mini|Ella Harper, bekannt als „Das Kamel-Mädchen“ mini|hochkant=0.6|Genu recurvatum vorzeitiger Teilverschluss der Wachstumsfuge, 15 Jahre alt, männlich Das Genu recurvatum ist ein abnorm überstreckbares Knie. Während gesunde Erwachsene das Knie normalerweise in der Neutral-Null-Methode bis in 0-Stellung strecken können, gilt bei Kindern eine Überstreckbarkeit bis 10° als physiologisch, ab 15° als krankhaft.D. Kohn, D. Pape: Genu recurvatum. In: C. Wirth, W. Mutschler, D. Kohn et al. (Hrsg.): Praxis der Orthopädie und Unfallchirurgie. 3., vollständig überarbeitete Auflage. 2013. doi:10.1055/b-002-23558Radiopaedia

Die Erstbeschreibung stammt auf dem Jahre 1928 durch den Frankfurter Arzt Arthur Sanders.A. Sanders: XII. Ein Beitrag zur Ätiologie des Genu recurvatum congenitum beim Neugeborenen. In: Monatsschrift Geburtshilfe und Gynäkologie, Band 79, S. 68–71, 1928, doi:10.1159/000305781

Vorkommen Das Genu recurvatum ist selten. Es kann isoliert, zusammen mit weiteren orthopädischen Auffälligkeiten wie Klumpfuß oder Hüftdysplasie oder im Rahmen von Syndromen vorkommen. Die Veränderung kann ein- oder beidseitig auftreten.

Ursachen Zugrunde liegt entweder eine angeborene, durch Verletzungen oder durch Lähmungen (z. B. nach Poliomyelitis) verursachte abnorme Lockerheit des Band- und Kapselapparates (Hypermobilität), oder eine Fehlstellung des Tibiaplateaus mit Neigung nach vorne.F. Hefti: Kinderorthopädie in der Praxis. Springer 1998, ISBN 3-540-61480-X

Mögliche Ursachen einer Fehlstellung:Pschyrembel online Posttraumatisch nach in Fehlstellung verheilter Fraktur Verletzung der Apophyse oder der Epiphysenfuge der Tibia, z. B. beim Morbus Osgood-Schlatter Angeboren als Kongenitales Genu recurvatum, z. B. Angeborener Knieluxation, bei der Arthrogryposis multiplex congenita Im Rahmen von Skelettdysplasien wie Pseudoachondroplasie oder Skeletterkrankungen wie Osteogenesis imperfecta Im Rahmen von Syndromen wie Marfan-Syndrom, Larsen-Syndrom, Loeys-Dietz-Syndrom, Ehlers-Danlos-Syndrom Als Folge einer Rachitis Als Folge einer Osteomyelitis kompensatorisch bei Klumpfuß oder Lähmung des Nervus femoralis

Klinische Erscheinungen Als Folge der abnormen Stellung kann es meist erst im Erwachsenenalter zu Knieschmerz und vorzeitiger Abnutzung (Arthrose) kommen.

Diagnose Die Fehlstellung kann bereits vorgeburtlich mittels Feinultraschall erkannt werden.G. Gorincour, F. Chotel, R. C. Rudigoz, A. L. Guibal-Baggio, J. Berard, J. P. Pracros, L. Guibaud: Prenatal diagnosis of congenital genu recurvatum following amniocentesis complicated by leakage. In: Ultrasound in obstetrics & gynecology: the official journal of the International Society of Ultrasound in Obstetrics and Gynecology. Band 22, Nummer 6, Dezember 2003, S. 643–645, doi:10.1002/uog.884, PMID 14689540. Die Diagnose ergibt sich bei der körperlichen Untersuchung, die Abklärung der Ursache erfolgt durch eine Röntgenaufnahme vorzugsweise belastet (im Stehen). Normalerweise ist das Tibiaplateau nach dorsal (hinten) um 7–10° geneigt, beim Genu recurvatum ist diese Neigung vermindert, aufgehoben oder nach ventral abgeflacht.

Differentialdiagnose Differential-diagnostisch abzugrenzen ist die Angeborene Knieluxation.

Therapie Die Behandlung besteht aus Muskelkräftigung oder bei schwereren Veränderungen in einer operativen Achskorrektur.

Literatur R. S. Dean, N. R. Graden, D. H. Kahat, N. N. DePhillipo, R. F. LaPrade: Treatment for Symptomatic Genu Recurvatum: A Systematic Review. In: Orthopaedic journal of sports medicine, Band 8, Nummer 8, August 2020, S. 2325967120944113, doi:10.1177/2325967120944113, PMID 32851107, (Review). D. Fish, C. Costa: Genu Recurvatum: Identification of Three Distinct Mechanical Profiles. In: Journal of Pediatric Orthopedics, 1998, Band 10, S. 26

Einzelnachweise

Kategorie:Fehlbildung Kategorie:Krankheitsbild in Orthopädie und Unfallchirurgie Kategorie:Krankheitsbild in der Kinderheilkunde