Die Bouin-Lösung (auch Bouinsche Lösung, Bouin's fluid) ist eine Lösung, die in der Histologie zur Fixierung verwendet wird.
Eigenschaften
Bouin-Lösung besteht aus Pikrinsäure (gesättigte Lösung, 0,04 Molar), 5 % (V/V) Essigsäure (0,9 Molar) und 10 % (V/V) Formaldehyd in wässriger Lösung. Sie wird unter anderem zur Fixierung von Biopsien des Magen-Darm-Trakts und der Weichteilgewebe verwendet, da sie anschließend im Vergleich zu neutral gepufferter zehnprozentiger Formaldehydlösung eine kontrastreichere Färbung von Zellkernen erlauben. Die Bouin-Lösung hat einen pH-Wert zwischen 1,5 und 2. Sie ist weniger geeignet für elektronenmikroskopische Präparate. Eine Fixierung mit Bouin-Lösung wird unter anderem vor einer Hämatoxylin-Eosin-Färbung oder einer Trichrom-Färbung verwendet. Vor einer Trichrom-Färbung werden formaldehydfixierte Gewebe meist mit Bouin-Lösung gebeizt. Die enthaltene Essigsäure lysiert Erythrozyten, löst und cheliert Eisen- und Calciumionen. Alternativ kann Ameisensäure verwendet werden. Formaldehyd erzeugt ein basophiles Cytosol, was jedoch durch die Pikrinsäure kompensiert wird.
Ungetrocknete Gewebe sollten weniger als 24 Stunden in Bouin-Lösung fixiert werden. Überschüssige Pikrinsäure wird mit Ethanol-Wasser-Lösungen herausgewaschen, um eine Anfärbbarkeit des Präparats langfristig zu gewährleisten. Eine Lagerung Bouin-fixierter Gewebe sollte dementsprechend in einer Ethanol-Wasser-Lösung erfolgen.
Mit Einschränkungen kann aus Bouin-fixierten Geweben DNA für eine Polymerasekettenreaktion oder RNA für eine RT-PCR extrahiert werden.I. Hostein, I. Soubeyran, H. Eghbali, S. de Resende, M. Longy, P. Soubeyran: Polymerase chain reaction diagnosis of t(14;18) from paraffin-embedded tissues fixed with Holland Bouin fluid. In: Diagnostic Molecular Pathology Band 7, Nummer 3, Juni 1998, S. 184–188. PMID 9836076.A. Gloghini, B. Canal, U. Klein, L. Dal Maso, T. Perin, R. Dalla-Favera, A. Carbone: RT-PCR analysis of RNA extracted from Bouin-fixed and paraffin-embedded lymphoid tissues. In: The Journal of molecular diagnostics : JMD. Band 6, Nummer 4, November 2004, S. 290–296. . PMID 15507667. . Für eine Immunfärbung ist bei Bouin-fixierten Geweben aufgrund des enthaltenen Formaldehyds oftmals eine Antigendemaskierung notwendig.A. V. Bassarova, A. A. Popov: Immunohistochemical detection of p53–effect of fixation and methods of antigen retrieval. In: Folia histochemica et cytobiologica / Polish Academy of Sciences, Polish Histochemical and Cytochemical Society. Band 36, Nummer 3, 1998, S. 127–132. PMID 9773296.
Abwandlungen Die Gendre-Lösung ist eine alkoholische Variante der Bouin-Lösung, bei der die gesättigte Pikrinsäure-Lösung mit einer alkoholischen Lösung hergestellt wird. Dadurch werden Polysaccharide wie Glykogen im Präparat erhalten.
Die Hollande-Lösung enthält zusätzlich Kupfer(II)-acetat, das die Zellmembran von Erythrozyten und die Granula von Eosinophilen und endokrinen Zellen erhält.
Alternativen Alternativ kann anstatt der Bouin-Lösung eine Fixierung mit Kupfersalzen nach Hollande oder mit Quecksilbersalzen durchgeführt werden, z. B. mit B5 oder nach Zenker.G. Baloglu, A. Haholu, Z. Kucukodaci, I. Yilmaz, S. Yildirim, H. Baloglu: The effects of tissue fixation alternatives on DNA content: a study on normal colon tissue. In: Applied Immunohistochemistry & Molecular Morphology Band 16, Nummer 5, Oktober 2008, S. 485–492. . PMID 18594471.
Geschichte Die Bouin-Lösung wurde 1897 von Pol Bouin entwickelt.C. Ortiz-Hidalgo: Pol André Bouin, MD (1870-1962). Bouin's fixative and other contributions to medicine. In: Archives of pathology & laboratory medicine. Band 116, Nummer 8, August 1992, S. 882–884. PMID 1497471.
Einzelnachweise
Kategorie:Histologische Technik Kategorie:Puffer (Chemie) Kategorie:Chemische Lösung