mini|Karte des Königreichs Lindsey Lindsey oder Linnuis (altenglisch: Lindesege) war eines der angelsächsischen Königreiche in der frühmittelalterlichen Zeit der Heptarchie. Es lag zwischen dem Fluss Humber und dem Gezeitenbecken The Wash an der Ostküste Englands. Seine Grenzen wurden durch die Flüsse Witham und Trent gebildet. Es gibt kaum zeitgenössische schriftliche Zeugnisse. Im Tribal Hidage wurde die Größe Lindseys mit 7.000 Hides angegeben, was der Fläche der Königreiche Essex oder Hwicce entsprach.Michael Lapidge (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England, Wiley-Blackwell, 2001, ISBN 978-0-631-22492-1, S. 289.
Geschichte Das Königreich Lindsey bestand vom 5. bis ins 8. Jahrhundert. Die Königsdynastie scheint sich bereits in einer sehr frühen Phase der angelsächsischen Besiedlung etabliert zu haben. Vermutlich war Lincoln, das römische Lindum, die Hauptstadt des Königreichs,Frank Merry Stenton: Anglo-Saxon England. 3. Auflage, Oxford University Press, 2001, ISBN 978-0-19-280139-5, S. 115–116. wonach sich die dort siedelnden Angelsachsen auch Lindisfaras nannten. In Wyham befand sich das zentrale Heiligtum der Lindisfarae.Frank Merry Stenton: Anglo-Saxon England. 3. Auflage, Oxford University Press, 2001, ISBN 978-0-19-280139-5, S. 101–102. Das Königreich kam abwechselnd unter den Einfluss der Königreiche Northumbria und Mercia. Die Könige von Lindsey spielten politisch keine eigenständige Rolle.
Der Missionar Paulinus wirkte in den 620er Jahren in Lindsey, als es unter der Vorherrschaft Edwins von Northumbria stand, und errichtete in Lincoln eine Kirche. In der Mitte des 7. Jahrhunderts wurde Lindsey durch Penda von Mercia dominiert. 674 besiegte Ecgfrith von Northumbria König Wulfhere von Mercia und nahm von diesem Lindsey in Besitz. Theodor von Tarsus, der Erzbischof von Canterbury, erhob Lindsey 677 zu einem eigenständigen BistumFrank Merry Stenton: Anglo-Saxon England. 3. Auflage, Oxford University Press, 2001, ISBN 978-0-19-280139-5, S. 134. und Eadhæd wurde der erste Bischof.Angelsächsische Chronik zum Jahr 678 Im Jahr 679 kam es am Trent zu einer weiteren Schlacht zwischen Ecgfrith und Æthelred von Mercia.Frank Merry Stenton: Anglo-Saxon England. 3. Auflage, Oxford University Press, 2001, ISBN 978-0-19-280139-5, S. 85. Im Anschluss an die Schlacht vermittelte Theodor von Tarsus, der Erzbischof von Canterbury, einen Frieden, wonach Lindsey an Mercia fiel. Überregionale Bedeutung hatte das Kloster Beardeneu (Bardney Abbey) in dem Oswald von NorthumbriaBeda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum 3,11. und Æthelred von MerciaAngelsächsische Chronik zum Jahr 716. beigesetzt wurden.
miniatur|Karte Englands um 600 Im späten 8. Jahrhundert verschmolz Offa von Mercia Lindsey mit Mercia. Im Jahr 829 eroberte Egbert von Wessex Mercia und dessen abhängige Gebiete.Frank Merry Stenton: Anglo-Saxon England. 3. Auflage, Oxford University Press, 2001, ISBN 978-0-19-280139-5, S. 231–232. Letzte Spuren der Individualität Lindseys verschwanden im 9. Jahrhundert mit der Invasion dänischer Wikinger.Frank Merry Stenton: Anglo-Saxon England. 3. Auflage, Oxford University Press, 2001, ISBN 978-0-19-280139-5, S. 48. Aus dem Gebiet entwickelte sich die traditionelle Grafschaft Lincolnshire, dessen nördlicher Teil Lindsey genannt wird.
Liste der Herrscher König Offa von Mercia fertigte in den letzten Jahren seiner Regentschaft eine Liste der Herrscher Lindseys an, die in der Anglian collection erhalten blieb:
Geot Godulf Finn Frithulf Frealaf Woden Winta (um 460?) Cretta (um 580?) Cueldgils (um 600?) Cædbæd (vor 575?) Bubba (um 625) Beda (auch Bedeca) (7. Jh.) Biscop (7. Jh.) Eanferth (Eanfrith) (um 725) Eatta (um 750) Ealdfrith (Aldfrith) (bis 796).Die Liste basiert auf: Frank Merry Stenton (Autor), Doris Mary Stenton (Hrsg.): Preparatory to Anglo-Saxon England: Being the Collected Papers of Frank Merry Stenton (Oxford Scholarly Classics), Oxford University Press, 2001, ISBN 978-0-19-822314-6, S. 127–128.
Die Liste weist sicherlich ein sehr hohes Alter auf und scheint ab Winta historische Herrscher wiederzugeben. Die angegebenen Regierungszeiten stellen jedoch nur grobe Schätzungen dar.Frank Merry Stenton (Autor), Doris Mary Stenton (Hrsg.): Preparatory to Anglo-Saxon England: Being the Collected Papers of Frank Merry Stenton (Oxford Scholarly Classics), Oxford University Press, 2001, ISBN 978-0-19-822314-6, S. 131–132. Nur Ealdfrith kann zeitlich näher bestimmt werden: Eine, wenn auch umstrittene, angelsächsische UrkundeS 1183 erwähnt Ealdfrith in der Zeit zwischen 787 und 796.
Quellen anonym: Angelsächsische Chronik Online im Project Gutenberg (englisch) Beda Venerabilis: Historia ecclesiastica gentis Anglorum, Online im Medieval Sourcebook (englisch)
Literatur Frank Merry Stenton: Anglo-Saxon England, Oxford University Press, Oxford 2001 (3. Auflage), ISBN 978-0-19-280139-5 Michael Lapidge, John Blair, Simon Keynes, Donald Scragg (Hrsg.): The Blackwell Encyclopaedia of Anglo-Saxon England. Wiley-Blackwell, Oxford u. a. 2001, ISBN 0-631-22492-0.
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