mini|hochkant=1.3|Gräber auf dem Alten Friedhof in Schwerin Der Alte Friedhof ist eine Parkfriedhofsanlage in Schwerin. Er befindet sich am südlichen Obotritenring im Stadtteil Weststadt und hat eine Grundfläche von rund 28 Hektar.
Geschichte Als Standort für den heutigen Alten Friedhof wurde durch den Schweriner Hofbaumeister Georg Adolf Demmler während seiner Stadtplanung 1862 das auf einer Anhöhe gelegene Areal am ehemaligen Galgenberg zwischen Ostorfer See und Grimkesee ausgewählt.StAS Magistrat Nr. 2988. Der Magistrat der Stadt und der Oberkirchenrat beschlossen 1862 als Ersatz für den Domfriedhof den Bau der Friedhofsanlage. Mit der Gestaltung beauftragte man den großherzoglichen Gartendirektor Theodor Klett.LKAS OKR, Nr. 222. Der Eingang zum neuen Friedhof sollte am Feldtor liegen, so konnte man das dort vorhandene Toraufsehergebäude zum Wohnhaus für die Totengräber umbauen. Vorher stand das Fachwerkgebäude als Wachhaus am Spieltordamm. Als Theodor Klett seinen Situations-Plan des neuen Gottesacker am 25. Mai 1863 beim Oberkirchenrat zu Schwerin einreichte, waren bereits Wege fertiggestellt und die Ringmauer aus Feldstein vollendet.
Am Nachmittag des 28. Juli 1863 anlässlich der ersten dort stattfindenden Beerdigung mit feierlicher Prozession, an der auch Magistrat und Bürgerausschuss teilnahmen, wurde der Friedhof durch den Superintendenten Karsten feierlich geweiht.LKAS OKR, Nr. 222, StAS Magistrat Nr. 2989.
Der Schweriner Friedhof zählt zu den frühen Beispielen eines Parkfriedhofes im norddeutschen Raum, noch vor dem 1877 eingeweihten Parkfriedhof Hamburg-Ohlsdorf.
Neben der besonderen gärtnerischen Gestaltung, dem Wegenetz, den Baum- und Gehölzbeständen sind es die Vielzahl der kultur- und kunsthistorisch wertvollen Grabsteine und Grabstätten, die meist zwischen 1870 und 1940 geschaffen wurden und die den Denkmalwert des Friedhofs besonders auszeichnen. Dazu gehören auch die Grabkapellen und die Friedhofskapelle, die als bauliche Höhepunkte in die Parklandschaft integriert wurden.
Eine erste Friedhofserweiterung fand 1874 statt. Nach der Planung Theodor Kletts wurde der Friedhof im Norden, Süden und Westen vergrößert. Zu Erweiterungen kam es auch in den Jahren 1881, 1883, 1897 und 1916. Mit diesen Vergrößerungen erreichte der Friedhof seine heutige Ausdehnung von 28,1 Hektar. Alle Versuche des Oberkirchenrats, die Stadt an den Kosten für die Friedhofserweiterungen zu beteiligten, scheiterten vorerst. 1917 verschuldete sich sogar die Kirche, die Verhandlungen zogen sich noch bis 1922 hin. Am 1. Juli 1922 trat die Domkirche für 1.273.485 Mark das Eigentum an dem ihr gehörenden Alten Friedhof nebst Gebäuden und Inventar an die Stadt Schwerin ab. Die Übergabe erfolgte am 2. und 4. Dezember 1922.LHAS 5.12-7/1 Nr. 8668.
Seit Ende 1922 beschäftigte sich die Stadtverordnetenversammlung mit seiner Friedhofskommission, ob man die neue Dienststelle „Friedhofsverwaltung“ oder „Bestattungsamt“ nennen solle.
Mit der Eröffnung des neuen Waldfriedhofes im Stadtteil Krebsförden im Jahre 1969 fanden auf dem Alten Friedhof zunächst nur noch Bestattungen in bereits vorhandenen Familiengrabstätten statt. Aktuell sind wieder Erd-, Urnen- und Baumbestattungen, Bestattungen in Gemeinschaftsanlagen, anonyme Bestattungen und Bestattungen in einer Anlage für stillgeborene Kinder möglich. Nach dem auch in Mecklenburg-Vorpommern gültigen Gräbergesetz wurde 1991 mit der Instandsetzung der Kriegsgräberstätten und der Neugestaltung des Alten Friedhofs begonnen.
Kirchliche Bauten Totengräberhaus Das ehemalige Toraufseher- und Wachhaus, ein eingeschossiges Fachwerkgebäude mit Krüppelwalmdach, am Feldtor wurde 1866 zum Totengräberhaus umgebaut.LKAS OKR, Nr. 236. Östlich davon befindet sich der erste Friedhofseingang mit dem 1866 durch die Schweriner Eisengießerei und Maschinenfabrik angefertigtem schmiedeeisernen Eingangstor. Nach mehrfacher Umnutzung und umfangreicher Sanierung in den Jahren 2007 und 2008 befinden sich dort heute ein Blumengeschäft und ein Café.
Friedhofskapelle mini|hochkant|Trauerkapelle Nach der großherzoglich bestätigten Friedhofsordnung von 1864 geleiteten der Pastor und Kantor den Leichenzug unter Gesang des Schulchors vom Friedhofstor aus zur Friedhofskapelle, auch als Trauerkapelle bezeichnet. Für den Entwurf und den Bau war der Kirchenbaumeister und Hofbaurat Theodor Krüger zuständig. Die Grundsteinlegung des neogotischen Backsteinbaus fand am 26. Mai 1863 statt.LKAS OKR, Nr. 236. Die Weihe der Friedhofskapelle nahm am 14. Januar 1864 der Superintendent Karsten vor.LKAS OKR, Nr. 236.
Die Westfassade erhielt einen viergestaffelten Giebel mit vorgezogenem Mittelportal und einem Glockenturm. Der schlanke Turm mit seinen vier offenen Spitzbogenfenstern und dem achtseitigen Spitzenhelm hat als Bekrönung eine Kugel, einen Wetterhahn und ein Kreuz. Auch auf dem geraden Ostgiebel mit dem gemauerten Kreuz und der Rosette befindet sich ein kupfernes Kreuz. Das Hauptschiff besteht aus vier Jochen mit abgetreppten Pfeilervorlagen und einem Satteldach mit Rechteckschiefer. Die spitzbogigen Doppelfenster sind mit verbleitem Rautenglas versehen. Im Spitzbogen der Eingangstür befindet sich die Inschrift: Jesus Christus – gestern und heute – und derselbe in Ewigkeit . Zur inneren Ausstattung gehörten ein Kruzifix mit vergoldetem Korpus und vier Ölbildern.
Der die Kapelle umgebende Platz war auf Anordnung des Oberkirchenrates für Gräber der Schweriner Geistlichen bestimmt.LKAS OKR, Nr. 236. Landesbischöfe, Pröpste, Kirchenräte und Oberhofprediger, aber auch Hofbaurat Hermann Willebrand fanden hier ihre letzte Ruhestätte.
Grabkapellen Wer eine Grabkapelle bauen wollte, musste die Bauzeichnungen beim Oberkirchenrat (OKR) zu Schwerin genehmigen lassen. Von 1863 bis 1915 wurden durch Schweriner Bürger 19 Kapellen errichtet, von denen noch vier vorhanden sind.LKAS OKR, Nr. 222–226.
mini|Grabkapelle von Georg Adolf Demmler und Ehefrau Den ersten Platz für eine Grabkapelle am südlichen Terrassenhang des ehemaligen GalgenbergsChronik der Schelfkirche, Band 1, S. 35.… 1813 wurde am Galgenberg noch die letzte Hinrichtung vollstreckt. erwarb Georg Adolf Demmler am 9. Juni 1863 vom Schweriner Oberkirchenrat, noch einen Monat vor der offiziellen Friedhofseinweihung.LKAS OKR, Nr. 222. Seine am 7. Mai 1862 verstorbene und in der Kapellenmauer auf dem Domfriedhof beigesetzte Ehefrau Henriette wurde 1864 in die als Mausoleum errichtete Grabkapelle überführt.. Abgerufen am 3. April 2024. Nach seinem Tod am 2. Januar 1886 wurde G. A. Demmler selbst in der Kapelle beigesetzt. Die Einsenkung der Särge in die Gruft erfolgte 1985 bei Notsicherungsarbeiten. Der kleine Sandsteinbau mit seitlichen Terrassen ist mit neoromanischen und neogotischen Schmuckelementen und Freimaurer-Motiven reich verziert und wird von zwölf klassizierenden Schalen und Marmorreliefs umsäumt. Die an der hinteren Wand angebrachten Marmormedaillons von Georg Adolf und Henriette Demmler schuf der Bildhauer Ludwig Brunow. Zum 200. Geburtstag des Architekten und Freimaurers wurde die Grabkapelle 2004 und zu seinem 120. Todestag 2006 aufwändig saniert. Sie gilt als ein Kleinod der Sepulkralkultur. Unter den Spendern zur Restaurierung und Wiederherstellung der Demmler-Kapelle befinden sich die Große Landesloge der Freimaurer von Deutschland zu Berlin, die Großloge Österreich zu Wien und die Logen in Bremen, Kiel, Lübeck, Lüneburg, Schwerin und Stuttgart.
Die zweite Grabkapelle auf dem Alten Friedhof ließ 1864 der Kommissionsrat Mantinus als Mitglied des Departements für Städte- und Polizeisachen der mecklenburgischen Regierung an der linken Seite neben der Demmlerschen Grabkapelle errichten. Die Bauzeichnungen fertigte der Hofbaurat Hermann Willebrand. Wie die meisten Kapellen, wurde sie 1965 wegen Baufälligkeit abgebrochen.
Die seit 1893 bis heute oberhalb des Demmler-Mausoleums stehende mit Quaderputz versehene Grabkapelle (befindet sich im Juli 2014 in Sanierung) gehörte Wilhelm Masius, dessen Familie bereits zwei Kapellen auf dem Domfriedhof hatte. In der am Anfang des Kapellenweges stehenden neogotischen Backsteinkapelle, einst als Urnenabschiedsraum genutzt, befindet sich seit 2004 eine Kunstaktion von Otto Dressler.
Neben den eigentlichen Grabkapellen gibt es auf dem Alten Friedhof noch die kleinere Form der Hanggruft. Die in den Hang greifende, gemauerte Begräbnisstätte, talseitig mit einem Gitter verschlossen, hatte nur Platz für die Särge. Eine gut erhaltene Hanggruft von 1882 findet sich am Unteren Kapellenweg.Anja Kretschmer: Mausoleen und Grabkapellen. 2012, S. 45, 46. Rechts daneben steht hinter Strauchwerk verdeckt noch eine zum Teil schon eingestürzte Kapelle.
Der als Schmiede bezeichnete am Kapellenweg zum Kreuzweg stehende Geschirr- und Arbeitsschuppen für die Totengräber wurde 1863 nach Entwürfen des Hofbaurates Theodor Krüger errichtet.LKAS OKR, Nr. 236.
Leichenhaus mit Totengräberwohnung mini|Leichenhaus mit Totengräberwohnung Nach Entwürfen des Kirchenbaumeisters und Hofbaurat Theodor Krüger wurde 1865 am heutigen Unteren Weg, Ecke Talweg ein Leichenhaus zur Aufbewahrung der Toten bis zur Beerdigung gebaut. Dabei entstand auch ein Sektionsraum für die Gerichtsbarkeit des Großherzoglichen Amts, den auch die Stadt Schwerin nutzen durfte. Aus Kostengründen konnte für den Totengräber statt einer Wohnung nur ein Wohnraum geschaffen werden. Nach 1920 kaum noch benutzt, wurde das Leichenhaus mit den Nebengebäuden 1928 zu Wohnungen umgebaut.StAS Magistrat Nr. 2477. Heute werden die Gebäude, außer dem linken Anbau mit den drei Garagen, nicht mehr genutzt. Fenster und Türen sind vernagelt, die verbleiten Rautenglasfenster im Giebel zerschlagen und eine Terrasse am Südhang mit Grabsteinen befestigt.
Krematorium und Trauerhalle mini|links|Krematorium und Trauerhalle Die Schweriner Friedhofsverwaltung hatte sich 1925 für die beschleunigte Ausarbeitung eine Projektes zum Krematoriumsbau eingesetzt.LHAS 5.12-7/1 Nr. 8668. Dieser sollte neben der Feuerbestattungsanlage eine Trauerandachtshalle und eine Leichenkammer enthalten. Im Juni 1929 legte der Stadtbaurat Andreas Hamann einen Entwurf vor, der die Zustimmung der Friedhofskommission fand.Burkhard Stender: Letzte Ruhe für Wegbereiter des modernen Bauens. Mecklenburg-Magazin, Regionalbeilage der SVZ, 22. Januar 2016, S. 24. Am 14. Dezember 1930 fand die feierliche Einweihung des im Bauhausstil errichteten Backsteinbaus statt. Der schlichte, hohe, mit roten Backsteinen verkleidete Innenraum wird an den Längswänden als Kontrast durch die schmalen, langen violett, blau und gelb verglasten Fenster unterbrochen.StAS Stadtbauamt Nr. 2367.
Die Rasenfläche gegenüber dem Krematorium wurde nach einem Plan von 1926 als Schmuckplatz gestaltet. Im nördlichen Teil fanden 1945 Kriegsopfer eine Ruhestätte. Nach ihrer Einebnung 1961 und der Errichtung einer Gedenkstätte für verdiente Kämpfer für Demokratie und Sozialismus 1965 wurde 2005 die Kriegsgräberstätte mit einem großen hölzernen Symbolkreuz wiederhergestellt.
Ehrenfriedhof mini|Ehrenfriedhof mit Soldatenplastik von Wilhelm Wandschneider