Als Sender Schwerin strahlte von Mitte der 1950er Jahre bis 1989 das Schweriner Funkhaus des Rundfunks der DDR seine regionalen oder zentralen Radiosendungen bzw. -programme aus. Ab 1992 sendete der bundesdeutsche NDR sein MV-Landesrundfunkprogramm von Schwerin aus (u. a. NDR 1 Radio MV und Nordmagazin), 1997 wurde das neue NDR-Landesfunkhaus in der Schweriner Schloßgartenallee eingeweiht.

Rundfunk der Region bis 1945 Die Nordische Rundfunk AG (NORAG) mit Sitz in und ab 1932 deren Rechtsnachfolger unterhielten bis 1945 in Schwerin lediglich eine so genannte Bedarfs-Besprechungsstelle, also ein Bedarfsstudio, dessen Größe die Produktion großer Orchesterwerke und ganzer Opern gestattet hätte, jedoch kaum genutzt wurde.LIA-Archiv Wegner, LIA-HamburgHorst Zänger: Geschichten aus 50 Jahren Rundfunk – Chronik des Landesrundfunks Mecklenburg-Vorpommern. VerlagReihardThon Schwerin 1995

Rundfunk der Region von 1945 bis 1952 Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone nach 1945 Nach dem Zweiten Weltkrieg und dem Zusammenbruch des nationalsozialistischen Rundfunks bauten deutsche Antifaschisten unter Führung von KPD-Funktionären auf Befehl der sowjetischen Besatzungsmacht ein Rundfunksystem für die Sowjetische Besatzungszone auf. Dieses Rundfunksystem in der SBZ/DDR hatte von 1945 bis 1952 folgende Struktur:

Berliner Rundfunk (als Leitstation für alle Sender in der Sowjetischen Besatzungszone sowie als Leitsender für Berlin, Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern; Sendestart: 13. Mai 1945 – ab 22. Mai 1945 als Berliner Rundfunk) Landessender Schwerin (für Mecklenburg-Vorpommern; Sendestart: 24. Dezember 1945) - Studio Rostock Landessender Potsdam (für Brandenburg; Sendestart: 22. Juni 1946) Studio Cottbus (für die Region Cottbus; Sendestart: um 1948/49)

Mitteldeutscher Rundfunk (für Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt; Sitz: Leipzig; Sendestart: 15. September 1945, ab November 1945 als Mitteldeutscher Rundfunk firmierend und bis zur Inbetriebnahme eines als Funkhaus hergerichteten Gebäudes am 4. Juni 1946 aus dem Berliner Funkhaus sendend) Landessender Dresden (für Sachsen; Sendestart: 7. Dezember 1945) - Studio Chemnitz Landessender Weimar (für Thüringen; Sendestart: 1. Januar 1946 nach Versuchssendungen ab November 1945) - Studio Erfurt Landessender Halle (für Sachsen-Anhalt, Sendestart: 24. Dezember 1946) - Studio MagdeburgProgrammteil in Der Rundfunk. Jg. 1949 (1–52), Deutscher Funk Verlag GmbH Berlin, SO 36, 1949Programmteil in Der Rundfunk. Jg. 1953 (1–52), Hrsg.: Staatliches Rundfunkkomitee der DDR über Henschelverlag Kunst und Gesellschaft Berlin (DDR) 19531. Workshop 17. Dezember 1991 – Rundfunkbeginn 1945, in: Mit uns zieht die neue Zeit... Heide Riedel (Hrsg.), Vistas Verlag Berlin 1992Heinz Florian Oertel: Höchste Zeit. Das Neue Berlin Verlagsgesellschaft, Berlin 1997 (3. Auflage 1998)

Deutschlandsender (für ganz Deutschland; Sitz: Berlin; Sendestart: 1. Mai 1949)

Der Berliner Rundfunk und der Mitteldeutsche Rundfunk arbeiteten in ihrem jeweiligen Sendegebiet als eine Senderkette, wobei die Landessender regionale Fensterprogramme erstellten – eingebettet in die Programmstruktur des jeweils zuständigen Leitsenders (Berliner Rundfunk oder Mitteldeutscher Rundfunk). Im Zuge des weiteren Aufbaus von Rundfunkstrukturen installierten die Rundfunkverantwortlichen mit den entsprechenden Stellen in den Ländern nach und nach die o. a. Regionalstudios, jeweils mit Zulieferfunktion für die Funkhäuser in Berlin bzw. Leipzig oder die Landessender. Das Studio Cottbus verbreitete ab ca. 1948/49 als einziges Studio eigene Regionalsendungen über Drahtfunk, ebenfalls eingebettet im Programm des Berliner Rundfunks.

Der Deutschlandsender war der Intendanz des Berliner Rundfunks unterstellt, hatte aber eine eigene Chefredaktion. Ohnehin hatte der Berliner Rundfunk bis 1952 die Funktion einer Leitstation für alle Funkhäuser und Studios in der SBZ/DDR.

Oberste Instanz war die Generalintendanz für den demokratischen Rundfunk, zuständig für alle Rundfunkstationen und deren jeweilige Senderkette mit den dazugehörigen Landessendern sowie den Regionalstudios. Somit hatte der Rundfunk in der Sowjetischen Besatzungszone und der späteren DDR trotz des erheblichen Produktionsumfangs der Funkhäuser und Studios in den Ländern und des Einflusses der KPD/SED in den Länderverwaltungen bis 1952 keine föderale Struktur, sondern war ein zentrales Rundfunksystem mit einem Generalintendanten in Berlin. Keine dieser als öffentlich-rechtliche Einrichtungen firmierten Funkhäuser oder Studios und keine der beiden Senderketten war eine eigene Rechtspersönlichkeit.

Anfänge in Schwerin Ende 1945 begann die Landesregierung Mecklenburg-Vorpommerns, in Zusammenarbeit mit den Rundfunkverantwortlichen in Berlin, der Sowjetischen Militäradministration in Deutschland (SMAD) und der Post einen Landessender aufzubauen. Sendestart unter dem Namen Landessender Schwerin war mit einer einstündigen Sendung ab 17:00 Uhr der 24. Dezember 1945. Untergebracht war der Landessender in einem provisorisch eingerichteten Studio in Räumen der Oberpostdirektion in Schwerin. Der Aktionsradius war allerdings zunächst nur auf Schwerin und Umgebung begrenzt. Ab 25. Dezember 1945 sendete der Landessender täglich um 12:30 Uhr und 17:30 Uhr jeweils eine halbstündige Sendung. Diese Sendungen aus Schwerin waren ab dem 4. Januar 1946 als regionale Fensterprogramme in die Programmstruktur des Berliner Rundfunks eingebunden, womit der Landessender zur Senderkette des Berliner Rundfunks gehörte.

Das Studio bestand aus einem Technikraum und einem Sprecherzimmer sowie drei Redaktions- bzw. Büroräumen und hatte nur eine geringe materielle Basis. Spenden von Hörern waren willkommen – darunter Plattenspieler, Schallplatten und Mikrofone. Da Aufzeichnungsanlagen nicht zur Verfügung standen, musste jede Sendung, jeder Beitrag live gesendet werden. Vom Berliner Rundfunk gelieferte Ausrüstung verbesserte die Arbeitsbedingungen ein wenig. Durch die Inbetriebnahme eines neuen 20-kW-Senders konnten die im Lande bestehenden Empfangsmöglichkeiten des Programms aus Schwerin etwas verbessert werden.

Funkhaus in der Schillerstraße Da das Studio ohnehin nur ein Provisorium sein konnte, einigten sich die Rundfunkverantwortlichen in Schwerin auf den Umbau eines Zweifamilienhauses in der Schweriner Schillerstraße 4/6 zu einem Funkhaus.

Im Juni 1946 waren die Bauarbeiten abgeschlossen, und ab 11. August desselben Jahres begann der Sendebetrieb. Im Funkhaus standen zur Verfügung: ein Studio mit Regiepult, einem Verstärkergestell und einem Schallplattenabspieltisch; ein kleiner Sendesaal für Musik- und Hörspielproduktionen sowie ein kleiner Technikraum, der als Produktions-, Schnitt- und Schaltraum dienen musste. Der Berliner Rundfunk hatte darüber hinaus weitere technische Ausrüstung geliefert, so dass sich die Arbeitsbedingungen wiederum etwas verbesserten. Allerdings besaß das Funkhaus 1946 nicht ein einziges Kraftfahrzeug. Erst ab 1947 stand ein Übertragungswagen zur Verfügung.

Mit einer Frequenzumstellung konnte im November 1946 die Reichweite des Landessenders nochmals verbessert werden. Dennoch blieb die Versorgung in Vorpommern weiterhin unbefriedigend, wohingegen der Sender in Baden-Württemberg, im Saarland und in Rheinland-Pfalz gut zu empfangen war. Nur nach und nach konnte diese Versorgungslücke geschlossen werden.

Da Tonträger mit entsprechenden Musiktiteln zunächst nicht in ausreichendem Maße vorhanden waren, erfolgte die musikalische Ausgestaltung der Sendungen durch Musiker des Mecklenburgischen Staatstheaters, die die musikalische Umrahmung live im Sendesaal einspielten. Auch diese Lücke konnte nur nach und nach mit neuerworbenen und gespendeten Tonträgern geschlossen werden.

Unabhängig davon war diese Kooperation der Anfang einer äußerst fruchtbringenden Zusammenarbeit zwischen dem Schweriner Funkhaus und dem Staatstheater Schwerin, aber auch mit anderen künstlerischen und kulturellen Institutionen, wie dem Schweriner Polizeiorchester und dem Stadttheater/Volkstheater Rostock.

Das tägliche Programmvolumen betrug etwa drei bis vier Regionalfenster, über den Tag verteilt von insgesamt etwa 4½ Stunden. Zum Produktionsprofil gehörten Landesnachrichten, der Landfunk, Der Funkkurier, der Blick in die Landespresse und ein Wirtschaftsmagazin, Umsiedler- und Heimkehrersendungen, die Beantwortung von Hörerfragen sowie Musik- und Unterhaltung, klassische Musik, Hörspiele, aber auch Sondersendungen zu anstehenden Wahlen und niederdeutsche Sendungen. Denn der Landessender bemühte sich schon sehr frühzeitig um die Pflege der niederdeutschen Sprache. Allein im Funkhaus Schwerin sollten bis 1990 Tonbandkonserven für 8.000 Sendeminuten entstehen.

Im Jahre 1948 gründete der Landessender einen Kinderchor.

Doch schon bald erwies sich das Funkhaus für die anstehenden Aufgaben als zu klein. Deshalb installierte der Landessender 1947 im Neuen Palais und im Haus der Kultur feste Übertragungsstandorte für Musikaufnahmen und -übertragungen sowie für öffentliche Veranstaltungen, wofür der Sendesaal im Funkhaus nicht geeignet gewesen wäre. Die Landesregierung unterstützte inzwischen den Antrag des Landessenders, ein neues Funkhaus zu erbauen oder ein Gebäude dafür umbauen zu können.

Funkhaus in der Schlossgartenallee Nach anderthalbjähriger Bauzeit stand dem Landessender Schwerin ab Oktober 1949 im Gebäudekomplex der ehemaligen NSDAP-Gauführerschule in der Schlossgartenallee 61 ein neues Funkhaus zur Verfügung, wodurch sich die Arbeitsbedingungen deutlich verbesserten – auch durch zusätzliches technisches Personal. Produziert werden konnte das Programm damit in einem Studio, einem Schallaufnahmeraum und einem Hörspielkomplex mit Hallraum, in Schnitträumen sowie in erforderlichen Redaktions-, Verwaltungs- und Technikräumen. Ein Jahr später war der Große Sendesaal in einem separaten Gebäude fertig gestellt, ebenso der Kleine Sendesaal im Hauptgebäude – beide mit eigener Regie.

Im Großen Sendesaal mit einer Bestuhlung für 400 Personen veranstaltete der Landessender ab 1951 öffentliche Konzerte, so die Hörer-Wunschkonzerte. Erst in den 1970er Jahren verzichtete das Funkhaus auf die Bestuhlung und nutzte diesen Komplex nur noch als Studio für aufwendige Musikproduktionen und -aufnahmen. Darüber hinaus veranstaltete der Landessender Konzerte im Tierpark und anderen Kulturinstitutionen des Sendegebietes. Bei solchen Veranstaltungen trat neben dem Kinderchor der 1951 gegründete Jugendchor des Landessenders auf.

Studio Rostock Im März 1947 nahm der seinerzeit größte Betrieb in Mecklenburg-Vorpommern – die Neptun-Werft in Rostock – ein Betriebsfunkstudio in Betrieb, das der Landessender Schwerin sehr oft für die Berichterstattung aus Rostock nutzte. Dennoch begann der Landessender Schwerin, in Rostock ein Rundfunkstudio aufzubauen. Im Mai 1948 ging das Studio Rostock in Betrieb. Mit zwei Redakteuren, einem Kraftfahrer, zwei Technikern und dem Studioleiter sowie einem Studio und einem altertümlichen Übertragungswagen hatte es seinen Sitz im Haus des Kulturbundes am Schillerplatz 10 und produzierte Zulieferungen für das Funkhaus Schwerin und den Berliner Rundfunk. Etwa ein Jahr später zog das Studio Rostock in die Graf-Schalck-Straße 1 in ein Haus mit zwei Studios, einem technischen Betriebsraum und Zimmern für Redaktion, Techniker und Studioleiter, womit sich in Rostock die Arbeitsbedingungen ebenfalls etwas verbesserten.Eberhard Fensch: So und nur noch besser – Wie Honecker sich das Fernsehen vorstellte. Das Neue Berlin Verlag, Berlin 2003

Rundfunk der Region von 1952 bis 1964 Mit der Auflösung der Länder und der Errichtung von Bezirken als Verwaltungseinheiten im Sommer 1952 ging eine Umstrukturierung des Rundfunks in der DDR mit der Gründung des Staatlichen Rundfunkkomitees (SRK) einher. Der Bezirk Rostock sowie der größte Teil der Bezirke Schwerin und Neubrandenburg entsprachen dem Sendegebiet des ehemaligen Landessenders Schwerin.