mini|Gräberrund B Gräberrund B, Grabzirkel B oder Gräberkreis B () bezeichnet einen Friedhof aus der Bronzezeit in Mykene. Er war etwa von 1650 bis 1550 v. Chr. in Verwendung und wurde schließlich zugunsten von Gräberrund A als Begräbnisort der Oberschicht aufgegeben.

Beschreibung mini|Plan von Gräberrund B Das Gräberrund B liegt etwa 120 m westlich der Mauern der Oberstadt von Mykene. Vermutlich verlief die Hauptstraße zum Löwentor nördlich vorbei. Das Gräberrund B hat einen Durchmesser von 28 m und war von einer 1,55 m dicken und 1,20 m hohen kreisförmigen Mauer aus Feldsteinen umgeben. Innerhalb des Friedhofs fand man insgesamt 26 Gräber, die in der Reihenfolge ihrer Entdeckung mit griechischen Buchstaben bezeichnet wurden. Es gab 14 Schachtgräber, zwölf einfache Erdbestattungen und Steinkistengräber, in denen insgesamt 38 Skelette gefunden wurden. Über den meisten Gräbern wurden Steinhaufen aufgeschichtet. Nur über vier Schachtgräbern wurden bis zu 2 m hohe Grabstelen errichtet. Auf zwei Grabstelen war eine Jagdszene eingemeißelt.

Von der Umfassungsmauer ist im Norden ein 18 m langes Teilstück erhalten. Über Grab Ρ (Rho) wurde ein Schutzdach aus Beton errichtet.

Geschichte Die Begräbnisse lassen sich in drei Phasen einteilen. Die letzte und längste Phase, die zwei Generationen umfasst, wird nochmals unterteilt:

Phase: Zeitraum Periode Frühe Phase: ca. 1650–1625 v. Chr. Mittelhelladikum III A-B Späte Phase I: ca. 1625–1600 v. Chr. Mittelhelladikum III B Späte Phase II A: ca. 1600–1575 v. Chr. Übergang vom Mittelhelladikum III B zum Späthelladikum I A Späte Phase II B: ca. 1575–1550 v. Chr. Späthelladikum I B Die ersten Gräber sind sehr klein und nur flach in den Fels oder Boden gegraben. Außerdem verfügen sie über wenige einfache Beigaben wie Tongefäße. Die Gräber wurden bis zum Ende der Frühen Phase allmählich größer und die Beigaben reicher. Während der Späten Phase I treten die ersten größeren Schachtgräber auf (zum Beispiel Grab Beta). Die letzten Begräbnisse sind zeitgleich mit den ersten Begräbnissen von Gräberrund A. Mitte des 15. Jahrhunderts v. Chr. wurde das Grab Rho umgebaut, mit einem Dromos versehen und für eine erneute Beisetzung verwendet.

Die Gräber Grab Α (Alpha) Grab Alpha war das erste Grab, das man entdeckte. Über ihm stand ein mit Jagdszenen verzierter Grabstein. Es ist das drittgrößte Schachtgräber innerhalb von Gräberrund B und ist das einzige große Grab, das westöstlich ausgerichtet ist. Zunächst wurde eine Frau und kurze Zeit später ein Mann beigesetzt. Als Beigaben fand man zwei silberne, zwei bronzene Vasen und eine aus Fayence. Eine Tasse aus Fayence ist mittelminoischen Exemplaren (MM III B) aus Knossos ähnlich. An Waffen fand man eine Speerspitze, drei Typ-A-Schwerter, eine zungenförmige Klinge, drei Messer und Eberzahnplatten eines Eberzahnhelms. Grab Alpha ist zeitgleich mit der späten Beisetzung in Grab VI des Gräberrunds A.

Bei der Anlage des Grabes Alpha wurden zwei frühere, kleinere mittelhelladische Kistengräber teilweise zerstört. Sie werden als Grab Alpha1 und Grab Alpha2 bezeichnet. Grab Alpha1 enthielt einen Leichnam, dessen Kopf beim Bau des Grabes Alpha verloren ging. Grab Alpha2 enthielt keinen Körper. Man fand jedoch ein Skelett zwischen Grab Alpha und Grab Delta, das vermutlich ursprünglich aus diesem Grab stammte.

Grab Β (Beta) Grab Beta ist das früheste größere Schachtgrab und datiert in die Späte Phase I. Es wurde in den Fels geschlagen und hatte Ziegelmauern an den kurzen Seiten und in allen vier Ecken Pfostenlöcher. Ein großer Mann von etwa 1,80 m war auf Rücken liegend beigesetzt. Fünf Vasen standen am Kopfende, zwei zu seinen Füßen und ein Dolch lag zu seiner Rechten. Der Tote trug ein Armband und ein Schulterband aus Elektron. Eine Vase ist im mattbemalten Stil, eine andere mit floralen Mustern stammt aus Phylakopi oder ahmt den Stil nach.

mini|Totenmaske aus Elektron aus Grab Gamma Grab Γ (Gamma) Grab Gamma ist das zweitgrößte Schachtgrab und liegt etwa in der Mitte des Gräberrundes B. Die lange Seiten waren mit Steinen gemauert, während die kurzen Seiten aus Lehmziegeln bestanden. Auf dem Grab waren zwei Stelen aufgestellt – eine unverziert und eine verziert. Nachdem das Grab in der Antike eingestürzt war, wurde die unverzierte Stele später wieder aufgerichtet, wobei die verzierte Stele als Stütze für jene diente. Grab Gamma ist das einzige Grab, in dem vier Menschen bestattet wurden. Die erste Bestattung fand zur Späten Phase I und die letzte zur Späten Phase II A statt. Zunächst wurde ein Mann mit dem Kopf nach Norden begraben. Danach wurde eine Frau, die nur wenige Grabbeigaben erhielt, ebenfalls mit dem Kopf nach Norden begraben. Sie wurde etwa 35 Jahre, litt an Arthritis am Rücken und an den Händen und hatte einen gebrochenen Arm, der jedoch wieder gut verheilt war. Zu ihren Füßen wurde ein junger Mann mit dem Kopf nach Osten beigesetzt. Als letztes wurde ein weiterer junger Mann mit dem Kopf nach Norden begraben. Hierfür wurden die Überreste der ersten beiden Bestattungen an der Ostmauer zusammengeschoben. Der Tote wurde etwa 28 Jahre alt und an seinem Schädel fand man Spuren einer Trepanation. Kurze Zeit nach diesem Eingriff verstarb der Mann. Unter den Beigaben dieses letzten Leichnams befand sich eine Maske aus Elektron, die in einer Holzkiste lag.

Grab Δ (Delta) Schachtgrab Delta wurde etwa 2 m tief in den Fels gehauen. Zur Späten Phase I wurde ein Mann beigesetzt. Eine zweite männliche Nachbestattung erfolgte zur Späten Phase II B, während die Überreste der ersten in die nordöstliche Ecke geschoben wurden. An Grabbeigaben wurden ein Bronzeschwert mit goldenem Griff, ein Bronzemesser, ein Bronzedolch, ein weiteres Schwert, Pfeilspitzen aus Feuerstein und eine Amphore gefunden. Kurze Zeit später wurde eine Frau bestattet, wobei die Beigaben der vorherigen Beisetzung an die West- und Ostwand geschoben wurden.

Grab Ε (Epsilon) Im Schachtgrab Epsilon war eine Frau in Hockerposition beigesetzt. Die reichen Beigaben umfassten goldene Ornamente, Kopfschmuck und Sterne, vier bronzene Vasen, ein bronzenes Becken, einen Krater und zwei Krüge. Anhand der aufgefundenen Keramik – mehrere unbemalte und mattbemalte Krüge – lässt sich die Beisetzung in die Späte Phase II datieren. Man fand in dem Grab einen Zahn und in der Verfüllung des Grabes Tongefäße, die anscheinend zu einer früheren Beisetzung in Grab Epsilon gehörten. Diese fand während der Späten Phase I statt, wie die Grauminysche Keramik zeigt. Über dem Grab fand man einen grauminyschen Kelch, der die Knochen eines kleinen Vogels enthielt und während der Begräbniszeremonie hier abgestellt wurde.

Gräber Ζ (Zeta),Η (Eta) und Θ (Theta) Die Steinkistengräber Zeta, Eta und Theta, die alle aus der Frühen Phase stammen, waren sehr klein und nur etwa einen halben Meter tief. Da sie alle im nördlichen Teil des Gräberrundes B liegen, werden sie auch als Frühe Nördliche Gruppe zusammengefasst. Grab Zeta ist im Westen mit einer früheren Eintiefung in den Fels verbunden und wurde deshalb mit einer Lehmziegelmauer davon abgetrennt. In allen vier Ecken gab es Löcher für Pfosten, die vermutlich die Dachkonstruktion trugen. In diesem Grab war ein über 1,80 m großer Mann in Hockerposition mit dem Kopf nach Osten beigesetzt. Als Beigaben fand man ein Bronzeschwert und Keramik im frühen Kykladischen Stil.

In Grab Eta war ein Mann in der Hockerposition mit dem Kopf nach Nordwesten abgelegt. Ihm waren ein zungenförmiger Dolch und fünf Vasen mitgegeben worden. Auch in Grab Theta war ein Mann begraben. Das Grab war zwar teilweise beim Bau einer modernen Wasserleitung zerstört worden, man konnte jedoch noch ein einschneidiges Messer und mehrere Tonvasen als Beigaben identifizieren.

Grab Ι (Iota) Schachtgrab Iota war fast 3 m tief in den Fels gegraben. Man fand dort zwei männliche Skelette: eines aus der Frühen Phase und eines aus der Späten Phase I. Die Überreste des ersten Begräbnisses mit seinen wenigen Beigaben, darunter jedoch ein silberner Vaphio-Becher mit goldenem Rand, wurde zur Seite geschoben und der zweite Tote in der Mitte des Grabes beigesetzt. Unter seinen Opfergaben waren ein Schwert, eine zungenförmige Klinge, eine Pinzette, zwei dreieckige Goldbänder, elf Vasen und vier große Vorratskrüge.

Grab Κ (Kappa) Das südlichste Grab ist das Schachtgrab Kappa, in dem nur ein Leichnam begraben wurde. Aus dem Fehlen von Waffen schließt man, dass es sich um das Grab einer Frau handelte. Das Begräbnis aus der Späten Phase II B enthielt nur vier Vasen als Beigaben, wovon zwei im Bichromen Stil bemalt waren.

Grab Λ (Lambda) Schachtgrab Lambda war etwa 2,40 m tief in den Fels gearbeitet. Man fand dort zwei männliche Skelette: eines aus der Späten Phase I und eines aus der Späten Phase II A. Die Überreste des ersten Begräbnisses mit seinen Beigaben, darunter zwei Obsidian-Pfeilspitzen, vier Goldbänder und ein Goldstreifen, wurde wie in Grab Iota zur Seite geschoben, um für das zweite Begräbnis Platz zu schaffen. Der zweite Tote war etwa 1,80 m groß. Seine Opfergaben, die an der Westwand lagen, waren ein Schwert, eine Speerspitze, ein Dolch, zwei Messer und Pfeilspitzen aus Obsidian und Feuerstein.

Gräber Λ1 (Lambda1), Λ2 (Lambda2), Σ (Sigma), Τ (Tau) und Φ (Phi) Die Gräber Lambda1, Lambda2, Sigma, Tau und Phi gehören zu den frühesten Gräbern in Gräberrund B und werden als Frühe Südliche Gruppe zusammengefasst. Die Gräber Lambda1, Lambda2, Tau und Phi wurden beim Bau des Grabes Lambda teilweise zerstört. Ioannis Papadimitriou interpretierte die Mauern im Süden von Gräberrund B als frühe Einfassung der Frühen Südlichen Gruppe. Heute geht man jedoch davon aus, dass es sich um die Grundmauern von Wohnhäusern handelt.

Grab Lambda1 war ein kleines Kistengrab, in dem ein Leichnam zur Frühen Phase begraben wurde. Man fand nur zwei Keramikgefäße als Beigaben. George E. Mylonas vermutete, dass das zweite Skelett in Grab Lambda durch dieses Grab von Grabräubern seiner Beigaben beraubt wurde. Grab Lambda2 war ebenfalls ein Kistengrab. In diesem waren während der Späten Phase I ein Erwachsener und ein Junge begraben worden. Im Steinkistengrab Sigma fand man nur den Skelett eines etwa 1,75 m großen Mannes. Er wurde etwa 50 Jahre alt und hatte zahlreiche Verletzungen, die wieder verheilt waren: mehrere Kopfverletzungen, gebrochene Rippen und ein deformiertes Schulterblatt. Er wurde von den Wissenschaftlern Pelops getauft. Grab Tau ist ein 1,70 m tiefes Schachtgrab mit Lehmziegelmauern ohne Spuren eines Begräbnisses. Es wurde wahrscheinlich beim Bau von Grab Lambda geleert. Das Kistengrab Phi aus der Späten Phase I enthielt ein durch den Bau des Grabes Lambda gestörtes Begräbnis.

Grab Μ (My) Schachtgrab My ist 1,20 m tief in den Fels eingegraben. In diesem waren zwei Kinder, vermutlich Mädchen, begraben. Die Grabbeigaben des ersten waren zusammen mit dem Skelett im Nordwesteck aufgeschichtet. Man fand 14 Vasen aus dem späten Mittelhelladikums, hierunter grauminysche Keramik und zwei minoische Askoi (Spätminoisch I A). Das später beigesetzte Skelett in der Mitte des Grabes trug eine Halskette aus Halbedelsteinen mit einem Siegelstein. Es datiert in die Späte Phase II A.

Grab Ν (Ny) Schachtgrab Ny ist das nördlichste Grab innerhalb Gräberrund B. Auf dem Grab stand eine unverzierte Grabstele. Das frühere der beiden männlichen Skelette wurde während der Späten Phase I beigesetzt und später zur westlichen Wand geschoben. Es war zeitgleich mit dem Begräbnis in Grab II und dem ersten in Grab VI des Gräberrundes A. Die reichen Beigaben bestanden in einem Bronzekrug, einem goldenen Vapheiobecher, drei goldenen Diademen, goldenen Knöpfen, Eberzähnen von einem Helm, einer kretischen Pyxis aus Alabaster, drei Bronzeschwertern, einer Speerspitze, zwei Dolchen und einem Messer. Zwei Tongefäße und eine Marmorpyxis stammen von den Kykladen. Das zweite Begräbnis aus der Späten Phase II B war zeitgleich mit dem sogenannten Agamemnon aus Grab V des Gräberrundes A.