mini|Jascha Urbach (2020) Jascha Urbach (* 28. September 1980 in Lauterbach, Hessen als Stephan Urbach) ist ein deutscher Autor und Aktivist, der durch sein Engagement gegen das Anti-Counterfeiting Trade Agreement (ACTA) und seine Mitwirkung bei Telecomix, einer Vereinigung von Netzaktivisten, bekannt wurde. Bis 2013 war er Mitglied der deutschen Piratenpartei, in der er verschiedene Ämter innehatte.
Leben Urbach studierte an der Universität Frankfurt Deutsch und Geschichte. Er brach sein Studium ab und absolvierte eine Ausbildung zum Bankkaufmann. Danach arbeitete er bei der AOL-Tochter Adtech. Von 2011 bis Februar 2014 war er als Referent der Piratenfraktion im Abgeordnetenhaus von Berlin tätig. Er lebt und arbeitet als freier Autor in Berlin.
Im November 2021 verkündete Urbach, von nun an unter dem Namen Jascha Urbach zu leben. Als seine Geschlechtsidentität gibt er „demi-male“ an. Im Internet war und ist Urbach vielfach unter dem Nickname tomate unterwegs, etwa in der Piratenpartei, im IRC bei Telecomix oder auf seinem persönlichen Blog.
Aktivitäten Urbach fungierte bis 2013 als Sprecher für Telecomix in Deutschland,Stephan Urbach über sein Buch „Neustart“. Burn-Out eines Netzaktivisten. Interview von Liane von Billerbeck, Deutschlandfunk, 1. Oktober 2015 einer internationalen Gruppe, die technische Infrastruktur für den arabischen Frühling bereitstellte. Er nahm als Vertreter von Telecomix als Sachverständiger an einer Anhörung zu ACTA im Abgeordnetenhaus von Berlin teil und gab Interviews in Funk, Fernsehen und Presseorganen.Piraten: Lobbyisten haben ACTA mitverhandelt, Stephan Urbach im Gespräch mit Dieter Kassel, Deutschlandradio Kultur, 2. Februar 2012.Torsten Groß , Interview mit Stephan Urbach, Spex, 20. November 2012.Katrin Heise: Regulierung macht uns das eigentlich kaputt, Interview mit Stephan Urbach, Deutschlandradio Kultur, 5. Dezember 2012. Der Sender EinsPlus behandelte seine Erlebnisse im arabischen Frühling in dem dokumentarischen Film Die Hacker und die Syrer, Arte interviewte ihn in der Reportage Der Krieg um das Internet – Hacker als Revolutionshelfer,, Arte Journal, 30. Dezember 2011. der WDR produzierte das knapp einstündige Radiofeature Das Hacker-Syndrom über ihn.Netzwelt: Das Hacker-Syndrom, Deutschlandradio Kultur, 4. Januar 2014. Der Spiegel veröffentlichte im April 2011 eine Reportage über seine Arbeit mit Telecomix, Taz und Zeit berichteten über seine extremen psychischen Belastungen durch den Online-Aktivismus.Laura Wösch: Onlineaktivist Stephan Urbach: Der depressive Hacker. In: Taz. 15. Juni 2012.Khuê Pham: Arabische Unruhen: Schlaflos in Charlottenburg. In: Die Zeit. 4. Januar 2013. Letztere sind das zentrale Thema seines 2015 veröffentlichten Buchs .NEUSTART: Aus dem Leben eines Netzaktivisten.
Von Juni bis Dezember 2009 war er Vorsitzender des Kreisverbandes Main-Kinzig der Piratenpartei. Am 16. Mai 2010 wurde er in das Bundesschiedsgericht der Piratenpartei gewählt, dessen vorsitzender Richter er war. Die Jungen Piraten (jetzt: europe beyond division) ehrten ihn am 20. September 2009 mit einer Ehrenmitgliedschaft. Bei einem Treffen Urbachs mit dem früheren Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg im Februar 2012 wurde Guttenberg von Aktivisten mit einer Sahnetorte attackiert.Maike Schultz, Jan Thomsen: Bei Berliner Treffen mit Pirat: Tortenattacke auf Guttenberg, Frankfurter Rundschau, 3. Februar 2012. Beim Bundesparteitag der Piraten im November 2012 reiste Wahlleiter Urbach vorzeitig ab und erklärte: „Das ist nicht meine Partei.“Petra Sorge: Piraten-Wahlleiter: „Das ist nicht meine Partei“, Cicero, 26. November 2012. Für die Bundestagswahl 2013 wurde Urbach auf Platz 11 der Landesliste gewählt, gab jedoch im April 2013 seinen Parteiaustritt und den Verzicht auf seinen Listenplatz bekannt.
Im Jahr 2012 unterstützte Urbach die Flüchtlinge auf dem Pariser Platz am Brandenburger Tor und später auf dem Oranienplatz in Berlin und wurde daraufhin Opfer einer Attacke von Neo-Nazis.
Für die Hommage Ein Tag mit … Sibylle Berg und Freunden inszenierte er zusammen mit Tina Lorenz im Oktober 2013 am Haus der Theaterfestspiele in Berlin die Installation Die Hackers. Im April 2014 hielt er Vorträge am MIT Center for Civic Society, am Berkman Center for Internet & Society und beim Information Society Project der Yale Law School über Technologie, Revolutionen und Überwachung. Im Juni 2014 schrieb er die Kolumne Dinge & Angelegenheiten für das Blank-Magazin, es blieb allerdings bei einer Ausgabe.
Im August 2016 sprach sich Urbach in einem Interview mit der HIV-Präventionskampagne Hessen ist geil gegen die Stigmatisierung HIV-positiver Menschen aus und kritisierte die existierenden Kampagnen.Björn Beck: Stirb an deinem Superaids! Präventionsprojekt "Hessen ist geil" der AIDS-Hilfe Hessen, 12. August 2016
Ab 2018 betrieb er nebenberuflich den Ach je Verlag mit dem Anspruch, „(junge) Autorinnen sichtbarer zu machen, die unterrepräsentierten Gruppen angehören und/oder Texte abseits der goßen Publikumsverlage produzieren“. Der Verlag wurde 2021 vom Amrûn Verlag übernommen und wird als Imprint weiter geführt.
Von Juli 2022 bis Juni 2023 schrieb Urbach die Kolumne Kann Hetenfeindlichkeit enthalten, die auf dem netzpolitischen Blog Netzpolitik.org erschien.Jascha Urbach: Ende nicht gut, 18. Juni 2023
Veröffentlichungen .NEUSTART: Aus dem Leben eines Netzaktivisten. Knaur, München 2015, ISBN 978-3-426-78729-8 (). Beyond the Gate. Kurzgeschichte. In: Christian Vogt (Hrsg.): Ace in Space – Trident. Ach je, Berlin 2021, ISBN 978-3-947720-76-7, S. 90–99.
Weblinks
Persönliches Blog Urbachs Beiträge bei Netzpolitik.org
Podcast von Thilo Jahn: Stephan Urbach: „Ich war besessen vom Helfen“. In: Deutschlandfunk Nova. 23. Mai 2015 (43:54 Minuten; Reihe Redaktionskonferenz). Torsten Kleinz: Blackout: Mit Modems und Funkgeräten gegen die Zensur. In: Zeit Online. 1. Februar 2011.
Einzelnachweise
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