Shen Yun Performing Arts, früher als Divine Performing Arts bekannt, ist ein Ensemble für darstellende Kunst und Unterhaltung mit Sitz in New York, das klassischen chinesischen Tanz, Volkstanz, Instrumentalstücke und Gesang bietet. Das Unternehmen ist eine wichtige Einnahmequelle von Falun Gong. 2024 reichte ein ehemaliges Mitglied Klage gegen Shen Yun wegen mutmaßlich schlechter Arbeitsbedingungen ein.

Geschichte Shen Yun wurde 2006 in New York von Falun-Dafa-Praktizierenden gegründet. Zu Beginn trug die Show die Namen Chinese Spectacular, Holiday Wonders, Chinese New Year Splendor und Divine Performing Arts. Die Kommunistische Partei Chinas versucht seit 2007, Shen-Yun-Aufführungen zu verhindern (→ Einflussnahme der Kommunistischen Partei Chinas).

Tourneen und Reichweite Jede Saison präsentiert Shen Yun ein vollständig neues Programm. In seiner ersten Saison 2007 gab die damals noch einzige Tourneegruppe 32 Vorstellungen vor insgesamt 200.000 Zuschauern. Bis Ende der Saison 2010 hatte die inzwischen auf drei Tourneegruppen angewachsene Kompanie insgesamt über eine Million Zuschauer erreicht. 2022 umfasste Shen Yun sieben Ensembles und gastierte in über 130 Städten weltweit.

2013 beklagte Xu Peidong, Textdichter und Delegierter der Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes, gegenüber der South China Morning Post, dass staatlich geförderte chinesische Künstlergruppen im Ausland nicht an die Popularität von Shen Yun heranreichten.State-funded arts troupes fail to shine against Falun Gong rivals abroad. In: South China Morning Post, 8. März 2013, https://www.scmp.com/news/china/article/1185824/state-funded-arts-troupes-fail-shine-against-falun-gong-rivals-abroad, abgerufen am 8. Juni 2026.

Repertoire Eine Vorstellung von Shen Yun umfasst rund 20 Tanz- und Gesangsnummern und dauert etwa zwei Stunden und 15 Minuten; sie ist in zwei Hälften gegliedert.Barbara Kaczmarczyk: Shen Yun opowiada historię Chin językiem sztuki. To spektakl, który trzeba zobaczyć. naTemat.pl, 6. November 2015, https://natemat.pl/157939,shen-yun-opowiada-historie-chin-jezykiem-sztuki-to-spektakl-ktory-trzeba-zobaczyc, abgerufen am 4. Juni 2026 (polnisch). Zweisprachige Moderatoren führen auf Englisch und Chinesisch durch das Programm.

Das Programm umfasst Volkstänze verschiedener Regionen und Ethnien Chinas – darunter Tänze aus Tibet und der Mongolei – sowie tänzerisch erzählte Geschichten aus der chinesischen Mythologie und Geschichte. Gesangssoli im Opernstil ergänzen das Programm.

Die Aufführungen werden von einem Live-Orchester begleitet, das westliche Instrumente mit traditionellen chinesischen Instrumenten wie der Pipa, dem Gong und der Bambusflöte verbindet. Animierte digitale Bühnenbilder sind mit den Bewegungen der Tänzer synchronisiert. Mittels der Aufführungen sollen die Lehren von Falun Gong und ihres Gründers Li Hongzhi einem breiteren Publikum bekannt gemacht werden.Nicole Hong, Michael Rothfeld: 5 Takeaways From The Times’s Coverage of Shen Yun. In: nytimes.com, 30. Dezember 2024, abgerufen am 1. April 2025.

Bewerbung und Veranstalter Die Aufführungen von Shen Yun werden von den lokalen Falun-Dafa-Vereinen veranstaltet und vermarktet. Dies wird auch von Praktizierenden unterstützt, die der spirituellen Praxis Falun Gong angehören. Howard Pousner von accessAtlanta.com wies 2012 darauf hin, dass bei der Werbung in den ersten Jahren nicht immer auf die teilweise spirituell orientierten Themen des Programms hingewiesen wurde. Im Oktober 2012 trat das Shen Yun Symphony Orchestra in der Carnegie Hall in New York auf. Laut einem Artikel auf parisetudiant.com aus dem Jahr 2014 fanden Shen-Yun-Aufführungen in weiteren führenden Theatern statt, wie in der Londoner Royal Festival Hall, im London Coliseum, im Kennedy Center in Washington D.C. und im Palais des congrès de Paris. Ebenfalls 2014 wurde Shen Yun in der Kulturspalte der Stuttgarter Zeitung erwähnt.

In der Zeitung Epoch Times, die von Falun-Gong-Anhängern herausgegeben wird, wurden von 2009 bis Dezember 2024 mehr als 17.000 Artikel über Shen Yun veröffentlicht. Shen Yun Performing Arts ist eine wichtige Einnahmequelle für Falun Gong.Nicole Hong, Michael Rothfeld: Shen Yun Needed Publicity. The Epoch Times Wrote 17,000 Articles. In: nytimes.com, 30. Dezember 2024, abgerufen am 8. Februar 2025.

Einflussnahme der Kommunistischen Partei Chinas 2010 reiste das Ensemble für seine geplanten Auftritte im Theater in Chisinau nach Moldawien. Die Vorstellungen waren kurzfristig abgesetzt worden, dem Ensemble und den Zuschauern wurde der Zutritt verweigert. 2012 erhielt Norbert Bolinger, der Direktor des Kongresshauses in Zürich, in dessen Stiftungsrat auch die Stadt Zürich sitzt, den Besuch eines Mitarbeiters des chinesischen Konsulats, der ihn aufforderte, auf die Show zu verzichten, doch Bolinger lehnte ab. Im gleichen Jahr warnte die chinesische Botschaft in Washington, D.C. das amerikanische Volk vor Shen Yun. 2015 sollen in Chicago angeblich die Brems- und Gaspedale eines Lastwagens, auf dem Shen-Yun-Werbung zu sehen war, mit „ätzenden Chemikalien“ begossen worden sein. Shen Yun berichtete, dass chinesische Spione ihre Bewegungen fotografieren und mobile Anrufe abhören würden. Darüber hinaus kam es zu verdächtigen Einbrüchen, bei denen nur Pässe und Laptops entwendet wurden. Shen Yun berichtete, dass 2016 vor ihren Shows im Tennessee Performing Arts Center in Nashville die Autoreifen der Show-Moderatoren zerschnitten wurden. 2017 und 2018 wurde berichtet, dass weitere Versuche, die Show zu verhindern, auch von Theatern und Kommunalverwaltungen in Ecuador, Dänemark, Irland und Schweden gemeldet worden waren. Das britische Innenministerium hielt in einem Lagebericht zu Falun Gong vom November 2025 fest, dass Shen Yun an britischen Spielstätten Bomben- und Schussdrohungen ausgesetzt war. Die Falun Dafa Association habe dokumentiert, dass die chinesische Regierung Druck auf Spielstätten ausübte, Aufführungen abzusagen.UK Home Office, Country Policy and Information Note: Falun Gong, China, November 2025, Abschnitt 3.3.5, https://www.gov.uk/government/publications/china-country-policy-and-information-notes/country-policy-and-information-note-falun-gong-china-november-2025-accessible, abgerufen am 11. Juni 2026. The Guardian schreibt, dass es leicht sei, Shen Yun als „bunte Kuriosität“ abzutun, „aber Falun-Gong-Praktizierende gehören zu den offensten Gegnern der Regierung von Peking“, weshalb Shen Yuns Tanzshow zur „Sorge der chinesischen Regierung geworden“ sein soll, zu einem „der Schlachtfelder, auf denen der Kampf um die Herzen und Köpfe von Westlern und Übersee-Chinesen gewonnen wird“. 2018 veröffentlicht Der Landbote, dass sich der chinesische Botschafter in der Schweiz, Geng Wenbing, an den Winterthurer Stadtpräsidenten Michael Künzle wandte, damit dieser die Darbietungen untersage. Zuvor sei Geng bereits in Zürich vorstellig gewesen.

Druckausübung auf südkoreanische Institutionen

In Südkorea dokumentierte das Magazin Monthly Chosun 2023 eine Serie von Druckversuchen chinesischer Botschafts- und Konsulatsvertreter gegen koreanische Spielstätten, Kommunalbehörden und Universitäten zwischen 2008 und 2017. In mehreren Fällen verwiesen die chinesischen Vertreter in offiziellen Schreiben auf mögliche wirtschaftliche Folgen, falls Shen-Yun-Aufführungen stattfänden. Betroffen wären etwa der Chinahandel der Stadt Busan oder die Einnahmen koreanischer Hochschulen durch chinesische Studenten. Im Artikel sind Fotos der Schreiben der chinesischen Botschaft an die Provinzregierung Gangwon sowie an den öffentlich-rechtlichen Sender KBS abgebildet.Kim Gwang-ju: 중국 대사관, 파룬궁 유관 공연 막기 위해 전방위 압력 [Chinesische Botschaft übt umfassenden Druck aus, um Falun-Gong-bezogene Aufführungen zu verhindern]. In: Monthly Chosun, Ausgabe 202308, 19. Juli 2023, https://monthly.chosun.com/news/articleView.html?idxno=21699, abgerufen am 7. Juni 2026 (koreanisch). Nachdem die chinesische Botschaft in einem Schreiben auf drohende Einbussen beim Export koreanischer Fernsehserien nach China hingewiesen hatte, kündigte KBS im Januar 2016 einen bereits unterzeichneten Vertrag mit Shen Yun. Ein Gericht in Seoul, das Shen Yun zunächst Recht gegeben hatte, hob sein eigenes Urteil wenige Wochen später auf und bestätigte die Vertragskündigung. Der potenzielle jährliche Schaden bei einem China-Boykott für KBS wurde im Urteil auf rund 8,5 Millionen US-Dollar beziffert, gegenüber Ticketrückerstattungen von lediglich rund 15.000 US-Dollar.Sarah Cook: The Long Arm of Chinese Censorship Reaches South Korea. In: The Diplomat, Mai 2016, https://thediplomat.com/2016/05/the-long-arm-of-chinese-censorship-reaches-south-korea/, abgerufen am 7. Juni 2026.

Druckausübung auf europäische Theater

Am 22. Januar 2019 berichtete ABC cultural, dass der Direktor des Königlichen Theaters in Madrid die Aufführung von drei Shen-Yun-Shows (am 31. Januar und 1. Februar 2019) mit der Begründung abgesagt hatte, es hätten sich unüberwindbare technische Schwierigkeiten ergeben. ABC vermutete, dass hier wieder Druck von Seiten der Kommunistischen Partei Chinas auf das Theater ausgeübt worden war.

Das Ausüben von Druck auf europäische Theater durch die Kommunistische Partei Chinas und die „kulturelle Infiltration Pekings in Europa“ wurde am 7. März 2019 auf einer europäischen Konferenz von europäischen Parlamentariern aufgegriffen. Untersuchungen hatten ergeben, dass Peking viele europäische Theater – einschließlich der besten Veranstaltungsorte – unter Druck gesetzt hat, um Shen Yun nicht auftreten zu lassen, da einige der Stücke das zeitgenössische China zeigen, darunter die seit 1999 anhaltende Verfolgung der spirituellen Praxis Falun Gong. Henri Malosse, der 30. Präsident des Europäischen Wirtschafts- und Sozialausschusses, stimmte mit Puro Arte Humano, dem Veranstalter von Shen Yun in Spanien, darin überein, dass das Problem mit der Kommunistischen Partei Chinas darin liege, dass „sie sich im Schatten bewege, beeinflusse, unter Druck setze, aber niemand mitbekomme, dass sie das tut“.

Einmischung in Kanada

Im Frühjahr 2026 wurden im Four Seasons Centre in Toronto nach Bombendrohungen sechs Shen-Yun-Aufführungen abgesagt. Die Drohungen enthielten auch Gewaltandrohungen gegen den amtierenden Premierminister Mark Carney sowie seinen Vorgänger Justin Trudeau und die Ankündigung einer Explosion auf dem Parliament Hill. Die Polizei stufte die Drohungen als nicht glaubwürdig ein. Der Absender brüstete sich anschließend in chinesischsprachigen E-Mails, die Absagen seien sein bisher größter Erfolg gewesen.House of Commons of Canada, Subcommittee on International Human Rights: Evidence, SDIR-16, 45th Parliament, 1st Session, 20. April 2026, S. 14, https://publications.gc.ca/collections/collection_2026/parl/xc11-2/XC11-2-2-451-16-eng.pdf, abgerufen am 10. Juni 2026. Am 28. Mai 2026 thematisierte das Standing Committee on Canadian Heritage des Unterhauses die Einmischung der Kommunistischen Partei Chinas in kanadische Spielstätten. MP Garnett stellte einen Antrag, dass der Ausschuss dem Parlament über diese transnationale Eimischung berichten solle.House of Commons of Canada, Standing Committee on Canadian Heritage: Notice of Meeting, CHPC (45-1), No. 39, 28. Mai 2026, https://www.ourcommons.ca/DocumentViewer/en/45-1/CHPC/meeting-39/notice, abgerufen am 10. Juni 2026.

Verurteilung eines KPCh-Agenten in den USA (2024)

Im November 2024 verurteilte ein US-Bundesgericht John Chen zu 20 Monaten Gefängnis, weil er als nicht registrierter Agent der Volksrepublik China gehandelt hatte. Chen hatte im Auftrag der KPCh gezielt versucht, dem Shen Yun Performing Arts Center den Steuerbefreiungsstatus zu entziehen und damit Falun Gong zu schaden. Die KPCh bezeichnet Falun Gong als eines der sogenannten «Fünf Gifte» – die fünf größten Bedrohungen ihrer Herrschaft – und verfolgt seine Praktizierenden in China mit Inhaftierung und weiteren repressiven Maßnahmen.