mini|Ausschnitt aus der Konzessionskarte zum Bau einer zweiten Bleihütte in Bönkhausen von 1853 Der Bergbau bei Endorf und dem dazu gehörigen Bönkhausen im Gebiet der heutigen Stadt Sundern im Sauerland auf Eisen und insbesondere auf Blei geht spätestens auf das Mittelalter zurück. Er war im 16. Jahrhundert so bedeutsam, dass der Ort zur Bergfreiheit, d. h. zu einer Minderform einer Bergstadt erhoben wurde. Auch wurden verschiedene Bergordnungen erlassen, die sich zu einem beträchtlichen Teil auf den Bergbau bei Endorf bezogen. Der Ort war zeitweise Sitz der Bergverwaltung für das Herzogtum Westfalen. Mit dem Nachlassen der Bergkonjunktur verlor der Ort diesen Status wieder. Obwohl er nunmehr überwiegend landwirtschaftlich geprägt war, spielte der Bergbau und die Eisenverhüttung im 18. und frühen 19. Jahrhundert eine bedeutende Rolle.
Früher Eisenerzbergbau Ob es bereits in der Bronzezeit Bergbautätigkeit in der näheren Umgebung gegeben haben könnte, ist nur Spekulation.Wilfried Reininghaus, Reinhard Köhne: Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Münster 2008, S. 31. Endorf wurde 1191 erstmals in einer von der Äbtissin des Stiftes Meschede ausgestellten Urkunde erwähnt. Bereits im Mittelalter war der Bergbau auf Blei und Eisen und die Verarbeitung der Erze von großer Bedeutung. Allerdings wurde ein für 1348 genanntes „Ysenwerk“ in der Grafschaft Arnsberg fälschlicherweise nur auf Endorf bezogen.Wilfried Reininghaus, Reinhard Köhne: Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Münster 2008, S. 384.zur Problematik der Begrifflichkeit Ysenwerk vergleiche: Maria Rörig, Wolfgang Kleffner: Im allgemeinen historischen Schriftgut und in Archivalien bezeugte Montantätigkeit der Vergangenheit in Sundern. In: Chronik des vorindustriellen Erzbergbaus und der Metallgewinnung im Raum Sundern. Sundern 1996, S. 79f.
Eine Hütte des 15. Jahrhunderts wurde mit Wasserkraft durch einen von der Röhr abgeleiteten Graben betrieben. Südlich von Endorf weist auch der Name Hüttenberg auf einen alten Betrieb hin. Anfänglich wird man Gruben in unmittelbarer Nähe des Ortes ausgebeutet haben. Die ältere Eisenhütte und die Eisengewinnung lagen vermutlich zwischen dem 15./16. und dem 18. Jahrhundert still. Inwieweit der frühe Bergbau auf dem Berg Rothloh mit der ersten Endorfer Hütte in Beziehung stand, ist noch ungeklärt.Wilfried Reininghaus, Reinhard Köhne: Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Münster 2008, S. 384.vergleiche auch zur Verortung: Maria Rörig, Wolfgang Kleffner: Im allgemeinen historischen Schriftgut und in Archivalien bezeugte Montantätigkeit der Vergangenheit in Sundern. In: Chronik des vorindustriellen Erzbergbaus und der Metallgewinnung im Raum Sundern. Sundern 1996, S. 107.
Bleibergbau mini|Abriss des Bergwerkes am Erbenstein mit den verschiedenen Schächten, der Lage des obersten Stollens, des Sebastiansstollens und des Wilde Katzen Stollen. Angefertigt von Steiger Johann Schulte am 13. Februar 1655 Wichtiger als die Eisenerzförderung war die Bleigewinnung. Von großer überregionaler Bedeutung waren die Vorkommen am Berg Erbenstein in Bönkhausen etwa 2,5 km von Endorf entfernt. Für den Beginn des Bleibergbaus gibt es keine schriftlichen Belege. Es gibt Indizien für hochmittelalterliche Ursprünge. Aussagen aus dem 15. Jahrhundert verweisen aber darauf, dass der Bergbau nicht vor der Herrschaft von Erzbischof Friedrich III. von Saarwerden (ab 1370) begann. Die Bedeutung des Bergbaus zeigt sich auch daran, dass es zwischen 1453 und 1482 Streit zwischen den Herren von Neheim und dem erzbischöflichen Landesherren um den Bergzehnt gegeben hatte.Regest 11. November 1458, Regest 1. März 1473, Regest 17. Mai 1482 Aus den Verhandlungen ist ersichtlich, dass zu dieser Zeit der Bergbau sowohl Über- wie auch Untertage betrieben worden ist.
Aus dem Jahr 1504 ist überliefert, dass Blei vom Erbenstein über die Stadt Soest in den norddeutschen Hanseraum geliefert worden ist.Wilfried Reininghaus, Reinhard Köhne: Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Münster 2008, S. 386.
Bis in das frühe 16. Jahrhundert wurde der Bergbau mit nur geringem technischen Aufwand betrieben. Erzaufbereitung und Verhüttung waren noch primitiv. Entsprechend gering war das nötige Kapital. Viele Bergleute arbeiteten noch auf eigene Rechnung oder man schloss sich zu kleinen Gruppen zusammen. Der Verkauf des selbst erzeugten Bleis hat nach Abzug der kurfürstlichen Zehnten und Betriebskosten meist nur knapp zur Bestreitung des Lebensunterhalts gereicht.Christoph Bartels: Abbau, Weiterverarbeitung und wirtschaftliche Nutzung des Endorfer Bleis im 15. und 16. Jahrhundert. In: Chronik des vorindustriellen Erzbergbaus und der Metallgewinnung im Raum Sundern. Sundern 1996, S. 149.
Die Dominanz des Kleinbergbaus wird auch noch in der Bergordnung von 1533 deutlich, in der sich keine Bestimmung mit dem nötigen Betriebskapital beschäftigte. Damit hinkte die Bergordnung der tatsächlichen Entwicklung möglicherweise etwas hinterher. Um 1530 bildete sich eine Gewerkschaft aus sechzehn Anteilseignern zum Bau eines Erbstollens vermutlich zur Verbesserung der Wasserhaltung. Das Unternehmen erfreute sich durch die Gewährung von Privilegien die Unterstützung durch den Landesherren Hermann von Wied. Zwar konnte in der Folge das Wasserhaltungsproblem nicht vollständig gelöst werden, aber der überregionale Ruf des Bergbaus am Erbenstein war so groß, dass es Gewerke auch aus dem Harz und aus Köln gab. Neben anderen Bleibergwerken des Herzogtums Westfalens lieferte auch Endorf um 1560 Blei ins Mansfelder Land. Fuhrleute brachten Blei bis nach Eisleben und kehrten mit Rückfracht für Köln und Frankfurt am Main zurück.Maria Rörig, Wolfgang Kleffner: Im allgemeinen historischen Schriftgut und in Archivalien bezeugte Montantätigkeit der Vergangenheit in Sundern. In: Chronik des vorindustriellen Erzbergbaus und der Metallgewinnung im Raum Sundern. Sundern 1996, S. 111. Das Blei wurde für die dortigen Seigerhütten benötigt. Diese trennten Silber von Rohkupfer. Dazu wurde in großen Mengen Blei benötigt.Christoph Bartels: Abbau, Weiterverarbeitung und wirtschaftliche Nutzung des Endorfer Bleis im 15. und 16. Jahrhundert. In: Chronik des vorindustriellen Erzbergbaus und der Metallgewinnung im Raum Sundern. Sundern 1996, S. 147.
Mit der Modernisierung des Bergbaus verbunden war auch die vermehrte Anstellung von Arbeitskräften.Christoph Bartels: Abbau, Weiterverarbeitung und wirtschaftliche Nutzung des Endorfer Bleis im 15. und 16. Jahrhundert. In: Chronik des vorindustriellen Erzbergbaus und der Metallgewinnung im Raum Sundern. Sundern 1996, S. 150.
Es gab in dieser Zeit drei Gewerkschaften. In der einen hatte Graf Ludwig von Stolberg-Königsstein den entscheidenden Einfluss. Wie hoch die Produktion damals gewesen sein muss, zeigt sich an dem großen Bedarf an Holzkohle. Diese musste teilweise von jenseits der Wasserscheide aus dem Weusper Wald herangeschafft werden. Von Ortsfremden mutete die Gegend um Endorf wie „klein Egiptten“ an. Die pyramidenförmigen Abraumhalden prägten das Landschaftsbild. Die Aufnahme enger wirtschaftlicher Beziehung zur Saigerhütte in Gladenbach (Hessen) führten um 1564 zur Anlage von zwei neuen Gruben.Wilfried Reininghaus, Reinhard Köhne: Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Münster 2008, S. 386.
Der Kölner Bürger Arnold von Kempen zahlte 1449 400 Goldgulden Pacht für die kurfürstlichen Anteile am Erbenstein. Kurze Zeit später wurde die Pacht auf 100 Goldgulden ermäßigt, weil Wasserhaltungsprobleme auftraten. Dies zeigt, dass der Landesherr auch neben den Zehnten beträchtliche Einnahmen aus dem Bergbau ziehen konnte. Gleichzeitig werden auch die Risiken deutlich. Wie von Kempen den Betrieb organisiert hatte, ist nicht bekannt. Möglicherweise kam es zu Unterverpachtungen.Christoph Bartels: Abbau, Weiterverarbeitung und wirtschaftliche Nutzung des Endorfer Bleis im 15. und 16. Jahrhundert. In: Chronik des vorindustriellen Erzbergbaus und der Metallgewinnung im Raum Sundern. Sundern 1996, S. 150.
Heutige Situation
Im Tal des Klingelsiepens und dessen Seitentälern Steinmücke und Tolmecke lassen sich noch zahlreiche Bergbauspuren verschiedener Art finden. Mehrere Stollen sind noch heute zu erkennen, u. a. der bekannte Churfürst-Ernst-Stollen, der Wilde-Katz-Stollen, der erst 2003 wieder geöffnete Steinmücke-Stollen, der Sebastian-Stollen, der Krähenberger Stollen, der Düthenberg-Stollen. Mehrere Halden im Gelände zeigen die intensive Bergbautätigkeit während der letzten Jahrhunderte. Viele Pingen zeigen den Standort ehemals mehr oder weniger tiefer Schächte. Die Pinge des Kunstschachts auf dem Erbenstein ist mit dem Churfürst-Ernst-Stollen verbunden, der gut 100 m tiefer liegt. Der Sebastian-Stollen im Tolmecketal hört auch zu diesem Untertagesystem. An mehreren Stellen sind Pingenfelder mit kleinen Pingen zu sehen; das sind mittelalterliche Bergbautechniken, das Ergebnis des Bergbaus auf eigene Rechnung. Im Ostteil des Erbensteins befindet sich ein Tagebau aus dem 17. Jahrhundert im Sparganophyllumkalk mit ca. 8 m hohen Wänden. Auf der Sohle des Churfürst-Ernst-Stollens wurde im 19. Jahrhundert ein ca. 20 m tiefer Schacht angelegt, um den Bergbau noch tiefer voranzubringen. Um das Wasser abzuführen, wurde eine 12-zöllige Saugpumpe installiert, die mittels eines Wasserrades und einem Feldgestänge angetrieben wurde. Leider hatte auch dort bereits in vergangener Zeit ein Abbau stattgefunden aus dem Umstand heraus, dass die wirtschaftliche Situation zu Ende des 19. Jahrhunderts nicht so gut war und die Lagerstätten bei Bönkhausen vielfach erschöpft waren.Christoph Bartels: Abbau, Weiterverarbeitung und wirtschaftliche Nutzung des Endorfer Bleis im 15. und 16. Jahrhundert. In: Chronik des vorindustriellen Erzbergbaus und der Metallgewinnung im Raum Sundern. Sundern 1996, S. 150. ergab es sich das die Grube 1878 geschlossen wurde.
Sitz der Bergverwaltung und Bergfreiheit Die Bedeutung Endorfs war so groß, dass der Landesherr den Bergbau erheblich förderte. Der Aufschwung des Bergbaus führte Mitte des 16. Jahrhunderts zum Erlass mehrere Bergordnungen, die sich zu einem bedeutenden Teil mit dem Bergbau am Erbenstein bezogen. In einem längeren Prozess entwickelte sich Endorf und Bönkhausen zu einer Bergfreiheit mit besonderem Rechtsstatus. In der ersten Bergordnung von Erzbischof Hermann von Wied von 1533Bergordnung für den Erbenstein von 1533 wurden allen Gewerken, Knechten und Kaufleuten die ein Bergwerk betrieben, die Befreiung von Schatzung und Frondiensten zugesichert. Die Bergordnung erwähnte ausdrücklich mit „uff unsere fryheit“ ein Gebiet mit besonderen Rechten. Der Bergmeister hatte innerhalb des Reviers eine richterliche Funktion. Auch die Bergordnung von 1549Bergordnung von 1549 bezog sich auf den Erbenstein. Sie gewährte den Bergleuten ein eigenes Gericht und weitere Vergünstigungen.Wilfried Reininghaus, Reinhard Köhne: Berg-, Hütten- und Hammerwerke im Herzogtum Westfalen im Mittelalter und in der Frühen Neuzeit. Münster 2008, S. 387f.
Auch entstanden Ansätze einer Bergverwaltung. Diese hatte spätestens seit 1570 ihren Sitz in Endorf. Ein Bergmeister und zwei Berggeschworene bildeten das Bergamt oder Berggericht. Diese Funktionsträger waren vermutlich auswärtige Fachleute. Das Bergamt war zusammen mit dem bedeutenden Bergbau in der Gegend waren ausschlaggebend für die Erhebung von Endorf mit dem dazugehörigen Bönkhausen zur Bergfreiheit.