Fratelli d’Italia (kurz FdI, ) ist eine seit 2012 existierende politische Partei in Italien. Sie wird unter anderem als postfaschistisch, rechtsextrem, rechtsradikal und rechtsnational charakterisiert. Seit der Übernahme der Regierung 2023 hat die Partei jedoch einen pragmatischeren Kurs eingeschlagen. Die Partei selbst verortet sich als nationalkonservativ. Ihre Vorsitzende ist Giorgia Meloni, die amtierende italienische Ministerpräsidentin.

Name, Namensänderung Mit der Anrede Fratelli d’Italia – Brüder Italiens beginnt die italienische Nationalhymne. Gegründet wurde die Partei unter dem Namen Fratelli d’Italia – Centrodestra Nazionale („Brüder Italiens – Nationale Mitte-rechts“[-Partei]). Im Februar 2014 änderte sie den Namen zu Fratelli d’Italia – Alleanza Nazionale („Brüder Italiens – Nationale Allianz“). Alleanza Nazionale (AN) ist der Name einer Vorgängerpartei. Seit Dezember 2017 heißt die Partei nur noch Fratelli d’Italia.

Geschichte Vorläuferin der Partei war die Alleanza Nazionale, die ihrerseits 1994/95 aus dem neofaschistischen Movimento Sociale Italiano (MSI) hervorgegangen war. Auf Initiative des Parteivorsitzenden Gianfranco Fini beschloss sie mehrheitlich, sich vom historischen Faschismus zu distanzieren und eine gemäßigtere Linie zu verfolgen. In den 1990er- und 2000er-Jahren war sie das Sammelbecken des rechten und nationalkonservativen Lagers in Italien, erreichte landesweit zweistellige Stimmenanteile und war an allen Mitte-rechts-Regierungen von Silvio Berlusconi beteiligt. Im März 2009 fusionierte die AN mit Berlusconis Forza Italia zur Mitte-rechts-Sammelpartei Popolo della Libertà (PdL).

Aus Unzufriedenheit über Berlusconis Führungsstil verließen einige Abgeordnete – vor allem ehemalige AN-Politiker um Ignazio La Russa und Giorgia Meloni, aber auch einzelne ehemalige FI-Vertreter wie Guido Crosetto und Giuseppe Cossiga, Sohn des ehemaligen Staatspräsidenten Francesco Cossiga, – Popolo della Libertà im Dezember 2012 wieder und gründeten die Fratelli d’Italia. Zunächst bildeten Crosetto, La Russa und Meloni eine dreiköpfige Parteispitze. Bei den Parlamentswahlen im Februar 2013 trat die Partei als Teil der Mitte-rechts-Koalition um Silvio Berlusconi an und erreichte mit 2 % der Stimmen neun Abgeordnetensitze, mit 1,9 % bei den Senatswahlen jedoch kein Mandat im Senat. Im März 2013 wurde La Russa zum alleinigen Parteivorsitzenden gewählt, während Meloni Fraktionsvorsitzende der FdI im Abgeordnetenhaus wurde.

Im Herbst 2013 gründete Meloni die Initiative Officina per l’Italia („Werkstatt für Italien“), um die Unterstützung für die Partei zu verbreitern. An dieser beteiligten sich über die bisherigen FdI-Mitglieder hinaus u. a. der ehemalige Bürgermeister von Rom Gianni Alemanno, der ehemalige Finanzminister Giulio Tremonti, der ehemalige Außenminister Giulio Terzi di Sant’Agata und der Islamkritiker Magdi Allam. Alemanno und Allam traten in der Folgezeit zur FdI über, Terzi steht ihr jedenfalls nahe, Tremonti distanzierte sich jedoch wieder. Die Fondazione Alleanza Nazionale, die die Rechte am Namen und Logo der aufgelösten Vorgängerpartei verwaltet, beschloss im Dezember 2013, der FdI diese Rechte einzuräumen. Im Februar 2014 erweiterte die FdI ihren Namen zu Fratelli d’Italia – Alleanza Nazionale und nahm die grün-weiß-rote Flamme (fiamma tricolore), einst Symbol der MSI und AN, in ihr Logo auf. Diese züngelt über dem durch einen schwarzen Strich symbolisierten Sarg des Diktators Benito Mussolini. Als Parteichefin Giorgia Meloni 2022 aufgefordert wurde, auf die Flamme im Parteilogo zu verzichten, weigerte sie sich mit den Worten: „Wir sind stolz darauf.“ Im Jahr 2024 kam innerhalb der Partei eine Diskussion über die Entfernung der Flamme aus dem Parteilogo auf.

Der erste Parteitag nach der Umbenennung fand im März 2014 im Kurort Fiuggi statt, wie auch der erste Parteitag der Alleanza Nazionale 1995, auf der sie sich vom Faschismus abwandte („Wende von Fiuggi“). Auf diesem Parteitag wurde Giorgia Meloni als Nachfolgerin La Russas zur Parteivorsitzenden gewählt. Bei der Europawahl im Mai 2014 scheiterte die Partei mit 3,7 % der Stimmen relativ knapp an der Vier-Prozent-Sperrklausel. Bei den Parlamentswahlen im März 2018 war FdI erneut Teil des Mitte-rechts-Bündnisses um Berlusconi und Matteo Salvini. Mit 4,37 % konnte sie knapp in die Abgeordnetenkammer einziehen; sie erhielt 17 Mandate. In den Senat zog sie mit sieben Senatoren ein. Seit November 2018 ist die Partei durch den Übertritt von Stefano Maullu sowie von Innocenzo Leontini (im Januar 2019) von der Forza Italia im Europaparlament vertreten. Sie schlossen sich der Fraktion der Europäischen Konservativen und Reformer (EKR) an. Bei der Europawahl im Mai 2019 konnte die FdI ihren Stimmenanteil auf 6,5 % steigern und erhielt 5 der 73 italienischen Sitze im Europäischen Parlament.

Bei der italienischen Parlamentswahl am 25. September 2022 trat die Partei mit Parteichefin Giorgia Meloni als Spitzenkandidatin an und wurde mit rund 26 % klar stärkste Kraft.

Politische Positionen Grundsätzliche Orientierung Die Mitglieder der Fratelli d’Italia bezeichnen sich als konservativ oder nationalkonservativ und beziehen sich auf die Positionen der historischen italienischen wie europäischen Rechten. Die Parteivorsitzende Georgia Meloni erklärte anlässlich ihrer Wahl zur Ministerpräsidentin, dass die italienische Rechte den Faschismus bereits vor Jahrzehnten der Geschichte übergeben habe und die Ablehnung von Demokratie und die damaligen antijüdischen Gesetze verurteile. Ihre Partei sieht Meloni als italienisches Pendant zur Conservative Party im Vereinigten Königreich, der Republikanischen Partei in den USA und dem Likud in Israel.

Die Rezeption der Partei in Medien und Wissenschaft ist uneinheitlich. Während einige Beobachter sie schlicht als „rechtsgerichtet“, „konservativ“, „nationalkonservativ“ oder „sozialkonservativ“ beschreiben, wird sie von anderen als „rechtsextrem“,Frank Decker, Bernd Henningsen, Marcel Lewandowsky, Philipp Adorf (Hrsg.): Aufstand der Außenseiter. Die Herausforderung der europäischen Politik durch den neuen Populismus. Baden-Baden 2022, S. 321. „neofaschistisch“ bzw. „postfaschistisch“, „nationalistisch“, oder „nativistisch“ charakterisiert. Kritikpunkt ist insbesondere, dass in der Partei und ihrem Umfeld nach wie vor Mussolini-Nostalgiker existieren, die den faschistischen „Römischen Gruß“ verwenden.

Gesellschafts- und Migrationspolitik Die Fdl befürworten Maßnahmen zur Prävention von Abtreibungen. An der Legalität von Abtreibungen will die Partei indes nichts ändern. Nach Aussage der Parteivorsitzenden Giorgia Meloni sollen diese „verfügbar, sicher und legal“ bleiben. Allerdings solle jener Teil des Gesetzes, der sich mit Prävention befasse und bisher weitgehend ignoriert worden sei, stärker angewendet werden.

Die Partei vertritt ein traditionelles Familienbild mit dem Leitbild Mutter, Vater, Kind. Spitzenpolitiker wie Meloni haben geäußert, die Adoption von Kindern durch Homosexuelle abzulehnen. Nach der Regierungsübernahme durch die Fdl ging die Staatsanwaltschaft gegen Geburtsurkunden vor, in denen zwei männliche oder zwei weibliche Personen als Eltern eines Kindes angegeben worden waren. Das in Italien bereits bestehende Verbot von Leihmutterschaft wurde unter Ägide der Fdl zudem ausgeweitet und Italienern Leihmutterschaft auch im Ausland untersagt.

Gleichzeitig verfolgen die Fdl eine pro-natalistische Politik und befürworten Maßnahmen zur Steigerung der Geburtenrate, deren Sinken Meloni als „echten Notfall“ bezeichnet hat. Im Rahmen dieser Haltung hat die Partei 2025 ein Begrüßungsgeld von 1.000 Euro für jedes neugeborene oder adoptierte Kind eingeführt.

Die Partei ist für eine Begrenzung der Einwanderung und will Mittelmeermigranten mit einer Seeblockade vor Afrika abwehren.

Wirtschafts- und Sozialpolitik Die Partei setzt sich für eine besondere finanzielle Förderung von Familien ein und will die Mindestrenten anheben. Zudem will sie Steuern senken; ein Teil der Partei um FdI-Mitgründer Guido Crosetto vertritt Positionen des Wirtschaftsliberalismus (liberismo). Zugleich offenbarte Giorgia Meloni immer wieder auch ein Faible für eine stärkere Staatswirtschaft. Sie ist eine Gegnerin der von der Regierung Draghi angestrebten Privatisierung der Fluggesellschaft ITA (Nachfolgegesellschaft der Alitalia). Für die Zeit ab Januar 2024 plante die von der Partei geführte Regierung die Abschaffung der Sozialhilfe (reddito di cittadinanza, „Bürgergeld“) für Arbeitslose, die unter 60 Jahre alt sind und keine Behinderung oder minderjährige Kinder haben.Jonas Grethel, Annette Hilsenbeck: Wie Meloni den Armen an den Kragen geht, ZDF, 1. November 2023. Begründet wird dies damit, dass sie den übrigen Teil der Bevölkerung als „arbeitsfähig“ einstuft und dieser dadurch zum Arbeiten aktiviert würde. Ab Anfang August 2023 bekam eine zunehmende Anzahl Betroffener eine entsprechende Benachrichtigung per SMS von den Behörden, was zu starken Protesten insbesondere in ärmeren Regionen Süditaliens führte. Italien entwickelt sich damit zum einzigen Land innerhalb der EU, in dem es keine allgemeine Grundsicherung für Arbeitslose gibt.

Gesundheitspolitik Fratelli d’Italia spricht sich gegen eine allgemeine Impfpflicht aus. Information, Beratung und Empfehlungen sollen stattdessen in den Vordergrund gerückt werden. Vor den Parlamentswahlen 2022 sprach sich die Parteivorsitzende Meloni gegen eine Wiedereinführung des „Grünen Passes“ aus. Zudem versprach sie eine parlamentarische Untersuchungskommission einzuberufen, die Licht in die medizinische und wirtschaftliche Handhabung der COVID-19-Pandemie in Italien sowie auf die Nebenwirkungen der Impfung werfen solle.

Naturschutz und Umweltpolitik Bekenntnisse zu Naturschutz und Umweltpolitik, wie sie in den Kapiteln 16 und 17 des Wahlprogramms der FdI formuliert sind, weisen nach Auffassung des Umwelthistorikers Nils M. Franke starke Parallelen zum Geodeterminismus auf, d. h. zu einer Ideologie ab etwa 1870, der zufolge der Mensch durch seine Umwelt bestimmt und definiert wird. In Auseinandersetzung mit der jeweiligen Umwelt entsteht nach dieser Auffassung ein nationaler Genpool, der ein Volk definiert. Im Nationalsozialismus hätten diese Vorstellungen ihre Ausformung in der Blut-und-Boden-Ideologie gefunden.»Das Programm von Fratelli d’Italia ist der NPD näher als der AfD«, Der Spiegel, 27. September 2022.

Europäische Union und EU-Finanzpolitik Die FdI treten für ein „Europa der Völker“ ein und lehnen den Vertrag von Lissabon ab. Europäische Gesetze sollen etwa den nationalen wieder unterstellt werden. Entgegen früheren Positionierungen, bei denen die Partei immer wieder auch Italiens Mitgliedschaft in der Europäischen Union im Allgemeinen infrage stellte, betonte sie im italienischen Wahlkampf zur Parlamentswahl 2022, dass man einen Austritt Italiens aus der EU nicht anstrebe. Ihre grundsätzlich kritische Haltung zur EU betonte Parteichefin Meloni häufig, etwa bei einem Wahlkampfauftritt am 11. September 2022 in Mailand:

Die Fratelli d’Italia gehören im EU-Parlament seit der Europawahl 2019 gemeinsam mit der polnischen PiS zur rechtskonservativen Fraktion „Europäische Konservative und Reformer“ (ECR) und nicht zur rechtsextremen und klar anti-europäischen Fraktion Identität und Demokratie (ID), der unter anderem die italienische Lega (ehemals Lega Nord), der französische Rassemblement National (ehemals Front National) und bis zu ihrem Ausschluss im Mai 2024 die deutsche AfD angehören. Die FdI stimmten im Europaparlament gegen einen Bericht, wonach Ungarn keine vollwertige Demokratie mehr sei; Parteichefin Meloni ist zudem mit Ungarns ehemaligem Regierungschef Viktor Orban befreundet.