Die Kunstakademie Düsseldorf ist eine staatliche Kunsthochschule in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt Düsseldorf.Liste der Hochschulrektorenkonferenz zum Status der Hochschulen; hochschulkompass.de Aus ihr und ihren Vorgängerinnen, deren älteste die um 1762 gegründete Zeichnerschule Lambert Krahes war, gingen kunsthistorisch bedeutende Einflüsse und Künstlerpersönlichkeiten hervor, etwa jene der Düsseldorfer Malerschule, mit denen ihr im 19. Jahrhundert der Aufstieg zu einer international renommierten Kunstakademie gelang.
mini|Hauptgebäude der Kunstakademie Düsseldorf (Nordfassade)
Als eine weitere Hochphase der Kunsthochschule gilt die Zeit vom Ende der 1950er bis zum Ende der 1970er Jahre, als Kreise um Protagonisten wie Joseph Beuys, Heinz Mack, Otto Piene, Gerhard Richter und Günther Uecker – mit Ideen und Bewegungen wie German Pop, ZERO und Fluxus, mit dem Erweiterten Kunstbegriff und dem Konzept der Sozialen Plastik – spektakuläre Aktionen und Diskurse initiierten und damit Einfluss auf die Kunstwelt sowie die westdeutsche Studentenbewegung der 1960er Jahre und die 68er-Bewegung nahmen.Irving Sandler: Art of the Postmodern Era: From the Late 1960s to the Early 1990s. Icon Editions, 1996, S. 87; Auszug. (PDF; 7,8 MB). Besondere Wertschätzung erlangte seit den 1990er Jahren auch die Düsseldorfer Photoschule der künstlerischen Fotografie von Bernd und Hilla Becher sowie ihrer Schüler, etwa Andreas Gursky, Candida Höfer, Axel Hütte, Thomas Ruff, Jörg Sasse und Thomas Struth. Auf dem Kunstmarkt erzielten einige Werke von Professoren und Absolventen der Kunstakademie Höchstpreise; den weltweit bis dato höchsten Preis für ein Einzelwerk eines lebenden Künstlers erreichte 2010 das 1994 entstandene abstrakte Bild 809-4 von Gerhard Richter.Raya Nikkah: Gerhard Richter painting owned by Eric Clapton sells for £21 million – the highest price for a living artist. Online-Portal der Tageszeitung The Telegraph, 13. Oktober 2012; abgerufen am 14. Oktober 2012.Anne Reimers: Der Mann im Olymp. FAZ.net, 16. Oktober 2012; abgerufen am 19. Oktober 2012.
Das Hauptgebäude an der Eiskellerstraße 1 in Düsseldorf-Altstadt ist ein bedeutender Bau der Neorenaissance in Deutschland. Vor der Eingangstreppe eingemeißelt findet sich der von Irmin Kamp geprägte Anspruch der Akademie: „Für unsere Studenten nur das Beste“.Diesen Ausspruch tat die Bildhauerin Irmin Kamp während ihres Rektorats 1982–1987. Anlässlich der Ernennung Klaus Staecks zum Gastprofessor meißelten Schüler der Klasse von Ulrich Rückriem 1986 diesen Spruch in Gehwegplatten, die sodann in einer Nachtaktion gegen die alten am Eingang der Kunstakademie verlegten Platten ausgetauscht wurden (vgl. Rolf Purpar: Kunststadt Düsseldorf. Objekte und Denkmäler im Stadtbild. 2. Auflage. Grupello Verlag, Düsseldorf 2009, ISBN 978-3-89978-044-4, S. 48). Die Bibliothek der Akademie befindet sich im ersten Stock eines Nebengebäudes an der Reuterkaserne.Bibliothek der Kunstakademie: Hochschulbibliothek für Dozenten und Studenten; Spezialbibliothek, allgemein zugänglich.
Geschichte Anfänge ab 1773 mini|Eintrag im Düsseldorfer Adressbuch von 1801 mini|Palais Hondheim, Akademiestraße mini|Andreas Achenbach: Die Kunstakademie in Düsseldorf, 1831 mini|Die Bilderschau der Düsseldorfer Künstler im Galeriesaal von Friedrich Boser, 1844 mini|Brand der Akademie im Düsseldorfer Schloss in der Nacht vom 20. März 1872, Illustration von August von Wille, 1873 mini|Düsseldorfer Schloss nach dem Brand von 1872 mini|Ehemalige Kunstgewerbeschule Düsseldorf am Burgplatz
Die Kunstakademie entstand, belegt durch ein Rezess vom 3. März 1773, als „Kurfürstlich-Pfälzische Academie der Maler, Bildhauer- und Baukunst“ aus der um 1762 durch Lambert Krahe im Grupello-Haus gegründeten Zeichenschule.Heinz Peters: Wilhelm Lambert Krahe und die Gründung der Kunstakademie in Düsseldorf. In: Eduard Trier (Hrsg.): Zweihundert Jahre Kunstakademie Düsseldorf. Düsseldorf 1973, S. 1 ff. Von 1774 bis 1777 wurden Statuten nach den Pariser Vorbildern der Académie royale de peinture et de sculpture und Académie royale d’architecture entwickelt, die den Prozess der Institutionalisierung der Akademie als öffentliche Einrichtung abschloss.Ekkehard Mai: Die Düsseldorfer Kunstakademie im 19. Jahrhundert – Cornelius, Schadow und die Folgen. In: Gerhard Kurz (Hrsg.): Düsseldorf in der deutschen Geistesgeschichte (1750–1850). Schwann, Düsseldorf 1984, ISBN 3-590-30244-5, S. 201 Eng verknüpft war die Akademie mit der 1709 errichteten Gemäldegalerie Düsseldorf, einer der bedeutendsten Bildersammlungen im Alten Reich.
Wohl durch Krahes Fürsprache ernannte der Kurfürst Catharina Treu am 15. Februar 1776 zum Mitglied der 1773 gegründeten Kunstakademie. Sie war ebenso wie Adriana Spilberg und Rachel Ruysch am kurfürstlichen Hof in Düsseldorf als Malerin tätig und wurde nun zur ersten lehrende Professorin an der Akademie. Bis 1786 unterrichtete sie in dieser Funktion. Erst rund zweihundert Jahre später wurde dort mit der Künstlerin Rissa eine weitere Frau Professorin für Malerei.
Um 1800 trug sie den Namen „Akademie der schönen Künste zu Düsseldorf“. Wegen fehlender finanzieller Mittel erlebte das Institut, das unter ihrem Direktor Johann Peter Langer vom Palais Hondheim in das ehemalige Düsseldorfer Franziskanerkloster an der Schulstraße umziehen musste, nach 1806, der Zeit des Großherzogtums Berg, einen Niedergang.Bernd Füllner u. a.: Düsseldorf als Stadt der Kunst 1815–1850. In: Dokumentation zur Geschichte der Stadt Düsseldorf. Pädagogisches Institut der Landeshauptstadt Düsseldorf, Düsseldorf 1987, Band 10, S. 5. Zuletzt waren nur noch drei Lehrkräfte tätig, der Akademie-Inspektor Lambert Cornelius, der Architekt Karl Friedrich Schäffer und der Kupferstecher Ernst Carl Gottlieb Thelott.
Da die berühmte Düsseldorfer Bildergalerie des kurfürstlichen Hauses Pfalz-Neuburg 1805/1806 im Zuge eines Ländertausches, an dem sich auch das Königreich Preußen beteiligt hatte, von Düsseldorf nach München abtransportiert worden war und da Düsseldorf bei der Eingliederung in das Königreich Preußen seine Hauptstadtfunktion eingebüßt hatte, beschloss die preußische Regierung als Entschädigung die Wiederbegründung der alten Akademie als Königlich-Preußische Kunstakademie. Ihre Gründung erließ Friedrich Wilhelm III. am 9. März 1819. Gedeutet wird die Gründung als „Reorganisation der Düsseldorfer Akademie“ und als „Instrument einer in die Provinzen ausgreifenden preußischen Kulturpolitik“, deren Ziel es war, einerseits die kulturelle Eigenart des Rheinlandes zu respektieren, andererseits die Bindung an Berlin zu garantieren.Helmut Börsch-Supan: Das Frühwerk Wilhelm von Schadows und die berlinischen Voraussetzungen der Düsseldorfer Schule. In: Wend von Kalnein (Hrsg.): Die Düsseldorfer Malerschule. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 1979, ISBN 3-8053-0409-9, S. 65. Als erster Direktor wurde auf Empfehlung Barthold Georg Niebuhrs zum 1. Oktober 1819 Peter von Cornelius berufen, der seine Ausbildung bei seinem Vater, dem Maler und Galerieinspektor Johann Christian Aloys Cornelius, erhalten hatte und seit 1811 unter den Lukasbrüdern in Rom lebte.Hugo Weidenhaupt: Von der französischen zur preußischen Zeit (1806–1856). In: Hugo Weidenhaupt (Hrsg.): Düsseldorf. Geschichte von den Ursprüngen ins 20. Jahrhundert. Schwann im Patmos Verlag, Düsseldorf 1988, ISBN 3-491-34222-8, Band 2, S. 397. Der Lehrbetrieb begann 1822. Cornelius stellte darin die Zeichenkunst und die Monumentalmalerei in den Vordergrund.
Die Kunstakademie befand sich von 1821 bis zum Brand 1872 im Galeriegebäude und in angrenzenden Flügeln des vormals kurfürstlichen Schlosses. Im Erdgeschoss waren die Bibliothek, Wohnungen und Arbeitsräume untergebracht. Die Ateliers der Professoren befanden sich im ersten Obergeschoss. Weitere Arbeitsräume und der Raum der Landschaftsklasse lagen im zweiten Obergeschoss.
Bereits 1824 ging Cornelius mit vielen seiner Schüler an die Kunstakademie München, wo ihm sein Verehrer, der bayerische Kronprinz Ludwig, bessere Möglichkeiten für die Entfaltung der Monumentalmalerei und ein deutlich höheres Direktorengehalt angeboten hatte.Bernd Füllner u. a.: Düsseldorf als Stadt der Kunst 1815–1850. 1987, S. 7. Nach einer Zeit der Ungewissheit folgte 1826 Wilhelm von Schadow aus Berlin kommend als neuer Direktor. Einige seiner Berliner Schüler schlossen sich ihm an und ließen sich ebenfalls in Düsseldorf nieder. Der preußische Kultusminister Karl vom Stein zum Altenstein hatte sich für Schadow als bekannten Porträtisten mit der Überlegung entschieden, dass unter den Bedingungen der aufsteigenden bürgerlichen Gesellschaft für die an der Kunstakademie auszubildenden Maler insbesondere Aufträge in der Porträt- und Tafelmalerei entstehen würden.Hugo Weidenhaupt: Von der französischen zur preußischen Zeit (1806–1856). 1988, S. 398. Unter Schadows Ägide (bis 1859) entwickelte sich die Akademie zu einer Institution von internationalem Rang. Mit ihr verband sich seit den 1830er-Jahren der Begriff der Düsseldorfer Malerschule, die über den eigentlichen Kreis der Akademielehrer und -schüler hinaus reichte. Speziell die Landschaftsmalerei, aber auch das Genre, genossen einen hervorragenden Ruf; zahlreiche Maler aus Skandinavien, Russland und den Vereinigten Staaten von Amerika kamen zur Ausbildung nach Düsseldorf. Schadow führte ein Ausbildungssystem ein, das auf dem Prinzip der Meisterklasse beruhte. Nach einer Grund- oder Elementarklasse, in der das Kopieren von Zeichnungen, später das Abzeichnen von Abgüssen menschlicher Körperteile gelernt wurde, folgte die Vorbereitungsklasse. In dieser arbeiteten die Studenten nach ganzen Gipsabgüssen sowie nach der Natur. Ausführung eigener Entwürfe und Teilnahme an der Arbeit ihres Meisters folgten in der obersten Klasse, der Meisterklasse, die besonders talentierten Schülern vorbehalten war.
Neubau am Sicherheitshafen Nach dem Brand des Düsseldorfer Residenzschlosses, in dem die neugegründete Akademie zunächst untergebracht war, wurde zwischen 1875 und 1879 für sie am Gelände eines früheren Sicherheitshafens am nördlichen Rand der Düsseldorfer Altstadt nach einem Entwurf von Hermann Riffart ein Neubau in historistischen Formen der italienischen Renaissance erbaut. Bis zur Fertigstellung des Gebäudes kamen die Lehrer der Akademie in den übrig gebliebenen Gebäuderesten neben der Brandstätte, der Gemäldegalerie, oder im so genannten „Wunderbau“, erbaut von Friedrich Gerhardt, jenem im Osten der Stadt gelegenem Atelierhaus auf der Pempelforter Straße 80.Friedrich Schaarschmidt: Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunst, insbesondere im XIX. Jahrhundert. Kunstverein für die Rheinlande und Westfalen, 1902, S. 293. Am 20. Oktober 1879 wurde die Akademie mit einem Festakt eingeweiht.Karl Woermann: Zur Geschichte der Düsseldorfer Kunstakademie. Voss, Düsseldorf, 1880. Zweite Abtheilung. Die Einweihungsfeier Des Neuen Gebäudes der Düsseldorfer Kunstakademie am 20. October 1879.
Mit der Deutschen Reichsgründung kam es zu Aktivitäten, die der Akademie eine zweite Blüte des Aufschwungs herbeiführten, insbesondere unter dem preußischen Kultusminister Adalbert Falk. Im Sinne Preußen-Deutschlands und des Wilhelminismus nahm die Monumentalkunst eine bevorzugte Stellung ein.Ekkehard Mai: Die deutschen Kunstakademien im 19. Jahrhundert: Künstlerausbildung zwischen Tradition und Avantgarde, Böhlau, Köln / Weimar / Wien, 2010, ISBN 978-3-412-20498-3, S. 299 ff.
In den 1890er Jahren, der Aufschwungsphase nach dem Gründerkrach, verpflichtete die Königliche Kunst-Akademie an der Rheinbrücke Karl Janssen für die Bildhauer. Er schaffte es, dass die Absolventen der Königlichen Kunstakademie zu Düsseldorf in der Kunstszene auffielen.
1909 wurde eine Abteilung für kirchliche Monumentalkunst gegründet unter Leitung von Josef Huber-Feldkirch, die Kurse veranstaltete zur Förderung „moderner“ Kunst für die Kirchen.