FSB (Franz Schneider Brakel GmbH + Co KG) ist ein deutscher Hersteller von Tür- und Fensterbeschlägen und barrierefreien Griffsystemen mit Sitz im ostwestfälischen Brakel.
Geschichte Im Jahr 1881 gründete der Gürtlermeister Franz Schneider in Iserlohn einen Handwerksbetrieb, in dem er zunächst allein und dann mit einer wachsenden Anzahl von Mitarbeitern historisierende Möbelbeschläge und Devotionalien aus MessingUm zu verstehen, wie wir denken, muss man unsere Hände anschauen. Aus der Firmengeschichte von FSB. In: Bauwelt, H. 13/2006, S. 26 f. herstellte und an die Möbelindustrie verkaufte.
1909 zog Franz Schneider mit seiner Familie und einem Dutzend Mitarbeitern von Iserlohn ins ostwestfälische Brakel, wo er einen leerstehenden roten Backsteinbau erworben hatte, der zur Jahrhundertwende für eine Dampf-Schweine-Schlachterei erbaut worden war.Robert Kuhn: Katalog. Franz Schneider Brakel, Brakel 1990, S. 1. Die Nähe der westfälischen, thüringischen und sächsischen Möbelindustrie war der wichtigste Grund für den Umzug. Das Unternehmen firmierte von diesem Zeitpunkt an als Westfälisches Metallwerk Franz Schneider & Söhne.
Nach dem Tode des Unternehmensgründers übernahmen seine Söhne Wilhelm und Franz junior das Unternehmen und erweiterten das Fertigungsprogramm mit geprägten Zubehörteilen wie Lüftungsgittern, Zier- und Schutzblechen für Türen sowie Fahrradkappen aus Blechen aller Materialien. Ende der 1920er Jahre trennten sich die Brüder. Der Ältere zog mit seinem Anteil an Kapital, Maschinen und Personal nach Paderborn und baute dort eine Fertigung für Garagentüren auf. Der Jüngere kümmerte sich weiter um den väterlichen Betrieb in Brakel.
1950 übernahmen Maximilian Schneider, ein Enkel des Unternehmensgründers, und sein Schwager Fritz Scheffler die Unternehmensleitung.Franz Schneider Brakel: . Die dritte Unternehmensgeneration baute die Lieferantenstellung für Zubehörteile der Möbelindustrie weiter aus und begann, Kontakte zum Marktsegment der Beschläge für Türen und Fenster zu knüpfen. Neben die historisierenden Messingbeschläge traten zunächst Zier- und Griffleisten aus Aluminium für die Küchenmöbelindustrie. Von Erfolg begleitet war auch die Entwicklung und Lieferung von Lüftungsgittern für die Fensterindustrie. Es lag nahe, sich parallel um Zubehörteile für Fenstergriffe, geprägte Schilder und Rosetten für Türdrücker zu kümmern und dem boomenden Baumarkt ein überschaubares Angebot an geschwungenen Türklinken anzubieten.
1981 übergaben die geschäftsführenden Gesellschafter im Zuge des 100. Jubiläums die Unternehmensleitung an den extern hinzugezogenen Geschäftsführer Jürgen Werner Braun, den sie damit beauftragten, das Unternehmen in eine GmbH & Co. umzugründen und zusammen mit einer jungen Mannschaft weiterzuführen. Aus dem Westfälischen Metallwerk Franz Schneider & Söhne wurde das Unternehmen Franz Schneider Brakel GmbH + Co KG.
2011 war Udo Brechmann Geschäftsführer.
Mit dem Kauf der Sächsischen Schlossfabrik GmbH (Verkauf an die Schulte-Schlagbaum AG im August 2018) und einem Sortiment von Griffen und Zubehör für barrierefreies Wohnen (ErgoSystem) wurden seit Mitte der 2000er Jahre neue Geschäftsfelder erschlossen. Zum 140. Jubiläum teilte das Unternehmen mit, dass mit Tobias Gockeln wieder ein Mitglied der Gründerfamilie in die Geschäftsführung eintritt.
Der Weg zur Architektur- und Designmarke Das Unternehmen konzentrierte sich in den Jahren von 1981 bis 2001 schwerpunktmäßig auf die Gestaltung neuer Ausstattungsdetails für die Architektur-Elemente Tür und Fenster und baute hierzu das Kürzel FSB als Designmarke auf. Die wichtigsten Elemente dieser Weiterentwicklung waren das Erbe des Johannes Potente, die fordernde Beratung durch den Designer und Mitbegründer der Ulmer Hochschule für Gestaltung (hfg) Otl Aicher und die Suche des Marktes nach neuen Formen und Materialien.
Johannes Potente (1908–1987) wurde zwischen den Weltkriegen beim Westfälischen Metallwerk als Stahlgraveur, Ziseleur und Werkzeugbauer ausgebildet. Nach der Gefangenschaft kehrte er in den 1950er Jahren in das Unternehmen zurück. Als Leiter der Bereiche Entwicklung, Entwurf, Werkzeugbau und gewerbliche Ausbildung wurde er zur „Seele“ des Unternehmens. Zunächst als Hobby und später aus Leidenschaft entwarf er nebenbei auch Türklinken und Fenstergriffe für die neu aufgebaute Aluminiumgießerei. Für die vierte Unternehmensgeneration wurde er zum Wegbereiter und verhalf FSB u. a. dazu, mit seinen schwungvollen Handformen im Stile der 1950er Jahre Eingang in berühmte Mustersammlungen wie die des Museum of Modern Art in New York und der Neuen Sammlung in München zu finden.
Otl Aicher (1922–1991) stand FSB von 1985 bis 1991 beratend zur Seite. Bei einem Besuch in Brakel hatte er den bereits im Ruhestand lebenden „anonymen Industriedesigner“ Johannes Potente kennengelernt und spontan geäußert, dass diesem Mann ein Buch gewidmet werden sollte. FSB definierte sich unter der strengen Anleitung von Otl Aicher als Hersteller von Artefakten (Greifen und GriffeFSB Edition, Band 1. Greifen und Griffe; Otl Aicher, Robert Kuhn; Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1987; ISBN 3-88375-061-1 Ausstellung im Deutschen Architekturmuseum.Ursula Kleefisch-Jobst, Ingeborg Flagge (Hrsg.): Architektur zum Anfassen. FSB Greifen und Griffe. (Ausstellungskatalog), Anabas-Verlag, Darmstadt 2002, ISBN 3-87038-344-5.), erinnerte sich an seinen anonymen Industriedesigner (Johannes Potente, Design der 1950er JahreFSB Edition, Band 3. Johannes Potente, Brakel · Design der 50er Jahre; Texte: Otl Aicher, Jürgen W. Braun, Siegfried Gronert, Robert Kuhn, Dieter Rams, Rudolf Schönwandt; Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1989; ISBN 3-88375-090-5), setzte sich kritisch mit der internen sowie der extern unterstützten Design-Entwicklung auseinander (Türklinken-Workshop in BrakelFSB Edition, Band 2. Türklinken, Workshop in Brakel; Texte: Otl Aicher, Jürgen W. Braun, Siegfried Gronert; Fotos: Timm Rautert; Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1987; ISBN 3-88375-072-7), beschrieb die Heimat der vierten Unternehmensgeneration (Annentag in Brakel, ein deutsches VolksfestFSB Edition, Band 7. Annentag in Brakel · Ein deutsches Volksfest; Fotos: Rudi Meisel, Timm Rautert, Michael Wolf; Reportage: Bernd Müllender; weitere Beiträge: Eugen Drewermann, Herbert Engemann, Peter Maiwald; Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1992; ISBN 3-88375-157-X) und dokumentierte die Zu- und Ausgänge dieser Welt (Zugänge, AusgängeFSB Edition, Band 4. Zugänge – Ausgänge; Gedichte von Peter Maiwald sowie Textbeiträge von Jürgen W. Braun und Marcel Reich-Ranicki; Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1989; ISBN 3-88375-107-3FSB Edition, Band 5. Zugänge – Ausgänge; Fotos von Timm Rautert sowie Textbeiträge von Otl Aicher, Jürgen Becker, Wolfgang Pehnt; Verlag der Buchhandlung Walther König, Köln 1990; ). Nach fünfjähriger „Lehrzeit“ durfte sich FSB 1990 mit einem von Otl Aicher gestalteten Logo dem Markt vorstellen. Es zeigt einen stilisierten Griff, der auf einer Türklinke basiert, die der Philosoph Ludwig Wittgenstein für das von 1926 bis 1928 erbaute Haus seiner Schwester in Wien entworfen hatte.Lorenz Schröter: Tractatus Architectonicus. In: Architectural Digest, H. 3/2004, S. 90–96 (online bei dreizehn Kulturmagazin, abgerufen am 27. Mai 2014). Otl Aicher fasste zudem seine Forschungserkenntnisse zum Türklinken-Design für FSB in der Studie "Vier Gebote des Greifens" zusammen.
Auf der Suche nach neuen Formen und Materialien initiierte FSB im Jahre 1986 einen Workshop in enger Zusammenarbeit mit zu dieser Zeit führenden Architekten und Designern, u. a. Mario Botta, Peter Eisenman, Arata Isozaki, Hans Hollein, Alessandro Mendini und Dieter Rams. Die gemeinsam erarbeiteten Gestaltungsideen wurden in den Materialien Aluminium, Messing, Edelstahl, Holz und Kunststoff umgesetzt. Das Ereignis ging als Türklinken-Workshop in die deutsche Designgeschichte ein und wurde von den Medien weltweit gewürdigt.Sonja Klug:
In Anlehnung an die Jugendstilphilosophie, die ein Haus samt Innenausstattung und Mobiliar als Gesamt(kunst)werk begreift, setzt FSB auf die stilistische Stimmigkeit bei der Umsetzung von architektonischen und gestalterischen Grundlinien innerhalb eines Gebäudes. Türgriffe bzw. Türklinken sind Architektur en miniature und spiegeln in Form und Gebrauch die gestalterische Haltung ihrer Entwerfer wider. FSB ist der Meinung, dass die Entscheidung für einen Türgriff immer im Kontext mit der umgebenden Architektur zu treffen ist. In seiner Gestaltung komprimiert sich die Sprache des Raumes. Er wird zu einem harmonischen Teil des Ganzen – oder akzentuiert ganz bewusst einen formalen Widerspruch.
Produkte Beschläge für Türen und Fenster:
Türdrücker und Türklinken, Objekt-Griffprogramme, Rosetten und Schilder, Türknöpfe sowie Knopf- und Griffschilder, Fenstergriffe, Schiebetürbeschläge, Einlass- und Turnhallenmuscheln, Beschläge für JVA, Forensik und Psychiatrie, Türstopper, Rahmentürbeschläge, Paniktürbeschläge, Glastürbeschläge, Türgriffe, Schutzbeschläge, Briefeinwürfe, Sprech- und Klingelplatten, Hinweiszeichen mit Piktogrammen von Otl Aicher, Haus-Ziffern
Barrierefreies ErgoSystem:
Eine älter werdende Gesellschaft benötigt Lösungen, die „Räume an sich“ leichter handhabbar machen. Mit dem barrierefreien ErgoSystem fertigt FSB ein System von sanitären Ausstattungen, Griffen und Accessoires, das alltägliche Abläufe z. B. in Sanitär- und Badebereichen komfortabler und sicherer gestaltet.
Kommunikation und Werbung Der Weg vom Westfälischen Metallwerk hin zur Marke FSB wurde nachhaltig mit begleitenden Publikationen und Marketingaktivitäten gestützt. Besondere Aufmerksamkeit zog die von Otl Aicher angeregte und in den ersten Jahren von ihm mitgestaltete Buchreihe – kurz: FSB Edition – auf sich. Der Krimi-Autor Felix Huby sorgte mit dem Rowohlt-Taschenbuch Bienzle und der KlinkenmörderFelix Huby: Bienzle und der Klinkenmörder. (rororo, Bd. 22939), Rowohlt-Taschenbuch-Verlag, Reinbek bei Hamburg 2001, ISBN 3-499-22939-0. dafür, dass die Türklinke als Mordwaffe bekannt wurde.Georgios Simoudis: Storytising. In: Brigitte Gaiser, Richard Linxweiler, Vincent Brucker (Hrsg.): Praxisorientierte Markenführung. Neue Strategien, innovative Instrumente und aktuelle Fallstudien. Betriebswirtschaftlicher Verlag Dr. Th. Gabler, Wiesbaden 2005, ISBN 3-409-12516-7, S. 537 f. Ab 2002 wurden auf Anregung von FSB vierzehn Reden zur Architektur in Zusammenarbeit mit Frau Dr. Brigitte Labs-Ehlert in das ostwestfälische Literatur- und Musikfest „Wege durch das Land“ eingebettet. Im Jahre 2014 kuratierte FSB im Auftrag von Rem Koolhaas Türklinken aus 400 Jahren als „elements of architecture“ im Rahmen der Architektur-Biennale in Venedig. 2017 endete im Grassi Museum in Leipzig eine von FSB initiierte Ausstellungsreihe mit Türklinken der Moderne, die 2009 in Berlin zusammen mit Hans Kollhoff im Roten Salon der Bauakademie von Schinkel als „Begreifbare Baukunst“FAZ vom 7. Februar 2014, S. 11, Andreas Platthaus aus der Taufe gehoben worden war.
In der 16 Bände umfassenden FSB Edition wurde von 1987 bis 2000 die Geschichte der Artefakte nachvollzogen, interpretiert und kommentiert. Otl Aicher steuerte von 1987 bis 1991 für jeden Band ein ausführliches Essay bei, das er später in seine eigenen Veröffentlichungen aufnahm. Lange bevor FSB von der Designwelt für seine Produkte ausgezeichnet wurde, erhielt die heute nur noch antiquarisch verfügbare FSB Edition Prämierungen der Stiftung Buchkunst. In einem Sammelband mit dem Titel Die Sprache der HändeFAZ vom 13. März 2007, Nr. 61 / S. T6 wurden die wichtigsten Aussagen der FSB Edition zusammengefasst.