mini|Epitaph der Eheleute Heinrich Beyer Von Boppard und Lisa von Pyrmont (von Lösnich, Todesjahr 1399). Oben rechts das Lösnicher Wappen. mini|Stammtafel der Ritter von Lösnich im 13. und 14. Jahrhundert und ihre familiäre Verbindung zu den Geschlechtern von Pyrmont und Beyer von Boppard durch Lisa von Lösnich
Lisa von Lösnich (* unbekannt; † 7. September 1399) war eine Adlige und die letzte der Stammeslinie des ritterlichen Geschlechts „von Lösnich“.
Stammsitz der Ritter von Lösnich war die gleichnamige Burg in der kleinen reichsunmittelbaren Herrschaft Lösnich an der Mosel im Landkreis Bernkastel-Wittlich.
Die Ritter von Lösnich traten 1226 erstmals urkundlich in ErscheinungMUKB Beyer Eltester, Bd. III, S. 460, Nr. 601; siehe auch Stadtarchiv Trier, Urkunde N31 und erloschen mit dem Tod Conrads von Lösnich, Lisas einzigem Bruder, um 1376 in ihrem Mannesstamm. Weitere Geschwistern sind nicht bekannt. Lisas erste Erwähnung fällt in das Jahr 1330 im Zusammenhang mit ihrer Eheschließung mit Cuno VII. von Pyrmont.LHA Kobl. Abt. 41,3 PyrmontAlle nachfolgenden Namensbezifferungen für Cuno (Kuno) von Pyrmont folgen Detlev Schwennicke (Hrsg.) Europäische Stammtafeln, Neue Folge, Bd. XI. Tafeln 12 und 13, Marburg 1986. Ausgehend von einem damals heiratsfähigen Alter zwischen 12 und 20 Jahren erreichte Lisa bis zu ihrem Tod im Jahre 1399 mit vielleicht 85–90 Jahren für die durchschnittliche Lebenserwartung im Mittelalter von ca. 35 Jahren ein hohes Alter, und dies in der Zeit der großen europäischen Pandemie von 1347 bis 1353, als ein Drittel der damaligen europäischen Bevölkerung der Pest zum Opfer fiel.Artikel in „Die Welt“, Rubrik Wissen, Artikel Pest im Mittelalter vom 30. August 2011. Nach dem frühen Tod ihres ersten Mannes heiratete Lisa (von Pyrmont) in zweiter Ehe Heinrich Beyer von Boppard (nach 1351), einen einflussreichen Ministerialen und Burgherrn zu Boppard am Rhein.
Herkunft Die Eltern Lisas waren Ritter Conrad von Lösnich († um 1361) und Adelheid von Bruch († um 1339). Bis auf ihren Bruder Conrad von Lösnich († um 1371)Publ. Lux. Ter. 55, S. 16. sind keine weiteren Geschwister bekannt. Ihr Vater Conrad von Lösnich wurde seit Anfang des 14. Jahrhunderts häufig als Zeuge und Mitsiegler im Urkundenwesen herangezogen. Er zählte zu den erzbischöflichen Ministerialen der Kölner und Trierer Erzbischöfe aus dem niederen Ritteradel an der Mittelmosel. Adelheid von Bruch stammt von Burg Bruch in der Eifel. Ihre Eltern waren Theoderich von Bruch († vor 1318) und wahrscheinlich Adelheid von Rodemachern († nach 1338).LHA Koblenz, Bestand De, Nr., Tafel VI, Bruch in der Eifel. Stammsitz dieses Geschlechts war die gleichnamige Burg Bruch.
Erste Ehe mit Cuno von Pyrmont mini|Epitaph von Cuno IX. von Pyrmont im Garten des St. Castor Stifts in Treis-Karden an der Mosel. Unten links das Lösnicher Wappen. mini|Wappenabbildung der Ritter von Lösnich auf dem Epitaph von Cuno IX. von Pyrmont 1447 im St. Kastor Stift in Treis-Karden mini|Cuno IX. von Pyrmont und von Ehrenberg mit Söhnen. Aus dem ehem. Pyrmont-Fenster der Karmeliterkirche Boppard. mini|hochkant|Kurfürst und Erzbischof Lothar Friedrich von Metternich mini|Ehewappen Casimir Friedrich von Kesselstatt und Anna Clara von Metternich am Hauptaltar in der Pfarrkirche St. Vitus in Lösnich mini|hochkant|Freiherr Joseph Franz von Kesselstatt (1695–1750), Domherr und Diplomat in Mainz In erster Ehe vermählte sie sich 1330 mit Cuno VII. von Pyrmont, Sohn des Heinrich Herrn von Pyrmont. Stammsitz der Herren von Pyrmont war die an der Eltz bei Münstermaifeld gelegene Burg Pyrmont.LHA Kobl. Abt. 41,3 Pyrmont.
Ehevertrag Die Eheberedung zwischen Lisa von Lösnich und Cuno VII. von Pyrmont, in der alle Erbschaftsangelegenheiten und die Mitgift Conrads an seine Tochter urkundlich geregelt wurden, fand am 13. Oktober 1330 in Zell an der Mosel statt.LHA Kobl. Abt. 41,3 Pyrmont. Conrad von Lösnich verpflichtete sich zu einer Mitgiftszahlung von 1000 Pfund Heller an seine Tochter Lisa. Mit dieser Summe sollten die von Pyrmont an das Kloster Marienburg verpfändeten Höfe zu Missenich und Ahre gelöst und an Lisa und Cuno übertragen werden. Lisa verzichtete ihrerseits auf alle Erbrechte an den Besitztümern und Einkünften ihres Vaters Conrad von Lösnich. Zeugen dieser Beredung waren neben Conrad von Lösnich auch Colin von Wittlich und die Ritter Conrad von Esch und Wilhelm von Urley. Gesiegelt wurde die Urkunde von den Rittern Heinrich von der Leyen und Scheids von Dune. Die Auslösung der Verpfändung an das Kloster Marienburg ist allem Anschein nach bereits innerhalb eines Jahres erfolgt. Petrissa, die Meisterin und der gesamte Konvent des Klosters bekennen am 13. September 1331, dass Conrad von Lösnich die Summe von 1000 Pfund Heller, die er seiner Tochter Lisa als so genannten „Heiratspfennig“ versprochen hatte, an das Kloster bezahlt habe, um damit die von den „Pyrmontischen Erben“ verkaufte Gült zu lösen.Stadtarchiv Trier, Sammlung Strasser. Obwohl laut Vereinbarung der erwähnten Eheberedung Lisa keinerlei Erbrechte mehr an der Herrschaft Lösnich innehaben sollte, wurde sie im Jahre 1342 unter Bewilligung Erzbischof Balduins von Trier von ihrem Vater Conrad von Lösnich mit etlichen Gütern bedacht, die vom Erzstift Trier lehnsrührig waren. Dazu gehörten der Hof zu Rachtig (Ratick) bei Zeltingen mit „Zubehör“, das Burglehen zur Neuerburg bei Wittlich, zwei Weingärten zu Erden und Lösnich, ein halbes Fuder Weinrente, die Renten an 6 Hofstätten, eine gesamte Hofstatt in Lösnich und eine Hofstatt auf Burg Arras (bei Alf an der Mosel) mit allen dazugehörenden Zehnten.LHA Koblenz, Abt. 54, 13, L 614 Lisas Bruder Conrad war 1348 verheiratet mit Idberga von Bornheim, die mit ihm ihre bereits dritte Ehe führte.LHA Kobl. Geschichte der Familie von Bornheim 1107–1940, S. 36
Kinder aus der Ehe Mit Cuno VII. von Pyrmont hatte Lisa drei Kinder, Heinrich, Cunigunde und Aleide. Cuno muss jedoch schon sehr früh verstorben sein, denn bereits im Juni 1347 bestellte Conrad Herr zu Lösnich die Herren Philipp Herr zu Schöneck und Friedrich den Älteren, Herr zu Ehrenberg als Vormünder für seine Enkelkinder Heinrich, Kunen und Aleide.LHA Koblenz, Abt. 52,19 Nr. 62a; Abt. 41, 3r,3 Heinrich von Pyrmont, der Sohn aus der Ehe Cunos mit Lisa von Lösnich erhielt schon 1371 die ehemaligen Lehen seines Onkels Conrad von Lösnich in Erdener und Lösnicher Gemarkung, die vom Grafen Heinrich von Veldenz lehnsrührig waren.Pohlmann Karl, Regesten der Lehnsurkunden d. Grafen von Veldenz, S. 263 Die Übertragung dieser Lehnsgüter geschah wohl infolge des Todes von Conrad dem Jüngeren, dem letzten männlichen Erben des Lösnicher Geschlechts. Dafür spricht, dass am 15. August 1371 Ritter Conrad von Lösnich noch in einem Schuldhandel für den Ritter Johann von Clotten und den Rheingrafen Johann Widger von Dunen bürgte,Rhei-Widger-Archiv, Casper und Schmitz-Callenfels, S. 253 doch am 6. Januar 1372 Conrad Beyer, ein Sohn Lisas von Lösnich aus zweiter Ehe, durch Karl den IV. eine Rente auf den „Zoll vom Fels“ erhielt, der durch den Tod Conrads von Lösnich wieder dem Reich angefallen war.Publ. Lux. Ter. 55, S. 16 Die Herren von Pyrmont waren nicht lange an der Herrschaft Lösnich beteiligt. Heinrich von Pyrmont bewittumte am 12. September 1400 mit der ihm zugehörigen Hälfte die Gemahlin seines einzigen Sohnes Cuno IX., Grete von Schonenburg.Töpfer III, S. 155
Nachfahren über die Linie von Pyrmont Nach dem Tod seines Vaters Heinrich IV. von Pyrmont verkaufte Cuno VI. (?) am 14. September 1409 den väterlichen Anteil an Lösnich für 1200 Rheinische Gulden an seinen Onkel Conrad Beyer und dessen Söhne Dietrich und Heinrich. Er behielt sich jedoch ausdrücklich das Wiederkaufsrecht für sich und seine Erben vorPohlmann Karl, S. 263, Nr. 610, welches jedoch niemals eingelöst wurde.Töpfer III, S. 155 Damit kam Conrad Beyer von Boppard zur alleinigen Herrschaft über das Schloss zu Lösnich. Die Beyer von Boppard blieben alleinige Herren in Lösnich bis zum Jahre 1598, als Georg Beyer von Boppard durch eine türkische Kugel bei der Belagerung von Ofen im Alter von nur 33 Jahren zu Tode gekommen ist.Töpfer III, S. 155. Über die Linie von Pyrmont erscheinen die Nachfahren von Lisa von Lösnich auch nach Aussterben des Mannesstammes durch Heirat in vielen Adelsgeschlechtern des mosel- und rheinländischen Adels. So lässt sich auch eine Linie bis zu noch lebenden Mitgliedern der Reichsgräflichen Familie von Kesselstatt nachweisen. Hinweis zum Aufbau der Liste:
Lisa von Lösnich … Sohn Heinrich der IV. … dessen Sohn Heinrich der V. … Nachfahren von Lisa von Lösnich über die Linie Kuno VII. von Pyrmont bis zur Linie von Kesselstatt
Lisa von Lösnich († 1399) & Kuno VII. von Pyrmont (Heirat 1330) Heinrich IV. von Pyrmont (1361–1400) & Elisabeth v. Bourscheidt (1398 Wwe.) Heinrich von Pyrmont und Katharina von Gronsfeld Kuno IX. von Pyrmont (1396–1447) & Margarethe von Schönburg († 1431) Heinrich der VI. von Pyrmont (1435–1487) & Elisabeth von Sombreff Heinrich der VII. von Pyrmont 1495 Reichsfreiherr & Margarethe Waldbott von Bassenheim Elisabeth von Pyrmont (Erbtochter, 1497) & Philipp von Eltz (1460–1539) Heinrich von und zu Eltz († 1557) & Johanna von Elter (1551) Katharina von und zu Eltz († 1598) & Georg IV. von der Leyen († 1582) Maria von der Leyen (1660) & Johann Gerhard von Metternich, Herr zu Bourscheid (1614) Freiherr Wolf Heinrich von Metternich-Bourscheid († 1699) & Anna Margaretha von Schönborn, Freiin (1637–1676) -> Kauf des Herrschaft Lösnich 1673 von den Grafen von ChrichingenBruder: Lothar Friedrich von Metternich, 1673–1675 Erzbischof und Kurfürst von Mainz Anna Maria Klara von Metternich, Freiin (1662–1719) & Casimir Friedrich von Kesselstatt (1664–1729)Erbschaft der Herrschaft Lösnich (Heirat 1690) Schwester: Maria Ursula von Metternich, 1680 bis zu ihrem Tode 1727 Äbtissin im Kloster Machern an der Mosel Karl Friedrich Melchior, Freiherr 'von Kesselstatt (1692–1751) und Isabella Freiin Raitz von Frentz Bruder: Joseph Franz von Kesselstatt (1695–1750), 1729 Domherr in Mainz und 1743 Dompropst in Trier Johann Hugo Casimir Edmund Reichsgraf von Kesselstatt (1727–1796) & Katharina Freiin von Katzenelnbogen Karl Reichsgraf von Kesselstatt (1756–1829) & Theresia Franziska Philipia Walpurgis von Stadion Clemens Reichsgraf von Kesselstatt (1792–1823) & Franziska von Fünfkirchen, 1794 Ende des Feudalsystems und damit Aufgabe der Herrschaft Lösnich Franz Josef Reichsgraf von Kesselstatt (1826–?) & Ida Capell, Gräfin von Wickenberg Eugen Reichsgraf von Kesselstatt (1870–1933) & Margaret Gräfin Szecheny Franz de Paul Reichsgraf von Kesselstat (1894–1938) & Gabriela Anna Olga Prinzessin von und zu Liechtenstein Franz Eugen Reichsgraf von Kesselstatt (1926–2013) & und Louisette von Laveran Stieber von Jinzberg Rudolf Reichsgraf von Kesselstatt (1956-) & Alexandra Schneider
Cuno IX. von Pyrmont und Ehrenberg Cuno von Pirmont war verheiratet mit Margaretha von Schönburg, die eine Enkelin und Erbin des letzten Herren von Ehrenberg auf der Ehrenburg bei Brodenbach an der Untermosel war. Damit ererbte er einen Lehensanspruch über die Herrschaft Ehrenberg.Wikipedia, Cuno von Pyrmont und von Ehrenberg, S. 1–5 Aus der Ehe gingen drei Söhne und zwei Töchter hervor, Heinrich Johann und Friedrich. Seine letzte Ruhestätte fand Cuno 1447 zusammen mit seiner Gattin Margaretha in der St. Castorkirche in Treis-Karden an der Mosel. Zwei spätgotische Grabplatten aus rotem Sandstein mit einer nahezu lebensgroßen Darstellung des Paares können heute im Stiftsmuseum von Karden bewundert werden. Die auf den Grabplatten dargestellten Wappenschilder verweisen auf Abstammung und Verwandtschaft der beiden aus dem rheinischen und moselländischen Ritteradel. So findet sich dort das Wappen der Lösnicher Ritterfamilie, der Frauenarm mit Hängeärmel, einen Ring haltend und von kleinen Kreuzen umsäumt als Hinweise auf Lisa von Lösnich (von Pyrmont), Cunos Großmutter väterlicherseits.