Das St.-Klara-Kloster war ein in der Speyrer Vorstadt Altspeyer gelegenes Klarissenkloster, das 1222 oder zwischen 1299 und 1310 von Klarissen aus Oggersheim gegründet wurde und bis 1799 bestand.
Geschichte Aufstieg des Klosters Aus einem heute unbekannten Grund siedelten im Jahr 1299 Klarissen mit ihrer Äbtissin Elisabetha von Oggersheim nach Speyer über und erhielten trotz der vielen bereits bestehenden Klöster von der Bürgerschaft am Vorabend von St. Matthias (24. Februar) die Einladung dauerhaft zu bleiben. Nahe der Martinskirche in Altspeyer kauften sie 1310 einen Hof und gründeten dort ein Kloster. Im Widerspruch dazu nennt Hans Ammerich 1222 als Gründungsjahr des Klosters. Sie erhielten bereits früh Schenkungen, so hatten sie 1301 Besitzungen bei Barbelroth und erhielten von verschiedenen Frauen, darunter auch Beguinen und Adlige, sogenannte Gefälle in Form von Geld, Land oder Naturalien, damit die Klarissen für diese jährlich an deren Todestag beteten. 1510 gelang es der Äbtissin Barbara von Helmstädt, das Kloster mit einem Tausch um einen angrenzenden Garten und ein Haus zu erweitern.
Die Folgen der Reformation Die erste große Gefahr für den aus 19 Nonnen bestehenden Konvent mit seiner Äbtissin Barbara von Helmstädt war die durch Martin Luthers Lehren angefachte Unruhe in der Stadt. Die in Speyer wegen ihrer Vorrechte unbeliebte Geistlichkeit wurde dabei am Montag nach dem Weißen Sonntag 1525 von bewaffneten Bürgern zu 8 Zugeständnissen gedrängt. Durch diese verlor das Kloster diverse Gefälle. Einige Wochen später wurden sämtliche Besitztümer der Klöster von einem Notar und einem Mitglied des Rates schriftlich aufgezeichnet. Am 18. Mai erhielt das Kloster St. Klara Besuch von diesen Herren, die das gesamte Eigentum notierten, dessen Wert schätzten und anschließend alles, was nicht für den Alltag notwendig war, wegschlossen und versiegelten. Die Rettung für die Klöster war der Sieg des Kurfürsten Ludwig von der Pfalz über die Aufständischen bei Pfeddersheim. Der Rat wurde für seine Übergriffe begnadigt, musste aber im Gegenzug den Klöstern sämtliches Eigentum zurückgeben.
Die nächste namentlich bekannte Äbtissin hieß Apollina Fröhlich. Sie veranlasste einen Neubau des mittlerweile baufälligen Klosters. Dafür erbat sie 1547 bei Bischof Philipp von Flersheim eine Zollbefreiung für das bei Gernsbach gefällte Holz, die der Bischof auch gewährte. Doch 1552 wurde das Kloster wie viele andere Speyrer Klöster durch Albrecht von Brandenburg verwüstet, der während des Religionskriegs mainabwärts und rheinaufwärts zog und dabei die Klöster plünderte. Der zuvor geschlossene Passauer Vertrag war wirkungslos gewesen.
1572 überließ die Äbtissin Agatha Wallei Bischof Marquard von Hattstein einen Garten. Im Gegenzug erhielt das Kloster die Pfründe des St.-Katharinen-Altars bei Rheinhausen mit den zugehörigen Gefällen und Gütern.
Sittenverfall und drohende Ausgliederung aus dem Orden Nach Agatha Walleis Tod im April 1575 wurde auf Drängen des Überlinger Franziskanerprovinzials Jakob Schüßler Anna Möllinger Äbtissin des Konvents. Unter ihrer Führung und dem Einfluss der trinkfreudigen Ordensbrüder des Speyrer Franziskanerklosters, die den Gottesdienst in St. Klara hielten, verfielen die Sitten zunehmend. So zeigten sich die Franziskaner in weltlicher Kleidung statt in Ordenstracht bei den Schwestern und missachteten einige Regeln des Ordens, was schließlich auf die Frauen abfärbte. Diese begannen Beziehungen zu Männern außerhalb des Klosters zu knüpfen. Dies war dem Stadtrat überaus willkommen und gab Anlass zu großem Spott gegenüber der Geistlichkeit. Der Bischof suchte gegenzusteuern, seine Handlungsmöglichkeiten waren jedoch beschränkt, da ihm die Ordensschwestern nicht unterstanden. So wandte er sich an den Papst, auf dessen Befehl Zucht und Ordnung zurückkehren sollten.
Darüber hinaus sorgte der zuständige Provinzial dafür, dass diesem Treiben ein Ende gesetzt werden sollte, indem er Schwestern in andere Klöster schickte und Anna Frick aus Rankweil als neue Äbtissin einsetzte. Zeitgleich erreichte der Bischof, dass Papst Gregor XIII. mit einer Bulle die Auflösung des Klosters und die Ausgliederung der Schwestern aus dem Orden androhte und die Unterstellung unter die Aufsicht des Bischofs festlegte. Dieser konnte nun die Regeln des Klosters an die Situation anpassen und die Ordensangehörigen bei Verstößen bestrafen. Der Franziskanerprovinzial redete den Schwestern ins Gewissen, ebenso wie es der Bischof mit der Äbtissin tat. So fand ein Ausschluss aus dem Orden nicht statt.
Doch auch die nächste Äbtissin Ursula Schwarz hielt sich nicht an die Regeln und floh mit dem Franziskaner August Hassen auf die reichen klösterlichen Güter in Lambsheim, wo sie durch den Kurfürsten geschützt waren. Dabei nahm sie auch wertvolle Briefe und das Siegel an sich. Die Mitnahme weiterer Objekte wurde durch Schwester Magaretha und den kaiserlichen Fiskalrat Hoffer verhindert. Neben dem Diebstahl stellte sie mit Unterstützung des Stadtrates Unterhaltsforderungen an das Kloster. Infolge der Vorfälle versuchten die Ordensvorsteher zunehmend die Ordnung durch Umsiedlung von Schwestern zu verbessern, was am Ende gelang.
Schicksalsschläge und Lichtblicke Am Ende des 16. Jahrhunderts wurde Maria Anna Beck aus Überlingen Äbtissin des Klosters. Als am 12. August 1596 die Nonnen um Mitternacht die Kirche verließen, sahen sie, dass ein dem Kloster gegenüberstehendes Gebäude in Flammen stand. Um das Kloster zu schützen, riefen sie um Hilfe und begannen selbst damit, das Gebäude zu löschen. Über zwei Stunden später wurden endlich die Stadttore geöffnet, sodass die Bewohner der Stadt den Nonnen helfen konnten. Nach der Löschung des Feuers stellte sich heraus, dass dieses durch die Nachlässigkeit des Hofmannes Hanns Bock entstanden war, sodass er für einen Teil des Schadens aufkommen musste. Die Reparatur erfolgte in den Jahren 1597 und 1598. Die Äbtissin wurde am 1. September 1603 ihres Amtes enthoben und starb am 14. August 1616.
Nachfolgerin wurde Maria Barbara Gauvin, die den damals aus acht Schwestern bestehenden Konvent bereits zuvor geleitet hatte. Durch geschicktes Haushalten, die Nutzung einiger Vermächtnisse und die Verwendung des eigenen mütterlichen Erbteils gelang es ihr 1605, genügend Geld für die Ausführung das dringend erforderlichen Neubaus zu beschaffen. Allerdings mussten die Nonnen 1608 einen weiteren Schicksalsschlag verkraften, als infolge des kalten Winters die Traubenstöcke erfroren und so über mehrere Jahre diese Einnahmequelle wegbrach. Am 23. Juli 1609 erhielten sie Besuch vom Ordensgeneral Wilhelm Hugo von Avignon, der von 2 italienischen Klarissen begleitet wurde. Während in Speyer 1611 eine Seuche wütete, zog sich der Franziskanerguardian Johann Knerr, der auch Beichtvater der Nonnen war, in die Schaffnerei des Klosters zurück. Der Äbtissin Maria Barbara Gauvin ging es damals nicht gut, weshalb sie den Ordensbevollmächtigten Johann Pilckfingio bei dessen Besuch am 7. Januar 1613 um die Amtsenthebung und die Erlaubnis bat, in das Kloster Valduna bei Rankweil, in dem sie in den Orden eingetreten war, zurückkehren zu dürfen. Diese Bitte wurde ihr gewährt.
Der Dreißigjährige Krieg Während des Dreißigjährigen Kriegs war Agnes von Rodenstein, die mit 16 Jahren am 25. April 1606 in den Orden eingetreten war, Äbtissin in St. Klara. Als 1621 der Graf Ernst von Mansfeld viele Dörfer in der Umgebung verwüstete und auf Speyer vorrückte, versteckte sie sich am Abend von St. Katharina (25. November) mit ihren Schwestern in Bauernkleidern im Haus des Doktors Brackenhoffer in Speyer. Als Folge des Krieges blieben viele Felder unbestellt, sodass das Kloster nach dem Krieg wirtschaftliche Probleme hatte. Trotz der Widrigkeiten war sie aber ihren Schwestern ein gutes Vorbild. Sie starb am 7. Mai 1643 im Alter von 51 Jahren, nachdem sie das Kloster 20 Jahre geleitet hatte.
Nachfolgerin wurde Maria Eva Diemeyer. Um den täglichen Unterhalt des Klosters, dessen Felder noch immer brach lagen, bestreiten zu können, verkaufte sie sogar Kirchenschmuck. Nach einer Seuche, die im Jahr 1646 die Viehbestände des Klosters dezimierte, trat sie freiwillig zurück. 1650 wurde Maria Veronika Knaup aus Augsburg Äbtissin des Klosters. Obwohl der Krieg vorbei war, musste auch sie Wertgegenstände veräußern, da die wirtschaftliche Situation sich noch immer nicht stabilisiert hatte und die vernachlässigten oder zerstörten Gebäude in Stand gesetzt werden mussten. Die Neuweihe der Altäre erfolgte am 30. März 1655 durch den Weihbischof Gangolf, der zugleich Dechant des Stiftes St. German war. Dabei wurde der Hochaltar dem hl. Franziskus, der Nebenaltar der hl. Klara und ein weiterer Altar dem hl. Antonius geweiht. Sie gab ihr Amt am 25. Januar 1663 ab und starb am 1. September 1673.
Der Pfälzische Erbfolgekrieg Nachfolgerin von Knaup wurde die 27-jährige Maria Seraphinia Brach aus Osnabrück, die die Ausbesserung des Klosters fortsetzte.
Im Herbst 1688, als die Arbeiten beendet waren, drohte dem Kloster erneut Gefahr, als im Zuge des Pfälzischen Erbfolgekrieges die Truppen von Ludwig XIV. in Speyer einmarschierten. Für die Bewohner Speyers bedeutete dies, dass nun französische Soldaten in der Stadt einquartiert wurden, was besonders im Winter eine große Last darstellte. Die Nonnen befürchteten zudem eine Plünderung des Klosters, da sie mehrfach bei Nacht Soldaten in der Nähe des Klosters beobachtet hatten. Aus diesem Grund gingen sie zu General Montclar, der ihnen riet ihren Besitz in die Stadt zu bringen und sich selbst ein Haus in der Stadt zu mieten. Es waren zu dieser Zeit 17 Chorschwestern und 8 Laienschwestern, zwei davon aus dem bereits 1685 aufgelösten Kloster an der Martinskirche. Als die Räumung der Stadt befohlen wurde, traten die Nonnen, wie viele andere Bewohner Speyers, vor den französischen Befehlshaber und baten um Gnade für die Stadt, die jedoch nicht gewährt wurde. So packten sie alles zusammen und brachten es , da sie nicht wussten, wie sie alles wegbringen sollten. Transporthilfe erhielten sie schließlich am 24. Mai durch den Vizedom von Egersberg, den Schwager der Chorschwester Katherina, der eine 4-spännige Kutsche schickte. Dadurch konnten am 25. Mai die wichtigsten Objekte und einige Nonnen nach Weissenburg gebracht werden. Weitere 11 Schwestern folgten am 28. Mai. Die letzten 5 Schwestern mit der Priorin kamen am 31. Mai, dem Tag, an dem Speyer in Brand gesetzt wurde, in Weissenburg an.
Um die Schwestern versorgen zu können, fragte die Äbtissin den im Kloster Paradies lebenden Provinzial Severin Fleischmann um Rat, der die 10 zu ihm geschickten Schwestern auf andere Klöster verteilte. So kamen auch zwei Schwestern ins Kloster Valduna. Währenddessen reiste die Äbtissin mit der Priorin und den Schwestern Katharina und Severina nach Speyer, um ihr Kloster, das vom Feuer verschont worden war und nun von Soldaten bewohnt wurde, zu retten. Zuerst baten sie General Montclar, das Kloster zu verschonen, worauf er angab, dass er den Befehl habe, auch das Kloster zu zerstören; sie sollten sich mit ihrer Bitte an den Befehlshaber Duras wenden. Die Nonnen gingen nach Frankenthal und erhielten von Duras die Erlaubnis, im Kloster zu wohnen, und seine Zusage, er werde sich für das Kloster einsetzen. Da die Gebäude mit Soldaten belegt waren, mussten sie im Chor schlafen und wurden von Montclar versorgt. Währenddessen reiste die Äbtissin nach Weissenburg und schickte Schwester Wilhelmina nach Speyer.