Lehnin [] ist ein OrtsteilErwähnung als Ortsteil der Gemeinde Kloster Lehnin im Kommunalverzeichnis Brandenburg, abgerufen am 19. April 2026 der Gemeinde Kloster Lehnin im Landkreis Potsdam-Mittelmark im Land Brandenburg. Bis zur Eingemeindung am 1. April 2002 war Lehnin eine eigenständige Gemeinde, die vom Amt Lehnin verwaltet wurde.
Geographie Lehnin liegt etwa fünfzehn Kilometer südöstlich der Stadt Brandenburg an der Havel, 20 Kilometer südwestlich der Landeshauptstadt Potsdam und 20 Kilometer nordöstlich der Kreisstadt Bad Belzig in der Landschaft Zauche. Nachbarorte sind die ebenfalls zur Gemeinde gehörenden Dörfer Michelsdorf im Westen, Nahmitz im Nordwesten, Damsdorf im Norden, Emstal im Südosten und Rädel im Süden. Lehnin liegt am kanalartig ausgebauten Fluss Emster, der nach Norden der Havel zufließt. Weiterhin liegt das Dorf am Klostersee, der von der Emster durchflossen wird. Im Dorf kreuzen sich die Landesstraßen 88, die von der Bundesstraße 102 bei Brandenburg im Nordwesten zur Bundesstraße 246 in Beelitz im Südosten, und die Landesstraße 86, die von der Bundesstraße 1 in Groß Kreutz im Norden zur Bundesstraße 102 in Golzow im Südwesten führt. Südöstlich von Lehnin liegt der Truppenübungsplatz Lehnin.
Der Ort ist auf historischen Karten wie der Karte der Zauche von Erhardt (1777) sowie dem Urmesstischblatt Lehnin (1839) als kleiner Flecken mit mehreren Straßen und dem zum Kloster gehörenden Hof verzeichnet. Die Dorfstätte Lehnin lieferte im Jahr 1602 insgesamt 82 Fuder Heu und wurde 1662 im Rahmen administrativer Neuordnungen zur Heidereiterei verlegt. Rund 2 km südsüdöstlich des Klosters befindet sich auf der Nordspitze einer Halbinsel im Klostersee ein 3–4 m hoher, rundlicher Hügel von 40–50 m Durchmesser, auf dem Scherbenfunde auf frühere Besiedlung hindeuten. Etwa 1 km nördlich des Ortes liegen die sogenannten Schwedenschanzen, ein heute noch rund 1,5 m hoher Wall mit beidseitigen Gräben und einer Gesamtbreite von 12–15 m, der als Befestigungsanlage gedeutet wird. Die historischen Strukturen gingen später im Forst Lehnin im Bereich der Waldforstmeisterei Kolpin auf.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 219)
Geschichte und Etymologie Etymologie Das Dorf Lehnin wurde erstmals im Jahr 1193 als cenobium Lenin urkundlich erwähnt. Der Ortsname leitet sich von dem slawischen Personennamen Len ab, welcher Faulpelz bedeutet. Einer Sage nach beruht der Name auf der slawischen Bezeichnung für Hirschkuh, diese ist durch eine volksetymologische Namenserklärung entstanden. ISBN 3-937233-17-2. Weitere Nennungen waren von dem Closter vnd Gothuse ze Leny im Jahr 1352 und Lenyn, Leynyn im Landbuch Karls IV.
12. bis 16. Jahrhundert Bereits 1180, einige Jahre vor der ersten Erwähnung Lehnins, wurde auf Weisung des Markgrafen Otto I. von Brandenburg das Kloster Lehnin gegründet. Dieses gehörte zum Orden der Zisterzienser. Bis etwa zum Jahr 1260 wurde der Klosterbau fertiggestellt. Die Gründung Lehnins in seiner heutigen Form vollzog sich im Jahr 1415 aus einem durch die Mönche des Klosters Lehnin gegründeten Markt. 1542 wurde unter Kurfürst Joachim II. das Kloster mit all seinem Besitz in der näheren und weiteren Umgebung im Zuge der Reformation säkularisiert und eingezogen. In Lehnin gab es im Jahr 1546 einen Krug „vor dem Kloster bei der Mühle samt 1 Worte“, sowie einen Kohlgarten, drei Stücken Land und der Wische bei der Mittelmühle.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 220)
17. Jahrhundert Für das Jahr 1602 sind ein Krug vor dem Amt sowie eine Wassermühle nachgewiesen. Im Zuge der wirtschaftlichen Erweiterung entstand 1662 zusätzlich eine Schneidemühle, die zwischen dem Mühlen- und dem Herrenteich erbaut wurde. Nach einem Bericht von 1687 hatten die Beamten „vor dem Amte“ bereits seit etwa 20 Jahren die sogenannten Neuhäusler angesiedelt. Ihnen wurden schrittweise kleine Stellen zugewiesen; Ackerflächen besaßen sie nicht, verfügten jedoch über kleinere Küchengärten an ihren Häusereihen. Die Siedlung umfasste 13 Einwohner, darunter ein ehemaliger Amtsgärtner, ein Bäcker, ein Böttcher, ein Branntweinbrenner, ein Leineweber (zum Reiherwärter bestellt), ein Rademacher, ein Schneider, ein Schuster, drei Tagelöhner, ein Teichgräber und ein Weinmeister. Im 17. Jahrhundert ließ Kurfürst Friedrich Wilhelm das bereits verfallene Konversengebäude zu einem Jagdschloss ausbauen.Kloster Lehnin. Stand 18. Juni 2014.
18. Jahrhundert Für das Jahr 1729 sind insgesamt 23 bzw. 10 Einwohner bezeugt; der Krüger wird dabei einschließlich Kaltenhausen geführt. Im Ort fanden 15 Brauvorgänge statt, bei denen 390 Tonnen Bier hergestellt wurden. Dafür wurden 26 Wispel und 16 Scheffel Gerstenmalz verbraucht. Zwischen 1733 und 1736 wurden im Amtsbereich Ziegeleien errichtet, die zur Versorgung der umliegenden Bauprojekte dienten. Im Jahr 1745 wird der Ort als Flecken und königliches Amt beschrieben. Erwähnt werden eine Wassermühle mit drei Gängen, eine Schäferei sowie ein Unterförster, der nach Rädel gehörte. Die Einwohner waren zu dieser Zeit in Alt- und Neuhäusler eingeteilt. Eine detaillierte Einwohnerliste aus 1746 nennt 40 Personen einschließlich Kaltenhausen, darunter vier Ackerleute, zwei Bäcker, zwei Böttcher, ein Dragoner, ein Heideläufer, ein Heidereiter, ein Krüger, ein reformierter Küster, vier Leineweber, ein Schmied, vier Schneider, ein Stellmacher, fünf Tagelöhner, zwei Tischler, ein Töpfer, zwei Witwen, ein Zimmermann sowie sechs Personen ohne Berufsangabe. In der Amtsbrauerei wurden jährlich 26 Brauen mit jeweils 1½ Wispel Gerstenmalz durchgeführt (zusammen 39 Wispel), was einer Produktion von 624 Tonnen Bier entsprach. Die Branntweinbrennerei verbrauchte 8 Wispel, 15 Scheffel und 8 Metzen Getreide und erzielte eine Jahresmenge von 2697½ Quart Branntwein. Für das Jahr 1750 waren 104 Feuerstellen verzeichnet, etwa 1800 waren es 152 Feuerstellen. 1733 verlor Lehnin das Marktrecht an die Stadt Werder (Havel) und erlangte es 1805 wieder zurück. Im Jahr 1753 wurden im Ort neun Kolonisten im Rahmen der damaligen staatlichen Siedlungs- und Wirtschaftsprogramme angesetzt. Für 1772 sind ein Prediger, sieben Bauern, 23 Kossäten, ein Müller und ein Schmied verzeichnet, was auf eine konsolidierte agrarisch‑handwerkliche Struktur hinweist. Im Jahr 1786 umfasste der Forst Lehnin mehrere Forstreviere: Klosterheide (4239 Morgen 48 Quadratruten), Reiherheide (820 Morgen 86 Quadratruten), Mittelheide (994 Morgen 79 Quadratruten), Grüneheide (11 350 Morgen) sowie der Damelangsche Elsbusch (999 Morgen 81 Quadratruten). Zusammen ergab dies eine Gesamtfläche von 18 403 Morgen 114 Quadratruten. Die Forstflächen wurden in diesem Jahr von 1201 Stück Rindvieh, 347 Pferden und 5413 Schafen beweidet. Zudem bestanden drei Teeröfen, jeweils einer bei Damelang, Lehnin und Rädel, die der Pech und Teergewinnung dienten.Peter P. Rohrlach: Historisches Ortslexikon für Brandenburg. Teil V: Zauch-Belzig. Erstauflage. Verlag Hermann Böhlaus Nachfolger, Weimar 1992. (Verlag Klaus-D. Becker, Potsdam 2011, ISBN 978-3-941919-82-2, S. 221) Der Ort erscheint 1775 als Flecken ohne Stadtrechte mit einer Wasser- und einer Schneidemühle.
19. Jahrhundert Im Jahr 1801 wurden für den Ort 152 Feuerstellen einschließlich Kaltenhausen genannt. Vorhanden waren das amtliche Vorwerk, zwei Ziegeleien und ein Teerofen. Unter Nahrung und Gewerbe wurden aufgeführt: sechs Altansitzer, zwei Bäcker, vier Böttcher, 25 Büdner und Kossäten, acht Büdnerwitwen, ein Drechsler, 67 Einlieger, ein Feldscher, ein Fischer, ein Gärtner, ein Kreisgärtner, ein Hirte, zwei Witwen mit Kossätenhöfen, neun Halbkossäten, ein Leineweber, ein Maurer, ein Müller, zwei Rademacher, ein Schäfer, 38 Schiffer, ein Schlosser, zwei Schmiede, sechs Schneider, ein Teerbrenner, drei Tischler, zwei Töpfer, ein Ziegelstreicher und zwei Zimmerleute. Unter den Beamten und Offizianten wurden genannt: drei königliche Bediente, ein Domänenbeamter, zwei Küster bzw. Schullehrer, ein königlicher Unterförster für das Rädeler Revier, ein Prediger sowie fünf Verwalter und Unterpächter. Insgesamt gehörten 36¾ Hufen – abgesehen von einigen Beiländereien, Wiesen und Gärten – zum Amtsvorwerk. Im Jahr 1837 bestand der Ort als Flecken und königliches Amt mit dem Dorf Kaltenhausen und der Lehniner Ziegelei; es wurden 156 Wohnhäuser gezählt. 1838 erhielt der Flecken Lehnin ein Gemeindestatut. Für 1858 wird eine differenzierte Gliederung angegeben: der Flecken mit drei Abbauten (Petris, Schulze, Behrens Ziegelei); sechs öffentliche Gebäude, 174 Wohn- sowie 188 Wirtschaftsgebäude, darunter Brauerei, Wasser‑, Getreide- und Sägemühle, Ölmühle, zwei weitere Getreidemühlen sowie mehrere Ziegeleien. Das Rittergut/Kloster bestand mit vier Abbauten (Alte Amtsziegelei, Neue Amtsziegelei, Wohnhaus Mühlenberg und Ziegelei am Klostersee); zehn Wohn- und 15 Wirtschaftsgebäude, darunter eine Brennerei und zwei Ziegeleien. Daneben gab es die Oberförsterei mit einem Wohn- und fünf Wirtschaftsgebäuden, darunter einer Kiensamendarre sowie der Schutzbezirk und Forsthaus mit einem Wohn- und drei Wirtschaftsgebäuden. 1885 wurde Lehnin mit dem Wohnplatz Kaltenhausen geführt. 1891 wurde Lehnin als Marktflecken bezeichnet, mit Rittergut, Fabrik, Försterei, Oberförsterei, Ziegelei, Wassermühle und Schiffbauereien; hinzu kam 1891 der Wohnplatz Villa Heese. 1895 gehörten die Wohnplätze Kaltenhausen und die Ziegelei(en) dazu, 1905 außerdem der Wohnplatz Am Klostersee.
Von 1542 bis 1872 bestand um Lehnin das brandenburgische Amt Lehnin, zunächst lange als fiskalische Domäne, und in Nachfolge des Klosterbesitzes. Ab 1828 entwickelte sich daraus ein zunächst zweigeteiltes Gutsareal, in Besitz der Familie von Loebell und des Weiteren des Legationssekretärs Uebel.Handmatrikel der in sämmtlichen Kreisen des Preussischen Staates auf Kreis-und Landtagen vertretenen Rittergüter 1857, Hrsg. Karl Friedrich Rauer, Selbstverlag, Berlin 1857, S. 81. Robert Karl Hermann von Loebell (1815–1905) besaß sein Gut nur einige Jahre. Ende des 19. Jahrhunderts gehörten zum nun vereinheitlichten Gut Lehnin 438 ha, mit Nebenbesitz in Dahmsdorf und Tornow. Neuer Eigentümer war der Kommerzienrat Cohn. Zum Gut Lehnin gehörte eine Ziegelei mit Ringofen. M. J. Cohn hatte aber alles verpachtet, Lehnin direkt an Ober-Amtmann Köber. Später wurde das Rittergut samt Ziegelei versteigert.Der Bär. Illustrierte Berliner Wochenschrift. Eine Chronik fuers Haus, VI. Jahrgang, Nr. 16, Hrsg. Ernst Friedel, Emil Dominik (auch Redaktion), Druck Moeser Hofbuchdruckerei, Verlag Gebrüder Paetel, Berlin, 17. April 1880, S. 199.
Die Gemeinde Lehnin lag seit jeher im Königreich Preußen und gehörte dort ab spätestens 1817 zum Landkreis Zauch-Belzig im Regierungsbezirk Potsdam. 1899 bekam Lehnin mit der Stichstrecke Groß Kreutz–Lehnin einen Anschluss an das Eisenbahnnetz.
20. Jahrhundert