mini|Josef Kriehuber: Georg von Toggenburg (1855) Georg Otto Aloys Udalricus Diethelm Ritter von Toggenburg (24. Januar 1810 in Rhäzüns, Kanton Graubünden; † 8. März 1888 in Bozen, Österreich-Ungarn) war ein österreichischer Geheimrat, Jurist und Politiker, Minister für Handel und öffentliche Arbeiten, Statthalter von Tirol und Vorarlberg sowie zweimal im Königreich Lombardo-Venetien.

Leben Herkunft mini|Schloss Sargans

mini|Palais Toggenburg in Bozen Georg Otto entstammte einem Graubündner Adelsgeschlecht, das eine illegitime Abkunft von den 1436 erloschenen Grafen von Toggenburg behauptet. Die Mutter war Josepha von Jost zu St. Görgen (* 4. November 1784; † 1. Dezember 1862). Sein Vater Johann Georg (* 8. Oktober 1765; † 6. Juni 1847 in Feldkirch) erhielt 1832 von König Louis-Philippe I. von Frankreich das Recht zur Führung des Titels Vicomte und kaufte 1834 das Schloss Sargans. Seither nannte er sich „Graf von Toggenburg-Sargans“. Der Zusatz Sargans bezog sich also auf einen Besitz und hatte nichts mit dem Adelsprädikat zu tun. Auf seiner Grabinschrift in Lefis steht: „Sergens, des französischen Reiches Graf, kaiserlich österreichischer Administrator zu Razuns, Präsident und Mitglied der Regierung in Graubünden“.Vorarlberger Landes-Zeitung. Nr. 9, Bregenz, 23. Jänner 1872, S. 1. Georg war ein Sohn besagten Georg Johann Vicomte de Toggenburg, führte allerdings nur den Rittertitel. Familie Georg Otto von Toggenburg heiratete am 1. Februar 1847 in erster Ehe Maria Adelheid Gräfin von Sarnthein (* 2. April 1822; † 17. August 1855), eine Tochter von Graf Maria Ludwig von Sarnthein (* 1792; † 8. Januar 1867), k. k. Kämmerer, Herr zu Rottenbuch, Kellerburg und Kränzelstein, ständischer Verordneter des Herren- und Ritterstandes in Tirol, und der Annette von Menz („Anna“; * 1796; † 1869).T. O. Weigel: Deutsche Grafen-Haeuser der Gegenwart. Band 2, Leipzig 1853, S. 346 f. Aus jener Ehe stammen: Ludwig (* 21. Juni 1853), Prediger-Ordens-Priester unter dem Namen Paul Maria (Profess seit 8. September 1872) Maria (* 15. Juli 1854; † 18. Dezember 1922) ⚭ 1880 Reichsgraf Peter Consolati von und zu Heiligenbrunn und Bauhof (* 29. Juni 1845; † 23. Juni 1905)Gothaisches genealogisches Taschenbuch der gräflichen Häuser, 1922, S. 213

Er heiratete in zweiter Ehe am 12. Februar 1858 in Bozen die Schwester seiner verstorbenen Ehefrau, die spätere Malteser-Ordensdame Maria Virginia Gräfin von Sarnthein (* 31. Mai 1833 in Bozen; † 7. Oktober 1905 ebenda) aus welcher Ehe die Söhne Friedrich (* 12. Juli 1866; † 1956) und Heinrich (* 10. Oktober 1871) und drei Töchter, Antonie (* 1. April 1862) (⚭ 1888 Lindor Görtz von Astein), Adelheid (* 31. Mai 1865) und Ida (Itha) (* 19. Oktober 1867; † 12. Mai 1915)Ihr Taufname diente zusätzlich zum Besitz an Schloss Sargans zur Unterstreichung der tradierten Abstammung von den mittelalterlichen Toggenburger Grafen, denn er ist der Heiligen Ida von Toggenburg nachempfunden, die die Ehefrau eines Toggenburgers war. Vgl. auch Franz Josef Waitzenegger, Itha, Gräfinn von Toggenburg: Eine sehr schöne und lehrreiche Geschichte, Augsburg 1816 (Digitalisat), entsprossen.geneall.net

Sein ältester Sohn aus der zweiten Ehe, Friedrich Graf von Toggenburg (1866–1956), war ebenfalls jahrelang Statthalter von Tirol und Vorarlberg. 1917/1918 wurde er k. u. k. Innenminister und betätigte sich nach dem Krieg noch in der Südtirolpolitik.Theodor Brückler: Thronfolger Franz Ferdinand als Denkmalpfleger. Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2009, S. 601.

Karriere Toggenburg absolvierte das Gymnasium in St. Gallen und in Feldkirch und studierte anschließend an der Universität Freiburg Philosophie und Jura.Andreas Gottsmann: Venetien, 1859–1866: Österreichische Verwaltung und nationale Opposition. (= Zentraleuropa-Studien. Band 8). Verlag der Österreichischen Akademie der Wissenschaften, Wien 2005, S. 25. Im September 1838 wurde er zum überzähligen unbesoldeter Kreiskommissär in Tirol befördert.Joseph Kudler, Moritz Fränzl (Hrsg.): Zeitschrift für österreichische Rechtsgelehrsamkeit und politische Gesetzkunde. 3. Band, Verlag J. P. Sollinger, Wien 1839, S. 195. Noch bis ins Jahr 1848 bekleidete er den Posten eines Gubernialsekretärs bei der Statthalterei des Königreichs Illyrien, erhielt jedoch sodann die Würde eines Kreispräsidenten in Trient.Jurende's illustrierter vaterländischer Pilger für 1859. 46. Jahrgang, Druck und Verlag der typographisch – literarisch – artistischen Anstalt, Wien 1859, S. 183.

Nach der Wiedereroberung Lombardo-Venetiens, die mit der Einnahme Venedigs am 22. August 1849 abgeschlossen worden war, wurden in beiden Kronländern Statthaltereien eingerichtet, die die Funktion der ehemaligen Gubernien übernahmen. Georg folgte Anton Freiherr von Puchner bereits am 22. Juli 1850 im Amt und wurde zum ersten Mal Statthalter Venetiens. Er unterstand nicht dem Wiener Innenministerium, sondern dem „Civil-General-Gouvernement“ in Verona, das zu jener Zeit von Feldmarschall Radetzky geleitet wurde. Er musste sich das Amt mit einem Militärgouverneur teilen, damals Karl von Grohowski.Waltraud Heindl, Edith Saurer, Hannelore Burger, Harald Wendlin (Hrsg.): Grenze und Staat: Passwesen, Staatsbürgerschaft, Heimatrecht und Fremdengesetzgebung in der österreichischen Monarchie (1750–1867). Böhlau Verlag, Wien/Köln/Weimar 2000, S. 383 f.

Am 7. Februar 1855 wurde er nach dem Rücktritt des Andreas Freiherrn von Baumgartner zum k. k. Handelsminister ernannt,Beilage der Innsbrucker Nachrichten. Nr. 91, 23. April 1870, S. 63. welches Amt er bis 1859 ausübte. Als solcher erließ er unter anderem im Auftrag des Kaisers am 8. März 1856 die „Concessions-Urkunde“ für die Eisenbahn von Wien über Linz nach Salzburg und/bzw. an die dortige bayerische Grenze nächst Kleßheim samt der Flügelbahn von Linz nach Passau. Doch setzte er auch wichtige Reformen zur Regulierung der heimischen Industrie und der Pflege der Handelsbeziehungen mit dem Königreich Lombardo-Venetien und Ungarn durch.Josef Pollanetz, Heinrich Edler von Wittek: Sammlung der das oesterreichische Eisenbahnwesen betreffenden Gesetze, Verordnungen, Staatsverträge und Constitutiv-urkunden. Band 2, Ausgabe 1, K. K. Hof- und Staatsdruckerei, Wien 1871, S. 331 ff. Weiters sorgte er für die Gleichstellung der Maße und Gewichte im Kaiserreich, auch führte er das österreichische Post- und Telegraphenwesen zu Ansehen. Am 22. Juli 1857 wurde er Ehrenbürger von Triest.Innsbrucker Nachrichten. Nr. 170, 29. Juli 1857, S. 1340.

Am 9. Februar 1860 wurde erneut zum Gouverneur in Lombardo-Venetien bestimmt, in einer der größten Krisenzeiten der österreichischen Herrschaft in Norditalien. Er ging sofort eifrig daran, Missbräuche, die sich eingeschlichen hatten, abzuschaffen, und Personen, die des Vertrauens nicht würdig waren, von ihren Posten zu entfernen. Der Ritter galt als ebenso gerechter wie energischer Mann, der jedermann sein Recht widerfahren ließ, allen Umtrieben aber rigoros entgegentrat.Innsbrucker Nachrichten. Nr. 47, 27. Februar 1860, S. 1.

Im Jahr 1861 musste er den Waffenstillstand und die Abtretung der Lombardei an das Königreich Sardinien, der das Königreich Lombardo-Venetien zerbrach, als Folge der Niederlage bei Solferino, unterzeichnen. Nur Venetien verblieb vorerst in österreichischen Händen. Venetien ging für Österreich trotz der militärischen Erfolge im dritten Unabhängigkeitskrieg verloren. Da das mit Italien verbündete Preußen (Preußisch-Italienischer Allianzvertrag) Österreich in der Schlacht von Königgrätz besiegt hatte, musste Österreich das Gebiet an Frankreich abtreten, das es dann an Italien weitergab. Infolgedessen verließ er, als somit letzter Statthalter jener Region, Venedig am 18. Oktober 1866.

In seine Heimat zurückgekehrt, war Toggenburg vom 6. Dezember 1866 bis zum 21. Februar 1868 Statthalter von Tirol und Vorarlberg.Peter Truhart: Eastern, Northern & Central Europe. Annex: International Organisations. 2. Band, 4. Teil, KG Saur Verlag, München 2006, ISBN 3-598-21549-5, S. 865. Er sollte noch einmal mit den Piemontesern konfrontiert werden, als diese nämlich unter Führung von Giuseppe Garibaldi eine Invasion des Trentino versuchten. Nach schweren Zerwürfnissen mit dem Tiroler Parlament wegen seiner Amtsführung, bat er um Demission, die ihm schließlich gewährt wurde (4. Februar 1868).Vorarlberger Volksblatt. Nr. 5, 17. Januar 1868, S. 3. Als Dank für seine Tätigkeit wurde er von Kaiser Franz Joseph I. mit dem Orden der Eisernen Krone 1. Klasse dekoriert.

Tod mini|hochkant=0.9|Sterbebild von Georg Otto Ritter von Toggenburg-Sargans Nachdem er noch am 6. März sein Testament beschlossen hatte, verstarb Georg Otto von Toggenburg am 8. März 1888 im Palais Sarnthein zu Bozen, von wo aus zwei Tage später unter reger Anteilnahme der Bevölkerung der ehrenvoll-feierliche Trauerzug begann, der zum Begräbnis auf dem Bozener Friedhof in der gräflich Sarnthein’schen Familiengruft führte. mini|hochkant=0.9|Sarnthein-Toggenburg’sche Familiengruft auf dem Bozener Friedhof

Durch „Allerhöchste Entschließung“ Kaiser Franz Josephs vom 9. Juli 1892 (Diplom zu Wien vom 10. September 1892) wurde seinem Sohn Friedrich von Toggenburg und dessen Geschwistern (sowie ihrer Mutter Virginie, geb. Gräfin Sarnthein) der Grafenstand in Österreich als ein ausländischer unbeschränkt prävaliert.Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band XIV, Band 131 der Gesamtreihe, Limburg an der Lahn 2003, S. 476. Georg von Toggenburgs Nachkommen leben bis heute im darauffolgend als „Palais Toggenburg“ bekannter gewordenen Palais Sarnthein in Bozen, in Österreich und in der Schweiz.

Auszeichnungen Zu seinen bedeutendsten Ehrenzeichen gehörten:Sterbebild von Georg von Toggenburg auf sterbebilder.schwemberger.at Großkreuz des Österreichischen Leopold-Ordens Orden der Eisernen Krone 1. Klasse Großkreuz des Constantinischen St.-Georgs-Ordens

Literatur

Genealogisches Taschenbuch der Adeligen Häuser, 1892, S. 485

Weblink Die Protokolle bzw. Tagesordnungspunkttitel der Zeit Toggenburgs im Ministerrat und erste Ministerratssitzung unter seiner Teilnahme.

Einzelnachweise

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