Die Mitra () ist im archaischen Griechenland ein dem Schutz des Unterleibes dienendes Teil der Rüstung.Homer, Ilias 4,137; 4,187; 4,216; 5,857 In der minoischen Archäologie wird die Mitra mit insbesondere auf Kreta gefundenen halbkreisförmigen Bronzeblechen der früharchaischen Zeit assoziiert. Das entsprechende Rüstungsteil der Salier, der römischen Waffentanzpriester, wurde auch mitra genannt.Dionysios von Halikarnassos, Antiquitates Romanae 2,70; Plutarch, Numa 13,4

Als ikonographisches Element von Götterbildern ist die mitra das nach genauen Regeln geschlungene Haar- oder Kopfband bestimmter orientalischer oder mit dem Osten assoziierter Götter, besonders des Dionysos, was sich in dem Beinamen mitrēphóros () ausdrückte.Diodor, Bibliotheca historica 4,4,4; Athenaios, Deipnosophistae 2,198d; Properz, Elegiae 4,2,31 Als königliches Attribut war die Mitra kennzeichnend für die kyprischen Könige,Herodot, Historien 7,195 im Hellenismus war die goldverzierte mitra gleichbedeutend mit der Königsbinde (diadema).

Als priesterliches Attribut wurde die mitra von den Tänzern der Kybele und von den Priestern des Herakles auf Kos getragen,Plutarch, quaestiones Graecae 304c ferner von jüdischen Hohenpriestern und schließlich auch von hohen christlichen Priestern (siehe Mitra).

Im profanen Bereich war in der griechischen und römischen Antike mitra allgemein ein langes (Kopf-)Tuch, speziell das von den Lydern übernommene, von jungen Frauen getragene Kopfband,Alkman 1,32; Sappho 98a.b Diehl; Plinius, Naturalis historia 35,58 auch wird das Brustband (Fascia pectoralis) als mitra bezeichnet. Die Siegerbinde der Athleten und der Rennfahrer wird gelegentlich ebenfalls mitra genannt.Pindar, Olympia 9,82–84; Isthmia 5,62 und Anthologia Palatina 15,44

Schließlich wurde jedes zu einer Mütze oder einer Art Turban geschlungene lange Tuch, das von Orientalen getragen wurde, als mitra bezeichnet, weshalb im Lateinischen mitra die Bedeutung „Turban“ hat. Von Männern getragen, galt sie als Kennzeichen von Verweichlichung und Stutzertum. In der verwaschenen Bedeutung einer orientalischen Kopfbedeckung schlechthin wird dann zwischen mitra und der ebenfalls orientalischen tiara nicht genau unterschieden. In der Moderne hat dann Mitra die spezielle Bedeutung der bischöflichen Kopfbedeckung erhalten, Tiara bezeichnet die Papstkrone und das Diadem ist ein wertvoller (profaner) Kopfschmuck und wird zum Braut- oder Ballkleid getragen.

Literatur

Hugo Brandenburg: Studien zur Mitra. In: Beiträge zur Waffen- und Trachtgeschichte der Antike. Aschendorff, Münster 1966.

Ingrid Loschek: Reclams Mode- und Kostümlexikon. 5. Auflage. Reclam, Stuttgart 2005, ISBN 3-15-010577-3, S. 373.

Einzelnachweise

Kategorie:Kostümkunde des Altertums Kategorie:Kopfbedeckung Kategorie:Rüstung