbalkendecke abgeschlossen. Der Schlussstein und weitere Bauteile des ursprünglichen Chorgewölbes sind erhalten. Der südliche Nebenchor, der heute als Taufkapelle dient, ist etwas kleiner als die südlichen Joche und wird durch einen Gurtbogen mit ihnen verbunden. Die drei Zwerchgiebel des Südschiffes orientieren sich nicht an den vier Jochen, wohl jedoch deren spätgotische Fenster, was auf einen nachträglichen Einbau des Gewölbes hinweist.Evangelische Kirchengemeinde Münster: 700 Jahre Kirche in Münster. 2016, S. 18. Ursprünglich wurde das Langhaus mit einer flachen Balkendecke abgeschlossen. Reste der romanischen Flachdecke wurden dendrochronologisch anhand von zehn Balken in das Jahr 1164 bestimmt. Über den Pfeilerarkaden des Mittelschiffes ragen noch Balkenköpfe aus dem Gewölbe.Weyrauch: Die Kirchen des Altkreises Gießen. 1979, S. 130 f. Demnach wies das Mittelschiff ursprünglich die Breite des Turms auf und wurde später um zwei Seitenschiffe erweitert. Das Hauptdach lässt sich auf das Jahr 1446 und die Zwerchgiebel auf 1453 datieren.Evangelische Kirchengemeinde Münster: 700 Jahre Kirche in Münster. 2016, S. 35.
Das ehemalige spitzbogige Portal an der Westseite des Südschiffes ist im unteren Teil vermauert und dient im oberen Teil als Fenster, während das spitzbogige Nordportal im westlichen Joch vollständig vermauert ist.Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1933, S. 304. Eine steinerne Wendeltreppe im westlichen Nordschiff ermöglicht den Zugang zum Turm. Der Innenraum wird durch Schlitzfenster im Westen der Seitenschiffe, im Norden durch ein romanisches Rundbogenfenster aus Lungstein im westlichen Joch und zwei Fenster mit geradem Sturz in den anderen Jochen (eines aus verschiedenen Gewändeteilen) sowie durch ein romanisches Rundbogenfenster aus Lungstein im westlichen SüdjochUnruh: Die dreischiffige spätgotische Kirche in Münster. 1989, S. 67. und durch drei asymmetrische Spitzbogenfenster mit Maßwerk in den anderen beiden Südjochen belichtet.Walbe: Die Kunstdenkmäler des Kreises Gießen. 1933, S. 302 f.
Ausstattung mini|hochkant|links|Sakramentsnische mini|hochkant|Blick in den Hauptchor mini|hochkant|Spätgotisches Kruzifix (Torso)