Und ein stolzer Hahn dazu ist der deutsche Titel des stummen amerikanischen Two-Reelers Pass the Gravy (deutsch vielleicht “Reich mal die Soße rüber”), den Fred Guiol nach einem Drehbuch von Hal Roach und Leo McCarey 1928 in den Hal Roach Studios mit dem damals populären jüdischen Darsteller Max Davidson in der Hauptrolle realisierte. Und ein stolzer Hahn dazu gilt allgemein als die gelungenste der meist überdurchschnittlichen Max-Davidson-Komödien.

Der deutsche Titel lehnt sich an ein Zitat aus einer Bildergeschichte von Wilhelm Busch an, den Ersten Streich von „Max und Moritz“, in dem es um das Geflügel der Witwe Bolte geht: „Ihrer Hühner waren drei / Und ein stolzer Hahn dabei.“nachzulesen bei germanstories; merkwürdig ist, dass das Zitat nur im Programmheft des Stadtmuseums München (2014, Heft 26, S. 23) richtig wiedergegeben wird, alle anderen Quellen schreiben „Und ein stolzer Hahn dazu.“ (was sich auf drei nicht reimen würde).

Handlung Die Hühner, die Nachbar Schultz züchtet, sind ständiger Anlass zum Streit mit Max Davidson, da sie in dessen Garten die Saaten aufpicken. Als sich jedoch die Kinder der beiden verloben, scheint das Kriegsbeil begraben, und Max lädt zu einem Abendessen ein. Er gibt seinem Sohn Ignatz Geld, mit dem er ein Huhn kaufen soll, doch der behält es und schlachtet stattdessen den preisgekrönten Hahn des Nachbarn. Bei Tisch merkt nur Schultz nicht, was es da zu essen geben soll. Alle bemühen sich verzweifelt, die schlechte Nachricht vor Schultz zu verbergen, der Max gewiss den Hals umdrehen würde, erführe er denn die Wahrheit.

Hintergrund Der Film entstand in den Hal Roach Studios, 8822 Washington Blvd., Culver City, California, USA. Produzent war Hal Roach. An der Kamera stand George Stevens, den Schnitt besorgte Richard C. Currier. Premiere in Amerika war am 7. Januar 1928.

“The finest surviving Davidson comedy is PASS THE GRAVY, a meticulous exploitation of a single situation as only the Roach filmmakers could achieve. It went before the cameras as D-6 the last two weeks of October, 1927.” (R. W. Bann)

Pass the Gravy (1928) besteht zum größten Teil aus einer Szene am Esstisch, bei der die Davidson-Familie sich verzweifelte Ablenkungsmanöver einfallen lassen muss, damit ihr Gast nicht bemerkt, dass er gerade seinen wertvollen preisgekrönten Hahn verspeist.vgl. Max Davidson

Rezeption

William K. Everson macht geltend, dass die Komödien Davidsons denen von Laurel und Hardy an Qualität ebenbürtig gewesen seien, jedoch aufgrund von Einwänden, die amerikanische Juden Ende der 1930er Jahre gegen sie vorbrachten, übergangen und letztlich vergessen worden seien.so bei Erens S. 92–93.

Und ein stolzer Hahn dazu wurde 1998 ins National Film Registry der Library of Congress aufgenommen.

Der Film wurde zusammen mit anderen Kurzfilmkomödien von Max Davidson von der edition filmmuseum auf DVD veröffentlicht.vgl. edition-filmmuseum.com; die Doppel-CD enthält die Filme Why Girls Say No (Leo McCarey 1927, 3'), Jewish Prudence (Leo McCarey 1927, 21'), Don’t Tell Everything (Leo McCarey 1927, 23'), Should Second Husbands Come First? (Leo McCarey 1927, 21'), Flaming Fathers (Leo McCarey 1927, 25'), Hurdy Gurdy (Hal Roach 1929, 10'), Call of the Cuckoo (Clyde Bruckman 1927, 19'), Love ’Em and Feed ’Em (Clyde Bruckmann 1927, 9'), Pass the Gravy (Fred Guiol 1928, 25'), Dumb Daddies (Hal Yates 1928, 15'), Came the Dawn (Arch Heath 1928, 17'), The Boy Friend (Fred Guiol 1928, 20') und The Itching Hour (Lewis R. Foster 1931, 19'). Die Filme haben englische und deutsche Zwischentitel. Er lief auch bei den Internationalen Stummfilmtagen 2011 beim 27. Bonner Sommerkinovgl. (Programm S. 9–10) mit Klavierbegleitung durch Neil Brand.

Der Kultursender Arte strahlte den Film zusammen mit zwei anderen Max-Davidson-Komödien am Montag, den 26. Dezember 2011 um 0.40 Uhr im deutschen Fernsehen in einer vom Filmmuseum München umfassend restaurierten Fassung aus.vgl. arte.tv

Literatur Richard W. Bann: Max Davidson – Blow by blow. online bei laurel-and-hardy.com (englisch) Patricia Erens: The Jew in American Cinema. A Midland book Jewish literature and culture. Band 493. Indiana University Press, 1988, ISBN 978-0-253-20493-6, S. 33, 42, 81, 92–95, 132. (englisch) William K. Everson: The films of Hal Roach. New York: Museum of Modern Art 1971, ISBN 978-0-87070-559-5. Walter Gasperi: Mack Sennett und die amerikanische Stummfilmkomödie, 3. Dezember 2012 bei artCore Wolfram Knorr: Der Slapstick-Zausel, in: Die Weltwoche, Ausgabe 24/2011, online unter weltwoche.ch Eleonore Lappin: Juden und Film / Jews and Film. Vienna, Prague, Hollywood [Taschenbuch]. Wien, Mandelbaum Verlag 2004, ISBN 978-3-85476-127-3. Dietmar Pertsch: Jüdische Lebenswelten in Spielfilmen und Fernsehspielen. Filme zur Geschichte der Juden von ihren Anfängen bis zur Emanzipation 1871 (= Medien in Forschung und Unterricht. Serie A. Band 35). Berlin: Walter De Gruyter 1992, ISBN 978-3-11-095212-4. Irene Stratenwerth, Hermann Simon (Hrsg.): Pioniere in Celluloid. Juden in der frühen Filmwelt. Berlin: Henschel 2004, ISBN 3-89487-471-6. Irene Stratenwerth: Pioniere in Celluloid – Juden in der frühen Filmwelt. Sonderausstellung der Stiftung „Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum“, bei hagalil.com, 19. Februar 2004 Pass the Gravy bei Silent beauties, 4. Juni 2012 Ivan G. Shreve Jr.: Max Davidson bei thrillingdaysofyesterday Kenneth Turan, Los Angeles Times: The Top 10 Jewish Films, 22. Februar 2010

Abbildungen Kinoplakat für Pass the Gravy Kinoplakat für Pass the Gravy Standphoto mit Max Davidson aus Pass the Gravy

Weblinks

Max Davidson Comedies bei arte.tv Max Davidson bei slapsticon Max Davidson bei stummfilm.at

Anmerkungen und Einzelnachweise

Kategorie:Filmtitel 1928 Kategorie:US-amerikanischer Film Kategorie:Schwarzweißfilm Kategorie:Stummfilm Kategorie:Kurzfilm Kategorie:Filmkomödie