Die Medizinische Universität Graz (Med Uni Graz) ist eine Medizinische Universität in Österreich, die seit dem 1. Jänner 2004 besteht und seit 1863 als medizinische Fakultät Teil der Karl-Franzens-Universität Graz gewesen ist.

Geschichte Die heutige Med Uni Graz geht auf die ehemalige Medizinischen Fakultät der Karl-Franzens-Universität Graz zurück, die 1863 durch Kaiser Franz Joseph I. gegründet wurde. Hier erfolgte seit 1782 die medizinische Ausbildung im Rahmen eines medizinisch-chirurgischen Studiums. Im Jahre 1912 wurde das Universitätsklinikum Graz als für damalige Verhältnisse eines der größten Krankenhäuser Europas in Betrieb genommen.

Seit Inkrafttreten des Universitätsgesetzes 2002 am 1. Jänner 2004 ist die heutige Med Uni Graz (ebenso wie die Medizinische Universität Wien und die Medizinische Universität Innsbruck) eine eigenständige Universität. Die Universitätsbibliothek der Medizinischen Universität Graz war vor der Aufspaltung der beiden Universitäten ein Teil der Universitätsbibliothek Graz.

Die Überleitung der medizinischen Fakultät in die Medizinische Universität erfolgte im Rahmen des Gründungskonventes unter der Leitung des Vorsitzenden Karlheinz Tscheliessnigg mit der Wahl des ersten Rektors Gerhard Franz Walter. Nach der ersten Periode des Rektorates von Walter wurde die Medizinische Universität von Oktober 2007 bis März 2008 durch den vormaligen Vizerektor und Gründungskonventvorsitzenden Tscheliessnigg geleitet, bis Josef Smolle zum neuen Rektor gewählt wurde.

Seit 2024 ist Andrea Kurz Rektorin der Med Uni Graz.

Forschung Geschichte In der Geschichte der Medizinischen Universität (bzw. Medizinischen Fakultät) wirkten drei Nobelpreisträger in Graz. Fritz Pregl, Nobelpreis für Chemie (1923) Julius Wagner von Jauregg, Nobelpreis für Medizin (1927) Otto Loewi, Nobelpreis für Medizin (1936)

Auch in Graz – neben den Anatomien in Wien und Innsbruck – fanden die Leichen von Opfern von NS-Gewaltverbrechen für die Anatomie Verwendung. Die Herkunft war Lehrenden und Studierenden bekannt. Sie protestierten erst nach Kriegsende, als auch Leichen von hingerichteten Kriegsverbrechern in die Anatomie gelangten. Der Vorstand der Anatomie, Anton Hafferl, wurde 1946 kurzzeitig verhaftet, weil er heimlich die Leichen von 44 Justizopfern hatte verscharren lassen, ansonsten erfolgte keine Aufarbeitung.

Forschungsschwerpunkte Die Universität legte ihre Forschungsschwerpunkte durch Etablierung von Forschungsfeldern fest. Die bestehenden Forschungsfelder sind: „Stoffwechsel & Kreislauf“, „Neurowissenschaften“, „Krebsforschung“, „Mikrobiom & Infektion“ sowie das Generalthema „Nachhaltige Gesundheitsforschung“.

Forschungsprojekte Im Rahmen der FWF-Spezialforschungsbereiche existieren an der Medizinischen Universität Graz drei SFBs: „Lipotox“ (Lipotoxicity: Lipid-induced Cell Dysfunction and Cell Death), „Mobis“ (Mathematical Optimization and Applications in Biomedical Science) und „Lipidhydrolyse“. Ebenso besteht ein Christian-Doppler-Labor (CD-Labor für Liquid Biopsies zur Früherkennung von Krebs) sowie das COMET K-Projekt „CAMed“ (Clinical Additive Manufacturing for Medical Applications) neben zahlreichen EU-Projekten. Zwei Ludwig Boltzmann Institute zu den Themen „Klinisch-Forensische Bildgebung“ und „Lungengefäßforschung“ wurden in den letzten Jahren eröffnet.

Forschungsportal Die Forschungsdokumentationsportal (vormals „FoDok“) bietet einen transparenten Überblick über Forschungsleistungen sowie Forscher an der Universität.FoDok MedUni Graz

EURAXESS Die Med Uni Graz ist Mitglied von EURAXESS, einer europäischen Initiative zur Unterstützung der Mobilität von Forscher. International mobile Forscher, die für eine wissenschaftliche Tätigkeit in die Steiermark kommen oder ins Ausland gehen möchten, werden beraten und unterstützt.

Gremien und Leitung Rektorat Die Rektorin der Medizinischen Universität Graz ist seit 15. Februar 2024 Andrea Kurz. Sie ist damit die erste Frau in diesem Amt. Ihre Amtsperiode startete sie mit einem neuen Vizerektorenteam: Christian Enzinger (Forschung und Internationales), Alexander Rosenkranz (Klinische Agenden), Erwin Petek (Studium und Lehre) und Manuela Groß (Finanzmanagement, Recht und Digitalisierung).Andrea Kurz übernimmt die Med Uni Graz, Kleine Zeitung am 14. Februar 2024 Mit 1. November 2025 folgte Akos Heinemann Christian Enzinger als Vizerektor für Forschung nach.

Liste der Rektoren

2004–2008 Gerhard Franz Walter 2008–2016 Josef Smolle 2016–2024 Hellmut Samonigg seit 2024 Andrea Kurz

Senat Der Senat besteht aus 9 Professoren, 4 studentischen Mitgliedern, 4 Angehörigen des Mittelbaus sowie einem Vertreter des allgemeinen Universitätspersonals. Als Vorsitzender des Senats leitet Akos Heinemann die Sitzungen.

Universitätsrat Seit 1. März 2023 gehören dem Universitätsrat Iris Eisenberger, Alfred Gutschelhofer, Michael Heinisch (Vorsitzender), Sylvia Knapp (Stv. Vorsitzende), Winfried Pinggera, Bettina Theresia Resl und Annemarie Weißenbacher an.https://www.medunigraz.at/universitaetsrat

Dekan Dekan für Doktoratsstudien ist Christian Wadsack, als Vizedekanin fungiert Kathrin Eller. Dekan für studienrechtliche Angelegenheiten ist Helmar Bornemann-Cimenti, als Vizedekanin fungiert Barbara Kirnbauer.

Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft Die Hochschülerinnen- und Hochschülerschaft (ÖH Med Graz) vertritt die Studierenden. Sie besteht aus der Universitätsvertretung sowie den Studienvertretungen für Humanmedizin, Zahnmedizin, Gesundheits- und Pflegewissenschaft und Doktoratsstudien. Gemäß Universitätsgesetz finden allgemeine Wahlen alle 2 Jahre statt. Bei der letzten ÖH-Wahl 2019 erhielt die Liste herzlinks.at, österreichweit Teil des Verband Sozialistischer Studentinnen und Studenten Österreichs, einen Stimmenanteil von 70,45 % (Sieben Mandate), die Liste JUNOS – Junge liberale Studierende 19,86 % (Zwei Mandate). Das derzeitige Vorsitzteam der Universitätsvertretung besteht aus Johanna Brehmer (Vorsitzende), Laurin Erlacher (1. stellvertretender Vorsitzender) und Lukas Jager (2. stellvertretender Vorsitzender).Vorsitz, auf oehmedgraz.at, abgerufen am 15. November 2021

Die Zeitschrift der ÖH Med Graz, medizynisch, wurde 2008 zur drittbesten Medizinstudierendenzeitschrift im deutschsprachigen Raum gekürt. Das Nachrichtenmagazin der Med Uni Graz nennt sich MEDitio.

Am 8. Oktober 2012 wurde die allererste White coat ceremony (WCC) Österreichs als Kooperationsprojekt mit der Hochschülerschaft an der Medizinischen Universität Graz abgehalten, was einen großen Sprung in Förderung der Corporate Identity und Identifikation der Studierenden mit ihrer Alma Mater darstellte., auf medunigraz.at

Studium Studienangebot Folgende ordentliche Studien können an der Medizinischen Universität Graz belegt werden:

Diplomstudium Humanmedizin(UO 202), auf medunigraz.at Masterstudium Pflegewissenschaft(UO 066 331), auf medunigraz.at Masterstudium Interprofessional Health Care Studies(UO 066 333), auf medunigraz.at alternativtext=|mini|Überblick Gelände Med Uni Graz Diplomstudium Zahnmedizin(UO 203), auf medunigraz.at Doktoratsstudium Pflegewissenschaft(UO 784 204), auf medunigraz.at Doktoratsstudium der Medizinischen Wissenschaft(UO 790), auf medunigraz.at PhD - Studium(UO 094), auf medunigraz.at

Universitätslehrgänge alt=|mini|Das Zentrum für Medizinische Forschung der Med Uni Graz Neben den ordentlichen Studiengängen werden an der Med Uni Graz auch Universitätslehrgänge angeboten. Die Med Uni Graz Postgraduate School umfasst das Weiterbildungsangebot der Med Uni Graz.

Universitätslehrgänge:

An der Medical Research Academy:

Biostatistik und Bioinformatik Galaxy Umgang mit Zellkulturen Biomedizinische Forschung Labortechnik

alt=|mini|Das Clinical Skills Center der Med Uni Graz

Weitere Universitätslehrgänge:

Postgraduate Dental School International Biobanking Education Clinical Fellowship International Short Courses Interne Weiterbildung & Gesundheitsangebote

alt=|mini|Am Campus der Med Uni Graz

Zugangsbeschränkungen Im Wintersemester 2005/06 konnten sich – nach einem dementsprechenden Urteil des EuGH – auch Studienwerber inskribieren, die in ihrem Heimatland keinen Studienplatz vorweisen konnten, was einen Ansturm vor allem deutscher Studienwerber auslöste. Da die Medizinischen Universitäten Wien und Innsbruck nur eine begrenzte Anzahl von Studierwilligen aufnahmen und die Med Uni Graz als einzige österreichische medizinische Universität allen Studierenden den Zugang ermöglichte, studierten im Wintersemester knapp 3000 Erstsemestrige in einem „virtuellen Semester“, zum Auswahlverfahren am Ende des Semesters (16. und 17. Jänner 2006) traten knapp 1200 Studierende an – die 109 Besten bekamen einen fixen Studienplatz.

Ab dem Wintersemester 2006/07 wurden die Studierenden nach ihrem schulischen Vorwissen in auf der Basis eines Multiple-Choice-Tests zu medizin-relevanten Grundlagenfächern wie Biologie, Chemie, Physik, Mathematik sowie zum Verständnis naturwissenschaftlicher Texte ausgewählt, zusätzlich wurde ab 2010 in einem weiteren Testteil „Situational Judgement“ abgeprüft. Im Jahr 2013 wurde ein neues, österreichweit identes Auswahlverfahren an allen medizinischen Universitäten eingeführt, das zahlreiche Elemente des bisherigen Grazer Auswahlverfahrens enthält. Der Aufnahmetest für Humanmedizin (MedAT-H) ist ein mehrteiliges, schriftliches Verfahren und gliedert sich in folgende Abschnitte:

Basiskenntnistest Medizinische Studien: Überprüfung des schulischen Vorwissens aus den Bereichen Biologie, Chemie, Physik und Mathematik. Textverständnis: Überprüfung von Lesekompetenz und Verständnis von Texten. Kognitive Fähigkeiten und Fertigkeiten: Dieser Testteil besteht aus fünf Aufgabengruppen (Figuren zusammensetzen, Zahlenfolgen, Wortflüssigkeit, Gedächtnis und Merkfähigkeit sowie Implikationen erkennen) und erfasst kognitive Basisfähigkeiten und -fertigkeiten. Sozial-emotionale Kompetenzen: Dieser Testteil besteht aus den Aufgabengruppen Emotionen regulieren, Emotionen erkennen und Soziales Entscheiden, die wesentliche Aspekte sozial-emotionaler Kompetenzen erfassen.

Der Aufnahmetest für die Zahnmedizin (MedAT-Z) ist zum überwiegenden Teil identisch mit dem MedAT-H. Anstelle des Testteils Textverständnis und der Aufgabengruppe Implikationen erkennen werden im Testteil Manuelle Fertigkeiten die Aufgabengruppen Drahtbiegen und Formen spiegeln eingesetzt.

Für das Studienjahr 2023/24 stehen für die Studien Human- und Zahnmedizin insgesamt 1.850 Studienplätze zur Verfügung, davon 760 an der Medizinischen Universität Wien, 410 an der Medizinischen Universität Innsbruck, 370 an der Medizinischen Universität Graz und 310 an der Medizinischen Fakultät der JKU Linz. Mindestens 95 Prozent der Studienplätze sind EU-Bürgern und ihnen im Hinblick auf den Studienzugang gleichgestellten Personen vorbehalten und mindestens 75 Prozent der Studienplätze Studienwerbenden mit einem Reifezeugnis aus Österreich. Diese Kontingentregelung gilt allerdings nur für die Vergabe der Studienplätze in Humanmedizin.

Durch die in Österreich geltende Quotenregelung werden 75 Prozent der Studienplätze an Bewerber mit österreichischem Reifeprüfungszeugnis, 20 Prozent an Bewerber mit einem Reifezeugnis eines EU-Staats oder eines gleichgestellten Staates (z. B. Südtirol, Luxemburg, Lichtenstein) und fünf Prozent an Bewerber aus anderen Ländern vergeben. Die Anzahl der angebotenen Studienplätze wurde von 160 (2006) auf 360 (2008) angehoben. 334 Studienplätze werden für Humanmedizin angeboten, 26 für Zahnmedizin. Die Anzahl der Bewerber stieg von 639 (2007) auf 2006 (2012).

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