Franken ist eine nicht genau abgegrenzte Region im Norden des Freistaates Bayern, Teilen Baden-Württembergs und Südthüringens sowie Hessens. Sie zeichnet sich durch kulturelle und sprachliche Eigenheiten aus. Ihre Geschichte beginnt mit der ersten menschlichen Besiedlung vor etwa 600.000 Jahren. Thüringer, Alamannen, Slawen, aber auch die namensgebenden Franken besiedelten das Gebiet im Frühmittelalter. Ab Mitte des 9. Jahrhunderts entstand das Stammesherzogtum Franken, eines der fünf Stammesherzogtümer des Ostfränkischen Reiches. Am 2. Juli 1500 wurde während der Regierungszeit Kaiser Maximilians I. das Reich im Zuge der Reichsreformbewegung in Reichskreise eingeteilt, was zur Entstehung des Fränkischen Reichskreises führte. Dieser war maßgebend für die Bildung einer fränkischen Identität. Charakteristisch für Franken war im Mittelalter und der frühen Neuzeit die „Kleinstaaterei“. Im 19. Jahrhundert wurden unter Napoleon große Teile Frankens dem Königreich Bayern eingegliedert.

Frühgeschichte und Antike mini|Auf dem Staffelberg errichteten die Kelten eine mächtige Festung mini|Gleichberge Fossilfunde von Artefakten, bei Kronach und am Schalksberg in Würzburg gefunden, belegen, dass die Region bereits im mittleren Eiszeitalter (Pleistozän) vor etwa 600.000 Jahren von Urmenschen (Homo erectus) besiedelt war. Auch aus späteren Bereichen des Pleistozäns liegen Fossilfunde vor. Aus der Höhlenruine von Hunas bei Pommelsbrunn im Landkreis Nürnberger Land stammt beispielsweise der älteste Fund menschlicher Überreste in Franken.

Im Neolithikum wurde das Gebiet von den linearbandkeramischen Kultur insbesondere entlang der Flussläufe besiedelt.Frank Falkenstein, Helmut Johannes Kroll, Kelly Reed: Neue Materialien des Bayerischen Neolithikums Tagung im Kloster Windberg vom 21. bis 23. November 2014. 2016 Würzburg University Press, ISBN 978-3-95826-045-0 aus der Reihe Frank Falkenstein, Heidi Peter-Röcher (Hrsg.): Würzburger Studien zur Vor- und Frühgeschichtlichen Archäologie. Bd. 2

In der frühen Bronzezeit war die Region vermutlich nur relativ dünn besiedelt, da wenige Edelmetalle vorkommen und die Böden nur mäßig fruchtbar sind. Allerdings begann in der späten Bronzezeit eine Kriegerelite der sogenannten Urnenfelder-Kultur (1200-800 v. Chr.), sich auf Bergkuppen wie der Ehrenbürg, dem Hesselberg oder dem Marienberg über Würzburg niederzulassen. Eine besonders große Anlage dieser Zeit befand sich auf der Heunischenburg bei Kronach in Oberfranken. Im nahe gelegenen Thonberg wurde ein Helm aus dieser Epoche gefunden. Ein weiterer Helm dieser Epoche stammt aus Ebing bei Bamberg.

Im Verlauf der folgenden Eisenzeit (ab etwa 800 v. Chr.) wird als erstes Volk der Region das der Kelten greifbar. Im nördlichen Franken errichteten sie eine Kette von Gipfelburgen als Verteidigungslinie gegen die von Norden drängenden Germanen. Auf dem Staffelberg erbauten sie eine mächtige Siedlung sowie auf den Gleichbergen das größte in Mitteldeutschland noch erhaltene Oppidum Steinsburg. Mit der verstärkten Expansion Roms im ersten vorchristlichen Jahrhundert und dem gleichzeitigen Vorstoßen elbgermanischer Stämme von Norden her wurde der Niedergang der keltischen Kultur eingeleitet. Ein germanischer Friedhof aus dieser Zeit, der lange genutzt wurde, liegt im heutigen Altendorf im Landkreis Bamberg.

Die südlichsten Teile des heutigen Franken gerieten bald darauf unter römische Kontrolle; der größte Teil der Region befand sich jedoch durchweg im freien Germanien. Hier lebten Markomannen, bis sie nach einer Niederlage gegen Rom etwa zwischen den Jahren 7 und 3 v. Chr. weiter nach Osten ins heutige Böhmen zogen und von anderen elbgermanischen Stämmen wie etwa den Hermunduren ersetzt wurden. Anfangs versuchte Rom seinen unmittelbaren Einfluss weit nach Nordosten auszudehnen, wovon das Legionslager Marktbreit zeugt, das 1986 an der Spitze des Maindreiecks entdeckt wurde. Auf längere Sicht etablierte sich die germanisch-römische Grenze allerdings weiter südwestlich.Peter Kolb, Ernst-Günter Krenig: Unterfränkische Geschichte. Von der germanischen Landnahme bis zum hohen Mittelalter, Band 1. Echter Verlag Würzburg, 1989; zweite Auflage: 1990, ISBN 3-429-01263-5, S. 27–37.

mini|links|1990 fertiggestellter Nachbau der Porta decumana der Biriciana, Blick über die Lagerringstraße Unter den Kaisern Domitian (81–96), Trajan (98–117) und Hadrian (117–138) wurde der Limes als Grenze zu den Stämmen im Norden angelegt. Diese Verteidigungslinie durchschnitt den Süden Frankens und beschrieb in der Region einen Bogen, dessen nördlichster Punkt beim heutigen Gunzenhausen lag. Zu seiner Absicherung errichteten die Römer mehrere Kastelle, etwa das Kastell Biriciana bei Weißenburg oder das Kastell Ruffenhofen am Fuße des Hesselbergs. Schon ab der Mitte des dritten Jahrhunderts konnte die Limesgrenze jedoch nicht mehr gehalten werden, denn die Alamannen besetzten um 250 n. Chr. die Gebiete südlich des Limes bis hin zur Donau.

Befestigte Ansiedlungen wie auf der Gelben Bürg bei Dittenheim und dem Reisberg bei Scheßlitz kontrollierten die neuen Gebiete. Aber auch nördlich des einstigen Limes, beispielsweise auf der Ehrenbürg, dem Staffelberg oder der Houbirg konnten mehrere derartige Gauburgen nachgewiesen werden. Welchem Volk die Bewohner angehörten, ist in den meisten Fällen unbekannt. Vor allem in den südlichen Teilen dürften es sich um Alamannen und Juthungen gehandelt haben. Am unteren und mittleren Main setzten sich dagegen Burgunden fest. Ihnen wird auch eine Anlage auf der Wettenburg bei Urphar zugeschrieben. Bis spätestens 500 n. Chr. scheinen allerdings viele dieser Höhenburgen zerstört gewesen zu sein. Die genauen Ursachen dafür sind nicht geklärt, könnten aber mit den Hunneneinfällen und den dadurch ausgelösten Zügen der Vandalen und Sueben zu tun haben, die den Süden Deutschlands durchquerten. In vielen Fällen bedeutete aber wohl die Eroberung durch die Franken das Ende dieser Höhensiedlungen.

Mittelalter Frühmittelalter mini|Fränkisches Kriegergrab aus dem frühmittelalterlichen Gräberfeld von Westheim mini|hochkant|Der Heilige Kilian, Schutzpatron der Franken Bis zum Beginn des 6. Jahrhunderts lag die ostfränkische Region im Spannungsfeld zwischen Thüringern und Alamannen. So schrieb der Kosmograph von Ravenna im 7. Jahrhundert, dass die Flüsse Naab und Regen in der heutigen Oberpfalz im Land der Thüringer in die Donau münden.Der frühmittelalterliche Friedhof von Westheim, Begleitheft zur Sonderausstellung. Museum Gunzenhausen, 1987, S. 10 Er bezog seine Informationen offenbar aus älteren Quellen, was eine zeitweise Ausdehnung thüringischen Einflusses im 5. und Anfang des 6. Jahrhunderts zumindest in Teilen Oberfrankens wahrscheinlich macht.

Die Ausdehnung des thüringischen Machtbereiches in die Maingebiete ist neueren Untersuchungen zufolge allerdings nicht sicher nachzuweisen. In Oberfranken scheinen bis zur Eroberung durch die Franken eher Beziehungen zu böhmischen Kulturgruppen bestanden zu haben. Offenbar war dort eine autochthone elbgermanische Bevölkerungsgruppe als Traditionsträger vorherrschend.Jochen Haberstroh: Der Reisberg bei Scheßlitz-Burgellern in der Völkerwanderungszeit. Überlegungen zum 5. Jahrhundert n. Chr. in Nordbayern. Mit einem Beitrag von Jörg Faßbinder. GERMANIA 81-1, 2003 (PDF; 109 kB) Den Franken fiel mit ihren Siegen über die Alamannen um 507 n. Chr. und Thüringer (529–534 n. Chr.) in ihren Kerngebieten auch die heutige Region Franken zu. Zunächst wurde sie nur lose dem Fränkischen Reich angegliedert. Allerdings lässt sich bereits im 6. Jahrhundert eine Besiedelung der Region durch Franken feststellen, die vor allem vom Untermain ausging. Im 7. Jahrhundert rückten fränkische Siedler bis an den Obermainbogen und die Regnitz vor. Kurz darauf, spätestens seit der Mitte des 7. Jahrhunderts, begannen allerdings im Gegenzug auch Slawen die nordöstlichen Teile der Region von Osten her zu besiedeln. Der fränkische König Dagobert I. setzte am zentralen Verkehrsort Würzburg einen Mann namens Hruodi als Herzog (dux) über die Mainlande ein. Gelegentlich wird spekuliert, dass dieser mit dem thüringischen Herzog Radulf identisch war. Wahrscheinlicher ist aber, dass sich schon damals in Franken ein eigenes Herzogtum bildete, gegründet, um ein Gegengewicht zum mächtigen thüringischen Herzog zu schaffen. Typische Reihengräberfelder dieser Zeit wurden in Westheim, Dittenheim, Gnotzheim, Hellmitzheim, Hettstadt, Kleinlangheim, Klepsau, Neubrunn, Niedernberg, Sulzheim, Weißenburg und Zeuzleben entdeckt. Einzelgräber beziehungsweise Grabbeigaben dieser Epoche wurden auch in Bad Staffelstein, Hirschaid und Eggolsheim entdeckt.

Der Großteil der Bevölkerung in dem Gebiet war bis weit ins Frühmittelalter heidnischen Glaubens. Nur die dem König unterstehende Führungsschicht dürfte aller Wahrscheinlichkeit nach bereits christlich gewesen sein. Bodenfunde aus Niedernberg, Pflaumheium und Großwallstadt belegen christliches Leben in Unterfranken bereits für das frühe 7. Jahrhundert.Gottfried Mälzer: Würzburg als Bücherstadt. In: Karl H. Pressler (Hrsg.): Aus dem Antiquariat. Band 8, 1990 (= Börsenblatt für den Deutschen Buchhandel – Frankfurter Ausgabe. Nr. 70, 31. August 1990), S. A 317 – A 329, hier: S. A 321. Die ersten, die versuchten, den christlichen Glauben nachdrücklich zu verbreiten, waren irische Missionare. Der Überlieferung nach zogen der irische „Bischof“ Kilian mit seinen Begleitern Kolonat und Totnan um 685 in die Würzburger Gegend, wo sie die heidnische Bevölkerung missionierten, wofür sie mit ihrem Leben bezahlt haben sollen. Ihr Martyrium führte zur späteren Verehrung und Heiligsprechung (beschrieben in der Kilianspassion); Kilian wurde zum „Apostel der Franken“. Allerdings sind die frühesten Erwähnungen eines Bischofs dieses Namens viele Jahrzehnte jünger, und auch in Irland sind keine zeitgenössischen Quellen zu einem Kilian zu finden, so dass der tatsächliche Hergang unklar bleiben muss.

Unter Bonifatius wurde 741 oder Anfang 742 mit dem Bistum Würzburg das erste Bistum Frankens gegründet. Um 742, möglicherweise auch etwas später, gründete der hl. Willibald das Bistum Eichstätt, das die südöstlichen Teile Frankens, dazu aber auch bayerische und alemannische Bereiche umfasste.

mini|Reste der Fossa Carolina Bis etwa ins 8. Jahrhundert hatte die für das Reich immer wichtiger gewordene Region noch keinen eigenständigen Namen. Ab dem 9. Jahrhundert wurde das Maingebiet als Ostfranken (Francia Orientalis) bezeichnet. Mit dem gleichen Namen wurde allerdings auch das gesamte ostfränkische Teilreich der Nachfolger Karls des Großen bezeichnet. Unter Karl dem Großen wurde versucht, eine schiffbare Verbindung zwischen Altmühl und Schwäbischer Rezat und damit zwischen Rhein und Donau nahe dem heutigen Ort Graben bei Treuchtlingen zu errichten. Ob diese auch als Karlsgraben bezeichnete Fossa Carolina je fertiggestellt wurde, ist bis heute umstritten.

Hochmittelalter mini|links|Herzogtum Franken um 800 mini|links|Franken zwischen 919 und 1125 Ab Mitte des 9. Jahrhunderts entstand das Stammesherzogtum Franken, eines der fünf Stammesherzogtümer des Ostfränkischen Reiches. Das heutige Franken umfasst jedoch nur den östlichsten Teil dieses Herzogtums. Bis zum 10. Jahrhundert bestand Franken auch aus dem Herzogtum Westfranken, das das heutige Hessen, Rheinhessen, die Pfalz und Nordbaden umfasste. Außerdem gehörten zu Franken Teile des heutigen Thüringen südlich des Rennsteigs.

Die sogenannten älteren Babenberger, auch Popponen genannt, hatten im 9. Jahrhundert im Maingebiet eine beachtliche Machtstellung, bis es zum Bruch mit den karolingischen Königen kam. Der letzte Karolinger, Ludwig das Kind, zog schließlich einige ihrer Güter ein und vergab sie an Angehörige der Konradinersippe, die im Rheinfränkischen begütert waren. In der darauf folgenden Babenberger Fehde bekriegten sich Konradiner und Babenberger. Am Ende wurden die meisten Güter der Babenberger eingezogen, darunter auch Bamberg.